{"id":18523,"date":"2005-01-17T13:40:35","date_gmt":"2005-01-17T13:40:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bohnenzeitung.com\/2005\/01\/bohnenzeitung-com-184\/"},"modified":"2022-10-04T05:00:33","modified_gmt":"2022-10-04T03:00:33","slug":"bohnenzeitung-com-184","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/bohnenzeitung-com-184\/","title":{"rendered":"bohnenzeitung.com"},"content":{"rendered":"<p>      <b>     \u00a0<a href=\"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\">Home<\/a>     Kolumnen          Die bunte Welt von Vivienne<\/b>        <\/p>\n<p><b>14.11.2005,          \u00a9     <a href=\"mailto:vivienne@bohnenzeitung.com\">     Vivienne<\/a><\/b><\/p>\n<p>  <\/p>\n<p><b> Das Mamas\u00f6hnchen<\/b><\/p>\n<p> Bisweilen gibt es Menschen, die haben von Anfang an keine  Chance in Ihrem Leben. Meint man halt oft, weil man nur die eine Seite der  Medaille betrachtet. Denn das Leben h\u00e4lt immer eine Chance bereit (oder auch  mehrere) sein Dasein nicht so hinnehmen zu m\u00fcssen, wie es ist bzw. ihm eine  Facette abzuringen, durch die man f\u00fcr sich selber gewinnt. Aber wer nur jammert  und immer nur nach den Sternen greift ohne die Lichter rund um einen  wahrzunehmen, verwirft ohne Not sch\u00f6ne Gelegenheiten\u0085 Bis keine mehr kommt!<\/p>\n<p> Werner Fichtner war so etwas wie eine verkrachte Existenz.  Er wohnte, so weit ich mich erinnern kann, lange Jahre in einer Nachbargemeinde  und dass etwas nicht mit ihm stimmen konnte, merkte man relativ schnell, wenn  man ihn nur n\u00e4her unter die Lupe nahm. Fichtner, er war um die drei\u00dfig als ich  ihn das letzte Mal sah, war nicht wie ein junger Mann angezogen sondern wie ein  Pensionist. Im Winter sah man ihn nie ohne die typische Kappe, die Senioren so  tragen, herumlaufen. Auch sonst war er nicht modisch gekleidet sondern mit einem  Wort \u0084megaout\u0093, jedem Trend im Wege. Dabei handelte es sich um durchaus um teure  Kleidung, die ihm \u0096 na, wer wohl, Mama! \u0096 besorgte, aber der Mutter fehlte  leider jedes Gesp\u00fcr, was ein junger Mensch anzieht und Werner lie\u00df sich das  wirklich gefallen\u0085<\/p>\n<p> Kann man einen Menschen ernst nehmen, wenn er so unter dem  Schlapfen seiner Mutter steht? In der Tat nicht, auch wenn er ein  Lehramtsstudium an der Linzer P\u00e4dak absolvierte hatte, und das sogar  erfolgreich. Mamas Fuchtel war nie weit weg, und der Sohn kam sofort, wenn sie  rief. Er war das einzige Kind und hatte sein Dasein nur einem gl\u00fccklichen Zufall  zu verdanken, wie ich einmal in Erfahrung bringen konnte. Angeblich hatte die  Mutter mit zwanzig Jahren eine Eileiterschwangerschaft, bei der sie das  Ungeborene verlor. Diagnose: kein Kind mehr. Trotzdem wurde Mama Fichtner fast  zwanzig Jahre sp\u00e4ter unerwartet doch noch einmal schwanger und brachte ihren  Buben zur Welt. Ein echtes Wunder! h\u00e4tte man meinen m\u00f6gen, aber diese Geburt  allein blieb schon das einzige Wunder in Fichtners Leben.<\/p>\n<p> Fichtner muss schon von Geburt an etliche Krankheiten und  Allergien gehabt haben. Den gr\u00f6\u00dften Teil des ersten Lebensjahres verbrachte er  anscheinend in der Linzer Kinderklinik und als ihn seine Eltern endlich  endg\u00fcltig mit nach Hause nehmen durften, erdr\u00fcckten sie ihn mit Liebe. Vor allem  seine Mutter und die ganzen Verh\u00e4tschelungen und die F\u00fcrsorge m\u00fcssen einen Teil  seiner Pers\u00f6nlichkeit v\u00f6llig verformt haben. Werner Fichtner war das geborene  Weichei, der in der Schule verspottet, gepr\u00fcgelt und geh\u00e4nselt wurde und den die  M\u00e4dchen nicht wahrnahmen, als er in die Pubert\u00e4t kam. Aber wie h\u00e4tte man wohl  einen Menschen ernst nehmen k\u00f6nnen, der nur \u00fcbernat\u00fcrlich an seiner Mutter hing  und st\u00e4ndig nur die Meinung seines Vaters herunterbetete? In der Pubert\u00e4t suchen  sich die meisten Jugendlichen einen Platz in ihrem Leben, Werner Fichtner hatte  ihn l\u00e4ngst gefunden: bei Mama!<\/p>\n<p> Nat\u00fcrlich h\u00e4tte einem Fichtner, der auch w\u00e4hrend seines  Studiums Mama nicht einen Tag allein lie\u00df und abends immer in den Scho\u00df der  Familie zur\u00fcckkehrte,\u00a0 durchaus Leid tun k\u00f6nnen, wenn er nicht auch ein  Verhalten an den Tag gelegt h\u00e4tte, das man mit dummdreister Arroganz nur sehr  ungen\u00fcgend umschreiben kann. Fichtner hielt sich f\u00fcr etwas Besseres, mich etwa  hat er Zeit unserer kurzen Bekanntschaft nur von oben herab behandelt, womit ich  aber sehr gut leben konnte, denn dass ich den Burschen mit meinem Wissen m\u00fchelos  in die Hosentasche einpacken konnte, merkte ich sp\u00e4testens bei einem Trivial  Persuit Tournier in der Bezirkshauptstadt, als er gegen mich das Nachsehen  hatte. Was er mir nie verzieh, war er doch ein Studierter\u0085<\/p>\n<p> Interessant verlief aber seine Beziehung zu einer jungen  Frau in seinem Alter. Was niemand bei uns ernsthaft f\u00fcr m\u00f6glich gehalten h\u00e4tte:  das M\u00e4del verliebte sich tats\u00e4chlich in ihn und rannte ihm im wahrsten Sinne des  Wortes nach. Denn Fichtner, der sich sicher das erste Mal in seinem Leben in so  einer Situation befand, stieg dieses Gef\u00fchl der Macht in den Kopf. Er spielte  mit ihr, nahm ihr angeblich sogar Geld ab und hielt sie kurz so wie ein M\u00e4dchen,  das er selber schon lange verehrte, ihn selber. Offenbar glaubte er, mit seiner  Eroberung seine gro\u00dfe Liebe eifers\u00fcchtig machen zu k\u00f6nnen. Wie mir die Kleine  sp\u00e4ter einmal erz\u00e4hlte, hatte er sogar geplant sich mit ihr selbst\u00e4ndig zu  machen, aber selbstverst\u00e4ndlich nur beruflich, denn auf einen Lehrerposten  wartete er, der mehrere gute Chancen nicht nutzen hatte k\u00f6nnen, schon sehr lange  vergeblich. Aber daran waren ja andere Schuld und nicht er!<\/p>\n<p> Deshalb lebte er auch noch in Mamas Hotel, das er nicht und  nicht verlassen wollte. Denn das Service und die F\u00fcrsorge dort waren schlie\u00dflich  unbezahlbar. Ich wei\u00df nicht, wie lange diese Dreieckgeschichte wirklich lief, da  ich mich zu wenig darum k\u00fcmmerte, aber die junge Frau, die sich so lange  ausnutzen hatte lassen, kehrte ihm schlie\u00dflich den R\u00fccken zu. Die Details habe  ich nie erfahren, denn sie hat nie viel dar\u00fcber gesprochen. Fichtner hat sich  nicht selbst\u00e4ndig gebracht und Freunde organisierten ihm einmal eine Wohnung in  Leonding, nachdem seine Mutter ein Pflegefall geworden war \u0096 mit ihm zus\u00e4tzlich  w\u00e4re der Vater v\u00f6llig \u00fcberfordert gewesen. Ich wei\u00df nicht, wie es ihm heute geht  und ob er doch noch einen Job ergattern konnte, aber ich war ihm ehrlich gesagt  auch nie besonders gr\u00fcn\u0085<\/p>\n<p> Sein Heischen nach Mitleid und sein Jammern wegen der  Frauen, die alle so hart zu ihm w\u00e4ren, habe ich noch ihm Ohr, als ich ihn vor  Jahren einmal auf einem Amtsweg traf. Dass ihn seine Mutter vor lauter Liebe  erdr\u00fcckt hatte, daf\u00fcr konnte er nichts, aber f\u00fcr einige andere, weniger positive  Charaktereigenschaften, war er sehr wohl selber verantwortlich. Wie kann man nur  jammern \u00fcber mangelnde Akzeptanz bei Frauen, wenn man selber die in ihn  verliebte Frau mit F\u00fc\u00dfen tritt? frage ich mich. Im Grunde hatte es ihm damals  wohl auch an einer realistischen Einsch\u00e4tzung seiner Situation gefehlt und ein  besserer, weniger arroganter Mensch w\u00e4re wohl sehr gl\u00fccklich gewesen \u00fcber die  ehrliche Liebe einer Frau\u0085<\/p>\n<p> Nach einer wahren Geschichte von T.R.<\/p>\n<p> Vivienne<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><b>     \u00a0Redakteure      stellen sich vor: Vivienne\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0     <br \/>     \u00a0Alle Beitr\u00e4ge von      Vivienne<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp;Home Kolumnen Die bunte Welt von Vivienne 14.11.2005, &copy; Vivienne Das Mamas&ouml;hnchen Bisweilen gibt es Menschen, die haben von Anfang &#8230; <\/p>\n<p class=\"read-more-container\"><a title=\"bohnenzeitung.com\" class=\"read-more button\" href=\"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/bohnenzeitung-com-184\/#more-18523\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber bohnenzeitung.com\">Weiter<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":28639,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[],"class_list":["post-18523","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-die-bunte-welt-von-vivienne","generate-columns","tablet-grid-50","mobile-grid-100","grid-parent","grid-50","resize-featured-image"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18523","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=18523"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18523\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":34661,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18523\/revisions\/34661"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media\/28639"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=18523"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=18523"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=18523"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}