{"id":18563,"date":"2005-01-17T13:40:35","date_gmt":"2005-01-17T13:40:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bohnenzeitung.com\/2005\/01\/bohnenzeitung-com-221\/"},"modified":"2022-10-04T05:00:34","modified_gmt":"2022-10-04T03:00:34","slug":"bohnenzeitung-com-221","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/bohnenzeitung-com-221\/","title":{"rendered":"bohnenzeitung.com"},"content":{"rendered":"<p>      <b>     \u00a0<a href=\"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\">Home<\/a>     Kolumnen          Die bunte Welt von Vivienne<\/b>        <\/p>\n<p><b>16.08.2005,          \u00a9     <a href=\"mailto:vivienne@bohnenzeitung.com\">     Vivienne<\/a><\/b><\/p>\n<p>  <\/p>\n<p><b> Die Wette<\/b><\/p>\n<p> \u0084Der b\u00fcffelt!\u0093 Ich nickte anerkennend und der Kollege neben  mir, Andreas Dorninger, gab mir Recht. \u0084Du hast Recht, der haut sich ordentlich  rein. Trotzdem glaube ich nicht, dass unser Klemens die Buchhalterpr\u00fcfung auf  Anhieb schaffen wird!\u0093 Ich drehte mich erstaunt zu meinem vis-\u00e0-vis. \u0084Warum  glaubt du das? So wie ich das sehe, kann der gar nicht durchfallen. Ich sehe ihn  in jeder freien Minute nur noch lernen, sogar in der Mittagspause, wie jetzt!\u0093  Andreas blickte kryptisch zum Kollegen. \u0084Das wird aber trotzdem nicht reichen,  ich habe selber diese Pr\u00fcfung vor ein paar Jahren abgelegt und zwei Anl\u00e4ufe  gebraucht. Man muss perfekt sein, um auf Anhieb zu bestehen.\u0093<\/p>\n<p> Ich musterte den Kollegen mit unbestimmten Gef\u00fchlen. Keine  drei Monate war ich jetzt in der Gro\u00dfhandelsfirma, in der ich auch noch viel  sp\u00e4ter meinen jetzigen Mann Ali kennen lernen sollte. Noch war von dem aber weit  und breit noch nichts zu sehen, nur Toni, der nette Lehrbursch, begann mich  schon in den Rauchpausen zu begleiten. Andreas Dorninger war ein Kollege, der  f\u00fcr mich schwer einsch\u00e4tzbar war. Ich war an sich immer gut mit ihm ausgekommen,  ich hatte aber Situationen in der Firma beobachtet, wenn Andreas w\u00fctend geworden  war \u0096 und er schien mir etwas j\u00e4hzornig zu sein. Einmal schoss mir sogar der  Satz: <i>Der ist ja verr\u00fcckt!<\/i> Andererseits musste ich zugeben, dass der  junge Mann durchaus widerspr\u00fcchliche Gef\u00fchle in mir weckte, ich f\u00fchlte mich von  ihm angezogen, obwohl damals noch eine bessere H\u00e4lfte namens Richard bei mir  daheim auf mich wartete.<\/p>\n<p> Ich war nicht verliebt, das nicht unbedingt, aber verwirren  konnte mich der Bursch durchaus. Und wenn er mich, in Anspielung auf meine  damals noch roten Haare, fast z\u00e4rtlich \u0084Rotschopf\u0093 nannte, begann ich mich schon  zu fragen, was wohl in seinem Kopf vorging, was meine Person betraf. In diesem  Moment machte ich mir aber dar\u00fcber keine Gedanken. Ich fragte mich eher, ob  Andreas unserem Klemens vielleicht einfach eine bessere Leistung bei der  Buchhalterpr\u00fcfung als er selber nicht g\u00f6nnen wollte. \u0084Wir werden sehen!\u0093 schloss  ich nachdenklich meine \u00dcberlegungen ab. Ich wollte wieder an meinen Schreibtisch  zur\u00fcck, denn ich hatte keine Lust von der Neumeier, meiner damaligen  Chefin, beim Tratschen  erwischt zu werden. Andreas nahm aber meine Hand und hielt mich zur\u00fcck. \u0084Wart  noch!\u0093\u00a0<\/p>\n<p> \u0084Ja?\u0093 Irritiert sah ich Andreas ins Gesicht. \u0084Wetten wir  doch! Ich wette, dass Klemens die Pr\u00fcfung nicht auf Anhieb schafft und du h\u00e4ltst  dagegen.\u0093 Andreas l\u00e4chelte mich gewinnend aus stahlblauen Augen an. \u0084Wetten?\u0093  Der Kollege kam doch immer wieder auf kuriose Einf\u00e4lle. \u0084Wor\u00fcber willst du  wetten? Ich meine, um welchen Einsatz?\u0093 Andreas zwinkerte mir zu. \u0084Das k\u00f6nnen  wir uns ausmachen. Was soll ich f\u00fcr dich tun, wenn ich verliere?\u0093 Ich musste  unvermittelt lachen. Ja, wenn er mir so kam\u0085 \u0084Wenn ich nicht unversch\u00e4mt bin,  ich habe da in der Innenstadt in einem Gesch\u00e4ft eine Handtasche gesehen. Die  w\u00fcnsch ich mir!\u0093 Andreas nickte heftig. \u0084Passt. Also falls du gewinnst, bekommst  du die, versprochen!\u0093 Er wandte sich ab, weil ein wichtiger Lieferant gerade in  den Hof fuhr, mit dem er noch reden musste.<\/p>\n<p> \u0084Halt!\u0093 rief ich ihm nach. \u0084Und was ist, wenn du gewinnst?  Was muss ich tun?\u0093 Andreas lie\u00df seinen ganzen Charme spr\u00fchen. \u0084Das sag ich dir  noch! Wart noch ab!\u0093 Etwas verdattert blickte ich ihm nach. <i>Das sag ich dir  noch?<\/i> Merkw\u00fcrdig. Vielleicht wollte ich ja gar nicht, was er wollte\u0085 Aber  wie auch immer. Zwingen lie\u00df ich mich nicht. Au\u00dferdem, wom\u00f6glich musste ich ja  nur seine Wohnung einmal durchputzen. Mit diesem Gedanken kehrte ich ins B\u00fcro  zur\u00fcck. Ich verga\u00df \u00fcberhaupt schnell v\u00f6llig auf unsere Wette, erst als wir, ein  paar Kollegen, ein paar Wochen sp\u00e4ter an einem Freitagnachmittag in einem Lokal  sa\u00dfen und auf das Wochenende anstie\u00dfen, brachte Andreas geschickt wieder das  Gespr\u00e4ch auf unsere Wette. \u0084Klemens hat doch heute seine Pr\u00fcfung, wei\u00df du das?\u0093  Ich nickte. \u0084Ich wei\u00df, dass er sich die ganze Woche deswegen frei genommen hat.  Ich w\u00fcnsch ihm, dass er es schafft.\u0093<\/p>\n<p> Andreas prostet mir mit seinem Achterl Chardonay zu und  nahm einen Schluck. \u0084Unsere Wette hast du aber nicht vergessen, oder?\u0093 Er griff  in die Hosentasche und angelte nach seinem Handy. \u0084Wir fragen ihn am besten  gleich, ob er es geschafft hat, ja?\u0093 Er w\u00e4hlte eine Nummer und kurz darauf  meldete sich Klemens. Ich sp\u00fcrte, dass ich ihn irritiert beobachtete, ohne zu  wissen warum. Es st\u00f6rte mich etwas am Verhalten von Andreas, und ich merkte,  dass Nervosit\u00e4t in mir aufstieg. \u0084Wie geht\u0092s dir? Wie sieht\u0092s aus?\u0093 Andreas kam  gleich zum Punkt. Die Kollegen verfolgten aufmerksam das Telefonat, auch wenn  einige gar nicht wussten, worum es \u00fcberhaupt ging. Im Gesicht von Andreas, das  eben noch gute Laune ausgedr\u00fcckt hatte, zuckte es aber mit einem Mal, als h\u00e4tte  ihn jemand geschlagen. \u0084Bestanden?\u0093 Seine Stimme klang leise und irgendwie  entt\u00e4uscht. \u0084Alles Gute! N\u00e4chte Woche gibst du eine Runde aus.\u0093<\/p>\n<p> Andreas beendete das Gespr\u00e4ch unerwartet schnell und  steckte das Handy wieder ein. Ich versp\u00fcrte eine gewisse Erleichterung, obwohl  ich nicht sicher wusste, wovor ich mich eigentlich gef\u00fcrchtet hatte. Vorsichtig  wagte ich einen Vorsto\u00df. \u0084Diese Handtasche \u0096 krieg ich die jetzt?\u0093 Andreas  nickte kurz, er sah mich nicht mehr an. Sein Blick verlor sich in seinem Glas  mit dem Wei\u00dfwein. Er sprach \u00fcberhaupt kaum mehr ein Wort, und kurz darauf  verlie\u00df er mit einem Hinweis auf einen wichtigen Termin unsere gem\u00fctliche Runde.  Ich war etwas betroffen und habe mich lange geweigert, dar\u00fcber nachzudenken, was  Andreas wohl von mir gefordert h\u00e4tte. Weniger weil es ungeheuerlich h\u00e4tte sein  k\u00f6nnen. Sondern vielmehr deswegen, weil es durchaus m\u00f6glich gewesen w\u00e4re, dass  ich es damals vielleicht trotzdem nicht verweigert h\u00e4tte\u0085 <\/p>\n<p> Vivienne<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><b>     \u00a0Redakteure      stellen sich vor: Vivienne\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0     <br \/>     \u00a0Alle Beitr\u00e4ge von      Vivienne<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp;Home Kolumnen Die bunte Welt von Vivienne 16.08.2005, &copy; Vivienne Die Wette &#132;Der b&uuml;ffelt!&#147; Ich nickte anerkennend und der Kollege &#8230; <\/p>\n<p class=\"read-more-container\"><a title=\"bohnenzeitung.com\" class=\"read-more button\" href=\"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/bohnenzeitung-com-221\/#more-18563\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber bohnenzeitung.com\">Weiter<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":28639,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[],"class_list":["post-18563","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-die-bunte-welt-von-vivienne","generate-columns","tablet-grid-50","mobile-grid-100","grid-parent","grid-50","resize-featured-image"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18563","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=18563"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18563\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":34698,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18563\/revisions\/34698"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media\/28639"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=18563"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=18563"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=18563"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}