{"id":18266,"date":"2004-01-17T13:40:35","date_gmt":"2004-01-17T13:40:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bohnenzeitung.com\/2004\/01\/neue-bohnen-zeitung-225\/"},"modified":"2022-10-03T16:24:20","modified_gmt":"2022-10-03T14:24:20","slug":"neue-bohnen-zeitung-225","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/neue-bohnen-zeitung-225\/","title":{"rendered":"Neue Bohnen Zeitung"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>                              <br \/>                              von                                                            <a href=\"mailto:vivienne@bohnenzeitung.com\">               Vivienne<\/a>\u00a0                &#8211;\u00a0 Juni 2004<\/strong><\/p>\n<hr\/>\n<p><strong>                              <br \/>Noch l\u00e4nger arbeiten, noch                weniger Geld?<\/strong><\/p>\n<p>                              Die Industriellenvereinigung hat einen neuen Pr\u00e4sidenten, Veit                Sorger ist sein Name, und wenn man den Tageszeitungen trauen darf,                macht sich der gute Mann eine Menge Gedanken um den \u0084Standort                \u00d6sterreich\u0093. Vor allem fordert er l\u00e4ngere und flexiblere                Arbeitszeiten und die F\u00f6rderung der besseren Universit\u00e4ten.                \u00d6sterreich braucht anscheinend eine Elite\u0085 Auf letzteres m\u00f6chte                ich vielleicht zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt eingehen, mir ist vor                allem der Satz mit \u0084den l\u00e4ngeren und flexibleren Arbeitszeiten\u0093                ins Auge gestochen.<\/p>\n<p>                              Ich dachte n\u00e4mlich, es sei \u00d6sterreich ohnedies schon l\u00e4ngst an der                Tagesordnung, dass in vielen Firmen \u00dcberstunden \u00fcber \u00dcberstunden                gemacht werden, gegen die der Arbeitnehmer de facto nichts machen                kann, auch wenn sie die t\u00e4gliche H\u00f6chstarbeitszeit \u00fcberschreitet,                und das regelm\u00e4\u00dfig. Jeder von uns kennt Leute, die auch am                Wochenende regelm\u00e4\u00dfig in der Firma sind (oder ist gar selbst                betroffen) und bei denen das Familien- und Privatleben deswegen                str\u00e4flich vernachl\u00e4ssigt wird. Sorgers Vorschlag hie\u00dfe demnach                nur: genau dieselben Arbeitszeiten wie bisher, nur weniger Geld                daf\u00fcr, weil die Wochenarbeitszeit eben auf 42 oder mehr Stunden                hinaufgesetzt wird.<\/p>\n<p>                              Und wenn wir ehrlich sind: nachdem es genug Branchen gibt, in                denen zwar eine Vierzig-Stunden-Woche vorgeschrieben ist, aber                \u00fcber das Jahr verteilt sicher um etliches mehr zusammenkommt, muss                man sich fragen: auf wen tr\u00e4fe diese Forderung des neuen                Industriellenvereinschefs dann wirklich zu? Am ehesten auf die                hehre Beamtenschaft mit ihren Privilegien, aber dass es f\u00fcr diese                bevorzugte Spezies unter den Arbeitnehmern mit Sicherheit wieder                \u0084besondere Konditionen\u0093, Ausnahmen oder spezielle                \u0084\u00dcbergangsphasen\u0093 geben w\u00fcrde, darauf kann man eine Bank setzen.<\/p>\n<p>               In                so fern habe ich gro\u00dfe Probleme mit der Forderung von Herrn Sorger.                Vor allem auch, wenn ich daran denke, dass wir in \u00d6sterreich                ohnedies eine hohe Arbeitslosenrate haben, die an die                Spitzenzeiten nach dem 2. Weltkrieg heranreicht. Hie\u00dfe nicht, die                w\u00f6chentliche oder j\u00e4hrliche Arbeitszeit zu erh\u00f6hen, auch, in der                Praxis und l\u00e4ngerfristig mehr Menschen arbeitslos zu machen                beziehungsweise fast gezielt arbeitslos zu halten? Wer sagt denn                nicht, dass so mancher Produktions- oder Handelsbetrieb bei einer                derartigen Regelung nicht pl\u00f6tzlich einen fixen Prozentsatz seines                Mitarbeiterstabes freisetzen w\u00fcrde, damit der Rest unter der                ge\u00e4nderten Konditionen f\u00fcr weniger Geld und weniger Personalkosten                die selbe Arbeit erledigen m\u00fcsste?<\/p>\n<p>                              Mir ist schon klar, dass nicht jeder Arbeitslose eins zu eins in                einem Betrieb, der jemanden aufnehmen m\u00f6chte, unterkommen wird.                Arbeitslosigkeit ist auch immer eine Sache von Angebot und                Nachfrage, so hart und menschenverachtend das jetzt auch klingt.                Wer Informatik studiert hat, wird sicher ein geringeres Problem                haben, einen Job zu finden als jemand der sich auf Soziologie                versteift hat. Aber mit einer Regelung, die die Arbeitszeit der                Arbeitnehmer auf Dauer erh\u00f6ht, wird damit auch die Bereitschaft                eines Unternehmens senken, neues Personal aufzunehmen. Da die                Leute ohnedies mehr arbeiten m\u00fcssen, steigt ja auch automatisch                der Radius dessen, was man den Leuten zus\u00e4tzlich zumuten kann.<\/p>\n<p>                              W\u00fcrden Sie freiwillig l\u00e4nger arbeiten, und das ohne Vergeltung der                zus\u00e4tzlichen Stunden? Ich habe so eine (im \u00fcbrigen damals                illegale) Regelung schon einmal am eigenen Leib versp\u00fcrt. Bei                meinem vorletzten Dienstgeber waren wir verpflichtet, statt der                gesetzlich vorgeschrieben 40 Stunden 42,5 Stunden zu arbeiten, im                Dienstvertrag verankert \u00a0durch eine undurchsichtige Floskel, die                keiner anzufechten wagte, wenn er den Job nicht verlieren wollte.                Eine Arbeitszeit, die schon sehr an den Nerven und der Motivation                zehrte, eben weil es erstens nicht bei den 42,5 Stunden in der                Woche blieb sondern weil der Job auf Dauer noch mehr aush\u00f6hlte.<\/p>\n<p>                              Damals musste ich ja auch am Wochenende regelm\u00e4\u00dfig in die Firma,                wodurch der Erholungseffekt mit der Zeit verloren ging. AMS und AK                wussten Bescheid \u00fcber die Vorg\u00e4nge, geschehen ist aber lange Zeit                wirklich nichts. Nur neulich kam mir zuf\u00e4llig zu Ohren, dass die                Firmanleitung umdisponiert und wieder zur 40 Stunden Woche                gewechselt haben soll. Doch zur\u00fcck zu Herrn Sorger. Er macht sich                also Sorgen um den Standort \u00d6sterreich. Um die Arbeitnehmer in                \u00d6sterreich und ihre Arbeits- und Lebensqualit\u00e4t stellt er sich                weniger \u00dcberlegungen an, aber damit ist er in bester Gesellschaft                \u0096 siehe oben.\u00a0<\/p>\n<p>                              Nun, momentan ist noch gar nichts sicher, und es kann nat\u00fcrlich                sein, dass der Herr Pr\u00e4sident nur sozusagen zum Antritt seines                neuen Amts ein paar starke Worte vom Stapel lie\u00df. Hoffen wir das                Beste, wenn aber diesen \u0084starken Worten\u0093 ebenso so \u0084starke Taten\u0093                folgen werden, d\u00fcrfen wir wohl in bestimmten Bereichen von freien                Wochenenden und fairer Arbeitszeit nur mehr tr\u00e4umen. Unsere                Arbeitnehmervertreter haben in den letzen Jahren in den                entscheidenden Fragen immer nur Zahnlosigkeit demonstriert.                Dadurch w\u00e4re im Falle des Falles jeder sich selbst der N\u00e4chste\u0085<\/p>\n<p>               <a href=\"mailto:vivienne@bohnenzeitung.com?subject=Leserbrief\">                                             Vivienne<\/a><\/p>\n<p>               Link:                           Alle            Beitr\u00e4ge von Vivienne<\/p>\n<p>\u00a0        <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Vivienne&nbsp; &ndash;&nbsp; Juni 2004 Noch l&auml;nger arbeiten, noch weniger Geld? Die Industriellenvereinigung hat einen neuen Pr&auml;sidenten, Veit Sorger ist &#8230; <\/p>\n<p class=\"read-more-container\"><a title=\"Neue Bohnen Zeitung\" class=\"read-more button\" href=\"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/neue-bohnen-zeitung-225\/#more-18266\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber Neue Bohnen Zeitung\">Weiter<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":28639,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-18266","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kritisch-betrachtet","generate-columns","tablet-grid-50","mobile-grid-100","grid-parent","grid-50","resize-featured-image"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18266","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=18266"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18266\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":32199,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18266\/revisions\/32199"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media\/28639"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=18266"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=18266"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=18266"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}