{"id":18479,"date":"2004-01-17T13:40:35","date_gmt":"2004-01-17T13:40:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bohnenzeitung.com\/2004\/01\/neue-bohnen-zeitung-360\/"},"modified":"2022-10-03T16:24:22","modified_gmt":"2022-10-03T14:24:22","slug":"neue-bohnen-zeitung-360","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/neue-bohnen-zeitung-360\/","title":{"rendered":"Neue Bohnen Zeitung"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>                              <br \/>                              von                                                            <a href=\"mailto:vivienne@bohnenzeitung.com\">               Vivienne<\/a>\u00a0                &#8211;\u00a0 M\u00e4rz 2004<\/strong><\/p>\n<hr\/>\n<p><strong>                              <br \/>Der Chaot<\/strong><\/p>\n<p>                              Irgendwann kurz vor dem Ende des Faschings war ich an einem                Samstagabend mit Albert in der Linzer Innenstadt unterwegs. Der                Film, den wir uns ziemlich spontan anschauen hatten wollen, war                ausverkauft, und uns fehlte die Lust, in die Plus-City ins Mega                Plexx zu fahren, um dort noch einmal unser Gl\u00fcck zu versuchen. Der                Grieche am Hauptplatz kam uns gerade Recht und w\u00e4hrend wir                schmausten, erz\u00e4hlte ich Ali von meinem Blind Date mit dem Typen \u0096                wie hie\u00df er noch? Dieter glaube ich &#8211; das so ein Reinfall geworden                war. Gerade hier im selben Restaurant, vor ein paar Jahren.<\/p>\n<p>                              Albert lachte. \u0084Da hab ich ja Gl\u00fcck gehabt, das daraus nichts                geworden ist. Witzig, dass dieser Dieter auch eine kleine Tochter                hatte \u0096 so wie ich.\u0093 Er nahm einen Schluck aus seinem Weinglas und                sah auf die Uhr. \u0084Stellen wir noch was an? Es ist gerade halb                zehn!\u0093 Ich wischte mit der Serviette \u00fcber den Mund und z\u00fcndete mir                eine Zigarette an. Die erste dieses Abends. Ein Genuss\u0085 \u0084Keine                Ahnung, Schatz. Was schl\u00e4gst du vor?\u0093 In diesem Moment ging oder                besser gesagt marschierte ein hoch gewachsener Mann mit dunklem,                kurzen Haar an unserem Tisch vorbei. Er warf einen oberfl\u00e4chlichen                Blick auf uns w\u00e4hrend er seine Krawatte richtete.<\/p>\n<p>                              Mir gab\u0092s einen Stich. Den kenne ich doch, \u00fcberlegte ich, w\u00e4hrend                ich in meinen Erinnerungen kramte. Herrgott, gibt\u0092s das. Mir fiel                der Name nicht ein. Das war doch, richtig, der Mann von Marlies,                meiner Schulkollegin. Wie hie\u00df der noch! Vickerl! Ludwig Holzmann!                Am\u00fcsiert hatte mich Albert in der Zwischenzeit beobachtet. Er                kannte mich zu gut um nicht zu wissen, was sich da in mir                abspielte. In der Zwischenzeit belohnte ich mich f\u00fcr meine                Meisterleistung mit einem tiefen Zug von meiner Zigarette. Zehn                Jahre mussten Marlies und Vickerl schon wieder geschieden sein.                Dass mir da sein Name noch eingefallen war!<\/p>\n<p>               \u0084\u0085                Marlies ist l\u00e4ngst wieder verheiratet. Ob sie es besser getroffen                hat, wage ich zu bezweifeln\u0093, kl\u00e4rte ich Albert auf. \u0084Aber mit                zwei kleinen Kindern hat man nicht viel Wahl. Dazu der Sohn mit                Vickerl, Alex, der muss jetzt auch schon ein Teenager sein. Na,                jetzt wei\u00dft du alles.\u0093 \u0084Wei\u00df ich nicht\u0093, widersprach Albert, der                sich seinerseits eine Zigarette angez\u00fcndet hatte. \u0084Warum hattest                du pl\u00f6tzlich so ein Grinsen in deinem Gesicht, ich w\u00fcrde sagen                h\u00f6chst am\u00fcsiert?\u0093 Mein Freund lehnte sich \u00fcber den Tisch zu mir                und fl\u00fcsterte geheimnisvoll. \u0084War da etwa mal etwas? So ein                kleines erotisches Abenteuer? Na?\u0093<\/p>\n<p>                              Ich musste lauthals lachen. Fast erstickte ich an diesem Lachen,                weil ich gerade an meiner Zigarette gezogen hatte. Wie sollte das                Albert auch wissen! Von meinen st\u00e4ndigen kleinen Sticheleien                zwischen Vickerl und mir, weil wir uns absolut nicht riechen                konnten. \u0084Ob du es mir glaubst oder nicht, Ali: eine zeitlang hab                ich Marlies nur besucht, wenn ich wusste, das Vickerl nicht daheim                war\u0093, erkl\u00e4rte ich meinem Freund. \u0084Antipathie auf den ersten                Blick. Oder\u0085\u0093 Ich dachte angestrengt nach. \u0084\u0085tja, so wie Hund und                Katz halt. Oder wie Tom und Jerry. Tweetie und Silvester.\u0093 Albert                schmunzelte. \u0084Gen\u00fcgt schon! Aber warum dann dieses am\u00fcsierte                Grinsen bei dir? Komm, mein Herz, erkl\u00e4r dich! Das kommt doch                nicht von nichts.\u0093<\/p>\n<p>                              Unwillk\u00fcrlich\u00a0 musste ich\u00a0 bei der Erinnerung l\u00e4cheln. Ja, damals                war ich wirklich noch jung gewesen. Und der Abend war in der Tat                bemerkenswert gewesen. Ich sah Albert an. \u0084Na, wenn du meinst,                dann erz\u00e4hl ich dir, was war\u0085\u0093 In Wirklichkeit brannte ich darauf,                diese Erinnerung mit Albert zu teilen. Wir bestellten uns beide                noch ein Glas Rotwein, und w\u00e4hrend ich am Glas nippte, tauchte ich                ein in jenen Sp\u00e4tsommertag vor etwa dreizehn Jahren. Marlies und                Ludwig waren stolze Eltern ihres Sohnes und Vickerl hatte nach                langen \u00dcberlegungen beschlossen, seinen Job als Fernfahrer                aufzugeben um mit seinem besten Freund Simon eine                original-italienische Eisdiele aufzumachen. \u0084,,, sein                Italienurlaub ein paar Wochen zuvor, die nachgeholte                Hochzeitsreise mit Marlies, hatte ihn dazu inspiriert, Ali.\u0093<\/p>\n<p>                              Albert zog die Brauen hoch. \u0084Eine Eisdiele? Das ist aber ein                schlechter Scherz, oder? Und was wollte er im Winter machen?\u0093 Ich                r\u00e4usperte. \u0084Ja, Ali, das ist eben Vickerl. So war er immer schon.                Jede Menge Ideen, jede Menge Einf\u00e4lle. Oft gar nicht schlecht,                aber zu wenig durchdacht teilweise.\u0093 \u0084Und was hattest du damit zu                tun? Solltest du Serviererin werden?\u0093 Ali zwinkerte mir zu.                \u0084Beinahe!\u0093 ging ich auf den Scherz\u00a0 Alis ein. \u0084Nein es ging um die                Eiskarte. Du wei\u00dft ja, dass ich einmal ziemlich gut italienisch                konnte. Und Vickerl hatte mich gebeten, die Eiskarte zu gestalten,                mit original italienischen Vokabeln und Ausdr\u00fccken. Das hatte ihn                in Italien so beeindruckt\u0085\u0093<\/p>\n<p>                              \u0084Aha.\u0093 Albert verzog den Mund fast zu einem Fragezeichen. \u0084Und was                war daran so bemerkenswert?\u0093 \u0084Daran nichts. Das konnte ich Vickerl                relativ unkompliziert erledigen. Aber Vickerl wollte sich                revanchieren in dem er mich zum Essen einlud. Wir planten gro\u00df                auszugehen und uns danach noch in die Altstadt zu begeben um den                Abend ausklingen zu lassen.\u0093 Meine Erinnerung war nun wieder                glasklar. Ich z\u00fcndete mir noch eine Zigarette an und nebelte                Albert ein. \u0084Alles war genau geplant. Zu viert, also Vickerl,                Marlies, Simon und ich. Auf den Sohn von den beiden, Alex, der                damals ein gutes Jahr alt gewesen sein muss, passte die                F\u00fcnfzehnj\u00e4hrige Nachbarstochter auf.\u0093<\/p>\n<p>                              Albert sagte nichts. Er musterte nur mein Gesicht, das vor                Vergn\u00fcgen schon strahlte. Was ahnte Albert schon, was kommen                w\u00fcrde! \u0084Was soll ich dir lange erz\u00e4hlen, Ali? Der Abend endete                feucht fr\u00f6hlich in einer Altstadtbar, frag mich nicht, wo, dann                riefen wir uns ein Taxi. Ganz vern\u00fcnftig lie\u00df Vickerl seinen Opel                am Parkplatz. Und dann standen wir vor der Haust\u00fcr der beiden. Und                das M\u00e4del, das auf Alex aufgepasst hatte, hatte vergessen, den                Schl\u00fcssel wie vereinbart unter die Fu\u00dfmatte zu legen.\u0093 Ich machte                eine Pause um die Spannung zu erh\u00f6hen, f\u00fcr den \u00dcbergag, der jetzt                noch kam. \u0084Und stell dir vor, Vickerl hatte den Reserveschl\u00fcssel                in seinem Auto vergessen, das irgendwo in der Innenstadt parkte.\u0093<\/p>\n<p>                              Obwohl ich mich so zusammennehmen wollte, konnte ich nicht                verhindern, dass ich leise zu prusten begann. Nein, es war zu                komisch, so gar noch nach so vielen Jahren. Albert verzog keine                Miene, aber der Schalk blitzte ihm aus den Augen. \u0084Und?\u0093 Es war                schwierig weiter zu sprechen, aber unter dem \u0084gestrengen\u0093 Blick                Alis konnte ich dann doch weiterreden. \u0084Naja, Vickerl hat alles                versucht, dass wir reinkommen. Wir l\u00e4uteten wie die B\u00f6sen, wir                klopften ans Fenster. Das M\u00e4dchen hat uns nicht geh\u00f6rt. Sie war                n\u00e4mlich bei laufendem TV-Ger\u00e4t eingeschlafen. Und der Bub schlief.                Nach etwa einer dreiviertel Stunde schaffte es Vickerl                schlie\u00dflich, das gekippte Fenster im Flur zu \u00f6ffnen. Er kletterte                hinein, und damit war es geschafft. Um vier Uhr fr\u00fch.\u0093<\/p>\n<p>                              Albert lachte haltlos. Zwei, drei Minuten. Dann fing er sich                wieder. \u0084Ich nehme an, du bist Jerry\u0093, war das erste, was er                sagte. Ich begriff nicht. \u0084Was meinst du?\u0093 \u0084Na, wie du dein                Verh\u00e4ltnis zu Vickerl beschrieben hast: Tom und Jerry! Vickerl ist                Tom, du bis Jerry. Verstehst du, was ich meine?\u0093 Ich .gab ihm                Recht. \u0084Wenn du meinst. So hab ich es nie gesehen.\u0093 Ich legte                meine Hand auf Alberts Arm. \u0084Aber das ist auch so egal. Hast du                vorhin bemerkt? Vickerl hat mich gar nicht wieder erkannt\u0085 spielt                alles keine Rolle! Aber wei\u00dft du was? Ich h\u00e4tte jetzt Lust auf                eine Altstadt-Tour!\u0093<\/p>\n<p>               <a href=\"mailto:vivienne@bohnenzeitung.com?subject=Leserbrief\">                                             Vivienne<\/a><\/p>\n<p>               Link:                           Alle            Beitr\u00e4ge von Vivienne<\/p>\n<p>\u00a0        <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Vivienne&nbsp; &ndash;&nbsp; M&auml;rz 2004 Der Chaot Irgendwann kurz vor dem Ende des Faschings war ich an einem Samstagabend mit &#8230; <\/p>\n<p class=\"read-more-container\"><a title=\"Neue Bohnen Zeitung\" class=\"read-more button\" href=\"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/neue-bohnen-zeitung-360\/#more-18479\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber Neue Bohnen Zeitung\">Weiter<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":28639,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[],"class_list":["post-18479","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-die-bunte-welt-von-vivienne","generate-columns","tablet-grid-50","mobile-grid-100","grid-parent","grid-50","resize-featured-image"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18479","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=18479"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18479\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media\/28639"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=18479"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=18479"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=18479"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}