{"id":18601,"date":"2005-01-17T13:40:35","date_gmt":"2005-01-17T13:40:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bohnenzeitung.com\/2005\/01\/bohnenzeitung-com-256\/"},"modified":"2022-10-04T05:00:35","modified_gmt":"2022-10-04T03:00:35","slug":"bohnenzeitung-com-256","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/bohnenzeitung-com-256\/","title":{"rendered":"bohnenzeitung.com"},"content":{"rendered":"<p>      <b>     \u00a0<a href=\"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\">Home<\/a>     Kolumnen          Die bunte Welt von Vivienne<\/b>        <\/p>\n<p><b>17.04.2005,          \u00a9     <a href=\"mailto:vivienne@bohnenzeitung.com\">     Vivienne<\/a><\/b><\/p>\n<p>  <\/p>\n<p><b> Schwarzfahrerin wider Willen<\/b><\/p>\n<p> Unbarmherzig signalisierte mir mein Handy um 7:00 Uhr fr\u00fch:  aufstehen! Mit dr\u00f6hnendem Kopf erhob ich mich von der Couch. Ja, es war gestern  sp\u00e4t geworden, nachdem ich eine Schulauff\u00fchrung meiner Nichte Dani\u00e8le besucht  hatte und wir noch Stunden sp\u00e4ter \u00fcber die Absurdit\u00e4t dieses Theaterst\u00fccks  diskutiert hatten. Aber ich hatte nicht etwa einen Kater, nein, sondern der F\u00f6hn  setzte mir so zu. Schon seit Tagen. Und ich musste trotzdem heute noch in die  Arbeit, leider, die sechs Stunden hatte ich noch \u0084abzusitzen\u0093. Da fuhr der Zug  dr\u00fcber! Ich wankte also ins Wohnzimmer und setzte gleich eine Kanne Kaffee auf.  Nur f\u00fcr mich\u0085<\/p>\n<p> Der sollte n\u00e4mlich meine Lebensgeister wieder wecken. Der  Rest der Familie war l\u00e4ngst ausgeflogen oder stand kurz davor. Meine Schwester  und ihr Mann befanden sich bereits auf der Baustelle ihres zuk\u00fcnftigen Hauses.  Der liebe Nachwuchs k\u00fcsste mich zur Begr\u00fc\u00dfung noch und begab sich eilends aus  dem Haus in Richtung Schule\u0085 Ich verfolgte das alles etwas verwirrt, denn mein  Kopf schmerzte nach wie vor und zwei Tassen Kaffee \u00e4nderten daran gar nichts.  Keine Schmerztabletten in Griffn\u00e4he! Schade. Ich packte meine Tasche und dachte  kurz an Ali, als ich losging. Er hatte mich nicht begleitet, schon mangels Platz  sondern wollte sich einen gem\u00fctlichen Fernsehabend machen. 8:09 zeigte die Uhr  am Bahnhof. Richtig, ich musste mir ja noch ein Ticket besorgen, und zwar am  Automaten, denn Bahnhofsvorstand gibt es in Traun schon lange keinen mehr.<\/p>\n<p> Minuten sp\u00e4ter stand ich Schwei\u00df gebadet vor dem Automaten  und hatte noch immer kein Ticket. Verdammt wie funktionierte das? Immer wieder  hatte ich die so genannte \u0084Kernzone\u0093 im Ticket enthalten, obwohl ich diese gar  nicht brauchte. Schlie\u00dflich kaufte ich mir regelm\u00e4\u00dfig meine Monatskarte bei den  Linzer Linien. Ich zahlte doch nicht doppelt, das w\u00e4re ja noch sch\u00f6ner! Ein  Mann, den ich um Hilfe bat, zuckte nur die Achseln: \u0084Ich kenne mich selber nicht  aus, leider!\u0093 Mein dr\u00f6hnender Kopf machte mich noch grantiger. Der Zug fuhr auch  schon ein, also verlie\u00df ich mit w\u00fctendem Gesichtsausdruck den Automaten und  stieg in den Zug ein. Vielleicht kam ja kein Schaffner, immerhin gab es bis Linz  nur vier Stationen. Ich schwor mir, ich w\u00fcrde in keinem Fall eine Schreibgeb\u00fchr  bezahlen, wenn mir der Schaffner ein Ticket verkaufte. Niemals!<\/p>\n<p> Der Tag war herrlich, die Sonne lachte wie schon im Mai vom  Himmel. Konnte man an einem so wundersch\u00f6nen Tag \u00fcberhaupt schlechte Laune  haben? Ich schon, denn mein Kopf schmerzte nach wie vor. Oder mehr denn je, wie  man die Sache dann betrachtete. Ich zuckte zusammen. Nein! Der Schaffner war ins  Abteil getreten. Sein Minidrucker begann auch fast zeitgleich zu surren. Da gab  es jedenfalls viel zu tun, der Automat d\u00fcrfte mehr Zugpassagiere \u00fcberfordern,  nicht nur eine oberlehrerhafte Maturantin wie mich. Was sollte ich blo\u00df tun?  Schlie\u00dflich stand ich ganz ruhig auf und wechselte gem\u00e4chlichen Schrittes in den  letzten Waggon. Dort sa\u00df ich ganz verkrampft und betete, dass wir so schnell wie  m\u00f6glich in den Linzer Hauptbahnhof einfahren w\u00fcrden.<\/p>\n<p> Gott war mir an dem Tag aber nicht gn\u00e4dig gesinnt.  Vielleicht war ihm auch mein Problem zu gering. Meine Fantasie ging schon mit  mir durch. Ich f\u00fchrte im Gedanken ein Streitgespr\u00e4ch mit dem Schaffner, der mir  statt 1,50 Euro das Ticket um das mehr als Doppelte verkaufen wollte.  Schreibgeb\u00fchr. Ich ballte die Faust. Niemals! Ich blickte erschreckt nach  drau\u00dfen. Der Zug blieb ganz pl\u00f6tzlich stehen, mitten auf der Strecke und fast  gleichzeitig trat auch noch der Schaffner in dieses Abteil ein. Ich h\u00e4tte  aufschreien k\u00f6nnen. Das gab\u0092s doch einfach nicht! Schlie\u00dflich stand der  mittelgro\u00dfe Mann Anfang Vierzig schon bei mir. Ich griff in die Tasche und holte  meine Geldb\u00f6rse heraus. \u0084Bahnhof Traun \u0096 Linz\u0093, murmelte ich etwas gepresst.<\/p>\n<p> Dann sah ich den Mann an. Die ganze Resignation dieses  Morgens spiegelte sich \u00a0in meinen Worten als ich ihm unvermittelt von meinem  Frust erz\u00e4hlte. \u0084\u0085 ich habe es einfach nicht geschafft, einen passenden  Fahrschein aus dem Autoamten zu bekommen\u0085\u0093 Der Schaffner l\u00e4chelte mich  verst\u00e4ndnisvoll an. \u0084Da geht es Ihnen wie vielen.\u0093 Er gestikulierte mit der  Hand. \u0084Die Techniker, die so was bauen und programmieren, stellen es sich immer  so einfach vor. Was hat denn bei Ihnen nicht geklappt?\u0093 Ich presste die Lippen  in\u00a0 tiefem Frust zusammen. \u0084Ich habe die Kernzone einfach nicht herausgebracht!\u0093  Der Mann lachte leise. Sein Drucker surrte und dann meinte er. \u0084Den meisten  Leuten geht es genau umgekehrt, die schaffen die Kernzone nicht in den  Fahrschein. Macht 1,50 Euro, bitte.\u0093 Ich erwiderte sein L\u00e4cheln. \u0084Danke. Sch\u00f6nen  Tag noch!\u0093<\/p>\n<p> Soll einer noch sagen: Typisch Bahn!\u00a0<\/p>\n<p> Vivienne<br \/> \u00a0<\/p>\n<p><b>     \u00a0Redakteure      stellen sich vor: Vivienne\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0     <br \/>     \u00a0Alle Beitr\u00e4ge von      Vivienne<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp;Home Kolumnen Die bunte Welt von Vivienne 17.04.2005, &copy; Vivienne Schwarzfahrerin wider Willen Unbarmherzig signalisierte mir mein Handy um 7:00 &#8230; <\/p>\n<p class=\"read-more-container\"><a title=\"bohnenzeitung.com\" class=\"read-more button\" href=\"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/bohnenzeitung-com-256\/#more-18601\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber bohnenzeitung.com\">Weiter<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":28639,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[],"class_list":["post-18601","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-die-bunte-welt-von-vivienne","generate-columns","tablet-grid-50","mobile-grid-100","grid-parent","grid-50","resize-featured-image"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18601","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=18601"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18601\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media\/28639"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=18601"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=18601"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=18601"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}