{"id":18385,"date":"2005-01-17T13:40:35","date_gmt":"2005-01-17T13:40:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bohnenzeitung.com\/2005\/01\/neue-bohnen-zeitung-290\/"},"modified":"2022-10-03T16:24:21","modified_gmt":"2022-10-03T14:24:21","slug":"neue-bohnen-zeitung-290","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/neue-bohnen-zeitung-290\/","title":{"rendered":"Neue Bohnen Zeitung"},"content":{"rendered":"\n<p>               <strong>               <br \/>                              von                                                            <a href=\"mailto:vivienne@bohnenzeitung.com\">               Vivienne<\/a>\u00a0                &#8211;\u00a0 Februar 2005<\/strong><\/p>\n<hr\/>\n<p><strong>                              <br \/>Sinn und Unsinn diplomatischer                Immunit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p>                              Vorab: irgendwann in grauer Vorzeit hatte die diplomatische                Immunit\u00e4t durchaus ihre Bedeutung, die ich grunds\u00e4tzlich gar nicht                in Abrede bringen m\u00f6chte. In der \u0084Urzeit\u0093 der noch sehr unsicheren                Demokratien waren Staatsleute und Diplomaten immer wieder                politischer Verfolgungen ausgesetzt und wurden in Haft genommen.                Meist unter Anklage von nie begangenen Delikten oder man warf                ihnen ihr Engagement vor. Um das m\u00f6glichst zu vermeiden, wurden                diese Leute in der Folge unter diplomatische oder politische                Immunit\u00e4t gestellt, die sie zumindest teilweise vor derartigen                ungerechtfertigten Anschuldigungen sch\u00fctzen sollten. Oder vor                Anklagen wegen Taten zum Wohle der Regierung\u0085<\/p>\n<p>                              Heutzutage sieht die Situation etwas anders aus. Im westlich                orientierten Europa ist die Demokratie die verbreitetste                Regierungsform und selbst in den wenigen Monarchien wurden die                Regierungsh\u00e4upter stark beschnitten, was ihre Rechte und                M\u00f6glichkeiten betrifft. Und ein Parlament wird auch (fast) \u00fcberall                gew\u00e4hlt. Die politische und diplomatische Immunit\u00e4t gibt es                trotzdem noch immer, obwohl Verfolgung und ungerechtfertigte                Anklage l\u00e4ngst nicht mehr an der Tagesordnung stehen. Sie erf\u00fcllt                f\u00fcr die Privilegierten mittlerweile einen ganz anderen, aber umso                fragw\u00fcrdigeren Zweck. Politiker aus dem benachbarten fr\u00fcheren                Osten zum Beispiel kommen n\u00e4mlich gern zum Rasen auf \u00d6sterreichs                Autobahnen.<\/p>\n<p>                              Immer wieder, so kann man regelm\u00e4\u00dfig in den Zeitungen nachlesen,                wird einer der hohen Herren mit Geschwindigkeiten jenseits der                200km\/h gemessen oder auch gestoppt, nur passiert nichts, weil                diese M\u00e4nner ihre Immunit\u00e4t weidlich ausnutzen. Man kann ihnen                weder den F\u00fchrerschein abnehmen noch sie zu einer Strafe                verdonnern. Bedenklich. Nicht allein wegen der                Geschwindigkeits\u00fcberschreitung. Der Punkt ist: was tun, wenn einer                dann nur mehr zum Stehlen, Rauben oder Einbrechen nach \u00d6sterreich                kommt und einfach nicht belangt werden kann, wegen einer                politischen Immunit\u00e4t, die sich hier auf fragw\u00fcrdige Art und Weise                ad absurdum f\u00fchrt?<\/p>\n<p>                              Man braucht es gar nicht besonders zu betonen. In Zeiten wie                diesen ist jene Form der politischen oder diplomatischen Immunit\u00e4t                nicht mehr von N\u00f6ten. Nicht in der westlichen Demokratie. Ganz im                Gegenteil. Sie wird missbraucht und schamlos ausgenutzt. Nach dem                Motto: <b>Sollen sich die anderen nach Gesetzen richten, f\u00fcr mich                gelten sie nicht!<\/b> Ich pers\u00f6nlich bin ohnedies der Ansicht: wer                keinerlei Geschwindigkeitslimits akzeptieren kann oder trotz                schlechter Sicht oder Eis auf der Stra\u00dfe freiwillig seine                Geschwindigkeit nie reduziert, hat einen geistigen Defekt. Aber                darum geht es in der Frage nach der verfehlten Wirkung von                Immunit\u00e4t nicht vorrangig. Die Frage ist vielmehr: wo werden                letztlich die Grenzen bei der Immunit\u00e4t gesetzt?<\/p>\n<p>               In                Amerika gab es vor einigen Jahren einen Fall, bei dem eine Frau                ihren Vergewaltiger, der schon mehrfach wegen dieses Deliktes                angeklagt worden und frei gegangen war, nach dem neuerlichen                Freispruch erschoss. Der Triebt\u00e4ter war ein ausl\u00e4ndischer                Diplomat, der seine Immunit\u00e4t dazu benutzte um ungehindert seine                kranken Triebe auszuleben und der immer wieder Frauen in seine                Gewalt brachte um sie zu missbrauchen. Obwohl seine Regierung                informiert war \u00fcber dieses \u0084schwarze Schaf\u0093, sah sie keinen                Handlungsbedarf. Der Mann wurde weder abberufen noch seine                diplomatische Immunit\u00e4t widerrufen. Ein Freibrief zur                Frauenvergewaltigung von der eigenen Regierung. Und wenn das                letzte Opfer dem Leben dieses widerw\u00e4rtigen Triebt\u00e4ters nicht ein                Ende gesetzt h\u00e4tte, w\u00fcrde er wohl heute noch ungestraft Frauen                \u00fcberfallen.<\/p>\n<p>                              F\u00fcr die Justiz ist diese Frau aber nur eine M\u00f6rderin, die                Selbstjustiz ge\u00fcbt hat. Ein Extremfall, ganz sicher, aber ein                weiterer klarer Beweis daf\u00fcr, dass die politische und                diplomatische Immunit\u00e4t in dieser Form ausgedient hat. Dieses                Privileg soll kein Freibrief sein, kranke Veranlagungen                auszuleben, und dazu geh\u00f6rt f\u00fcr mich auch das stetige Rasen auf                (ausl\u00e4ndischen) Autobahnen. Ob sich an der Regelung der Immunit\u00e4t                in absehbarer Zeit etwas \u00e4ndern wird, kann ich schwer einsch\u00e4tzen.                F\u00fcr mich sind halt speziell die Raser mit Freibrief tickende                Zeitbomben, weil nicht abzusehen ist, wann sie einmal jemanden zu                Tode fahren. Niemand soll mir ernsthaft erz\u00e4hlen, dass man mit                weit \u00fcber 200 km\/h sein Fahrzeug noch ernsthaft unter Kontrolle                hat! Das ist v\u00f6llige Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung, wohl erst hervorgerufen                durch einen \u0084Geschwindigkeitsrausch\u0093.<\/p>\n<p>                              Aber zur\u00fcck zum Thema. Vor ein paar hundert Jahren also hatte                Immunit\u00e4t bei Politikern und Diplomaten zweifelsohne eine wichtige                Bedeutung, denn in den Zeiten der franz\u00f6sischen Revolution 1789,                als sie erstmals Verbreitung fand, sa\u00dfen die K\u00f6pfe bisweilen sehr                locker zwischen den Schultern. Aber in diesen Tagen\u00a0 w\u00e4re es wohl                mehr als nur notwendig, diese genauer zu definieren und wenn n\u00f6tig                auch in gewissen Bereichen ordentlich zu beschneiden. Denn niemand                rast im Namen und zum Schutz seines Vaterlandes auf (fremden)                Autobahnen sondern nur zum eigenen Plaisier. Und da geh\u00f6rt                angesetzt!<\/p>\n<p>               <a href=\"mailto:vivienne@bohnenzeitung.com?subject=Leserbrief\">                                             Vivienne<\/a><\/p>\n<p>               Link:                           Alle            Beitr\u00e4ge von Vivienne<\/p>\n<p>\u00a0        <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Vivienne&nbsp; &ndash;&nbsp; Februar 2005 Sinn und Unsinn diplomatischer Immunit&auml;t Vorab: irgendwann in grauer Vorzeit hatte die diplomatische Immunit&auml;t durchaus &#8230; <\/p>\n<p class=\"read-more-container\"><a title=\"Neue Bohnen Zeitung\" class=\"read-more button\" href=\"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/neue-bohnen-zeitung-290\/#more-18385\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber Neue Bohnen Zeitung\">Weiter<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":28639,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-18385","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kritisch-betrachtet","generate-columns","tablet-grid-50","mobile-grid-100","grid-parent","grid-50","resize-featured-image"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18385","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=18385"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18385\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":32263,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18385\/revisions\/32263"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media\/28639"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=18385"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=18385"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=18385"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}