{"id":18218,"date":"2004-01-17T13:40:35","date_gmt":"2004-01-17T13:40:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bohnenzeitung.com\/2004\/01\/neue-bohnen-zeitung-177\/"},"modified":"2022-10-03T16:24:19","modified_gmt":"2022-10-03T14:24:19","slug":"neue-bohnen-zeitung-177","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/neue-bohnen-zeitung-177\/","title":{"rendered":"Neue Bohnen Zeitung"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>                              <br \/>                              von                                                            <a href=\"mailto:vivienne@bohnenzeitung.com\">               Vivienne<\/a>\u00a0                &#8211;\u00a0 Juni 2004<\/strong><\/p>\n<hr\/>\n<p><strong>                              <br \/>Der Ruhm eines Stars<\/strong><\/p>\n<p>                              Das 20. Jahrhundert hat sie mit der Erfindung bzw. der                Weiterentwicklung von Film- und Tontr\u00e4gern und neuen Medien erst                m\u00f6glich gemacht: Stars hielten Einzug in unser Leben \u0096 aus                unz\u00e4hligen Branchen: Film, Musik (E wie U), Sport, Literatur,                Alter Adel, K\u00f6nigsh\u00e4user,\u0085 Dieses Startum entwickelte eine                derartige Eigendynamik, die kaum jemand vorhergesehen h\u00e4tte.                Fanclubs entstanden, die Regenbogenpresse begann sich (in sp\u00e4terer                Folge mit ihren l\u00e4stigen Paparazzies) in allen Einzelheiten mit                dieser Spezies auseinander zu setzen. Ein Star zu sein erschien so                verlockend und begehrenswert, dass viele \u0096 wenn sie schon selber                nicht Karriere machten \u0096 so wenigstens Teil haben wollten am Leben                ihrer Lieblinge.<\/p>\n<p>                              Ein Star wird umjubelt, ein Star ist reich, gl\u00fccklich und so                erfolgreich! Ja, vielleicht, irgendwann einmal in seiner Karriere,                aber l\u00e4ngst nicht immer. Ganz im Gegenteil. Schon fr\u00fch wurde den                Angehimmelten bewusst, wie schwer es ist, mit dem Erfolg fertig zu                werden, vor allem mit den Fans, mit dem \u00f6ffentlichen Privatleben                und dem Druck, weiter erfolgreich sein zu m\u00fcssen. Der Erfolg von                Filmen, CD\u0092s oder Songs bzw. Romanen l\u00e4sst sich nicht                vorausplanen. Und der Ruhm hat es trotz seines unangenehmen                Beigeschmacks an sich, das er s\u00fcchtig macht, s\u00fcchtig nach mehr \u0096                nicht anders als Kokain.<\/p>\n<p>                              Das Dilemma eines Stars. Den exzessiven Lebensstil weiter zu                finanzieren, geschiedene Lebenspartner finanziell abzugelten, und                weiter dem enormen Druck durch Anh\u00e4nger, Produzenten, Regisseure                oder Songwriter, etc\u0085 standzuhalten. Nicht wenige scheitern mit                ihrem Leben, wenn der Erfolg ausbleibt. Trotz aller seiner                Nebenwirkungen. Sind ja teilweise wirklich harte Bandagen, wenn                man von berufsm\u00e4\u00dfigen Mistk\u00fcbelklaubern, bestochenem Personal oder                einfallsreichen Fotographen\u00a0 blo\u00dfgestellt wird. Jeder kleine Krach                in der Beziehung zur Trag\u00f6die hochstilisiert wird, ebenso wie ein                ganz harmloses Abendessen mit einem den Medien unbekannten Mann                (oder einer unbekannten Frau) an der Seite.<\/p>\n<p>                              Teilweise kann ich durchaus nachvollziehen, dass ein Ernst August                von Hannover Parasiten wie den oben aufgez\u00e4hlten nicht nur verbal                sondern auch handgreiflich klar machen m\u00f6chte, dass sich jene                Herrschaften an ihre Grenzen halten sollten. Allein, die Wahl                seiner Mittel ist falsch, im 18: Jahrhundert\u00a0 h\u00e4tte man ihm                applaudiert, aber die moderne Gesetzgebung sch\u00fctzt nicht die                Privatsph\u00e4re einer \u0084\u00f6ffentlichen Person\u0093 sondern ahndet viel mehr                \u00dcbergriffe auf Mitarbeiter von stargeilen Medien \u0096 auch wenn sie                so penetrant wie ein Gelsenschwarm \u00fcber einen herfallen. Also                bl\u00fcht diese Sparte, auch wenn man von seri\u00f6ser Berichterstattung                in den Redaktionen wohl kaum reden kann.<\/p>\n<p>                              Was an derartig Uns\u00e4glichem gedruckt wird, wird auch gelesen, und                sei es noch so an den Haaren herbeigezogen. Beispiele gef\u00e4llig?                Prinz Charles m\u00fcsste schon l\u00e4ngst an Knochenkrebs verstorben sein,                wenn man einem bestimmten Blatt Glauben schenken d\u00fcrfte. Queen                Elizabeth wurde insgesamt 64 (!) Mal schwanger gemeldet \u0096 von                einer einzigen britischen Gazette. Vor mehr als einem Jahr titelte                eine \u0084gut informierte Zeitschrift\u0093, dass Andre Agassi seine Gattin                Steffi Graf st\u00e4ndig in der \u00d6ffentlichkeit dem\u00fctige \u0096 kaum zu                glauben, dass diese selbstbewusste Frau von diesem \u0084unm\u00f6glichen\u0093                Mann vor einem halben Jahr schon wieder ein Kind bekam. Es lebe                der Einfallsreichtum \u0096 und das schlechte Ged\u00e4chtnis der Leser!               <\/p>\n<p>                              Denn neugierig sind sie alle (Frauen vor allem bei Stars und Adel,                M\u00e4nner was Sportpers\u00f6nlichkeiten betrifft), und dem wird Rechnung                getragen. Und die Omniopr\u00e4senz in den Medien, die die                Ber\u00fchmtheiten quasi ins Wohnzimmer liefert, erh\u00f6ht auch die Zahl                der krankhaften Ausw\u00fcchse von Starruhm. Fans, die sich in ihre                Idole verlieben, diese bel\u00e4stigen, bedrohen oder beschatten bis                hin zum Psychoterror um an das Objekt der Begierde heranzukommen.                Kein so genannter Star m\u00f6chte das am eigenen Leib erleben, aber                ber\u00fchmt sein wollen sie alle, die kleinen, unbekannten                Schauspieler, die namenslosen Bands oder die zahllosen                Schreiberlinge, wie Ihre Vivienne, die von ihrem Durchbruch                tr\u00e4umen.<\/p>\n<p>                              Erfolg ist ein zweischneidiges Messer. F\u00fcr einen Film Weltruhm zu                erlangen oder vielleicht sogar einen Filmpreis zu gewinnen, macht                viel von dem Schwei\u00df und den Tr\u00e4nen wett, die bis dahin auf dem                steinigen Weg zum Olymp des Ruhms vergossen wurden. \u00c4hnlich liegt                der Fall bei einem K\u00fcnstler oder einem Rockmusiker. Trotzdem frage                ich mich immer wieder, ob es nicht auf lange Sicht der bessere Weg                ist, unbekannt und m\u00e4\u00dfig erfolgreich zu bleiben. Sich zwar in                seiner geliebten Materie zu engagieren ohne aber ehrgeizige Pl\u00e4ne,                zu den Gr\u00f6\u00dften der Gro\u00dfen zu geh\u00f6ren, zu entwickeln.<\/p>\n<p>                              Die Entscheidung muss nat\u00fcrlich jeder selber treffen, so weit                Ruhm, soweit Startum planbar ist. Sehr viele k\u00e4mpfen um den Platz                an der Sonne, ohne jede reelle Chance, weil halt im richtigen                Moment jemand anderer die wichtige Rolle (oder den Plattenvertrag)                bekam und einem damit den ersehnten Erfolg wegschnappte. Wie auch                immer \u0096 jeder, der in ein derartiges Fach dr\u00e4ngt tut es nicht ohne                den Hintergedanken, vielleicht irgendwann ganz oben zu stehen,                auch wenn ihm klar ist, dass er mit den gro\u00dfen Pl\u00e4nen auch                scheitern kann. In den USA gibt es so viele Nachwuchsschauspieler,                die bei Imbissen jobben, um sich \u00fcber Wasser zu halten\u0085<\/p>\n<p>                              Manch eine\/r von ihnen wird auch nur immer wieder in Pornofilmen                verbraten ohne je den ersehnten Oscar in Empfang nehmen zu k\u00f6nnen,                obwohl man m\u00f6glicherweise genau wei\u00df, dass man das Zeug dazu                h\u00e4tte. That\u0092s Life, nicht nur der Ruhm, auch der Hunger danach                machen s\u00fcchtig. Ich halte wenig vom Griff nach den Sternen, auch                wenn ich sie immer wieder gerne betrachte. Lieber stehe ich mit                beiden Beinen fest auf dem Boden und halte mich an Dinge, die                greifbar sind, logisch, machbar. Und wenn ich tr\u00e4ume, dann                h\u00f6chstens von der Liebe\u0085<\/p>\n<p>               <a href=\"mailto:vivienne@bohnenzeitung.com?subject=Leserbrief\">                                             Vivienne<\/a><\/p>\n<p>               Link:                           Alle            Beitr\u00e4ge von Vivienne<\/p>\n<p>\u00a0        <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Vivienne&nbsp; &ndash;&nbsp; Juni 2004 Der Ruhm eines Stars Das 20. 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