{"id":18304,"date":"2004-01-17T13:40:35","date_gmt":"2004-01-17T13:40:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bohnenzeitung.com\/2004\/01\/neue-bohnen-zeitung-263\/"},"modified":"2022-10-03T16:24:21","modified_gmt":"2022-10-03T14:24:21","slug":"neue-bohnen-zeitung-263","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/neue-bohnen-zeitung-263\/","title":{"rendered":"Neue Bohnen Zeitung"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>                              <br \/>                              von                                                            <a href=\"mailto:vivienne@bohnenzeitung.com\">               Vivienne<\/a>\u00a0                &#8211;\u00a0 Juli 2004<\/strong><\/p>\n<hr\/>\n<p><strong>                              <br \/>Wasser predigen, Wein                trinken&#8230;<\/strong><\/p>\n<p>               <i>               Die rote Vivienne<\/i>                \u0096 beinahe schon ein gefl\u00fcgeltes Wort. Mit dem famili\u00e4ren                Background &#8211; mein Vater ist jahrzehntelanges Mitglied der SP\u00d6 und                au\u00dferdem fast ebenso lange bei der Gewerkschaft \u0096 und gepr\u00e4gt                durch die Annehmlichkeiten der Kreisky-\u00c4ra in den 70er Jahren                konnte ich ohnedies nur einen Pfad einschlagen: der \u0084rote\u0093 Teppich                war mir vorgezeichnet, ob ich nun wollte oder nicht. Ich w\u00fcrde im                Grunde meines Herzens auch nie eine andere Partei w\u00e4hlen, obwohl                mich die Erfahrungen meines Lebens vor allem in den letzten Jahren                gelehrt haben, dass nicht alle Mitglieder und Sympathisanten                dieser \u0084Bewegung\u0093, konnte man fast schon einmal sagen, auch meine                Zustimmung verdienen. Und eigenartigerweise entpuppten sich gerade                die Linken in so genannten \u0084sozialen Einrichtungen\u0093 als jene                Vertreter diese Spezies, die \u0084SP\u00d6 zum Abgew\u00f6hnen\u0093 praktizierten.<\/p>\n<p>                              Wie man vielleicht nicht notwendigerweise annehmen k\u00f6nnte, hat                Ihre Vivienne in ihrem Leben auch immer wieder Phasen der                Arbeitslosigkeit durchgemacht. Und in diversen Kursen \u0096 ich kann                Ihnen leider, muss ich sagen, um Schwierigkeiten aus dem Weg zu                gehen, den Namen der Einrichtung nicht nennen \u0096 lernte ich diverse                vermeintliche \u0084Gesinnungsfreunde\u0093 von einer Seite kennen, die mir                im Vergleich dazu Wolfgang Sch\u00fcssel fast in einem sympathischen                Licht erscheinen lie\u00dfen. Die \u0084rote\u0093 Pr\u00e4potenz und                Selbstgerechtigkeit so manches \u0084Genossen\u0093 stank gerade zu zum                Himmel. Die Problematik jener Leute mit dem \u0084gro\u00dfen Herzen f\u00fcr die                Ausl\u00e4nder\u0093 habe ich schon an anderer Stelle immer wieder                angerissen. Dass es bei weitem nicht allen Ausl\u00e4ndern schlecht                geht, sondern &#8211; wie mir ein lieber Freund versicherte, der                sozusagen am Amt an der Quelle sitzt \u0096 ganz im Gegenteil vielen                Asylwerbern mehr Geld gleich zu Anfang zusteht, als der hoch                qualifizierte Freund von mir selber verdient.<\/p>\n<p>                              Nicht dass man jenen Leuten, die sich ja eine neue Existenz                aufbauen m\u00fcssen, diese Gelder gleich neiden muss, das steht mir                fern zu fordern, aber \u00d6sterreich als eine asoziale Hochburg der                Fremdenfeindlichkeit darzustellen, wie es immer wieder passiert,                stellt doch durch gewisse linke Kreise eine der \u00fcbelsten Formen                der Nestbeschmutzung dar. Besonders tat sich gerade in dieser Form                eine Trainerin aus dem Bezirk Linz-Land hervor, der ich vor gut                drei Jahren, etwa zu dem Zeitpunkt, als ich\u00a0 &#8211; arbeitslos &#8211; bei                der Bohne zu schreiben begonnen hatte, zwangsweise unterstellt                wurde. Ein Musterbeispiel jener linkslinken \u0084Gutmenschen\u0093, die im                fauligen Grenzbereich zum Kommunismus gro\u00df geworden sind und einen                \u0084Standesd\u00fcnkel\u0093 betreiben, der seinesgleichen sucht.<\/p>\n<p>                              Die Kursgruppe, in die ich gesteckt worden war, war bunt gemischt:                neben zwei Akademikern und eben mir, die wir uns vom                Bildungsstatus der anderen um einiges abhoben, fanden sich unter                anderem auch Hilfsarbeiter und einige randalierende Alkoholiker in                der Truppe. Je l\u00e4nger diese v\u00f6llig sinnlose Ma\u00dfnahme dauerte, in                der sinnigerweise (zur \u0084Gruppenf\u00f6rderung\u0093 nehme ich wohl an?)                unz\u00e4hlige Dart-Tourniere (!) stattfanden, desto mehr wurde mir                bewusst, dass diese Kurse im Grunde nichts anderes waren und sind                als Arbeitsbeschaffung f\u00fcr diese Trainer, die mit Hilde der                F\u00f6rderungen von AMS und EU ein sehr sch\u00f6nes und bequemes Leben                f\u00fchren k\u00f6nnen. Das \u0084Spitzelwesen\u0093 bl\u00fchte \u00fcberdies und eine                Kollegin, die sich bei jedem beliebt machen wollte, entpuppte sich                als Freundin der Trainerin, die sich mit dem \u0084Weitergeben\u0093 der                Infos einen Platz in einer begehrten wie gef\u00f6rderten Ma\u00dfnahme                verdiente\u0085<\/p>\n<p>                              Pech gehabt! Wegen meiner leichthin wie offen innerhalb der Gruppe                ge\u00e4u\u00dferten Kritik an der Person jener Trainerin mit dem gro\u00dfen                Ausl\u00e4nderherzen, hatte ich daher auch keine Chance auf wirkliche                Unterst\u00fctzung. Und nicht nur, weil ich in den Medienbereich                wollte. Mit mir hatte Frau \u0084Linkslinks\u0093 noch ganz andere Pl\u00e4ne,                die man nicht f\u00fcr m\u00f6glich halten sollte. Halten Sie sich fest: ein                Kollege aus der Ma\u00dfnahme, im \u00dcbrigen eines ihrer Liebkinder,                d\u00fcrfte sich in mich verliebt gehabt haben und es schien aus dem                Grund sehr viel einfacher mich in eine Beziehung \u0084abzuschieben\u0093                statt mir sinnvoller Weise wieder in die Berufswelt zur\u00fcck zu                helfen. Erst einmal durch einen Mann \u0084versorgt\u0093 w\u00e4re ich in der                Arbeitslosenstatistik n\u00e4mlich nicht mehr aufgefallen. Die                l\u00e4cherlichen Kuppelversuche fruchteten allerdings nichts, obwohl                sie mit ihren Beziehungen dem besagten Kurskollegen einen                lukrativen Job verschaffte und ihn mir immer wieder unterschwellig                schmackhaft machen wollte. Mir war jener junge Mann im Grunde                n\u00e4mlich ziemlich egal und als offensichtliches Protektionskind                jener Trainerin schien er mehr suspekt als alles andere.<\/p>\n<p>                              Vor allem weil diese Trainerin bei verschiedenen Anl\u00e4ssen immer                wieder bewies, dass ihre linken Beteuerung halbherzig waren. Und                das Herz eben doch nicht so gro\u00df\u0085 Wie im Falle einer geb\u00fcrtigen                Rum\u00e4nin aus dem Kurs, die gerne eine Altenpflege-Ausbildung                begonnen h\u00e4tte, aber chancenlos blieb. Oder auch im Falle des                zweiten Akademikers, der zwar unzweifelhaft ein v\u00f6lliger Chaot                war, aber im Gegensatz zum gleichfalls sponsierten Kollegen in                eine Zwangsma\u00dfnahme als Hilfsarbeiter abgeschoben werde sollte.                Die Trainerin verteilte der das F\u00fcllhorn ihrer Gunst n\u00e4mlich sehr                stark nach ihrer Sympathie. Und darum durfte der \u0084bessere\u0093                Akademiker auch einen besonderen Beweis des Wohlwollens erfahren:                n\u00e4mlich in Form eines mit Kursgeldern bezahlten teuren Inserates                in einer der besten Tageszeitungen des Landes.<\/p>\n<p>                              Wie schreibt George Orwell? <i>Manche sind gleicher als andere<\/i>,                und er hat damit die Ausw\u00fcchse aller (totalit\u00e4ren)                Regierungsformen angeprangert, nicht nur des Faschismus. Jene                Trainerin war eine Mustervertreterin der Orwell-Theorie und meine                schier unglaublichen Erfahrungen in diesem Kurs, denen ich noch                einiges hinzuzuf\u00fcgen h\u00e4tte, haben meinen Glauben in einen \u0084roten                Rechtsstaat\u0093 stark ersch\u00fcttert. <i>Wasser predigen, Wein trinken<\/i>                \u0096 so hei\u00dft die Devise eben \u00fcberall, ob rot, ob schwarz, ob blau,                ob gr\u00fcn. Diesen Eindruck wird man nicht und nicht los. Ich habe                mich in jener Ma\u00dfnahme immer weder gefragt, wie es kommt, dass f\u00fcr                Derartiges so viel Geld da ist, ohne dass den Arbeitslosen fair                und gerecht Unterst\u00fctzung gew\u00e4hrt wird. Mehr als das: ich denke,                dass die Zeit eines Arbeitslosen \u00fcberall besser genutzt ist als in                so einem Kurs. Und das AMS w\u00fcrde sich dann jede Menge F\u00f6rderungen                sparen. Aber &#8211; man kann sich gegen Derartiges nicht wehren,                leider. Arbeitslose haben nun mal keine Lobby, weil sie allerorts                nur als Sozialschmarotzer gelten.\u00a0<\/p>\n<p>                              Und die Linken schauen zu und f\u00f6rdern diese Ungerechtigkeiten                teilweise auch noch! Weit entfernt von den Ambitionen und                Zielsetzungen eines Karl Marx, der sich im Grabe umdrehen w\u00fcrde,                ahnte er, was hier und jetzt in seinem Namen geschieht\u0085<\/p>\n<p>               <a href=\"mailto:vivienne@bohnenzeitung.com?subject=Leserbrief\">                                             Vivienne<\/a><\/p>\n<p>               Link:                           Alle            Beitr\u00e4ge von Vivienne<\/p>\n<p>\u00a0        <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Vivienne&nbsp; &ndash;&nbsp; Juli 2004 Wasser predigen, Wein trinken&hellip; Die rote Vivienne &#150; beinahe schon ein gefl&uuml;geltes Wort. 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