{"id":18177,"date":"2003-01-17T13:40:35","date_gmt":"2003-01-17T13:40:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bohnenzeitung.com\/2003\/01\/neue-bohnen-zeitung-136\/"},"modified":"2022-10-03T16:24:16","modified_gmt":"2022-10-03T14:24:16","slug":"neue-bohnen-zeitung-136","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/neue-bohnen-zeitung-136\/","title":{"rendered":"Neue Bohnen Zeitung"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>                              <br \/>               KRITISCH BETRACHTET<br \/>                              von                                                            <a href=\"mailto:vivienne@bohnenzeitung.com\">               Vivienne<\/a>\u00a0                &#8211;\u00a0 Oktober 2003<\/strong><\/p>\n<hr\/>\n<p><strong>                              <br \/>Das schwarz-gr\u00fcne Experiment<\/strong><\/p>\n<p>                              Gestern wurde in Ober\u00f6sterreich                politische Geschichte geschrieben. Die Gr\u00fcnen unter Rudi Anschober                beschlossen nach einer langen n\u00e4chtlichen Diskussion, mit der \u00d6VP                eine \u0084Vernunftehe\u0093 einzugehen. F\u00fcr Nicht-Ober\u00f6stereicher ein                kurzer Rapport wie es dazu kam: Am Sonntag, den 28. September,                fanden in Ober\u00f6sterreich Landtagswahlen statt. Die \u00d6VP unter Josef                P\u00fchringer, die de facto seit Menschengedenken den Landeshauptmann                stellt, konnte zwar ihren Stimmenanteil leicht erh\u00f6hen, das Gros                der von der inferioren FP\u00d6 abgewanderten W\u00e4hler, unterst\u00fctzte                jedoch die Sozialdemokraten, deren Erich Haider sich \u00fcber geradezu                sensationelle zweistellige Zuw\u00e4chse freuen durfte.                <\/p>\n<p>                              Wenige Monate zuvor war gerade ihm                noch Farblosigkeit und mangelndes Charisma vorgeworfen worden, nun                konnte sich die Partei mit ihm \u00fcber ein historisches Ergebnis                freuen, wenn gleich man nicht vergessen darf: Bundeskanzler                Sch\u00fcssel hatte mit dem Verkauf der VOEST mitten im Wahlkampf                seinen Parteigenossen keinen Gefallen getan und die Stimmen- und                Mandatsverteilung bei dieser Wahl zum Nachteil der \u00d6VP                beeinflusst. W\u00e4hrend nun alles an eine Fortf\u00fchrung des                schwarz-roten Paktes glaubte, der in Ober\u00f6sterreich immerhin 57                Jahre hielt, pokerte Haider anscheinend doch zu hoch, die                Verhandlungen scheiterten schlie\u00dflich. Mangels FP\u00d6-Power wurden                die Gr\u00fcnen nun zum \u0084Meistermacher\u0093, und was vermutlich nicht\u00a0                unbedingt alle politisch Interessierten vorher erwartet hatten,                traf ein: Die Gr\u00fcnen \u0096 vor die Wahl zwischen\u00a0 Rot und Schwarz                gestellt \u0096 entscheiden sich gegen Haider und die SP\u00d6 und werden in                Hinkunft die \u00d6VP unterst\u00fctzen. P\u00fchringer bleibt also                Landeshauptmann.<\/p>\n<p>                              In welchem Gesamtkontext darf man                nun dieses kleine politische Erdbeben verstehen? Da gibt es einige                Aspekte, die ich aufzeigen m\u00f6chte und m\u00f6glicherweise bewahrheitet                sich der eine oder andere. P\u00fchringer                halt                in der \u00d6VP so wie sein nieder\u00f6sterreichischer\u00a0 Amtskollege Pr\u00f6ll                immer als Verfechter einer gro\u00dfen Koalition, im Gegensatz zu                Kanzler Sch\u00fcssel, der mit seiner konsequenten Ausgrenzung der SP\u00d6                von einer m\u00f6glichen Koalition ja so etwas wie einen privaten                Rachefeldzug f\u00fchrt: zu viel wurde ihm und der Partei ja \u0096 seiner                Meinung nach \u0096 von der SP\u00d6 in den 90er Jahren angetan. Doch mit                dieser unerwarteten Rochade in Ober\u00f6sterreich wurde Sch\u00fcssels                Anti-SP\u00d6-Position indirekt gest\u00e4rkt und m\u00f6glicherweise ein Weg                angedeutet, wie Sch\u00fcssels Machtposition auch in Zukunft, nach dem                zu erwartenden politischen Tod der FP\u00d6, weitergef\u00fchrt werden                k\u00f6nnte: n\u00e4mlich mit den Gr\u00fcnen.<\/p>\n<p>                              Schon im letzten Winter, in den                sich endlos ziehenden Koalitionsverhandlungen der Bundes-\u00d6VP hatte                es Gespr\u00e4che mit den Gr\u00fcnen unter Alexander van der Bellen                gegeben. Zwar scheiterten diese damals noch, aber die M\u00f6glichkeit                wurde zumindest erstmals ins Auge gefasst. Schwarz-Gr\u00fcne                Koalitionen gibt es auf Landes- oder Bundesebene in ganz Europa                nicht, lediglich im Stadtsenat von K\u00f6ln haben sich Konservative                und Gr\u00fcne schon vor ein paar Jahren zu einer Pflichtallianz                zusammengerauft um die anstehenden Probleme effizient und Schulter                an Schulter l\u00f6sen zu k\u00f6nnen. Keine leidenschaftliche Liebe in                jedem Fall, aber ein solides Arbeitsverh\u00e4ltnis.<\/p>\n<p>                              Was darf sich nun Ober\u00f6sterreich                von Schwarz-Gr\u00fcn erwarten? Jedenfalls keine blitzartigen                Ver\u00e4nderungen. Anschobers Crew muss auch erst einmal in ihre                Aufgabe hineinwachsen und hat trotz beachtlichen Erfolgs bei der                Wahl vor fast vier Wochen sicher nicht die Druckmittel bei der                Hand, die vermeintlich Erich Haider zu haben glaubte \u0096 aus der                Position des Wahlsiegers heraus. Ich jedenfalls erhoffe mir, dass                die Gr\u00fcnen vor allem ihren brennenden \u00f6kologischen Anliegen (Das                Energieressort zum Beispiel wird in Zukunft von den Gr\u00fcnen                betreut!) mehr Gewicht verleihen k\u00f6nnen. Das w\u00e4re nicht nur                wichtig sondern ein elementares Anliegen vieler Landsleute.<\/p>\n<p>                              Was wird nun aus der SP\u00d6? Erich                Haider d\u00fcrfte stark an dieser pers\u00f6nlichen Niederlage zu kauen                haben, hat er doch mit dem Posten des Landeshauptmanns schon                gelieb\u00e4ugelt. Im Moment k\u00f6nnen er und seine Genossen nicht mehr                tun als auf baldige Streitereien zwischen den neuen \u0084Eheleuten\u0093 zu                hoffen. Erneut eine Niederlage f\u00fcr die SP\u00d6, die &#8211; speziell                bundesweit betrachtet \u0096 nach den sieben fetten Jahren nun ein                mageres Jahr nach dem anderen \u00fcberwinden muss. Kein Ende                abzusehen, auch wenn durch taktische Fehleinsch\u00e4tzungen in der                Bundes-\u00d6VP (Beispiel Voest, Beispiel Pensionsreform), die \u00fcber die                H\u00e4upter der Betroffenen hinweg Reformen, die sicher in der einen                oder anderen Form notwendig gewesen sind, beinhart oktruierten,                verlorenes Terrain wieder aufgeholt werden konnte. Doch im Moment                kann die SP\u00d6 aus solchen Fehlern des politischen Gegners einfach                nicht wirklich profitieren&#8230;<\/p>\n<p>                              Und wie steht die \u00d6VP nun nach                diesem einzigartigen Pakt da? Auch die eigenen Leute sind mit                dieser Koalition nicht unbedingt gl\u00fccklich (Wie Landesrat Fill,                der der Partei unter anderem deswegen jetzt den R\u00fccken kehrt),                aber mangels passender Alternativen hat man in den sauren                (gr\u00fcnen?) Apfel gebissen. Die Vors\u00e4tze sind sicher auf beiden                Seiten die besten, und wir k\u00f6nnen nur hoffen, dass sich dieser                neue Wege bew\u00e4hrt und nicht nur bis zur n\u00e4chsten Wahl h\u00e4lt sondern                dem Land auch den frischen Wind und die neuen Ideen bringt, die                unter diesem gemeinschaftlichen Dach durchaus m\u00f6glich scheinen:                nicht aus politischer R\u00e4son sondern f\u00fcr die Leute in                Ober\u00f6sterreich.<\/p>\n<p>               <a href=\"mailto:vivienne@bohnenzeitung.com?subject=Leserbrief\">Vivienne<\/a><\/p>\n<p>               \u00a0<\/p>\n<p>               Link:                           Alle            Beitr\u00e4ge von Vivienne<\/p>\n<p>\u00a0        <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>KRITISCH BETRACHTET von Vivienne&nbsp; &ndash;&nbsp; Oktober 2003 Das schwarz-gr&uuml;ne Experiment Gestern wurde in Ober&ouml;sterreich politische Geschichte geschrieben. 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