{"id":18542,"date":"2005-01-17T13:40:35","date_gmt":"2005-01-17T13:40:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bohnenzeitung.com\/2005\/01\/bohnenzeitung-com-201\/"},"modified":"2022-10-04T05:00:33","modified_gmt":"2022-10-04T03:00:33","slug":"bohnenzeitung-com-201","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/bohnenzeitung-com-201\/","title":{"rendered":"bohnenzeitung.com"},"content":{"rendered":"<p>      <b>     \u00a0<a href=\"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\">Home<\/a>     Kolumnen          Die bunte Welt von Vivienne<\/b>        <\/p>\n<p><b>22.07.2005,          \u00a9     <a href=\"mailto:vivienne@bohnenzeitung.com\">     Vivienne<\/a><\/b><\/p>\n<p>  <\/p>\n<p><b> Der Sprachfehler<\/b><\/p>\n<p> Es gibt sie fast in jeder Firma, jene Leute, die einfach  nicht nein sagen k\u00f6nnen, die sich jede Arbeit aufhalsen lassen und viel zu wenig  an sich selber denken. Ich kenne dieses Verhaltensmuster gut, habe ich doch  selber auch aus einem verdeckten Schuldkomplex heraus sowie nat\u00fcrlich auch aus  Harmoniesucht bestimmten Leuten gegen\u00fcber nie aufzumucken gewagt. Und mir  Mehrarbeit \u00fcber Mehrarbeit zuschanzen lassen. Vor allem in der Liebe lie\u00df ich  mich bisweilen gern unter Druck setzen, um den vermeintlich Liebsten nicht zu  verlieren. Es bedeutete einen Quantensprung der besonderen Art, mich selber und  mein verzerrtes Gef\u00fchlsmuster zu durchschauen um endlich nein sagen zu lernen,  als ich auch nein meinte.<\/p>\n<p> Was war ich jung! Von meinem Salzburgtripp zur\u00fcck und in  ein unbefriedigendes Jobabenteuer am Linzer AMS, damals noch in der  Wienerstra\u00dfe, verwickelt, spielte mir der Zufall die M\u00f6glichzeit zu, in einem  Meinungsforschungsinstitut zu beginnen. Aller Anfang ist schwer. Und schnell  avancierte ich hier zum M\u00e4dchen f\u00fcr Alles, das fast jeder Abteilung gerne zur  Verf\u00fcgung stand. Besonders freute es mich, Arbeiten f\u00fcr die Testabteilung zu  verrichten, weil ich mich mit den jungen Studenten dort sehr gut verstand.  Anfangs wollte ich mich mit meiner vermeintlichen Hilfsbereitschaft nur mit den  neuen Kollegen gut stellen, sp\u00e4ter wurde es zunehmend schwieriger, Bitten um  Unterst\u00fctzung abzulehnen. Immerhin unterstand ich am Empfang keiner Abteilung  direkt, also wurde meine Mitarbeit schnell als selbstverst\u00e4ndlich gesch\u00e4tzt.<\/p>\n<p> Sie werden verstehen, liebe Leser, dass mich das \u00f6fter in  eine Zwickm\u00fchle brachte, vor allem, wenn Termine dr\u00e4ngten und ich am besten in  mehrfacher Gestalt diese Arbeiten h\u00e4tte ausf\u00fchren m\u00fcssen. Pflichtbewusst und  loyal traute ich mich aber oft nicht, um mehr \u0084Luft\u0093 zu bitten. Oder Arbeiten  abzulehnen, die mir beim besten Willen zu viel wurden. Vor allem wenn Sebastian  Schneider, ein deutscher Projektleiter aus Berchtesgaden, anrief und fragte, was  denn das Fr\u00e4ulein Vivienne heute noch erledigen w\u00fcrde k\u00f6nnen, wurde ich gern  schwach. Ich war ein wenig verschossen in ihn, ohne dass es mir lange Zeit  wirklich bewusst geworden war.<\/p>\n<p> Ich sah dem mittelgro\u00dfen, blonden Mann nur gerne nach, wenn  er an meinem Schreibtisch vorbeilief, stets ein freundliches Wort auf den Lippen  und wenn ich mal sauer war, klopfte er mir auf die Schulter. \u0084Wird schon wieder,  M\u00e4del!\u0093 Im Grunde interessierten ihn meine Probleme oder Zores nicht im  Geringsten, aber seine unverbindliche Art wirkte auf mich so intensiv wie die  gro\u00dfen gr\u00fcnen Augen. Ich hatte keine Ahnung, dass die Kollegen schon \u00fcber mich  tuschelten und \u00fcber meine Schw\u00e4rmerei, denn mehr war es genau genommen auch  nicht. V\u00f6llig harmlos, wenn ich mich nicht deswegen zusehends\u00a0 ausnutzen h\u00e4tte  lassen und viel Mehrarbeit leistete, die nicht n\u00f6tig gewesen w\u00e4re.<\/p>\n<p> Das Schlimme dabei war, dass ich durchaus auch Arbeit  verrichtete, die ich hasste, so wie das Auswerten der Frageb\u00f6gen. Vor allem am  Beginn dieses Dienstverh\u00e4ltnisses begriff ich gar nicht wirklich, was es mit  dieser Arbeit auf sich hatte, aber ich machte sie trotzdem. Ich liebte es so,  wenn mich die Augen des Herrn Schneider anstrahlten wie ein funkelnder gr\u00fcner  Edelstein. Und dazu hatte Herr Schneider oft Grund genug, meinen Sprachfehler  nutzte er n\u00e4mlich weidlich aus\u0085 Wieder einmal sa\u00df ich an einem Freitagnachmittag  noch im B\u00fcro und wertete die Testb\u00f6gen aus. Ich hatte es versprochen\u0085! Unsere  Studenten testeten gerade ein neues Speiseeis, von dem ich auch schon kosten  hatte d\u00fcrfen\u0085<\/p>\n<p> Gegen 15:30 Uhr war ich endlich fertig. Ich schleppte den  Pack in Schneiders Abteilung, wo nur noch einer seiner Leute werkte. Auf meine  Frage hin deutet der mir wortlos den Weg ins Nebenb\u00fcro, wo die T\u00fcr offen stand.  Ich ging langsam hin\u00fcber, und Schneiders Stimme war un\u00fcberh\u00f6rbar, wie er mit  einer Kollegin sch\u00e4kerte. \u0084Geh, Doris, wir haben alle Zeit der Welt. Der Trampel  von der Telefonzentrale wird noch eine halbe Ewigkeit mit den Frageb\u00f6gen  brauchen, und davon m\u00fcssen wir wohl wieder die H\u00e4lfte korrigieren. Komm, trink  doch einen Kaffee mit mir!\u0093 Ich blieb abrupt stehen. Der Trampel von der  Telefonzentrale \u00a0&#8211; damit war wohl ohne Zweifel ich gemeint, aber so hatte er nie  zuvor von meiner Arbeit gesprochen, ganz im Gegenteil. Zumindest mir gegen\u00fcber  halt.<\/p>\n<p> Die Kollegin lachte. Sie antwortet ihm mit etwas  verhaltener Stimme, so dass ich sie nicht verstand. Schneider nahm sie sanft  beim Arm. \u0084Wie kommst du darauf? Die Kleine frisst mir aus der Hand! Ich  schnippe mit den Fingern und sie beginnt zu laufen wie ein Uhrwerk. Wenigstens  daf\u00fcr taugt sie, auch wenn sie sonst nicht besonders hell ist\u0085\u0093 Ich war einige  Momente fassungslos. H\u00f6rte ich da richtig? War das der nette Herr Schneider, den  ich kannte? Er war es, und ich wei\u00df nicht wie lange genau ich ihm bei seinen  L\u00e4sterreden \u00fcber mich zuh\u00f6rte. Ich glaube, es war letztlich gar nicht so lang.  Erinnern kann ich mich aber nur, dass ich schlie\u00dflich ins B\u00fcro ging, ihm die  Fragebogen ohne ein Wort vor die F\u00fc\u00dfe knallte und wieder ging.<\/p>\n<p> Mit einer unglaublichen Wut im Bauch, und ein paar Tr\u00e4nen  im Gesicht. Mir ist damals wohl auch das erste Mal bewusst geworden, dass ich  ein wenig verliebt in ihn gewesen war, darum schmerzten seine \u00fcblen Worte  doppelt. Er lief mir nach, aber ich lie\u00df ihn stehen. Ich kann mich kaum mehr  entsinnen, was er gesagt hat, er sah nur sehr betroffen aus, aber ich schulterte  meinen Rucksack und verlie\u00df die Firma. Ich fl\u00fcchtete in irgendein Gesch\u00e4ft in  der Landstra\u00dfe, um mit einem Kauf meinen Kummer zu bet\u00e4uben, aber es gelang  nicht wirklich. Schneider versuchte am n\u00e4chsten Montag gleich in der Fr\u00fch mit  mir zu\u00a0 reden, trachtete danach alles als ein Missverst\u00e4ndnis darzustellen, aber  ich schwieg nur und ich wollte ihm auch nicht vergeben. Genau genommen hasste  ich mich auch selbst ein wenig, weil ich auf seine glatte Tour hereingefallen  war\u0085<\/p>\n<p> Vivienne<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><b>     \u00a0Redakteure      stellen sich vor: Vivienne\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0     <br \/>     \u00a0Alle Beitr\u00e4ge von      Vivienne<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp;Home Kolumnen Die bunte Welt von Vivienne 22.07.2005, &copy; Vivienne Der Sprachfehler Es gibt sie fast in jeder Firma, jene &#8230; <\/p>\n<p class=\"read-more-container\"><a title=\"bohnenzeitung.com\" class=\"read-more button\" href=\"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/bohnenzeitung-com-201\/#more-18542\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber bohnenzeitung.com\">Weiter<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":28639,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[],"class_list":["post-18542","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-die-bunte-welt-von-vivienne","generate-columns","tablet-grid-50","mobile-grid-100","grid-parent","grid-50","resize-featured-image"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18542","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=18542"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18542\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":34678,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18542\/revisions\/34678"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media\/28639"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=18542"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=18542"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=18542"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}