{"id":18236,"date":"2004-01-17T13:40:35","date_gmt":"2004-01-17T13:40:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bohnenzeitung.com\/2004\/01\/neue-bohnen-zeitung-195\/"},"modified":"2022-10-03T16:24:20","modified_gmt":"2022-10-03T14:24:20","slug":"neue-bohnen-zeitung-195","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/neue-bohnen-zeitung-195\/","title":{"rendered":"Neue Bohnen Zeitung"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>                              <br \/>                              von                                                            <a href=\"mailto:vivienne@bohnenzeitung.com\">               Vivienne<\/a>\u00a0                &#8211;\u00a0 August 2004<\/strong><\/p>\n<hr\/>\n<p><strong>                              <br \/>Du kostest zuviel&#8230;<\/strong><\/p>\n<p>                              Dieser Tage berichtet mir meine Schwester Brigitte, gl\u00fccklich                verheiratete dreifache Mutter, die voll im Berufsleben steht, dass                sie ein Brieferl von der Gebietskrankenkasse bekommen h\u00e4tte.                Unsere GKK listete in dem Schreiben alle Arztbesuche meiner                Schwester und der Kinder auf, ein dezenter Hinweis darauf, was sie                heuer schon den Staat und dem Gesundheitswesen des Landes                Ober\u00f6sterreich gekostet hatte. Herzlichen Dank! m\u00f6chte man daf\u00fcr                den feinf\u00fchlenden Verantwortlichen ausrichten. Fehlt nur noch der                dezente Hinweis: <i>Heuer ist nichts mehr drin!<\/i> oder der                sanfte Druck: <i>Erschie\u00df dich doch, du kostet uns zuviel!<\/i>                Andererseits fragt man sich dann, wozu im Fernsehen oder Radio                (wie zuletzt erst) immer wieder teure Spots laufen, in denen der                Staatsb\u00fcrger aufgerufen wird, sich regelm\u00e4\u00dfig                Vorsorgeuntersuchungen zu unterziehen. Wie passt das zusammen?                Auch diese Untersuchungen kosten Geld! Nach so einem Brief wie dem                von letzter Woche fragt sich meine Schwester ernsthaft, ob man                \u00fcberhaupt noch zum Arzt gehen soll, wenn einem auf so \u0084hoch                sensible\u0093 Art vorgerechnet wird, was man nicht alles an teuren                Leistungen in Anspruch nimmt\u0085<\/p>\n<p>                              Ja, unser Gesundheitssystem scheint unfinanzierbar geworden zu                sein. Heute konnte ich in der sonnt\u00e4glichen Bezirkszeitung eine                weitere Bankrotterkl\u00e4rung lesen. Im Lande Ober\u00f6sterreich gibt es                etwa 7000 Krebskranke, die nat\u00fcrlich regelm\u00e4\u00dfig starke wie teure                Medikamente einnehmen m\u00fcssen. Aus jener Zeitung durfte ich nun                heute erfahren, dass die finanziellen Mittel zur Bezahlung dieser                Medikamente, die urspr\u00fcnglich f\u00fcr das ganze Jahr veranschlagt                worden waren, schon mit dem Ende des dritten Quartals aufgebraucht                sind. Wenn der Bund nicht zuschie\u00dft, werden schwerkranke Menschen                ab Oktober ohne Medikamente dastehen, die zwar vielleicht ihr                Leben nicht in jedem Fall retten aber es zumindest verl\u00e4ngern oder                ertr\u00e4glich machen k\u00f6nnten. Ein besonders zynischer Onkologe wird                in dem Zusammenhang anonym zitiert, der in einem Beispiel eines                Medikamentes, das Knochenkrebskranken verschrieben wird,                beschreibt, wie sinnlos die teure Verschreibung w\u00e4re, da das                Karzinom ohnedies nicht heilbar sei\u0085<\/p>\n<p>                              Aha, Leben retten darf unser Gesundheitssystem gerade noch, in                unheilbaren F\u00e4llen Schmerzfreiheit oder Lebensverl\u00e4ngerung                erm\u00f6glichen, nicht, denn das kostet zu viel Geld. Nun sind wir                dort, wo wir schon vor vielen Jahren einmal waren. Nicht wenige                (unheilbar krebskranke) Menschen mussten im letzten Stadium ihrer                Krankheit oft lange Zeit schwere Schmerzen ertragen. Schmerzmittel                wurden ihnen verweigert mit dem absurden Hinweis auf das                Arzneimittelgesetz (kurzer Hinweis: bezieht sich darauf, dass                diese Medikamente s\u00fcchtig machen!), was angesichts des sicheren                Todes schon fast lachhaft wirkte, wenn es nicht so traurig w\u00e4re.\u00a0                So mancher zust\u00e4ndige Arzt erdreistete sich, in derart                hoffnungslosen F\u00e4llen darauf hinzuweisen, dass die Betroffenen die                Schmerzen eben mit Fassung tragen m\u00fcssten, daf\u00fcr werde man nach                dem Tod weniger Zeit \u0084im Fegefeuer\u0093 (!) leiden m\u00fcssen, weil man                auf Erden schon sein Teil beigetragen h\u00e4tte! Immer wieder                interessant, was da an Medizinern mit kurioser Geisteshaltung auf                uns wehrlose Patienten losgelassen wird\u0085<\/p>\n<p>                              Worauf es meiner Meinung nach bald wirklich hinauslaufen k\u00f6nnte:                Es d\u00fcrfte durch die Gebietskrankenkasse auf Dauer nur mehr eine                Art Grundversorgung geben. Was chronische Krankheiten oder                schwerere Erkrankungen und Unf\u00e4lle betrifft, darf man dann nur auf                den eigenen Schutzengel hoffen, auf dass er einem Derartiges                erspare, oder besser noch, den Weg zu einer g\u00fcnstigen                Zusatzversicherung weisen m\u00f6ge, durch die man sich und die                Familie, wahrscheinlich wie beim Auto in einer Art                Bonus-Malus-System, m\u00f6glichst erschwinglich durch das Leben                bringen m\u00f6ge. &#8211; Mir ist da noch der Fall eines bekannten deutschen                Adeligen in Erinnerung, der vor einiger Zeit im vorger\u00fcckten                Alter, eine junge, schrille Frau ehelichte (Ich denke, die meisten                werden wissen, wen ich meine!). Die Ehe war kurz, aber recht                gl\u00fccklich, trotz des Altersunterschiedes und in den letzten Jahren                beeintr\u00e4chtigt durch eine schwere Herzerkrankung des Mannes, die                schlie\u00dflich eine Herztransplantation notwendig machte. Der Patient                war damals \u00fcber 70, ein Alter, in dem normalerweise von vornherein                keine Transplantation mehr vorgenommen wird. Besagter Adeliger                erhielt aber nicht nur ein Herz zur Verf\u00fcgung gestellt, nein, nach                wenigen Tagen, als offenbar wurde, dass dieses Organ vom K\u00f6rper                des Siechen abgesto\u00dfen w\u00fcrde, sogar noch ein zweites.                <\/p>\n<p>                              Vergeblich. Der Mann starb, beweint von der Witwe und den                gemeinsamen Kindern. Tragisch, aber ich frage mich halt trotzdem,                ob Herr Otto Normalverbraucher in derselben Situation \u00fcberhaupt                ein Spenderherz zur Verf\u00fcgung bekommen h\u00e4tte. Vor allem als                Versicherter bei einer der normalen Krankenkassen. &#8211; Ich f\u00fcrchte                also sicher nicht ohne triftigen Grund, dass, abgesehen von der                garantierten Grundversorgung, Herr und Frau Ober\u00f6sterreicher                weitergehende Leistungen selber bezahlen m\u00fcssen. Solange es halt                geht. Wer Geld hat, wird das Krebsmedikament auch in Zukunft                bekommen, wer nicht, wird sich vermutlich auf dem Schwarzmarkt                Haschisch besorgen m\u00fcssen, um seine Schmerzen halbwegs ertragen zu                k\u00f6nnen. Verzeihen Sie meinen Zynismus! Ein interessanter Aspekt                tut sich da trotzdem auf f\u00fcr mich: wenn man in naher oder sehr                naher Zukunft seine Gesundheit privat versichern muss bzw. selber                sehr viel zuzahlen muss, um gewisse Leistungen in Anspruch nehmen                zu k\u00f6nnen \u0096 wie viele Leute werden in diesem Fall nicht gleich auf                Wunderheiler und \u00c4hnliches ausweichen? Jene muss man auch                bezahlen, keine Frage, aber dort wird man wenigstens nicht mit dem                menschenverachtenden Zynismus von so manchem Ober- oder Facharzt                konfrontiert\u0085<\/p>\n<p>               <a href=\"mailto:vivienne@bohnenzeitung.com?subject=Leserbrief\">                                             Vivienne<\/a><\/p>\n<p>               Link:                           Alle            Beitr\u00e4ge von Vivienne<\/p>\n<p>\u00a0        <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Vivienne&nbsp; &ndash;&nbsp; August 2004 Du kostest zuviel&hellip; Dieser Tage berichtet mir meine Schwester Brigitte, gl&uuml;cklich verheiratete dreifache Mutter, die &#8230; <\/p>\n<p class=\"read-more-container\"><a title=\"Neue Bohnen Zeitung\" class=\"read-more button\" href=\"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/neue-bohnen-zeitung-195\/#more-18236\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber Neue Bohnen Zeitung\">Weiter<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":28639,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-18236","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kritisch-betrachtet","generate-columns","tablet-grid-50","mobile-grid-100","grid-parent","grid-50","resize-featured-image"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18236","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=18236"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18236\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":32169,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18236\/revisions\/32169"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media\/28639"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=18236"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=18236"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=18236"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}