{"id":18560,"date":"2005-01-17T13:40:35","date_gmt":"2005-01-17T13:40:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bohnenzeitung.com\/2005\/01\/bohnenzeitung-com-218\/"},"modified":"2022-10-04T05:00:34","modified_gmt":"2022-10-04T03:00:34","slug":"bohnenzeitung-com-218","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/bohnenzeitung-com-218\/","title":{"rendered":"bohnenzeitung.com"},"content":{"rendered":"<p>      <b>     \u00a0<a href=\"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\">Home<\/a>     Kolumnen          Die bunte Welt von Vivienne<\/b>        <\/p>\n<p><b>13.08.2005,          \u00a9     <a href=\"mailto:vivienne@bohnenzeitung.com\">     Vivienne<\/a><\/b><\/p>\n<p>  <\/p>\n<p><b> Die Sache mit dem Lottoschein<\/b><\/p>\n<p> Ehrlich: wer uns tr\u00e4umt nicht davon, sich irgendwann mit  ein paar Millionen beschaulich zur Ruhe zu setzen, vorzugsweise beim Lotto  gewonnen? Ob nun in einem Chalet in den Bergen, auf einer Insel in der Karibik  oder in einem mond\u00e4nen Landhaus in der Toscana h\u00e4ngt letztlich nur vom Gusto des  Einzelnen ab. Aber Lotto 6 aus 45 lebt von solchen Tr\u00e4umen, und darum flie\u00dfen  auch zweimal in der Woche zig Millionen Euro in die Kasse des \u00f6sterreichischen  Gl\u00fcckspielmonopols, wor\u00fcber auch der Finanzminister erfreut ist. Welche  Hoffnungen bei jeder Ziehung platzen tut dem Erfolg keinen Abbruch\u0085<\/p>\n<p> Es muss fast f\u00fcnfzehn Jahre her sein, Lotto 6 aus 45 war  noch verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig jung und ich selber spielte auch noch regelm\u00e4\u00dfig. Ich  tr\u00e4umte von einer h\u00fcbschen, ger\u00e4umigen Wohnung in bester Lage in Linz ohne einen  Kredit f\u00fcr die M\u00f6bel aufnehmen zu m\u00fcssen. Alles in allem also ein sehr  bescheidener Wunsch, wenngleich meine Entt\u00e4uschung bei jeder Ziehung, damals nur  am Sonntag, schon vorprogrammiert war. Ich setzte immer dieselben Zahlen,  vorzugsweise meine Geburtsdaten und die des Mannes, in den ich gerade verliebt  war. Vielleicht h\u00e4tte mir das damals schon zu denken geben m\u00fcssen\u0085<\/p>\n<p> Auch mein Vater war von Anfang an ein begeisterter Zahler  der Deppensteuer und im Vergleich zu mir auch noch relativ erfolgreich. Wie auch  heute noch hatte er immer ein paar Scheine in petto, und entschied immer  intuitiv, welchen er in welcher Runde spielte. Und dass mit netten, kleineren  wie regelm\u00e4\u00dfigen Gewinnen. An einem Sonntagabend im Sp\u00e4therbst verfolgte ich  wieder einmal aufgeregt die Ziehung der omin\u00f6sen sechs Zahlen. Mein Vater war  auf dem Sofa eingenickt, erst bei den letzten Zahlen wurde er wieder wach und  bekam pl\u00f6tzlich tellergro\u00dfe Augen. \u0084Das sind ja meine Zahlen!\u0093 Ich beachtete ihn  zuerst gar nicht, weil ich wieder einmal feststellen musste, dass mir mein  momentaner Liebster kein Gl\u00fcck gebracht hatte. Ich warf die Quittung achtlos in  den Papierkorb, und dann erst realisierte ich den Ausruf meiner Vaters. \u0084Was  sind deine Zahlen?\u0093 Mein Vater deutet mit halbge\u00f6ffnetem Mund auf den  Bildschirm, wo Jenny Pippal die gezogenen Zahlen rekapitulierte.<\/p>\n<p> Ich hob die Augenbrauen. \u0084Du hast einen Sechser?\u0093 Mein  Vater nickte, seine Augen leuchteten. Ich war fassungslos. Der Neid fra\u00df mich  binnen weniger Minuten auf. Ich tr\u00e4umte von einer Wohnung in Linz aber neben mir  stand mein Vater und er hatte das gro\u00dfe Los gezogen. Diese Welt war so  ungerecht, nein, das Leben musste nur von Zuf\u00e4llen beherrscht sein, sonst war  ein derartiger Fehlgriff von Fortuna nicht erkl\u00e4rbar. Mein Vater war  mittlerweile von der Couch aufgestanden und\u00a0 ging zur Garderobe, wo seine Jacke  hing. Er begann in der Innenseitentasche zu kramen, w\u00e4hrend ich mir aus Frust  eine Tasse Kaffee zubereitete. \u0084Kannst du mir bitte helfen?\u0093 Die Stimme meines  Vaters klang ein wenig verzagt. Er war damals schon stark fehlsichtig und ich  konnte mir gut vorstellen, dass er die richtige Quittung suchte.<\/p>\n<p> Ich stie\u00df einen Seufzer aus, dann folgte ich dem  Verzweiflungsruf und nach einer Minute hatte ich die Quittung mit den Zahlen aus  Vaters Geldb\u00f6rse gefischt. \u0084Das ist sie doch, oder?\u0093 So weit ich das \u00fcberblicken  konnte, hatte mein Vater zwar keinen Sechser aber immerhin einen F\u00fcnfer mit  Zusatzzahl getippt. Jetzt musste er nur noch bis Morgennachmittag warten, wenn  das Ergebnis der Ziehung und die Gewinne ver\u00f6ffentlicht werden w\u00fcrden. In der  Zwischenzeit war meiner Mutter aus der K\u00fcche gekommen und hatte die frohe  Nachricht vernommen. Ihre Begeisterung kannte keine Grenzen und ich begann mich  mit meinen Eltern zu freuen. Es war kleinlich gewesen so neidig zu reagieren,  ich sch\u00e4mte mich fast und au\u00dferdem war ja nicht ausgeschlossen, dass auf mich  wie meine Geschwister auch ein wenig von dem Segen abfiel.<\/p>\n<p> Wir k\u00f6pften eine Flasche Schlumbergersekt, die von einer  Geburtstagsfeier vor ein paar Wochen geblieben war und in den leuchtenden Augen  meines Vaters las ich Visionen. Er tr\u00e4umte schon von einem Urlaub in Tunesien  und Marokko, wo er viel Zeit in seiner Jugend verbracht hatte. Die W\u00fcnsche  meiner Mutter waren im Vergleich dazu etwas profaner. Ein Geschirrsp\u00fclautomat,  und vielleicht eine neue Gefriertruhe. Wenn noch etwas blieb, w\u00e4re ein neues,  gr\u00f6\u00dferes Fernsehger\u00e4t kein Fehler. Ehe wir allerdings an alle meine Geschwister  die frohe Kunde verbreiten konnten, platzte der Traum wie eine Seifenblase, von  einer Minute auf die andere.<\/p>\n<p> Mein Vater hatte es nicht lassen k\u00f6nnen, mit der Quittung  gleich am n\u00e4chsten Tag zur Trafikantin zu laufen. Die ihm mit Kennerblick auf  den Schein und v\u00f6llig unger\u00fchrt mitteilte: \u0084Aber die Quittung ist doch eine  Woche alt!\u0093 Mein Vater hatte sich geirrt, er hatte diese Woche einen anderen  Schein gespielt. Und mir war das auch nicht aufgefallen, weil ich das Datum  nicht angesehen hatte. So ein Pech! Ein heftiger Kater nach einem gro\u00dfen, langen  Fest w\u00e4re noch relativ glimpflich ausgefallen im Vergleich zu der Entt\u00e4uschung,  die sich bei uns breit machte. Tage sa\u00dfen wir nur herum, mit langen Gesichtern  und begruben unsere Wunschtr\u00e4ume, besser gesagt die Scherben. Ein paar Stunden  hatte eine Illusion unser Leben k\u00fcnstlich aufgehellt, uns hoch gehoben und  unerwartet brutal wieder fallen gelassen. Aber ohne gr\u00f6bere Blessuren \u0096 denn  wirklich abh\u00e4ngig waren wir von diesem Geld nicht gewesen\u0085<\/p>\n<p> Vivienne<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><b>     \u00a0Redakteure      stellen sich vor: Vivienne\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0     <br \/>     \u00a0Alle Beitr\u00e4ge von      Vivienne<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp;Home Kolumnen Die bunte Welt von Vivienne 13.08.2005, &copy; Vivienne Die Sache mit dem Lottoschein Ehrlich: wer uns tr&auml;umt nicht &#8230; <\/p>\n<p class=\"read-more-container\"><a title=\"bohnenzeitung.com\" class=\"read-more button\" href=\"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/bohnenzeitung-com-218\/#more-18560\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber bohnenzeitung.com\">Weiter<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":28639,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[],"class_list":["post-18560","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-die-bunte-welt-von-vivienne","generate-columns","tablet-grid-50","mobile-grid-100","grid-parent","grid-50","resize-featured-image"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18560","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=18560"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18560\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":34695,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18560\/revisions\/34695"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media\/28639"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=18560"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=18560"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=18560"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}