{"id":18234,"date":"2004-01-17T13:40:35","date_gmt":"2004-01-17T13:40:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bohnenzeitung.com\/2004\/01\/neue-bohnen-zeitung-193\/"},"modified":"2022-10-03T16:24:23","modified_gmt":"2022-10-03T14:24:23","slug":"neue-bohnen-zeitung-193","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/neue-bohnen-zeitung-193\/","title":{"rendered":"Neue Bohnen Zeitung"},"content":{"rendered":"\n<p>               <strong>               <br \/>                              von                                                            <a href=\"mailto:vivienne@bohnenzeitung.com\">               Vivienne<\/a>\u00a0                &#8211;\u00a0 Dezember 2004<\/strong><\/p>\n<hr\/>\n<p><strong>                              <br \/>Die Tragik der Doppelmoral<\/strong><\/p>\n<p>                              Jetzt wissen wir es also. Schwarz auf wei\u00df. Dagi Koller hat                abgetrieben, knapp vor ihrem ganz gro\u00dfen Durchbruch auf den gro\u00dfen                deutschsprachigen B\u00fchnen. Und ohne schlechtes Gewissen. Religi\u00f6se                Gr\u00fcnde hielten sie davon ab, zu Verh\u00fctungsmitteln zu greifen, wie                sie in ihrer Biographie freim\u00fctig erz\u00e4hlt. Religi\u00f6se Gr\u00fcnde                hielten sie allerdings nicht ab, 1966 eine Abtreibung vornehmen zu                lassen. Eine Abtreibung, die in der offiziellen Amtskirche noch                immer mit Mord gleichgesetzt wird. Der Papst selber hat ihr die                Absolution erteilt. Na dann\u0085 alles in Butter, sollte man meinen.                Oder doch nicht?<\/p>\n<p>                              Ich verurteile jetzt nicht die \u0084Moral\u0093 oder \u0084Nicht-Moral\u0093 von Dagi                Koller. Eine Abtreibung ist eine sehr individuelle Angelegenheit                (Lesen Sie dazu in meinem Beitrag \u0084<b>Das                &#8222;Recht&#8220; auf Abtreibung<\/b>\u0093 in der Bohne                meine \u00dcberlegungen dazu nach!), den sich jede Frau, jedes Paar,                jede betroffene Familie selbst reiflich \u00fcberlegen und verarbeiten                muss. Ich halte es mit Christus: <b>Wer frei von S\u00fcnde ist, der                werfe den ersten Stein\u0085!<\/b> Was mich aber betroffen macht, ist,                dass nicht jede der einigen tausend Frauen (es gibt im \u00dcbrigen                keine offiziellen Zahlen dazu!), die jedes Jahr eine ungewollte                Schwangerschaft beendet bzw. beenden l\u00e4sst, auf einen \u00e4hnlich                milden Richter wie Johannes Paul II treffen mag.<\/p>\n<p>                              Die Entscheidung nimmt einer Frau keiner ab, aber die Gottesm\u00e4nner                stehen sehr unterschiedlich zu dieser \u0084Frauenfrage\u0093 und urteilen                ebenso subjektiv. Eine meiner Tanten, zeitlebens eine arbeitsame                B\u00e4uerin aus dem oberen M\u00fchlviertel, hatte sich vor \u00fcber zwanzig                Jahren auch zu einer Abtreibung entschlossen. Karrieregr\u00fcnde gaben                bei ihr allerdings nicht den Ausschlag. Sie war schwer erkrankt,                musste starke Medikamente einnehmen, die den Fetus in seiner                Entwicklung irreparabel gesch\u00e4digt hatten. Die \u00c4rzte rieten ihr                aus diesem Grund zu einem Abbruch, den sie auch vornehmen lie\u00df.                Medizinisch induzierte Abtreibungen wie diese sind in \u00d6sterreich                uneingeschr\u00e4nkt m\u00f6glich.<\/p>\n<p>                              Was der Pfarrer meiner Tante allerdings nicht akzeptieren konnte                oder wollte. Er beschimpfte sie bei der Beichte als M\u00f6rderin und                verweigerte ihr die Absolution. Das Sprichwort vom \u0084<b>\u0085p\u00e4pstlicher                sein als der Papst<\/b>\u0093 bekommt in dem Zusammenhang eine ganz                andere, zynische Bedeutung. Und mir dr\u00e4ngt sich, angesichts beider                Beispiele, eine sehr bittere \u00dcberlegung auf. Man muss wohl                prominent sein und den Obersten Kirchenf\u00fcrsten pers\u00f6nlich bem\u00fchen,                um in diffizilen Fragen die Absolution zu erhalten. Ich will in                dem Fall Dagmar Koller gar keinen gro\u00dfen Vorwurf machen. Sie war                jung, sch\u00f6n und begabt, und der gro\u00dfe Erfolg schien zum Greifen                nah.<\/p>\n<p>               Im                Grunde hat sie wohl keinen anderen Ausweg gesehen. Es spricht f\u00fcr                sie, dass sie trotzdem diese schwierige Entscheidung zu bereinigen                bem\u00fcht war und sich mit Gott deswegen auss\u00f6hnte. Und das gleich                bei dessen h\u00f6chsten Vertreter auf Erden. Aber was hat meine Tante                verbrochen, dass der Pfarrer den Stab \u00fcber sie brach? Wer ist er,                dass er sich anma\u00dft, sie als M\u00f6rderin zu beschimpfen? Erde zu                Erde, Staub zu Staub. Er wird diese Entscheidung auch einmal zu                verantworten haben, so oder so. Ich habe die Problematik, die sich                in diesem Beispiel spiegelt, auch schon im Falle der Beerdigung                unseres verstorbenen Bundespr\u00e4sidenten angesprochen (\u0084<b>\u00dcber die                Doppelmoral der Kirche<\/b>\u0093).<\/p>\n<p>                              Zur Erinnerung: Klestil, durch seine Scheidung von seiner ersten                Frau nach kirchlichen Gesetzen her exkommuniziert, erhielt nicht                nur ein Staatsbegr\u00e4bnis sondern auch ein kirchliches Begr\u00e4bnis in                allen Ehren des Staates und der Kirche. Obwohl er eine zweite Ehe                eingegangen war. Keinem Geschiedenen in \u00d6sterreich wurde sonst                dieses Privileg zuteil. Es ist also nicht Dagmar Kollers                Abtreibung, die das gro\u00dfe Unrecht darstellt, sondern vielmehr die                Tatsache, wie viele Frauen in \u00d6sterreich sich in so einem Fall die                Vergebung von Gott erhofft h\u00e4tten, so wie mein Tante, und zynisch                wie fast menschenverachtend dabei zur\u00fcckgewiesen wurden.<\/p>\n<p><b>                              Gott ist doch f\u00fcr alle gleich, oder?<\/b><\/p>\n<p>               <a href=\"mailto:vivienne@bohnenzeitung.com?subject=Leserbrief\">                                             Vivienne<\/a><\/p>\n<p>               Link:                           Alle            Beitr\u00e4ge von Vivienne<\/p>\n<p>\u00a0        <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Vivienne&nbsp; &ndash;&nbsp; Dezember 2004 Die Tragik der Doppelmoral Jetzt wissen wir es also. Schwarz auf wei&szlig;. 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