{"id":18243,"date":"2004-01-17T13:40:35","date_gmt":"2004-01-17T13:40:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bohnenzeitung.com\/2004\/01\/neue-bohnen-zeitung-202\/"},"modified":"2022-10-03T16:24:20","modified_gmt":"2022-10-03T14:24:20","slug":"neue-bohnen-zeitung-202","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/neue-bohnen-zeitung-202\/","title":{"rendered":"Neue Bohnen Zeitung"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>                              <br \/>                              von                                                            <a href=\"mailto:vivienne@bohnenzeitung.com\">               Vivienne<\/a>\u00a0                &#8211;\u00a0 Februar 2004<\/strong><\/p>\n<hr\/>\n<p><strong>                              <br \/>Eine Frage des Vertrauens<\/strong><\/p>\n<p>                              Heute beginnt in K\u00e4rnten ein Prozess, der eine geballte Ladung                Z\u00fcndstoff in sich tr\u00e4gt. Einem Gyn\u00e4kologen aus Villach wird der                Prozess gemacht, weil er \u00fcber sieben Jahre die Krebsabstriche                seiner Patientinnen nicht ins Labor schickte. Sechs der Frauen                sind deshalb nachweislich deshalb an Krebs erkrankt, drei davon                mittlerweile verstorben. Diese n\u00fcchternen Fakten muss man gerade                als Frau erst einmal schlucken. F\u00fcr die meisten ist es ja                selbstverst\u00e4ndlich, ein bis zwei Mal im Jahr zur Kontrolle den                Frauenarzt \u0084seines Vertrauens\u0093 aufzusuchen, weil man gerade in                jenem verletzbaren Bereich der eigenen Geschlechtlichkeit gern die                Gewissheit hat, dass alles in Ordnung ist.<\/p>\n<p>                              K\u00f6nnen Sie sich vorstellen, was es da f\u00fcr eine Patientin hei\u00dft,                wenn \u00f6ffentlich bekannt wird, dass der Arzt, zu dem man im                \u0084schlimmsten\u0093 Fall \u00fcber Jahre regelm\u00e4\u00dfig kam, seiner obersten                Pflicht, n\u00e4mlich der Obsorge f\u00fcr seine Patientinnen nicht nachkam?                Ich kann das tats\u00e4chlich, denn vor einigen Jahren gab es in Linz                mit einem bekannten Gyn\u00e4kologen einen \u00e4hnlichen Fall. Und wie der                Zufall so spielt \u0096 es handelt sich dabei um meinen Frauenarzt.                Lassen Sie mich kurz rekapitulieren: Die Ordinationshilfe des                Mediziners hatte aus Mitleid mit den Patientinnen negative Befunde                verschwinden lassen. Wie im Fall des K\u00e4rntner Kollegen wurden                dadurch \u00fcber Jahre einige tausend Frauen in einer Sicherheit                gewogen, die leider nicht immer gerechtfertigt war.<\/p>\n<p>                              Ein konkretes Opfer ist mir mit seinen Folgesch\u00e4den noch in                Erinnerung: die junge Frau erkrankte durch das nicht                nachvollziehbare Verhalten der Arzthilfe an Geb\u00e4rmutterhalskrebs,                musste sich einer dringenden Operation unterziehen und konnte                danach keine Kinder mehr bekommen. Ob sie \u00fcberhaupt \u00fcberlebte,                entzieht sich meiner Kenntnis, aber schlimm genug schon f\u00fcr eine                Frau, die vorhatte ein eigenes Kind zu haben, dass ihr dieser                Wunsch versagt bleiben wird. Ich selber hatte Gl\u00fcck, ich war Gott                sei Dank in keinster Weise betroffen, auch wenn mich die                Riesenlettern auf den Zeitungen und die st\u00e4ndigen Berichte                schockten und ich \u00fcber Tage nicht gut schlief.<\/p>\n<p>                              Damals brandete die Diskussion auf, wie ein Facharzt eine wichtige                T\u00e4tigkeit wie die Kontrolle von Laborbefunden seiner Gehilfin                \u00fcberlassen kann. Der hoch angesehene Gyn\u00e4kologe, der bis zu diesem                Fall zu den besten seines Fachs in ganz \u00d6sterreich gez\u00e4hlt wurde,                rechtfertigte sich durch die viele Arbeit, die in seiner gut                gehenden Praxis anfiel. Die junge Frau selber, die diese                vors\u00e4tzliche Tat zu verantworten hatte, redete sich wie oben                erw\u00e4hnt auf das Mitgef\u00fchl mit den Frauen aus. Offenbar war ihr der                psychosoziale Stress an ihrem Arbeitsplatz einfach zu viel                geworden, da in der Ordination neben Schwangerschaften und                Geburten eben auch schwere Erkrankungen diagnostiziert werden. Sie                kam sp\u00e4ter mit einer relativ milden Strafe davon, aber ihren Job                hat sie nat\u00fcrlich verloren.<\/p>\n<p>                              Zur\u00fcck zu dem Villacher Kollegen meines Frauenarztes: Dem Mann                wird also ab heute der Prozess gemacht wegen grob fahrl\u00e4ssiger                K\u00f6rperverletzung und Gef\u00e4hrdung der Sicherheit seiner                Patientinnen. Peinlich ber\u00fchrt wird man da als                Otto-Normalverbraucher, wenn man nachlesen kann, dass beim Prozess                selber aber ein ganz anderer Punkt\u00a0 strafrechtlich wirklich                relevant ist. Der Gyn\u00e4kologe hat n\u00e4mlich kurioserweise f\u00fcr die nie                eingeschickten Krebsabstriche von den Krankenkassen Geld kassiert.                Konkret geht es dabei um einen Betrag von \u00fcber 50.000 Euro.                <\/p>\n<p>                              Und einzig allein daf\u00fcr muss der Mediziner, der mittlerweile von                der K\u00e4rntner \u00c4rztekammer in allen Ehren in den (wohl verdienten?)                Ruhestand verabschiedet wurde, mit einer Strafe von bis zu 10                Jahren Haft rechnen. Dar\u00fcber kann man wohl nur der Kopf sch\u00fctteln,                gleichg\u00fcltig, ob Mann oder Frau, weil sich unser Rechtssystem                einmal mehr als menschenverachtend und materiell entpuppt. \u00c4hnlich                wie im Fall von Kindersch\u00e4ndern: was sind schon zerst\u00f6rte                Kinderseelen im Vergleich zum materiellen Schaden, der einer                gro\u00dfen Institution zugef\u00fcgt wird? Den betroffenen Frauen (bzw.                deren Familien), die wegen der Nachl\u00e4ssigkeit ihres                \u0084Vertrauensarztes\u0093 an Krebs erkrankten, bleibt wohl nur die                M\u00f6glichkeit auf dem Zivilrechtsweg Schmerzensgeld und eine gewisse                Genugtuung zu erk\u00e4mpfen \u0096 sofern man die empfinden kann, wenn man                mit dem Tod ringt bzw. den Kampf vielleicht schon verloren hat.<\/p>\n<p>                              Eine zus\u00e4tzliche bittere Nuance stellt der Geisteszustand des                Gyn\u00e4kologen dar, der an einer affektiven Psychose (eine                Geisteskrankheit, die wahrlich kein Pappenstiel ist) gelitten                haben soll, ohne dass ihn jemand von der zust\u00e4ndigen \u00c4rztekammer                daran gehindert hat, eine Praxis zu er\u00f6ffnen bzw. vorher ein                psychologisches Gutachten von ihm zu verlangen. Wenn man\u00a0 bedenkt,                welche Probleme ein Depressiver haben kann wegen seiner Krankheit                einen ganz normalen Job zu bekommen, l\u00e4sst das nur den R\u00fcckschluss                zu, dass gewisse Wertungen eben nur f\u00fcr das \u0084mindere Fu\u00dfvolk\u0093                gelten aber nicht f\u00fcr die elit\u00e4re wie akademische Oberschicht.<\/p>\n<p>                              Wie immer der Prozess in K\u00e4rnten ausgeht, die Frauen haben schon                verloren. Es dreht sich wie gesagt bei dem Prozess nicht darum                ihnen Gerechtigkeit zukommen zu lassen sondern um den Schaden, den                die Krankenkassen erlitten haben. Als m\u00fcndige Patientin gruselt                einem bei der \u00dcberlegung, wie viele \u00e4hnliche medizinische                Zeitbomben in ganz \u00d6sterreich in verschiedenen Bereichen ihr                Unwesen betreiben. Ein echtes Exempel an einem dieser schwarzen                Schafe statuiert w\u00fcrde mit Sicherheit viel weiters Leid verhindern                helfen\u0085<\/p>\n<p>               <a href=\"mailto:vivienne@bohnenzeitung.com?subject=Leserbrief\">                                             Vivienne<\/a><\/p>\n<p>               Link:                           Alle            Beitr\u00e4ge von Vivienne<\/p>\n<p>\u00a0        <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Vivienne&nbsp; &ndash;&nbsp; Februar 2004 Eine Frage des Vertrauens Heute beginnt in K&auml;rnten ein Prozess, der eine geballte Ladung Z&uuml;ndstoff &#8230; <\/p>\n<p class=\"read-more-container\"><a title=\"Neue Bohnen Zeitung\" class=\"read-more button\" href=\"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/neue-bohnen-zeitung-202\/#more-18243\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber Neue Bohnen Zeitung\">Weiter<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":28639,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-18243","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kritisch-betrachtet","generate-columns","tablet-grid-50","mobile-grid-100","grid-parent","grid-50","resize-featured-image"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18243","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=18243"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18243\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":32176,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18243\/revisions\/32176"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media\/28639"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=18243"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=18243"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=18243"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}