{"id":18509,"date":"2004-01-17T13:40:35","date_gmt":"2004-01-17T13:40:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bohnenzeitung.com\/2004\/01\/neue-bohnen-zeitung-390\/"},"modified":"2022-10-03T16:24:22","modified_gmt":"2022-10-03T14:24:22","slug":"neue-bohnen-zeitung-390","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/neue-bohnen-zeitung-390\/","title":{"rendered":"Neue Bohnen Zeitung"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>                              <br \/>                              von                                                            <a href=\"mailto:vivienne@bohnenzeitung.com\">               Vivienne<\/a>\u00a0                &#8211;\u00a0 Mai 2004<\/strong><\/p>\n<hr\/>\n<p><strong>                              <br \/>M\u00e4nner &#8211; eine seltsame                Spezies, Teil 3<\/strong><\/p>\n<p>                              Mittlerweile leben Albert und ich fast drei Jahre zusammen. In                getrennten Wohnungen zwar, aber wir verbringen unsere Wochenenden                und unseren Urlaub (fast) immer zusammen. Den Gro\u00dfteil unserer                gemeinsamen Zeit halten wir uns nat\u00fcrlich in meiner Wohnung auf,                aber in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden finden wir uns auch immer wieder in                Alberts Wohnung ein, aus verschiedenen Anl\u00e4ssen: um uns mit                Alberts Eltern oder Verwandten zu treffen, oder aus anderen,                individuellen Gr\u00fcnden, die sich ergeben.<\/p>\n<p>                              Selbstverst\u00e4ndlich hab ich das eine oder andere mal gefragt, ob                wir uns nicht endlich eine gemeinsame Wohnung leisten sollten,                schon um Miete und Betriebskosten zu sparen. Aber in diesem Moment                kommt in mir stets Angst auf, Angst, dass unsere Beziehung, die im                Besonderen von der Kostbarkeit unserer gemeinsamen Zeit lebt, dem                Alltag nicht standhalten k\u00f6nnte. Und darum verdr\u00e4ngte ich den mit                sch\u00f6ner Regelm\u00e4\u00dfigkeit auftauchenden Gedanken wieder. Es l\u00e4uft so                gut zwischen uns, warum dieses Gl\u00fcck unn\u00f6tig auf\u0092s Spiel setzen?                Wir f\u00fchren eben eine moderne Beziehung, daran ist nichts                Ungew\u00f6hnliches mehr.<\/p>\n<p>                              Umso erstaunter war ich, als Albert selber vor einigen Wochen die                Rede auf dieses Thema brachte. Albert war an jenem                Freitagnachmittag etwas wortkarg bei mir eingetroffen und wirkte                auf mich etwas abwesend und in Gedanken verloren. W\u00e4hrend ich auf                Probleme in der Arbeit tippte, sa\u00df Albert f\u00fcnf Minuten fast                wortlos mir gegen\u00fcber und sah mich nicht einmal an. Sein Kaffee                wurde kalt, und er merkte es gar nicht. Ich begann mir schon                Sorgen zu machen, als er pl\u00f6tzlich aufsah und fast aus dem Nichts                entschieden sagte: \u0084Wir werden uns eine gemeinsame Wohnung                nehmen.\u0093<\/p>\n<p>                              Ich glaubte meinen Worten nicht zu trauen. Eine gemeinsame                Wohnung? Albert erwiderte meinen fragenden Blick \u0084Ja, das werden                wir. Ich werde mich darum k\u00fcmmern, es wird Zeit.\u0093 Ich sch\u00fcttelte                den Kopf. Was war blo\u00df mit Ali los? Ich nahm seine Hand,                streichelte sie sanft und fragte leise, fast monoton: \u0084Warum diese                Eile, Albert? Und wozu etwas \u00e4ndern, dass sich bew\u00e4hrt hat?\u0093                Albert sah m\u00fcde aus und ich sah dass sich etwas mehr graue Haare                als sonst in seinem dichten dunklen Kopfhaar befanden. Eine ganze                Weile sagte Albert gar nichts, sein Blick schweifte durch den                Raum. Er\u00a0 wirkte unruhig und etwas angespannt.<\/p>\n<p>                              \u0084Alice ist wieder in Linz.\u0093 Ich begriff nicht ganz. Alice war                Alberts Schwester, die seit \u00fcber zehn Jahren in K\u00f6ln lebte und                arbeitete. Ich hatte sie erst einmal getroffen, das war vor \u00fcber                einem Jahr gewesen, als wir uns bei einer Familienfeier kennen                gelernt hatten. Alice war der Liebe wegen nach Deutschland                gegangen, aber vor einiger Zeit war die Ehe, die kinderlos                geblieben war, auseinander gebrochen. Nichts Neues in einer Zeit                der steigenden Scheidungsraten, und um Allerheiligen erst hatte                Albert etwas in der Richtung erw\u00e4hnt, dass Alice frisch verliebt                w\u00e4re, aber ich muss gestehen, dass ich mir den Kopf wenig dar\u00fcber                zerbrochen hatte.\u00a0<\/p>\n<p>                              Ich kannte Alis Schwester zu wenig, mein Eindruck von ihr war                blass und farblos. Albert z\u00fcndete sich eine Zigarette an und                paffte oberfl\u00e4chlich um sich zu beruhigen. \u0084Alice hat mich gestern                Abend angerufen. Ihr feiner Freund hat sie von Anfang an                hintergangen. Fast ein dreiviertel Jahr hat sie mit dem Kerl                zusammen gelebt, bis sie bemerkte, dass er verheiratet ist und                zwei Kinder hat. Ich k\u00f6nnte ihn verpr\u00fcgeln, wei\u00df du das, Vivi?\u0093                Albert zitterte leicht, als er sich zu mir drehte. \u0084Er hat Alice                total fertig gemacht.\u0093<\/p>\n<p>                              Ich legte meinen Arm um Ali und redete leise auf ihn ein.                Schlie\u00dflich beruhigte er sich ein wenig und fuhr fort. \u0084Alice war                so gl\u00fccklich. Der Typ wirkte so nett, sympathisch und fast                bodenst\u00e4ndig, bescheiden, liebevoll und so aufmerksam \u0096 so hat sie                ihn immer wieder beschrieben. Seltsam war an seinem Verhalten nur,                dass er immer nur in ihre Wohnung kam, sie hat in den acht                Monaten, die sie \u0096 wie sie glaubte \u0096 mit ihm gelebt hat, nie einen                Blick in seine Wohnung werfen d\u00fcrfen. Daf\u00fcr hat er immer sehr                plausible Ausreden geliefert, die ganz \u00fcberzeugend klangen. Und                abends war er nie am Handy zu erreichen, es war immer                ausgeschaltet. Eine Kollegin hat Alice schlie\u00dflich den Beweis                geliefert. Gemeinsam haben sie ihn beobachtet und mit seiner                Familie fotografiert.\u0093<\/p>\n<p>                              Ali begann wieder zu zittern. \u0084So ein erb\u00e4rmlicher Kerl. Als sie                es ihm auf den Kopf zusagte, bestritt er alles. Ja, er schrie                sogar, sie w\u00e4re verr\u00fcckt. Bis sie ihm die Fotos hinlegte. Da ist                er dann wortlos weggelaufen. Heute Morgen ist Alice in Linz                gelandet, sie hat sich 10 Tage frei genommen und lebt momentan bei                meinen Eltern. Sie braucht Abstand\u0085\u0093 Albert\u00a0 lehnte seinen Kopf an                meine Schulter und schwieg wieder. Ich lie\u00df mir seine Erz\u00e4hlung                durch den Kopf gehen. Was hatte das Pech seiner Schwester mit uns                zu tun? Glaubte Albert am Ende auch ich w\u00fcrde ihn betr\u00fcgen? Oder                wollte er einfach vorbeugen?<\/p>\n<p>                              Ich strich sanft \u00fcber Alis Nacken und fragte ihn. \u0084Albert, willst                du etwa deswegen, dass wir richtig zusammen ziehen sollen? Ist                dass der Grund?\u0093 Mein Freund blickte auf. \u0084Vivi, versteh mich                jetzt nicht falsch, nat\u00fcrlich will ich dir nicht unterstellen,                dass du auch einen Ehemann und zwei Kinder neben mir hast. Aber                ich w\u00fcnsche mir schon l\u00e4nger, dass wir noch intensiver zusammen                geh\u00f6ren. Wann sehen wir uns denn? Was wei\u00df denn einer vom anderen,                was er unter der Woche treibt? Im Grunde f\u00fchren wir doch keine                wirkliche Beziehung.\u0093<\/p>\n<p>                              \u0084Sag nichts!\u0093 legte Albert seinem Zeigefinger auf meine Lippen. Er                wollte meinen Einspruch nicht h\u00f6ren. Nicht jetzt.. \u0084Ich wei\u00df was                du einwerfen m\u00f6chtest. Eine bew\u00e4hrte Sache soll man nicht \u00e4ndern,                nicht wahr? Das denkst du? Aber ich bin der Meinung, dass man sich                weiter entwickeln soll, auch wir m\u00fcssen unsere Beziehung                weiterentwickeln. Und ich denke, dass sie jetzt stark genug ist,                so stark, dass wir auch diesen Schritt weitergehen k\u00f6nnen. Wir                schaffen das, Vivi, ja?\u0093 Albert dr\u00fcckte mich ganz fest und                unwillk\u00fcrlich musste ich l\u00e4cheln. Meine \u0084Scheinschwangerschaft\u0093                vor einem guten Jahr war mir eingefallen, damals war das erste Mal                ein Vorsto\u00df von ihm in Sachen gemeinsamer Wohnung gekommen.                <\/p>\n<p>                              Das soll einer noch sagen, dass nur wir Frauen nicht zu verstehen                w\u00e4ren. Ein M\u00e4nnerhirn ist im Vergleich dazu doch noch viel                schwieriger zu durchschauen. \u0084Gut\u0093, antwortete ich, \u0084wenn du                meinst\u0085dann gehen wir\u0092s halt an.\u0093\u00a0<\/p>\n<p>               <a href=\"mailto:vivienne@bohnenzeitung.com?subject=Leserbrief\">                                             Vivienne<\/a><\/p>\n<p>               Link:                           Alle            Beitr\u00e4ge von Vivienne<\/p>\n<p>\u00a0        <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Vivienne&nbsp; &ndash;&nbsp; Mai 2004 M&auml;nner &ndash; eine seltsame Spezies, Teil 3 Mittlerweile leben Albert und ich fast drei Jahre &#8230; <\/p>\n<p class=\"read-more-container\"><a title=\"Neue Bohnen Zeitung\" class=\"read-more button\" href=\"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/neue-bohnen-zeitung-390\/#more-18509\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber Neue Bohnen Zeitung\">Weiter<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":28639,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[],"class_list":["post-18509","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-die-bunte-welt-von-vivienne","generate-columns","tablet-grid-50","mobile-grid-100","grid-parent","grid-50","resize-featured-image"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18509","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=18509"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18509\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":32314,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18509\/revisions\/32314"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media\/28639"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=18509"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=18509"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=18509"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}