{"id":18224,"date":"2004-01-17T13:40:35","date_gmt":"2004-01-17T13:40:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bohnenzeitung.com\/2004\/01\/neue-bohnen-zeitung-183\/"},"modified":"2022-10-03T16:24:20","modified_gmt":"2022-10-03T14:24:20","slug":"neue-bohnen-zeitung-183","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/neue-bohnen-zeitung-183\/","title":{"rendered":"Neue Bohnen Zeitung"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>                              <br \/>                              von                                                            <a href=\"mailto:vivienne@bohnenzeitung.com\">               Vivienne<\/a>\u00a0                &#8211;\u00a0 August 2004<\/strong><\/p>\n<hr\/>\n<p><strong>                              <br \/>Die Charts rauf und runter&#8230;<\/strong><\/p>\n<p>                              Die Musikszene hat in diesen Tagen hart zu k\u00e4mpfen. Seid man mit                verschiedenen Programmen, aktuelle bis seltene Popsongs im Web                nicht nur online stellen kann sondern auch in CD-Qualit\u00e4t                herunterladen und auf Tontr\u00e4ger speichern kann, gehen die Verk\u00e4ufe                st\u00e4ndig zur\u00fcck. Ein so genannter Pop-Star hat es schon deshalb                nicht leicht. St\u00e4ndig unter Leistungsdruck, st\u00e4ndig (\u00e4u\u00dferlich wie                musikalisch) den Trends angepasst und immer jung, sch\u00f6n und sexy                zu sein, gleichg\u00fcltig, welches Geschlecht man hat, kann auch ganz                sch\u00f6n nerven. Von den netten, jungen Burschen und M\u00e4dels, die so                etwa im Teenageralter von einer Karriere im Rock- und Popbusiness                tr\u00e4umen, hat im Grunde keine\/r eine Ahnung, was auf ihn oder sie                zukommt. Man k\u00f6nnte die Erf\u00fcllung eines solchen \u0084Kinderwunsches\u0093                auch gerne mit einem Zitat aus dem \u0084Zauberlehrling\u0093 von Johann                Wolfgang von Goethe beschreiben: <i>\u0084&#8230;die ich rief die Geister,                werd ich nun nicht los<\/i>!\u0093<\/p>\n<p>               Es                ist ein Fluch, ein Star zu sein und sicher nicht ohne Grund halten                sich nur sehr wenige in der Szene l\u00e4ngere Zeit oben. Unbeschadet                tut das keiner, selbst ein Megastar wie Madonna hat vor Jahren                schon zugegeben, von ihrem Management zu einer Abtreibung gen\u00f6tigt                worden zu sein, weil die italienischst\u00e4mmige Entertainerin in der                Zeit der Schwangerschaft dann nicht zur Verf\u00fcgung gestanden w\u00e4re:                f\u00fcr die Aufnahmen von neuen Songs, f\u00fcr Konzerte, f\u00fcr PR-Gigs, etc.                Was die unerwarteten Folgen sind, wenn man so aus dem Nichts einen                riesigen Charterfolg einspielt, werden O-Zone, die den Sommerhit \u0084Dragostea                din tei\u0093 an die Spitze der Hitparaden in ganz Europa gef\u00fchrt                haben, begreifen, wenn das Feiern nach dem Sensationserfolg zu                Ende ist und die ganze Welt auf einen Nachfolgehit wartet. In der                nicht gerade beneidenswerten Situation befanden sich schon viele                Acts in den letzen Jahrzehnten und viele sind an diesem Druck                schlie\u00dflich auch gescheitert und wieder in der Versenkung                verschwunden.<\/p>\n<p>                              Man wird sehen, was sich im Falle von O-Zone tun wird, ich selber                bin eher skeptisch, dass man von ihnen noch viel h\u00f6ren wird. Aber                ich bin kein Kenner der Szene und auch wenn mir aufgefallen ist,                dass viel vermeintliche Sommerhits der letzten zwanzig Jahre                Eintagsfliegen geblieben sind (so wie Robin Beck oder Prinzessin                Stephanie), sollte man niemanden untersch\u00e4tzen. Auch von einem Hit                allein kann man eine Weile gut leben, wenn man sich das Geld aus                den Tantiemen gut einteilt. In jedem Fall ist der Erfolg eine                Sucht, auf die ich schon an anderer Stelle vor einigen Wochen                hingewiesen habe. Noch mehr als der oder die Interpreten selber                sind aber die wahren Nutznie\u00dfer, n\u00e4mlich Management und                Plattenfirma etc. interessiert daran, dass der \u0084Goldesel\u0093 \u0096 und                nichts anderes ist so ein Popstar \u0096 solange gemolken wird, bis                wirklich nichts mehr rausgeht. Dann wird er \u0096 bildlich gesprochen                \u0096 entsorgt und verliert seinen Vertrag.\u00a0<\/p>\n<p>                              Andere dr\u00e4ngen nach, so einem armen Teufel wird keine Tr\u00e4ne                nachgeweint. Der Konkurrenzdruck ist gro\u00df in der Galerie der                M\u00f6chte-gern-Madonnas oder -Britney-Spears, da ist f\u00fcr Mitleid oder                Verst\u00e4ndnis kein Platz. Hinter jedem gr\u00f6\u00dferen Star l\u00e4uft                mittlerweile eine gigantische PR-Maschinerie, die auch das                Privatleben ihrer Sch\u00fctzlinge fest im Griff hat. Robby Williams                packte seinerzeit schon so manches aus, was hinter den Kulissen                von Take That gelaufen ist und ich f\u00fcrchte, die Repressalien sind                seither sicher nicht weniger geworden. Sehr wichtig sind auch die                Auftritte im Fernsehen und nicht erst seit Deutschland als                zweitgr\u00f6\u00dfter Plattenmarkt hinter den USA noch mehr an Bedeutung                gewonnen hat, dr\u00e4ngen die so genannten Stars in prestigetr\u00e4chtige                Sendungen im deutschen Fernsehen. Thomas Gottschalk und sein                \u0084Wetten dass\u0085\u0093 profitierten davon enorm und k\u00f6nnen fast in jeder                Ausgabe des Fernsehformats ihrem mediengeilen Publikum etliche                umjubelte Stars bieten, deren (Playback-)Auftritte wie Videoclips                gefilmt und ins Fernsehen \u00fcbermittelt werden.<\/p>\n<p>                              Was auch in den letzen Jahren sukzessive zugenommen hat, sind die                Fan-Clubs und die dazugeh\u00f6rigen Websites im Netz. Newsletter,                Fanartikel, Fan-Treffs und organisierte Fahrten zu Konzerten                geh\u00f6ren neben Informationen auf dem allerletzten Stand zu den                Aufgaben dieser Vereine, deren Initiatoren v\u00f6llig in dieser Arbeit                aufgehen. Wenn schon selber kein Star, dann ihm\/ihr wenigstens so                nahe wie m\u00f6glich kommen, scheint deren Devise zu sein. Man kann                nat\u00fcrlich dar\u00fcber philosophieren, ob es so erstrebenswert ist, f\u00fcr                einen Star sein Leben auf den Kopf zu stellen, aber andererseits                unterstreicht die relativ kurze Bedeutung der meisten Musik.-Acts,                dass diese Arbeit wohl auch nur f\u00fcr eine eher kurze Zeitspanne                wirklich intensiv betrieben wird. Das Leben dauert meistens sehr                viel l\u00e4nger als eine Karriere\u0085 oder \u0084\u0085they never come back\u0085\u0093<\/p>\n<p>                              Trotzdem beweisen so manche Solok\u00fcnstler oder Gruppen bei diversen                Oldie-Sendungen, das man auch ganz gut von seiner vergangenen                Kariere leben kann. Peter Kraus ist so einer oder auch Engelbert,                es h\u00e4ngt nur vom eigenen Einfallsreichtum ab und von der                Flexibilit\u00e4t, ob man der Zeit ein Schnippchen schlagen und noch                ein wenig Geld aus den alten Hits herausschlagen kann. Scott                McKenzi\u0092s\u00a0 \u0084San Francisco\u0093 zum Beispiel klingt noch immer in aller                Ohren und begeistert jung und alt. Doch ob man es glaubt oder                nicht: die Hippie-Hymne blieb der einzige Hit f\u00fcr den                US-Amerikaner und dass er heute noch ein wenig im Gesch\u00e4ft ist,                hat er vor allem diversen Samplern (Target Music) mit \u0084seinem\u0093                Song zu verdanken und der Tatsache, dass ihn die \u0084Mamas und Paps\u0093                gewisserma\u00dfen adoptiert, also in die Truppe aufgenommen haben.                Auch Nena hat sich im letzen Jahr mit gro\u00dfem Erfolg neu erfunden.                Man wird also sehen, ob uns so manche Kurzzeitstars der letzen                Zeit in zwanzig Jahren auch in verschiedenen Auftritten erfreuen                (oder auch langweilen) werden. Im Falle von O-Zone, das sei nur am                Rande bemerkt, w\u00fcnsch ich es mir ehrlich gesagt nicht unbedingt.                Der Song qu\u00e4lt jetzt schon meine Geh\u00f6rg\u00e4nge\u0085<\/p>\n<p>               <a href=\"mailto:vivienne@bohnenzeitung.com?subject=Leserbrief\">                                             Vivienne<\/a><\/p>\n<p>               Link:                           Alle            Beitr\u00e4ge von Vivienne<\/p>\n<p>\u00a0        <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Vivienne&nbsp; &ndash;&nbsp; August 2004 Die Charts rauf und runter&hellip; Die Musikszene hat in diesen Tagen hart zu k&auml;mpfen. 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