{"id":18279,"date":"2004-01-17T13:40:35","date_gmt":"2004-01-17T13:40:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bohnenzeitung.com\/2004\/01\/neue-bohnen-zeitung-238\/"},"modified":"2022-10-03T16:24:21","modified_gmt":"2022-10-03T14:24:21","slug":"neue-bohnen-zeitung-238","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/neue-bohnen-zeitung-238\/","title":{"rendered":"Neue Bohnen Zeitung"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>                              <br \/>                              von                                                            <a href=\"mailto:vivienne@bohnenzeitung.com\">               Vivienne<\/a>\u00a0                &#8211;\u00a0 Februar 2004<\/strong><\/p>\n<hr\/>\n<p><strong>                              <br \/>Schuld sind immer die                anderen&#8230;<\/strong><\/p>\n<p>               Es                ist noch keine halbe Stunde her, da traute ich meinen Ohren nicht,                als ich von einem Gerichtsurteil h\u00f6rte, das heute in K\u00e4rnten                erging. Ein Spiels\u00fcchtiger hatte die Casinos Austria verklagt,                weil sie\u00a0 &#8211; sinngem\u00e4\u00df \u0096 durch ihr fahrl\u00e4ssiges Verhalten ihm                gegen\u00fcber, seine Spielverluste verursacht hatte und auch noch                Recht bekommen. Einen gro\u00dfen Teil des verspielten Geldes wird                dieser Mann von den Casinos Austria zur\u00fcckerhalten, vielleicht                auch mehr, denn der Anwalt des Mannes m\u00f6chte noch in die                n\u00e4chsth\u00f6here Instanz, da der Richter die R\u00fcckerstattung des                Restbetrages wegen Verj\u00e4hrung abwies. Und alles immer                vorausgesetzt, das Urteil geht auch durch, denn es ist noch nicht                rechtskr\u00e4ftig\u0085<\/p>\n<p>                              Was werfen der Kl\u00e4ger, oder besser gesagt sein Anwalt, den Casinos                Austrias im Detail vor? Nun, ich konnte den Juristen in einem                kurzen Statement im Fernsehen h\u00f6ren und es \u00fcberraschte mich, wie                er die Klage rechtfertigte: \u0085<i>die Kontrollen an den Eing\u00e4ngen                der Casinos seien mangelhaft gewesen <\/i>(offenbar war der Mann                schon einschl\u00e4gig bekannt und hatte Verbot dort!), <i>man habe den                Kl\u00e4ger in alkoholisiertem Zustand spielen lassen<\/i> und <i>das                Tischlimit sei teilweise um vieles \u00fcberh\u00f6ht gewesen<\/i>\u0085. Hoch                interessant, was der Rechtsbeistand da also von sich gab. Dass es                so was wie Eigenverantwortung gibt, hat er wohl noch nicht geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>                              Also z\u00e4umen wir das Pferd einmal von der anderen Seite auf. Der                Mann, von dem ich rede, ist also spiels\u00fcchtig, ein kranker, ein                bedauernswerter Mann im Grunde, der nicht zur Unterhaltung sondern                seiner Sucht wegen ins Casino geht, zwanghaft, und Unsummen                verspielt. Im Grunde wie ein Alkoholiker, der sich um Kopf und                Kragen s\u00e4uft, seinen Job wie sein Hab und Gut verliert. Jetzt                stellen Sie sich einmal vor: so ein Trinker klagt sein Stammbeisl,                in dem er sich jeden Tag vollaufen lie\u00df, weil er dort immer soviel                Alkohol wie er wollte bekam. Weil das Gebot, dass an                Alkoholisierte nichts mehr ausgeschenkt werden darf, ziemlich                gro\u00dfz\u00fcgig gehandhabt wurde. Weil er halt Geld brachte. Glauben Sie                ernsthaft, diese Klage h\u00e4tte eine Aussicht auf Erfolg?<\/p>\n<p>                              Mitnichten! Ich bezweifle nicht, dass jener Spiels\u00fcchtige aus                K\u00e4rnten kein leichtes Leben hatte, ja, dass er das Geld gut                gebrauchen kann, das er den Casinos im Lauf der Jahre \u00fcberlassen                hatte (vor allem auch f\u00fcr seinen Anwalt!). Aber ist es nicht zu                billig, in diesem Fall zu argumentieren, die Casinos w\u00e4ren Schuld                an seinem Desaster, weil sie es ihm zu leicht gemacht haben?                Zugegeben, ich bin auf beiden Augen blind, was irgendwelche S\u00fcchte                betrifft. Ich kann mich schwer in dieses Dilemma hineinversetzten,                weil au\u00dfer ein paar H\u00e4ferl Kaffee am Tag und meinem PC hab ich im                Grunde keine Laster. Daher kann ich jener Argumentation nur schwer                folgen. Eigentlich gar nicht.<\/p>\n<p>                              Was ich von S\u00fcchtigen wei\u00df (oder genau genommen gelesen habe),                sagt aus, ob es nun Alkoholiker betrifft oder Drogens\u00fcchtige oder                eben Leute, die Gefangene der Spieltische sind, dass sie in ihrer                Sucht, in ihrem Trieb, dieser \u0084Lust\u0093 nachzukommen, sehr geschickt                und trickreich agieren, wobei sie durchaus auch nicht vor                Handlungen zur\u00fcckschrecken, die strafrechtlich geahndet werden.                Wegen dieser Krankheit ist es ihnen aber v\u00f6llig egal, was                passiert, wenn man sie dabei erwischt. Die Psyche der Betroffenen                ver\u00e4ndert sich im Zuge der Sucht total, man meint fast einen                Menschen mit zwei Pers\u00f6nlichkeiten vor sich zu haben. Und dieser                Mensch bedarf unbestreitbar psychologischer Betreuung.<\/p>\n<p>                              Gerade deshalb w\u00e4re ich aber vorsichtig mit einer                \u0084Vor-Verurteilung\u0093 der Casinos Austria. So ein S\u00fcchtiger ist eben                nicht mit normalen Ma\u00dfst\u00e4ben zu messen, weil er sich im                Bedarfsfall sogar mit gef\u00e4lschten Ausweispapieren Zutritt zu                diesem Etablissement verschaffen w\u00fcrde. Mit dem Wissen, dass er                wegen Urkundenf\u00e4lschung belangt werden k\u00f6nnte. Ja, es ist                furchtbar, was Sucht aus einem Menschen machen kann, aber daran                ist er schon selber auch schuld, nicht speziell die Casinos. Nicht                das Wirtshaus macht einen Alkoholiker sondern die Art und Weise                wie jener seine Probleme l\u00f6st bzw. wie er mit ihnen umgeht. Wer                sie verdr\u00e4ngt und im Alkohol ertr\u00e4nkt, der wird fr\u00fcher oder sp\u00e4ter                damit auch ein ernstes Problem bekommen. Aber daf\u00fcr zeichnet nicht                der Beislwirt verantwortlich sondern der betroffene Mensch. Und                \u00e4hnlich sieht die Sachlage bei den Spiels\u00fcchtigen aus.<\/p>\n<p>                              Eigenverantwortung hei\u00dft das Zauberwort! Man k\u00f6nnte                es beliebig weiterspinnen! <i>Ich bin ja so arm, alle Leute sind                so schlecht zu mir, meine Frau betr\u00fcgt mich und darum saufe ich um                zu vergessen. Oder verspiele mein Geld am einarmigen Banditen. <\/i>               Furchtbar! Mir kommen die Tr\u00e4nen! Ja, keine Frage, man hat\u0092s oft                nicht leicht im Leben. Manchmal bekommt das Gef\u00fchl, dass die ganze                Welt gegen einen antritt, auch die Oberhand. Richtig. Jedem geht                es mal so. Aber wenn man dann einmal ganz unten angekommen ist,                hilft es sicher nicht weiter, sich auf die \u0084anderen\u0093 auszureden,                ihnen den schwarzen Peter zuzuschieben. Man hat durchaus die                M\u00f6glichkeit, mit seinen eigenen Entscheidungen vieles zu                beeinflussen, vielleicht nicht kurzfristig aber auf l\u00e4ngere Sicht.                Ohne predigen zu wollen: <b>seine Fehler                macht man noch immer selber\u0085<\/b><\/p>\n<p>                              Zur\u00fcck zu dem besagten Herren aus dem s\u00fcdlichsten Bundesland.                Sollte das fragw\u00fcrdige Urteil tats\u00e4chlich rechtskr\u00e4ftig werden \u0096                was w\u00fcrde er wohl mit dem Geld anfangen? Nun, ich gehe davon aus,                dass er wohl selber nicht viel davon haben d\u00fcrfte. Ein Spieler hat                wie jeder andere S\u00fcchtige meistens ziemlich hohe Schulden, die                erst einmal abgegolten werden m\u00fcssen. Ich geh jetzt nicht in                totalem Zynismus davon aus, dass er jene Summe, die ihm bleibt,                auch wieder verspielen k\u00f6nnte. Aber der Gewinner ist in dieser                Causa f\u00fcr mich nur einer, n\u00e4mlich der Rechtsbeistand des Kl\u00e4gers,                der sicher mit der Aussicht auf einem nicht unerheblichen                Prozentsatz (50%?) am erstrittenen Geld das Risiko dieser Klage                auf sich genommen hat.<\/p>\n<p>                              Anw\u00e4lte nennt man \u0096 aus bekannten Gr\u00fcnden &#8211; oft Rechtsverdreher\u0085                In diesem Fall scheint mir wieder einer aktiv geworden zu sein.<\/p>\n<p>               <a href=\"mailto:vivienne@bohnenzeitung.com?subject=Leserbrief\">                                             Vivienne<\/a><\/p>\n<p>                              Sag&#8216; uns deine Meinung im                              Bohnen Forum !<\/p>\n<p>               Link:                           Alle            Beitr\u00e4ge von Vivienne<\/p>\n<p>\u00a0        <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Vivienne&nbsp; &ndash;&nbsp; Februar 2004 Schuld sind immer die anderen&hellip; Es ist noch keine halbe Stunde her, da traute ich &#8230; <\/p>\n<p class=\"read-more-container\"><a title=\"Neue Bohnen Zeitung\" class=\"read-more button\" href=\"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/neue-bohnen-zeitung-238\/#more-18279\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber Neue Bohnen Zeitung\">Weiter<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":28639,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-18279","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kritisch-betrachtet","generate-columns","tablet-grid-50","mobile-grid-100","grid-parent","grid-50","resize-featured-image"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18279","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=18279"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18279\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":32212,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18279\/revisions\/32212"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media\/28639"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=18279"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=18279"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=18279"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}