{"id":18478,"date":"2004-01-17T13:40:35","date_gmt":"2004-01-17T13:40:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bohnenzeitung.com\/2004\/01\/neue-bohnen-zeitung-359\/"},"modified":"2022-10-03T16:24:22","modified_gmt":"2022-10-03T14:24:22","slug":"neue-bohnen-zeitung-359","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/neue-bohnen-zeitung-359\/","title":{"rendered":"Neue Bohnen Zeitung"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>                              <br \/>                              von                                                            <a href=\"mailto:vivienne@bohnenzeitung.com\">               Vivienne<\/a>\u00a0                &#8211;\u00a0 Juli 2004<\/strong><\/p>\n<hr\/>\n<p><strong>                              <br \/>Der Brandstifter<\/strong><\/p>\n<p>                              Samstagvormittag lag ich mehr als ich sa\u00df in meinem bequemen                Ohrensessel, vor mir die Ober\u00f6sterreichischen Nachrichten                ausgebreitet, daneben eine Jumbotasse Kaffee und ein Butterbrot.                Albert kaute an seiner K\u00e4sesemmel und schenkte sich die zweite                Tasse unseres starken Muntermachers ein. So ein fauler                Samstagvormittag ist etwas Herrliches! Ali urgierte lautstark nach                dem Inserateteil der Zeitung, weil er es sich zur Angewohnheit                gemacht hatte, dort nach einer passenden wie erschwinglichen                Wohnung f\u00fcr uns zwei zu suchen. So eilig hatte ich eine                \u00dcbersiedlung gar nicht, aber das war Albert egal. Erst vor einer                Woche hatte er mich zum Wohnung anschauen in den S\u00fcden von Linz                gelotst\u0085<\/p>\n<p>                              W\u00e4hrend mir das durch den Kopf ging, fiel mir in den \u0084Vermischten                Nachrichten\u0093 eine kleine Spalte auf. \u0084Der wegen Brandstiftung                verurteilte Heinz H. (21) aus \u0085 im Bezirk Perg wurde nach seiner                Flucht aus der Strafanstalt Garsten wieder gefasst. Der Mann hatte                sich nur wenige Stunden an seiner Freiheit freuen k\u00f6nnen und lie\u00df                sich widerstandslos festnehmen\u0085\u0093 Heinz H.! Nat\u00fcrlich, mir fiel es                wie Schuppen von den Augen. Heinz Haslinger war das, jener junge                Bursch und Jungfeuerwehrmann, der vor ein paar Jahren ein paar                M\u00fchlviertler Gemeinden mit seinen Brandstiftungen in Atem gehalten                hatte. Auch unsere Gemeinde war betroffen gewesen, wenn auch Gott                sei Dank nicht mein Elternhaus.<\/p>\n<p>                              Ich war schnell wach geworden, sehr schnell sogar. Ein alter                Spruch fiel mir pl\u00f6tzlich wieder ein. \u0084<i>Eine Mutter \u0096 auch wenn                sie schon ganz schwach und hilflos ist \u0096 hat noch immer die Kraft,                ihres Kindes Gl\u00fcck zu schaffen<\/i>.\u0093 Frau Kerstin Haslinger, seine                Mutter, eine bekannte und beliebte Gastwirtin in einer unserer                Nachbargemeinden, h\u00e4tte wohl alles Menschen M\u00f6gliche getan, um                ihrem einzigen Kind wieder auf die Beine zu helfen, ihm zu seinem                Gl\u00fcck zu verhelfen. Aber es sah nicht danach aus, als w\u00fcrde es ihr                gelingen. Vielmehr ritt sich der junge Mann immer weiter in den                Abgrund hinein, wie dieser vereitelte Fluchtversuch zeigte\u0085.<\/p>\n<p>                              Als ich mich aus meinen Gedanken befreite, sah ich Albert direkt                vor mir stehen, er blickte mich neugierig an und der Frage in                seinem Gesicht konnte ich mich nicht entziehen. Also deutete ich                auf die Zeitung. \u0084Ich wei\u00df nicht, ob ich dir je von dieser                Brandstiftungsserie bei uns erz\u00e4hlt habe, vor ein paar Jahren. Der                junge Mann, er war damals 16 und au\u00dferdem der Sohn einer bekannten                Gastwirtin, konnte erst gefasst werden, als seine Gemeinde                eingekesselt wurde, abgesperrt von der Umwelt. In seinem                krankhaften Drang zu z\u00fcndeln hat er schlie\u00dflich sogar die K\u00fcche                des Wirtshauses seiner Mutter angez\u00fcndet. Aber dann gab\u0092s kein                Entkommen mehr, alle Ausreden hatten keinen Sinn.\u0093 Ich versuchte                angestrengt mich zu erinnern.<\/p>\n<p>                              \u0084So weit ich wei\u00df, hatte er sogar ganz eindeutig Brandspuren an                den H\u00e4nden\u0085\u0093 Albert nahm mir die Zeitung weg. \u0084Und wieso f\u00e4llt dir                das jetzt wieder ein?\u0093 \u0084Na, lies doch!\u0093 antwortete ich.                \u0084Ausgebrochen ist er vor ein paar Tagen, allerdings recht                gl\u00fccklos. Sie haben ihn schnell wieder gefasst. Das wird wieder                ein paar Monate zus\u00e4tzlich zu seiner Strafe geben\u0085\u0093 \u0084In eurer                Nachbargemeinde?\u0093 Albert wirkte pl\u00f6tzlich interessiert und machte                es sich neben mir auf dem gro\u00dfen Ohrensessel bequem. \u0084Kenne ich es                schon? Wie hei\u00dft es?\u0093 \u0084Nein, ich glaube nicht, dass ich es dir                schon gezeigt habe. Es liegt zwar im Zentrum, aber ich selber bin                fr\u00fcher auch nur alle heiligen Zeiten dort gewesen.\u0093 Mit gespielt                sturem Gesicht versuchte ich, mein Revier zu behaupten und dr\u00e4ngte                Ali ein wenig zur Seite.<\/p>\n<p>                              \u0084Also das Wirtshaus hei\u00dft \u0084Haslinger Stub\u0092n&#8230;\u0093, fuhr ich fort,                nachdem Ali brav ger\u00fcckt war. \u0084Kerstin Haslinger f\u00fchrt das Lokal                seit fast f\u00fcnfzehn Jahren, aber meine Eltern wissen das sicher                genauer \u0096 mir fehlt halt doch der Bezug zu unserem Bezirk.\u0093 Ich                nahm einen Schluck von meiner Jumbotasse und legte beim Nachdenken                meine Stirn in dicke Falten. Ali am\u00fcsierte sich sehr, als er mich                dabei beobachtete. \u0084Heinz ist ihr einziges Kind, das macht die                Sache noch tragischer, wei\u00df du, mein Schatz? Sie hatte ihn                unehelich, mit gerade 18 oder 19 Jahren, bekommen und hat ihn dann                zumeist auch alleingro\u00df gezogen. Frau Haslinger hatte kein Gl\u00fcck                mit den M\u00e4nnern, oder besser gesagt selten. Der Vater des Buben                hat sich auch sehr schnell aus dem Staub gemacht.\u0093<\/p>\n<p>                              Albert grinste, und ein leichter Zug von Ironie lag auf seinem                Gesicht. \u0084Es fasziniert mich immer wieder, wie du all die Fakten                beh\u00e4ltst\u0085\u0093 Als ich ein wenig ver\u00e4rgert die Augenbrauen hochzog,                legte er schnell beg\u00fctigend den Arm um mich. \u0084\u0085nein, wirklich,                Liebes, ich meine das, wie ich es sage. Wer merkt sich denn noch                was heutzutage \u0096 die Menschen sind so oberfl\u00e4chlich geworden\u0085\u0093                Blabla..! dachte ich mir, w\u00e4hrend ich demonstrativ ein paar                Zentimeter wegr\u00fcckte und mich wieder auf die Geschichte                konzentrierte. \u0084Heinz, den ich im \u00dcbrigen nur vom Sehen kannte,                wuchs also vaterlos auf, war ziemlich introvertiert, aber sehr                engagiert bei der Feuerwehr. Vor allem, als seine Mutter dann                einen neuen Mann ins Haus brachte, der wirklich zu ihr zu passen                schien. Der Mann arbeitete im Gasthaus mit, investierte Zeit und                Geld und k\u00fcmmerte sich dem Vernehmen nach wirklich um Frau                Haslinger.\u0093<\/p>\n<p>                              \u0084Wo lag dann das Problem?\u0093 Albert r\u00fcckte wieder zu mir heran und                schien ganz Ohr zu sein. \u0084Na, woran wohl? Was meinst du?\u0093 stellte                ich meinem Freund eine rhetorische Frage. \u0084Heinz konnte mit seinem                neuen Steifvater nicht, obwohl es kaum offene Differenzen gab, er                wurde anscheinend noch introvertierter und merkw\u00fcrdiger und                irgendwann hat er sich ein Ventil gesucht\u0085 Ich hab es ja nicht so                mitbekommen, aber meine Mutter rief dann st\u00e4ndig an, als sicher                jeder Woche einmal die Sirenen der Feuerwehr sie und meinen Vater                aus dem Bett holten\u0085. Dann wurde der Ausnahmezustand verh\u00e4ngt, und                schlie\u00dflich lie\u00df sich seine T\u00e4terschaft nicht mehr verbergen. Er                \u00fcberf\u00fchrte sich selbst\u0085\u0093<\/p>\n<p>                              Ich musste mich an ein Fernsehinterview mit Frau Haslinger                erinnern, die gut aussehende Frau, eine hervorragende K\u00f6chin im                \u00dcbrigen, redete sich dabei alles Leid von der Seele. Mehrfach                standen Tr\u00e4nen in ihren Augen\u0085 Albert schwieg, sah mich nur an und                wartete geduldig, bis ich mit meiner Erz\u00e4hlung fort fuhr. \u0084Der                Bursch wurde verurteilt, zu einer mehrj\u00e4hrigen Haftstrafe, und zu                einer Therapie, aber irgendwie l\u00e4uft sein Leben weiter nicht rund.                Wei\u00dft, bei manchen Menschen ist es so schlimm, da steht wohl schon                in der Wiege, dass in ihrem Leben alles nur schief gehen wird\u0085                Dass sie gar keine wirkliche Chance haben, ihr Leben in den Griff                zu bekommen und auch einmal gl\u00fccklich zu werden.\u0093<\/p>\n<p>                              \u0084Was ist aus dem neuen Freund der Wirtin geworden?\u0093 Albert hatte                tats\u00e4chlich aufgepasst. Ich l\u00e4chelte versonnen. \u0084Ob du es glaubst                oder nicht, er ist bei ihr geblieben, sie f\u00fchren das Wirtshaus nun                gemeinsam. Zumindest dieses kleine Gl\u00fcck ist ihr geblieben, und                wer g\u00f6nnt ihr das nicht, au\u00dfer ein paar ausgesprochenen                Schlechtredern? Die Leute bei uns sind im Gro\u00dfen und Ganzen zu ihr                gestanden, aber das war trotz allem ein schwacher Trost\u0085 aber                jetzt lassen wir diese traurige Geschichte!\u0093 Ich sprang von dem                gro\u00dfen Sessel und goss meinen kalten Kaffee weg. \u0084Was machen wir                heute denn als erstes?\u0093<\/p>\n<p>               \u00a0<a href=\"mailto:vivienne@bohnenzeitung.com?subject=Leserbrief\">Vivienne<\/a><\/p>\n<p>               Link:                           Alle            Beitr\u00e4ge von Vivienne<\/p>\n<p>\u00a0        <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Vivienne&nbsp; &ndash;&nbsp; Juli 2004 Der Brandstifter Samstagvormittag lag ich mehr als ich sa&szlig; in meinem bequemen Ohrensessel, vor mir &#8230; <\/p>\n<p class=\"read-more-container\"><a title=\"Neue Bohnen Zeitung\" class=\"read-more button\" href=\"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/neue-bohnen-zeitung-359\/#more-18478\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber Neue Bohnen Zeitung\">Weiter<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":28639,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[],"class_list":["post-18478","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-die-bunte-welt-von-vivienne","generate-columns","tablet-grid-50","mobile-grid-100","grid-parent","grid-50","resize-featured-image"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18478","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=18478"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18478\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":32283,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18478\/revisions\/32283"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media\/28639"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=18478"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=18478"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=18478"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}