{"id":18188,"date":"2003-01-17T13:40:35","date_gmt":"2003-01-17T13:40:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bohnenzeitung.com\/2003\/01\/neue-bohnen-zeitung-147\/"},"modified":"2022-10-03T16:24:17","modified_gmt":"2022-10-03T14:24:17","slug":"neue-bohnen-zeitung-147","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/neue-bohnen-zeitung-147\/","title":{"rendered":"Neue Bohnen Zeitung"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>                              <br \/>               KRITISCH BETRACHTET<br \/>                              von                                                            <a href=\"mailto:vivienne@bohnenzeitung.com\">               Vivienne<\/a>\u00a0                &#8211;\u00a0 August                2003<\/strong><\/p>\n<hr\/>\n<p><strong>                              <br \/>Viel L\u00e4rm um nichts!<\/strong><\/p>\n<p>               Vor bald 20 Jahren, bald nach                meiner Matura, hatte es mich f\u00fcr einige Zeit nach Salzburg                verschlagen. Ich hatte hochtrabende Pl\u00e4ne damals, die ich aber                irgendwie in der sch\u00f6nen Festspielstadt aus den Augen verlor. Nach                fast drei Jahren kehrte ich der Stadt wieder den R\u00fccken. Was                blieb, waren ein paar Freundschaften (wie etwa zu einer                Amerikanerin, mit der ich selbst jetzt noch hin und wieder via                Email verkehre) und Erinnerungen an Reisebusse mit ganzen                Heerscharen von begeisterten Japanern, an hohe Preise im Cafe oder                an eine beeindruckende Jedermann-Auff\u00fchrung am Salzburger                Residenzplatz. Leben m\u00f6chte ich in der Mozartstadt nicht mehr,                weil ich ohnedies kein Stadtmensch bin aber die paar Jahre dort                m\u00f6chte ich in gewisser Weise trotzdem nicht missen.<\/p>\n<p>               Unl\u00e4ngst wurde ich wieder in                Gedanken an die Zeit in Salzburg versetzt. Die Salzburger                Festspiele wurden ja er\u00f6ffnet und hatten bald einen handfesten                Skandal, der durch alle Medien ging. Die Gruppe \u0084Gelatin\u0093 hatte im                Zuge der Festspiele eine riesige M\u00e4nnerskulptur geschaffen: nackt                und deshalb mit einem riesigen erigierten Penis ausgestattet, aus                dem sinniger Weise auch noch Wasser spritzte. <b>Der Erfolg eines                Kunstwerkes ist auch immer so gro\u00df, wie das Aufsehen, das es                erregt<\/b> und gemessen daran hatte dieses Objekt einen gro\u00dfen                Erfolg. Die ganzen Streitereien bis hin zur Holzverkleidung, mit                der man schlie\u00dflich Neugierigen, Interessenten und Entsetzten den                Blick auf die \u0084schamlose\u0093 Statue nahm, hatten nur die sicher nicht                beabsichtigte Auswirkung, dass dieses Kunstwerk nun in jedermanns                Mund war und der \u0084Skandal\u0093 auch im benachbarten Ausland gro\u00dfe                Wellen schlug.<\/p>\n<\/p>\n<p>               Nat\u00fcrlich stellt sich da zuerst die                Frage: <b>war so eine nackte Statue wirklich notwendig?<\/b> Meine                Antwort ist, notwendig war sie bei Gott nicht, aber nicht alles,                was nicht unbedingt notwendig ist, stellt deshalb auch eine                Erregung \u00f6ffentlichen \u00c4rgernisses dar. Der Aufstand um dieses                Projekt der Gruppe \u0084Gelatin\u0093 war zun\u00e4chst einmal &#8211; oberfl\u00e4chlich                betrachtet \u0096 l\u00e4cherlich, denn wie kann sich heutzutage noch jemand                wegen einer nackten M\u00e4nnerskulptur ernsthaft aufregen? Schon von                den R\u00f6mern sind sehr freiz\u00fcgige Kunstwerke \u00fcberliefert, in denen                die prim\u00e4ren Geschlechtsmerkmale eindeutig (und manchmal auch                sexuelle Handlungen!) dargestellt sind. Seien Sie ehrlich, in                Museen, Ausstellungen oder Vernissagen gibt es \u00a0von je her sehr                viel nackte Haut zu bestaunen, weil der nackte K\u00f6rper von Mann                oder Frau f\u00fcr die K\u00fcnstler in allen Jahrhunderten eine gro\u00dfe                Faszination ausge\u00fcbt hat. Besuchen Sie doch einmal eine                Kunstuniversit\u00e4t! Jedes Kind im wahrsten Sinn des Wortes wei\u00df im                Grunde schon vom Fernsehen (oder aus der Bravo, bei mir war es ja                nicht anders!) wie eine nackte Frau oder ein nackter Mann                aussieht. Wo liegt also das Problem?<\/p>\n<p>               Wirft sich die n\u00e4chste Frage auf:                gut, an der Nacktheit der Skulptur kann man sich nicht ernsthaft                sto\u00dfen, <b>aber kann man so ein Objekt ernsthaft als Kunst                verkaufen<\/b>? Meine Antwort ist: Warum nicht? An dieser Stelle                k\u00f6nnte man wieder die alte Diskussion \u0084Was ist Kunst\u0093 \u00fcberhaupt                beginnen? Muss Kunst sch\u00f6n sein, gef\u00e4llig anzusehen oder schamhaft                und bieder? Wenn wir ehrlich sind, auch das alles war Kunst nie                oder nie allein. Mir f\u00e4llt in dem Zusammenhang immer als erstes                Egon Schiele ein, der zu seiner Zeit heftig angefeindet wurde,                sich aber als einer der ersten getraut hat, bei seinen Arbeiten                weiter als die meisten seiner Zeitgenossen zu gehen, der neue Wege                beschritt, innovativ war. Gerade er wurde f\u00fcr seinen Mut                \u0084bestraft\u0093 und er konnte den sp\u00e4teren Erfolg seiner Werke nicht                mehr miterleben. Ein typisch \u00f6sterreichisches Schicksal&#8230; Ich                habe so meine eigene Definition von Kunst entwickelt, die ich                Ihnen nicht vorenthalten m\u00f6chte, aber dazu etwas sp\u00e4ter.                <\/p>\n<p>               Die n\u00e4chste<\/p>\n<p>               \u00dcberlegung in diesem Zusammenhang dr\u00e4ngt               sich auf: <b>Wer sagt, was Kunst ist?<\/b> <b>Darf Kunst zensuriert                werden, beschnitten, eingeengt?<\/b> Kunst ist ein weites Feld,                keine Frage, aber Kunst setzt auch immer Kreativit\u00e4t voraus und                die M\u00f6glichkeit, seine Ideen und Vorstellungen darin zu                verwirklichen. Da darf auch niemand anderer daran etwas \u00e4ndern                au\u00dfer dem K\u00fcnstler selber: es sind seine Visionen, die darin                stecken. Au\u00dferdem ist ein Gem\u00e4lde kein Deutschaufsatz, das z.Bsp.                die Kritiker nach strengen, festen Regeln in ein Schema, in einen                Rahmen pressen k\u00f6nnen: niemand bestimmt was Kunst ist. Unselige                Versuche in der Vergangenheit (3. Reich), Kunst etwa in gut und                entartet zu unterteilen, haben nicht nur unz\u00e4hlige K\u00fcnstler zur                Emigration gezwungen, nein, es wurden auch viele gro\u00dfartige Werke                deshalb sinnlos vernichtet. Auf eine Wiederholung derartiger                Willk\u00fcr legt eigentlich kein zivilisierter Mensch wert. Die Kunst                soll frei sein, sonst kann sie nicht erbl\u00fchen, sonst kann sie sich                nicht entfalten. Zwang oder Einschr\u00e4nkung t\u00f6ten die Kunst, so wie                sie sein soll.               <\/p>\n<p>               Daraus ergibt sich nun die Frage:               <b>woraus ergibt sich dann, was Kunst ist?<\/b> An dieser Stelle                m\u00f6chte ich nun gerne meine eigene Definition von Kunst erl\u00e4utern:               <b><i>Kunst ist, wenn sich ein oder mehrere fantasievolle K\u00f6pfe                kraft ihrer Kreativit\u00e4t ein Objekt schaffen (dabei ist alles                m\u00f6glich) hinter dem eine Aussage steht oder mit der sie die                Menschen zum Nachdenken oder Diskutieren anregen wollen.<\/i><\/b>                Sie sehen also: Kunst muss nicht vorrangig sch\u00f6n sein, sie ist das                und noch viel mehr &#8211; sie hat so viele Spielarten wie es Menschen                gibt, die sich damit auseinander setzen. Was der K\u00fcnstler selber                mit einem Werk ausdr\u00fccken m\u00f6chte, muss nicht zwangsl\u00e4ufig f\u00fcr                jeden, der sich das Gem\u00e4lde ansieht bindend sein: der eine sieht                die kraftvollen Farben, der andere die feine Pinself\u00fchrung und der                dritte sp\u00fcrt f\u00fcr sich eine gewisse Harmonie, die davon ausgeht und                die ihn gefangen nimmt. Das ist das Sch\u00f6ne an der Kunst, <b>jeder                bestimmt selber, was f\u00fcr ihn Kunst ist<\/b> \u0096 das ist auch                Meinungsfreiheit \u0096 ohne dabei wertend zu sein. Kunst kann also                gefallen oder auch nicht, aber sie steht immer f\u00fcr sich selbst.<\/p>\n<p>               Kommen wir zu unserem nackten Mann                nach Salzburg zur\u00fcck: mittlerweile steht er nicht mehr (im                wahrsten Sinn des Wortes) und das ist schade, finde ich, den er                hat mir immer ein Schmunzeln entlockt. Der ganze Medienrummel war                ein Sturm im Wasserglas mit viel zu viel Tamtam wegen einer                nackten Statue in \u0096 zugegeben &#8211; etwas provokanter Pose. Ob nun                wirklich der B\u00fcrgermeister der Stadt Salzburg deshalb so erbost                \u00fcber das Kunstwerk war, weil ihn wom\u00f6glich angesichts einer                gewissen un\u00fcbersehbaren Gr\u00f6\u00dfe \u0084Penisneid\u0093 erfasst hat, wie man ihm                teilweise in den Medien unterstellte, \u00fcberlasse ich Ihnen und                Ihren \u00dcberlegungen. Sie konnten sich in der Berichterstattung                sicher ein Bild von dem Herrn machen, also lassen Sie Ihrer                Fantasie ungeniert\u00a0 freien Lauf! Auch das ist Kunst, meint<\/p>\n<p>               Vivienne<\/p>\n<p>               Link:                           Alle            Beitr\u00e4ge von Vivienne<\/p>\n<p>\u00a0        <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>KRITISCH BETRACHTET von Vivienne&nbsp; &ndash;&nbsp; August 2003 Viel L&auml;rm um nichts! Vor bald 20 Jahren, bald nach meiner Matura, hatte &#8230; <\/p>\n<p class=\"read-more-container\"><a title=\"Neue Bohnen Zeitung\" class=\"read-more button\" href=\"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/neue-bohnen-zeitung-147\/#more-18188\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber Neue Bohnen Zeitung\">Weiter<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":28639,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-18188","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kritisch-betrachtet","generate-columns","tablet-grid-50","mobile-grid-100","grid-parent","grid-50","resize-featured-image"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18188","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=18188"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18188\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media\/28639"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=18188"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=18188"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=18188"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}