{"id":18444,"date":"2002-01-17T13:40:35","date_gmt":"2002-01-17T13:40:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bohnenzeitung.com\/2002\/01\/neue-bohnen-zeitung-325\/"},"modified":"2022-10-03T16:24:15","modified_gmt":"2022-10-03T14:24:15","slug":"neue-bohnen-zeitung-325","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/neue-bohnen-zeitung-325\/","title":{"rendered":"Neue Bohnen Zeitung"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>                              <br \/>               DIE BUNTE WELT VON                VIVIENNE<br \/>von <a href=\"mailto:silvia_pree@hotmail.com\">               Vivienne<\/a>\u00a0               &#8211;\u00a0                August 2002<\/strong><\/p>\n<hr\/>\n<p><strong>                              <br \/>Von der Verlogenheit                unserer Gesellschaft, Teil 1<\/strong><\/p>\n<p>               &#8230;hat es f\u00fcr                beide noch lange nicht dieselbe Auswirkung. Schon Oscar Wilde                sagte mit spitzer Zunge: <i>Von allen Posen ist die moralische die                unanst\u00e4ndigste<\/i> und traf damit den Nagel auf den Kopf. Dieses                Zitat kam mir neulich wieder zu Bewusstsein, als Albert und ich                bei Bea und Louis eingeladen waren. Es war Zufall, dass Bea                erw\u00e4hnte, dass unser B\u00fcrgermeister, Herr Buchegger, jetzt wieder                Direktor der Hauptschule war, die auch wir in unseren Jugendtagen                besucht hatten. Ich war einigerma\u00dfen \u00fcberrascht. \u0084Seit wann? Jetzt                war doch, wie hie\u00df er noch gleich, richtig, der Wanninger, so                viele Jahre Hauptschuldirektor! Was ist denn mit dem geworden?\u0093\u00a0                Bea schenkte mir noch eine Tasse Kaffee ein. \u0084Pension! Ren\u00e9e,                unsere liebe Schwester, hat es mir vor ein paar Wochen erz\u00e4hlt. Er                muss auch schon \u00fcber 60 Jahre alt sein!\u0093<\/p>\n<p>               Tats\u00e4chlich?                dachte ich mir. Und sein j\u00fcngster Sohn ist dann mit Sicherheit                auch schon 20 Jahre alt&#8230; dieses \u0084Kind der S\u00fcnde\u0093, wenn es nach                ein paar Moralisten in unserer Gemeinde ging. Mein Gehirn begann                zu arbeiten, ich bl\u00e4tterte meine Erinnerungen zur\u00fcck in meine                eigene Hauptschulzeit Ende der 70er Jahre&#8230; Lehrer Franz                Wanninger war ein mittelgro\u00dfer Mann, mit r\u00f6tlichen Haaren, der                sich als Deutsch- und Englischlehrer unter den Sch\u00fclern mit seiner                ungew\u00f6hnlich harten Art schnell Respekt verschaffte. Ich erinnere                mich, wie er einen Schulkollegen, der als Streich das neue Fahrrad                einer Kollegin benutzt und irgendwo liegen gelassen hatte,                gema\u00dfregelt hatte: Wanninger zwang ihn, durch alle Klassen zu                gehen, und zu gestehen, dass er ein Dieb sei. Ja, teilweise war er                sicher gef\u00fcrchtet, der Wanninger. Charakteristisch f\u00fcr ihn war                auch, dass er die Sch\u00fcler immer mit Familiennamen anredete, die                M\u00e4dels dazu mit der Endung \u0084-in\u0093, lange bevor z.Bsp. die                verpflichtende Unterscheidung Magister\/Magistra ein Thema in                unserer ach so modernen Gesellschaft wurde. Keine Ahnung, ob er                ein guter P\u00e4dagoge war, ich denke, nicht, ich hatte aber Gott sei                Dank wenig zu tun mit ihm und es gab viel schlimmere Lehrer bei                uns,\u00a0 kein Frage.<\/p>\n<p>               Wanninger war                verheiratet und hatte zwei Kinder, eine Tochter und einen Sohn.                Seine Frau habe ich nie kennen gelernt, die Kinder kannte ich nur                vom Sehen, hatte aber keinen gro\u00dfen Kontakt zu ihnen. Unter den                Lehrerkollegen war da noch die Frau M\u00f6rtenb\u00f6ck, eine eher                unscheinbare, kleingewachsene Frau mit l\u00e4ngeren, dunklen Haaren                und Brillen. Sie unterrichtete Bildnerische Erziehung und                Leibes\u00fcbungen, fallweise Musik. Sie hatte mit ihrer viel zu                sanften Art oft unter den Kindern zu leiden und wurde von ihnen                immer wieder sekkiert \u0096 um ein Beispiel zu geben: als sie einmal                in einer Klasse erw\u00e4hnte, dass sie das Rascheln gewisser                Plastiksackerl nicht ausstehen k\u00f6nne, tauchten bei der n\u00e4chsten                gemeinsamen Stunde die Sch\u00fcler unisono mit ebensolchen                Plastiksackerl auf, in dem sie das Bastelmaterial f\u00fcr den                Unterricht mitbrachten. So ein Typ war sie also&#8230; Auch Frau                M\u00f6rtenb\u00f6ck war verheiratet und hatte eine Tochter im                Vorschulalter. Bekannt war schon zu meiner aktiven Schulzeit, dass                die M\u00f6rtenb\u00f6ck und der Wanninger eng befreundet waren, obwohl sie                zwei so gegens\u00e4tzliche Charaktere waren.<\/p>\n<p>               Getuschelt wurde                immer viel, aber da beide verheiratet waren, nahm das keiner                wirklich ernst. Ich kann mich noch gut an so manche Episode                erinnern. Zur Vorweihnachtszeit lie\u00df uns die M\u00f6rtenb\u00f6ck, die ich                einige Jahre in Zeichnen bzw. Basteln hatte, mit einer                Bastelarbeit allein. Ich hatte schon einige Strohsterne                zusammengeklebt, und mir war fad, weil die M\u00f6rtenb\u00f6ck nicht und                nicht auftauchte. \u0084Wisst\u0092s was\u0093, sagte ich zu einer Schulkollegin,                \u0084jetzt nehm\u0092 ich die Strohsterne und geh r\u00fcber zu ihr ins                Konferenzzimmer. Soll sich das einmal anschauen, was ich da so                mache. Da kriegst ja graue Haare!\u0093 Meine Kollegen lachten und                meinten, ich m\u00f6ge das doch bleiben lassen. Aber ich stand auf,                nahm vorsichtig den Weihnachtsbehang und ging vom Zeichensaal ins                Konferenzzimmer. Welch eine \u00dcberraschung! Ich fand unsere Lehrerin                im trauten Gespr\u00e4ch mit Franz Wanninger, der offenbar gerade eine                Freistunde hatte. Ungeniert, ich lie\u00df mir meine \u00dcberraschung nicht                anmerken, breitete ich die Strohsterne vor beiden aus und fragte,                ob diese schon in Ordnung w\u00e4ren&#8230; Den beiden war die Situation                sp\u00fcrbar peinlich, das merkte ich, auch wenn mir als 11j\u00e4hrigem                M\u00e4del nicht ganz klar war, warum, aber Wanninger lenkte mich mit                ein paar Bemerkungen ab und schickte mich wieder retour.<\/p>\n<p>               Mit meiner                ausf\u00fchrlichen Erz\u00e4hlung, dass die M\u00f6rtenb\u00f6ck gerade ein                Rendez-vous mit dem Wanninger im Konferenzzimmer hatte, erntete                ich gro\u00dfes Hallo und Gel\u00e4chter in der Klasse. Wir redeten nur mehr                durcheinander und machten vergleichsweise naive Scherze zur                Geschichte. Geglaubt hat trotzdem niemand von uns, dass die beiden                wirklich ein Verh\u00e4ltnis h\u00e4tten. Wie gesagt, beide waren                verheiratet, ganz gut sogar, was man so annehmen hatte k\u00f6nnen.                Aber trotzdem muss in den Ehen der beiden schon l\u00e4nger etwas nicht                gestimmt haben. Diese enge Freundschaft der zwei Lehrer war                geraume Zeit rein platonisch gewesen, aber irgendwann \u0096 auf wessen                Initiative auch immer \u0096 \u00fcberschritten die beiden die Grenze und                begannen ein au\u00dfereheliches Verh\u00e4ltnis miteinander. Schwer zu                sagen, wie lange sie dieses verbergen konnten, aber das konnten                die beiden nicht auf Dauer. Ein paar Sch\u00fcler erwischten die beiden                in flagranti und der Ehebruch wurde zum \u0084Talk of the town\u0093,                Tagesgespr\u00e4ch an der Hauptschule, in der Gemeinde und den                angrenzenden Orten. Unsere Heimatgemeinde hatte einen handfesten                Skandal!<\/p>\n<p>               Als dieser                \u0084handfeste Skandal\u0093 ruchbar wurde, ging ich gerade in die erste                Klasse der AHS und meine j\u00fcngeren Geschwister berichteten t\u00e4glich                life von den neuen Ereignissen. Zwei Ehen, die schon lange nicht                mehr gut gewesen waren, zerbrachen endg\u00fcltig. Wanninger und                M\u00f6rtenb\u00f6ck zogen offiziell in eine gemeinsame Wohnung, beider Ehen                wurden relativ rasch geschieden. Was auch n\u00f6tig wurde \u0096 die                M\u00f6rtenb\u00f6ck erwartete ein Kind, wie sich herausstellte, und ihr                Ex-Mann war mit Sicherheit nicht der Vater. Schneller als                irgendjemand mitbekam, waren die beiden auch miteinander                verheiratet. Der \u0084Volkszorn\u0093 entlud sich weniger auf Wanninger als                viel mehr auf der M\u00f6rtenb\u00f6ck, die Spott, H\u00e4me aber auch w\u00fcste                Beschimpfungen ertragen musste. Als bei einem Schulfest die                M\u00f6rtenb\u00f6ck mit einer Klasse eine Vitrine gestaltet hatte,                kritzelten ein paar offensichtlich durch ihre Eltern                aufgestachelten Sch\u00fcler ein kleines Schild mit den Worten \u0084M\u00f6rtenb\u00f6ck,                die Hure\u0093 und klebten sie oben und f\u00fcr jedermann sichtbar fest.                Die Gemeinde hatte \u0084getagt\u0093 und die M\u00f6rtenb\u00f6ck f\u00fcr schuldig                befunden obwohl zu einem Ehebruch zwei Leute geh\u00f6ren. Obwohl mit                Sicherheit Wanninger nicht von ihr in den Ehebruch getrieben oder                gar gen\u00f6tigt worden war&#8230; <\/p>\n<p>               Eine Weile hielt                sich noch hartn\u00e4ckig das Ger\u00fccht, dass die M\u00f6rtenb\u00f6ck auch an die                Schule einer anderen Gemeinde versetzt werden m\u00fcsse \u0096 was wohl nur                dem Wunschbild einiger besonders \u0084moralischer\u0093 Mitb\u00fcrger                entsprach. Denn die M\u00f6rtenbeck blieb an unserer Hauptschule, auch                nach ihrer Karenz kehrte sie wieder zur\u00fcck obwohl die Anfeindungen                gerade in den die ersten Jahren nach dem Skandal f\u00fcr sie nicht                leicht gewesen sein d\u00fcrften. Wanninger wurde zumindest offen nicht                angegriffen \u0096 kraft seiner Pers\u00f6nlichkeit, musste aber hinnehmen,                dass nach der Pensionierung des alten Hauptschuldirektors                Bauchinger nicht mehr er der Spitzenkandidat als Nachfolger war                sondern der j\u00fcngere Kollege Egon Haupt vorgezogen wurde. Erst als                der ans Land wechselte um Landesschulrat zu werden, war der Weg                wieder frei f\u00fcr Wanninger&#8230; Da war dann gen\u00fcgend Gras \u00fcber die                Sache gewachsen. <\/p>\n<p>               Mir fiel auf, dass                allgemein bei einem Ehebruch die \u0084Schuld\u0093, wenn man davon                \u00fcberhaupt reden kann, gern der Frau zugeschoben wird. M\u00e4nnern wird                eher zugestanden, sich die Freiheit f\u00fcr einen Seitensprung nehmen                zu k\u00f6nnen&#8230; und diese Situation war auch vor mehr als\u00a0 20 Jahren                in unserer Gemeinde eingetreten. Frau M\u00f6rtenb\u00f6ck hatte in den                Augen von einigen Pharis\u00e4ern zwei Ehen zerst\u00f6rt \u0096 in Wirklichkeit                waren aber beide gleich schuldig am Verlauf der Situation. <i>               Gelegenheit macht Liebe<\/i>, und nicht umsonst entstehen am                Arbeitsplatz die meisten Pantscherl, Gspusi und auch Beziehungen.                Die Moral der Menschen ist eben doppelb\u00f6dig, keine Frage \u0096 wenn                zwei dasselbe tun,&#8230; verhindert oft schon das Geschlecht, dass                fair \u00fcber beide geurteilt wird&#8230; Diese Gedanken gingen durch                meinen Kopf als mir Albert den Arm um die Schulter legte und mich                spitzb\u00fcbisch anl\u00e4chelte: \u0084Na, an wen denkst du da? Muss ich mir                Sorgen um unsere Beziehung machen? Eine halbe Stunde kein Wort von                dir!\u0093 Ich schrak zusammen und kehrte langsam aus der Vergangenheit                in die Realit\u00e4t zur\u00fcck. \u0084Nein, wie kommst du nur auf den                Gedanken,&#8230;\u0093 Ich musste\u00a0 unwillk\u00fcrlich lachen. \u0084Mir sind nur ein                paar Dinge durch den Kopf gegangen&#8230;\u0093 Ich sah ihn an. Wie                erkl\u00e4rte ich ihm das jetzt? \u0084Wei\u00dft du, gerade noch war ich mehr                als 20 Jahre j\u00fcnger&#8230;!\u0093 \u0084Aber sicher!\u0093 antwortete Albert. \u0084Trink                lieber deinen Kaffee aus, damit du wach wirst!\u0093<\/p>\n<p>                                             Vivienne<\/p>\n<p>               Link:                           Alle            Beitr\u00e4ge von Vivienne<\/p>\n<p>\u00a0        <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>DIE BUNTE WELT VON VIVIENNEvon Vivienne&nbsp; &ndash;&nbsp; August 2002 Von der Verlogenheit unserer Gesellschaft, Teil 1 &hellip;hat es f&uuml;r beide &#8230; <\/p>\n<p class=\"read-more-container\"><a title=\"Neue Bohnen Zeitung\" class=\"read-more button\" href=\"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/neue-bohnen-zeitung-325\/#more-18444\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber Neue Bohnen Zeitung\">Weiter<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":28639,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[],"class_list":["post-18444","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-die-bunte-welt-von-vivienne","generate-columns","tablet-grid-50","mobile-grid-100","grid-parent","grid-50","resize-featured-image"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18444","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=18444"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18444\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":31961,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18444\/revisions\/31961"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media\/28639"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=18444"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=18444"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=18444"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}