{"id":18445,"date":"2002-01-17T13:40:35","date_gmt":"2002-01-17T13:40:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bohnenzeitung.com\/2002\/01\/neue-bohnen-zeitung-326\/"},"modified":"2022-10-03T16:24:15","modified_gmt":"2022-10-03T14:24:15","slug":"neue-bohnen-zeitung-326","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/neue-bohnen-zeitung-326\/","title":{"rendered":"Neue Bohnen Zeitung"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>                              <br \/>               DIE BUNTE WELT VON                VIVIENNE<br \/>von                               <a href=\"mailto:vivienne@bohnenzeitung.com\">Vivienne<\/a>\u00a0               &#8211;\u00a0                Dezember 2002<\/strong><\/p>\n<hr\/>\n<p><strong>                              <br \/>Ein bemerkenswertes                Weihnachtsfest<\/strong><\/p>\n<p>                              Weihnachten \u0096 das                Fest der Liebe, Friede auf Erden, den Menschen ein Wohlgefallen.                Weihnachtsmette und Friedenslicht, Kekse und Lebkuchen, Lametta                und Kerzenschein \u0096 klingt das nicht herrlich romantisch? Leider                l\u00e4uft die stillste Zeit des Jahres l\u00e4ngst nicht mehr so ab,                zumindest in den meisten Haushalten. Da ist der wahre Sinn dieses                gro\u00dfen Festes l\u00e4ngst verloren gegangen. Am Heiligen Abend z\u00e4hlt am                meisten der Weihnachtsbraten, und nat\u00fcrlich ob die Geschenke in                ausreichenden Mengen gekommen sind. Im Mittelpunkt stehen oft auch                verschiedene Streitereien mit einzelnen Verwandten, weil es zu                Weihnachten Brauch ist, alle Angeh\u00f6rigen einzuladen. Dass diese                v\u00f6llig unn\u00f6tige N\u00e4he zu Leuten, die einem nicht immer unbedingt                sympathisch sind, zu Stress f\u00fchrt, ist nicht zu bestreiten. Dabei                sollte es viel mehr Demut unter dem Weihnachtsbaum geben, Demut                und Dankbarkeit \u0096 daf\u00fcr etwa, dass man mit dem Baum nicht                abbrennt&#8230;<\/p>\n<p>                              Es muss an die 10                Jahre her sein. Heiligabend, aber in der Natur von Schnee keine                Spur, im Gegenteil.. Wir hatten F\u00f6hn, und vereinzelt bl\u00fchten ein                paar Goldregenstr\u00e4ucher, dass es eine Freude gewesen w\u00e4re \u0096 wenn,                ja, wenn, wir Ende Februar, Anfang M\u00e4rz gehabt h\u00e4tten. Aber so                herrschte einfach das typische mitteleurop\u00e4ische                Weihnachts-Durchschnittswetter vor, denn das M\u00e4rchen von den                \u0084Wei\u00dfen Weihnachten\u0093 war nur von Bing Crosby vor vielen Jahren in                die Welt gesetzt worden, sehr ertragreich \u00fcbrigens. Wie jedes Jahr                zw\u00e4ngte ich eine viel zu gro\u00dfe Nordmanntanne von Bellaflora in den                damals viel zu kleinen Christbaumst\u00e4nder und gab mir alle M\u00fche,                ihn h\u00fcbsch zu schm\u00fccken. Dazwischen gab es immer wieder \u0084gute                Tipps\u0093 von meiner Mutter, die ich zwar absolut nicht gebrauchen                konnte, die ich mir aber andererseits auch nicht verbieten wollte                \u0096 um den Weihnachtsfrieden zu wahren.<\/p>\n<p>                              Allerdings bedurfte                es schon einen enormen Aufwandes sie davon zu \u00fcberzeugen, dass ich                ein paar geschmacklose Uralt-Kugeln ganz bestimmt nicht aufh\u00e4ngen                w\u00fcrde. Bis sie endlich den Raum verlie\u00df, gab es also eine Menge zu                schlucken f\u00fcr mich. Aber wenigstens hatte ich jetzt meine Ruhe.                Ich verteilte die roten Kerzen geschickt am Baum, setzte zum                Abschluss den Spitz auf die Tanne und war ganz zufrieden mit dem                Kompromiss, den ich meiner Mutter abgerungen hatte. Ich wusste                zwar, dass Beatrice entsetzt sein w\u00fcrde \u0096 ihr Freund Louis, mit                dem sie gerade erst einige Wochen zusammen war, war ja in seiner                Familie anderes gewohnt. Aber Louis sch\u00e4tzte ich als recht                unkonventionell sein und ich machte mir keine wirklichen Sorgen                deswegen. Und ich sollte Recht behalten. Also brachte ich noch                rasch ein paar Spritzkerzen                am Baum an, denn Bea dr\u00e4ngte schon, das Essen war fertig. Und ich                war ehrlich gesagt auch ziemlich m\u00fcde vom Schm\u00fccken.<\/p>\n<p>                              Der Fisch war eine                Delikatesse, das Gem\u00fcse war hervorragend. Meine Mutter schmollte                zwar ein wenig, sie h\u00e4tte lieber wieder Bratw\u00fcrstel gegessen wie                all die Jahre zuvor, aber auch diese Klippe konnten wir geschickt                umschiffen. Nur ja kein Streit, das war das Wichtigste.                Anschlie\u00dfend widmeten wir uns dem Abwasch w\u00e4hrend meine Eltern                Karten spielten und Louis den Kaffee aufsetzte, meldete mein                Bruder Claudio vom Wetterbericht. \u0084+12\u00b0 Grad jetzt gerade.\u0093 Was                f\u00fcr ein Weihnachten! Ich hasste zwar die Schnulze von Bing Crosby,                aber ein wenig Schnee w\u00e4re trotzdem nicht schlecht gewesen. Wir                sa\u00dfen um den Tisch und passten auf, dass unsere Eltern beim                Schnapsen nicht in Streit gerieten \u0096 was sich ja nicht immer                vermeiden lie\u00df. Im Fernsehen lief \u0084Licht ins Dunkel\u0093 und so viel                salbungsvolles Sammeln von und Betteln um Spenden mit Prominenten                erm\u00fcdete mich und ich g\u00e4hnte, trotz der zweiten Tasse Kaffee, die                ich nun schon trank.<\/p>\n<p>                              Diese M\u00fcdigkeit                sollte mir noch vergehen. Der Nachmittag zerrann zwar tr\u00e4ge, aber                der Zeiger r\u00fcckte unaufhaltsam gegen 18:00 Uhr, die Stunde, zu der                es bei uns immer zur Bescherung kommt. Schlie\u00dflich gingen Beatrice                und ich zum Christbaum um die Kerzen anzuz\u00fcnden, als ich pl\u00f6tzlich                die hektische Stimme unserer Mutter h\u00f6rte. Ich lie\u00df Bea allein und                lief in die K\u00fcche. Da war aber nichts passiert, ihr war nur die                Brille zu Boden gefallen, und die war Gott sei Dank heil                geblieben. Gesammelt wandte sich die Familie nun ins Wohnzimmer,                aber ich war pl\u00f6tzlich irritiert \u0096 Geruch von Rauch stieg mir in                die Nase. Beatrice w\u00fcrde doch nicht rauchen? Aber nein\u00a0 &#8211; der                Christbaum brannte! Die Nordmanntanne, in der mein ganzes Herzblut                steckte, hatte Feuer gefangen! Beatrice hatte, wie sie sp\u00e4ter                erz\u00e4hlte, eine Spritzkerze angez\u00fcndet, die leider zu knapp am                Lametta Funken spr\u00fchte. Schnell hatte sich das Feuer auf                umliegende \u00c4ste und ein paar Geschenke ausgebreitet. Claudio lief                sofort nach Drau\u00dfen und kam mit einem Eimer voll Sand zur\u00fcck.                              <\/p>\n<p>                              Louis schleppte den                Feuerl\u00f6scher heran, doch die Flammen waren schon erstickt. Ich                \u00f6ffnete das Fenster, so dass der Rauch abziehen konnte. Jetzt                waren wir erst in der Lage, das ganze Ausma\u00df des Brandes in                Augenschein zu nehmen. Eine Seite des Baumes sah ziemlich                mitgenommen aus, aber wir drehten den Baum so, dass seine                ramponierten \u00c4ste in die Ecke blickten. Von den sch\u00f6neren Kugeln                war gl\u00fccklicherweise keine verschmort. Bea war nervlich fertig,                doch sie \u00fcberspielte das geschickt. Aber als ich neben ihr stand,                merkte ich wie sie zitterte. Leider waren zwei oder drei Geschenke                ziemlich verkohlt, da war nichts mehr zu machen. \u0084Schei\u00df!\u0093 dachte                ich mir, \u0084Das auch noch!\u0093. Um die hektische Situation zu                entspannen, nahm ich die Fernbedienung und schaltete den CD-Player                ein.  <\/p>\n<p>                              Aber statt einem                Kinderchor mit \u0084Leise rieselt der Schnee\u0093 rockten Queen mit \u0084It\u0092s                a kind of Magic\u0093 aus den Lautsprecherboxen. Da erst fiel mir ein,                dass ich vor ein paar Tagen die CD der britischen Rocker um                Freddie Mercury im CD-Wechsler vergessen hatte. Meine Eltern                blickten sich fast entsetzt an \u0096 sie waren auf den Kinderchor                eingestellt gewesen und mein Musikgeschmack war ihnen immer                suspekt gewesen. Hastig w\u00fchlte ich in den CD\u0092s, nahm Queen raus                und legte die Weihnachts-CD ein. Die Knaben begannen jetzt doch                vom \u0084rieselnden Schnee\u0093 zu singen. Ich sah aus dem Fenster, es                hatte noch immer fast 10\u00b0 Grad drau\u00dfen. Wie sinnig \u0096 mir ging                momentan alles auf den Geist. Ich fixierte die brennenden Kerzen                an der Baumruine, und fragte mich mit Herzklopfen, ob sie heute                noch einmal in Flammen stehen w\u00fcrde. Mittlerweile hatte Bea als                echtes Show-Talent die \u0084Verteilung\u0093 der Geschenke \u00fcbernommen. Die                paar verbrannten P\u00e4ckchen hatte Louis schon verschwinden lassen,                damit es keinen peinlichen Moment mehr geben w\u00fcrde.<\/p>\n<p>                              Gute Laune breitete                sich aus im Wohnzimmer. Ich stand auf und schloss das Fenster                wieder. Im Moment war ich einfach sauer und verw\u00fcnschte mich                selbst. Mit meinen hohen Erwartungen an Weihnachten, die ich jedes                Jahr wieder hatte und die mit sch\u00f6ner Regelm\u00e4\u00dfigkeit wieder und                wieder entt\u00e4uscht wurden. \u0084Na, was haben wir denn da?\u0093 Beas Stimme                klang irgendwie aus einer anderen Welt an mein Ohr. \u0084Ja, was ist                denn da drinnen? So ein gro\u00dfes Paket.\u0093 Ich h\u00f6rte, wie sie es                sch\u00fcttelte. \u0084Gold und Diamanten etwa? Und f\u00fcr wen ist es, was                steht da f\u00fcr ein Name? Vivienne!\u0093 Es gab mir einen Stich, und ich                kehrte aus meiner Welt der tr\u00fcben Gedanken in unser Wohnzimmer                zur\u00fcck. Bea trat an mich heran, zischte mir ein halblautes \u0084Schau                nicht so grimmig!\u0093 zu und dr\u00fcckte mir das Paket grinsend in die                H\u00e4nde&#8230; Da musste ich zum ersten Mal an dem Abend lachen.<\/p>\n<p>                              Der Show-Effekt, den                Bea immer in die Weihnachtsbescherung brachte, verfehlte auch                heuer seine Wirkung nicht. Die wenigen Geschenke, die Opfer des                Brandes geworden waren, wurden auch nicht vermisst. Es waren                anscheinend nur Belanglosigkeiten drinnen gewesen. Ich kann mich                nicht mehr erinnern, was ich an diesem Weihnachtsfest geschenkt                bekam. Darum ging es auch gar nicht. Es ging darum, dass wir am                n\u00e4chsten Tag beim Fr\u00fchst\u00fcck schon Witze rissen \u00fcber die brennende                Nordmanntanne und \u00fcber die Queen-Rocker, die mit \u0084A Kind of Magic\u0093                die Bescherung eingeleitet hatten. Gott sei Dank war nichts                wirklich passiert. Ein wenig wei\u00dfe Farbe auf die W\u00e4nde des                Wohnzimmers \u0096 und kein Mensch w\u00fcrde mehr etwas merken davon, dass                der Baum gebrannt hatte. Alles andere war ersetzbar \u0096 wie viele                Wohnungen brennen jedes Jahr wieder aus, weil auf Adventskr\u00e4nzen                oder Weihnachtsb\u00e4umen Kerzen unbeaufsichtigt oder fahrl\u00e4ssig                niederbrennen?<\/p>\n<p>                              Da konnte man doch                nur sagen: ein kleines Weihnachtswunder war passiert. Und deshalb                gab es auch in Wirklichkeit keinen Grund f\u00fcr mich, Tr\u00fcbsal zu                blasen. Was ich immer wieder gern vergesse: Ein wenig Demut und                weniger Harmoniesucht st\u00fcnden nicht nur mir sondern auch den                meisten anderen Menschen besser an.  <b>               Erwarte dir nichts, und du bekommst so viel&#8230;.<\/b><\/p>\n<p>                              Frohes                Weihnachtsfest!<\/p>\n<p>                              Vivienne<\/p>\n<p>               \u00a0<\/p>\n<p>               Link:                           Alle            Beitr\u00e4ge von Vivienne<\/p>\n<p>\u00a0        <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>DIE BUNTE WELT VON VIVIENNEvon Vivienne&nbsp; &ndash;&nbsp; Dezember 2002 Ein bemerkenswertes Weihnachtsfest Weihnachten &#150; das Fest der Liebe, Friede auf &#8230; <\/p>\n<p class=\"read-more-container\"><a title=\"Neue Bohnen Zeitung\" class=\"read-more button\" href=\"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/neue-bohnen-zeitung-326\/#more-18445\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber Neue Bohnen Zeitung\">Weiter<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":28639,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[],"class_list":["post-18445","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-die-bunte-welt-von-vivienne","generate-columns","tablet-grid-50","mobile-grid-100","grid-parent","grid-50","resize-featured-image"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18445","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=18445"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18445\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":31962,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18445\/revisions\/31962"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media\/28639"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=18445"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=18445"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=18445"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}