{"id":18169,"date":"2003-01-17T13:40:35","date_gmt":"2003-01-17T13:40:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bohnenzeitung.com\/2003\/01\/neue-bohnen-zeitung-128\/"},"modified":"2022-10-03T16:24:16","modified_gmt":"2022-10-03T14:24:16","slug":"neue-bohnen-zeitung-128","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/neue-bohnen-zeitung-128\/","title":{"rendered":"Neue Bohnen Zeitung"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>                              <br \/>               KRITISCH BETRACHTET<br \/>                              von                                                            <a href=\"mailto:vivienne@bohnenzeitung.com\">               Vivienne<\/a>\u00a0                &#8211;\u00a0 November 2003<\/strong><\/p>\n<hr\/>\n<p><strong>                              <br \/>Macht und Ohnmacht des \u00d6GB<\/strong><\/p>\n<p>                              Aus den umstrittenen Streiks der                \u00d6BB ist \u00d6GB-Chef Fritz                Verzetnitsch gest\u00e4rkt hervorgegangen. Auch bei den Streiks der                AUA-Angestellten vermittelte er und erreichte mit seinem                Engagement, dass die Arbeit wieder aufgenommen wurde. Im Report                war ihm k\u00fcrzlich auch ein eigener Beitrag gewidmet, in dem                demonstriert wurde, wie sehr Verzetnitsch bei inneren Machtk\u00e4mpfen                von diesen Erfolgen zehren konnte und kann. Wider Erwarten haben                die \u00d6BB durch diese Sch\u00fctzenhilfe also auch sehr viel erreicht,                und die Regierung\u00a0 konnte ausnahmsweise \u0084nicht wie mit dem Zug                dr\u00fcberfahren\u0093, wie sie es so oft zuvor allein in diesem Jahr                vorexerziert hat. Der \u00d6GB hat wieder H\u00f6rner gezeigt, was ich nicht                \u00fcbel finde, weil die SP\u00d6 selber aus dem \u0084Lawinenverhalten\u0093 der                schwarzblauen Regierung, die alles \u00fcberrollt, selber ja kein                Kapital schlagen kann. Erst jetzt der \u00d6GB scheint die Position                eines ernst zu nehmenden Widerparts zur Mitte-Rechts-Regierung                Wolfgangs Sch\u00fcssel eingenommen zu haben.<\/p>\n<p>                              Und trotzdem bleibt bei mir ein                schaler Geschmack. In gewerkschaftlich stark organisierten                Betrieben wie eben den \u00d6BB tritt die Gewerkschaft eisern auf \u0096 und                das mit Erfolg. Dass sich in anderen, kleineren Betrieben in                \u00d6sterreich aber um Arbeitnehmer Geschichten abspielen, die                teilweise zumindest wie moderne Sklaverei anmuten oder fast wie                ein schlechter Scherz klingen, scheint sich in die H\u00f6hen der \u00d6GB                nicht herumgesprochen zu haben. Oder aber man hat dort diese                eklatanten Arbeitsrechtverletzungen zur Kenntnis genommen und                resigniert&#8230;<\/p>\n<p>                              Ein paar Beispiele gef\u00e4llig?<\/p>\n<p>                              Beispiel Nr. 1: Im Zentrum von Linz                steht ein gro\u00dfes Call Center. Rund um die Uhr arbeiten die                Angestellten dort, auch Sonn- und Feiertag. Schon dass diese 10                \u00dcberstunden im Monat unbezahlt leisten m\u00fcssen, ohne sich dagegen                wehren zu k\u00f6nnen, weil jene kostenlose Arbeitszeit von der                Firmenleitung fix eingeplant wird, scheint im 21. Jahrhundert fast                unglaublich, ist aber nichts desto Trotz wahr. Ebenso kaum                nachvollziehbar sind die Fakten, dass es f\u00fcr die Agents keine                Sonn- oder Feiertagszuschl\u00e4ge gibt und jeder von ihnen bereit sein                muss, auch kurzfristig alle Wochenendpl\u00e4ne zu begraben, wenn Not                am Mann oder an der Frau ist. Kaum ein Vollzeitbesch\u00e4ftigter geht                dort im Normalfall unter 46 \u0096 48 Stunden in der Woche heim.                <\/p>\n<p>                              Alle Versuche engagierter Leute,                sich in der Firma wegen eines Betriebsrates zu bem\u00fchen, werden von                der Firmenleitung\u00a0 brutalst unterdr\u00fcckt. Wer auf diese verwegene                Idee kommt, darf sich schneller um einen neuen Job bem\u00fchen, als er                schauen kann. Die Arbeitsvertr\u00e4ge spotten jeder Kritik und sind                selbst f\u00fcr AK-Experten schwer durchschaubar. Der \u00dcberhammer jedoch                an diesen Zust\u00e4nden, die\u00a0 sprichw\u00f6rtlich ans \u0084alte Rom\u0093 gemahnen:                Das AMS wei\u00df genau Bescheid und vermittelt trotzdem Arbeitslose en                masse an diesen Betrieb. Und wenn man die Leute nur f\u00fcr ein paar                Monate vermitteln kann \u0096 die Fluktuation ist nat\u00fcrlich enorm \u0096                sieht man \u00fcber diese groben Arbeitsrechtsverletzungen hinweg. Auch                die AK nahm trotz der bekannten Umst\u00e4nde f\u00fcr seine Hotlines immer                wieder die Dienste des Unternehmens in Anspruch<\/p>\n<p>                              Beispiel Nr. 2: Ein bekannter                \u00f6sterreichischer Gro\u00dfhandelsriese mit Filialen in jedem Bundesland                besitzt ebenfalls die \u0084Lizenz zum Gesetzesbruch\u0093: Ein Mitarbeiter                und seine Frau, beide schon \u00fcber 10 Jahre in der Firma, bekamen                das im heurigen Sommer zu sp\u00fcren. Die Frau st\u00fcrzte vor ein paar                Monaten und verletzte sich am Kn\u00f6chel. Sie bagatellisierte die                Blessur am Anfang, doch in der Nacht wurden die Schmerzen                unertr\u00e4glich. In der Fr\u00fch rief ihr Mann in der Firma ordnungsgem\u00e4\u00df                an, erz\u00e4hlte den Sachverhalt und brachte seien Gattin ins                Unfallkrankenhaus. Dort wurde ein Kn\u00f6chelbruch diagnostiziert,                weshalb der langj\u00e4hrige Mitarbeiter mit etwas Versp\u00e4tung in die                Firma kam. Aber kein bisschen Verst\u00e4ndnis von Seiten des Chef, der                ihn im Gegenteil wie einen Rotzbuben behandelte, ihn trotz \u00fcber                120 \u00dcberstunden zwang, die Zeit im Spital hereinzuarbeiten (!) und                sich sogar beim Betriebsrat erkundigte, ob es eine gesetzliche                Handhabe g\u00e4be, den Mitarbeiter deswegen fristlos zu entlassen!                Apropos Betriebsrat: seine Vorg\u00e4ngerin, die \u00fcber 10 Jahre ihre                Position innehatte, genoss alle Vorteile, weil sie \u00fcber Jahre das                Bett mit dem Leiter des Unternehmens teilte \u0096 wovon \u00fcbrigens jeder                in der Firma wusste&#8230;<\/p>\n<p>                              Es g\u00e4be vermutlich endlos Vieles in                dieser Richtung zu erz\u00e4hlen. Schade halt, dass der Gewerkschaft                nur ihre gro\u00dfen Bastionen wirklich wichtig sind. Firmen wie die                obige angef\u00fchrten fallen durch den Rost und \u0084Zust\u00e4nde wie vor 100                Jahren\u0093 feiern fr\u00f6hliche Urst\u00e4nde. Gemeinsam sind wir stark? Im                Grunde ist in solchen Unternehmen jeder auf sich selbst angewiesen                und ertr\u00e4gt halt alles, solange es die pers\u00f6nliche Schmerzgrenze                zul\u00e4sst. Von den Arbeitnehmervertretern kann man sich nicht                wirklich erwarten, auch nicht vom                \u00d6GB. Man argumentiert dort, man unterst\u00fctze nur die, die                entsprechend gewerkschaftlich engagiert sind, und das wissen                gen\u00fcgend Betriebe zu verhindern.\u00a0<\/p>\n<p>                              <a href=\"mailto:vivienne@bohnenzeitung.com?subject=Leserbrief\">               Vivienne<\/a><\/p>\n<p>               Link:                           Alle            Beitr\u00e4ge von Vivienne<\/p>\n<p>\u00a0        <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>KRITISCH BETRACHTET von Vivienne&nbsp; &ndash;&nbsp; November 2003 Macht und Ohnmacht des &Ouml;GB Aus den umstrittenen Streiks der &Ouml;BB ist &Ouml;GB-Chef &#8230; <\/p>\n<p class=\"read-more-container\"><a title=\"Neue Bohnen Zeitung\" class=\"read-more button\" href=\"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/neue-bohnen-zeitung-128\/#more-18169\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber Neue Bohnen Zeitung\">Weiter<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":28639,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-18169","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kritisch-betrachtet","generate-columns","tablet-grid-50","mobile-grid-100","grid-parent","grid-50","resize-featured-image"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18169","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=18169"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18169\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":31978,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18169\/revisions\/31978"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media\/28639"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=18169"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=18169"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=18169"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}