{"id":18603,"date":"2005-01-17T13:40:35","date_gmt":"2005-01-17T13:40:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bohnenzeitung.com\/2005\/01\/bohnenzeitung-com-258\/"},"modified":"2022-10-04T05:00:35","modified_gmt":"2022-10-04T03:00:35","slug":"bohnenzeitung-com-258","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/bohnenzeitung-com-258\/","title":{"rendered":"bohnenzeitung.com"},"content":{"rendered":"<p>      <b>     \u00a0<a href=\"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\">Home<\/a>     Kolumnen          Die bunte Welt von Vivienne<\/b>        <\/p>\n<p><b>06.04.2005,          \u00a9     <a href=\"mailto:vivienne@bohnenzeitung.com\">     Vivienne<\/a><\/b><\/p>\n<p>  <\/p>\n<p><b> Sterben aus Liebe?<\/b><\/p>\n<p> Ich konnte es fast nicht fassen. Eine Kollegin von uns,  also aus meiner Firma aber einer anderen Abteilung, hatte am Morgen einen  schweren Verkehrsunfall fast unverletzt \u00fcberstanden. W\u00e4hrend wir Stunden nach  der Nachricht noch \u00fcber so viel Gl\u00fcck philosophierten, lie\u00dfen uns die Details,  die nach und nach unsere Wissensl\u00fccken f\u00fcllten, stutzen. Katrin Hoffmann, die  Chefsekret\u00e4rin, hatte mit Sicherheit die Steinmauer ganz gezielt anvisiert. Es  bestand kein Zweifel daran, dass sie nicht irrt\u00fcmlich von der Fahrbahn  abgekommen war und auch einen Sekundenschlaf schlossen die Experten dezitiert  aus. Frau Hoffmann wollte sich definitiv umbringen, denn sie hatte ihr Fahrzeug,  den neuen Volvo ihres Mannes, sogar noch beschleunigt w\u00e4hrend sie ihn auf die  Steinmauer hinsteuerte.<\/p>\n<p> Betroffenheit breitete sich bei uns aus. Das Tagesgespr\u00e4ch  in der ganzen Firma besch\u00e4ftigte auch unsere Abteilung. Katrin Hoffmann hatte  sterben wollen, und es war v\u00f6llig offen, wieso. Sie war die rechte hand des  Chefs, hatte seine ganzen Termine koordiniert und war unverzichtbar f\u00fcr ihn  geworden nachdem sie in der Firma eine Bilderbuchkarriere hingelegt hatte. Vor  zwanzig Jahren hatte sie eine B\u00fcrokaufmannlehre im Unternehmen begonnen, war  zuerst in die Buchhaltung gekommen und hatte sich mit ihrer Umsicht, ihrem  klaren Verstand und ihrem Gesch\u00e4ftssinn bald unentbehrlich in der Firma gemacht.  Und schlie\u00dflich hatte sie der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer pers\u00f6nlich an die Spitze seines  Sekretariats geholt. Und es schien, als h\u00e4tte sie das Ende ihrer Karriereleiter  noch lange nicht erreicht.<\/p>\n<p> Nachdenklich packte ich am Ende dieses Arbeitstages  zusammen. Ich erledigte noch ein paar Eink\u00e4ufe und daheim war ich schon eifrig  ins Kochen vertieft, als Albert die Wohnungst\u00fcr aufsperrte. Er kam zu mir,  k\u00fcsste mich zur Begr\u00fc\u00dfung und begann sich lauthals \u00fcber seine Firma auszulassen.  Zuerst merkte er gar nicht, dass ich mit meinen Kommentaren geizte aber  schlie\u00dflich \u0096 ich begann schon den Tisch zu decken &#8211; sah er mich scharf an. \u0084Ist  was los, Viv?\u0093 Ich erwiderte seinen Blick, zuerst wortlos, aber dann erz\u00e4hlte  ich ihm die Geschichte von der rechten Hand des Gesch\u00e4ftsf\u00fchrers. \u0084..und  offenbar hat sie Selbstmord ver\u00fcben wollen. Kein Mensch wei\u00df warum. F\u00fcr den Chef  ist sie de facto unentbehrlich. Und jetzt liegt sie auf der psychiatrischen  Abteilung des AKH und keiner wei\u00df warum sie sterben wollte\u0085.\u0093 schloss ich.  \u0084..und das besch\u00e4ftigt mich einfach\u0085\u0093<\/p>\n<p> Albert legte den Arm um mich und dr\u00fcckte mich. Minuten  schwiegen wir. Alberts Stimme holte mich aus den Gedanken. \u0084Das hei\u00dft, die  Katrin H. aus der Zeitung ist eigentlich die rechte Hand eures  Gesch\u00e4ftsf\u00fchrers?\u0093 Ich l\u00f6ste mich von ihm und nickte. \u0084Richtig.\u0093 Albert nahm  mich bei der Hand. \u0084Komm, lass uns essen. Dann muss ich dir etwas erz\u00e4hlen.\u0093 Ich  zog die Stirn in Falten. Was wollte mir Albert da erz\u00e4hlen? Hatte es wirklich  mit dem Selbstmordversuch zu tun, wie es den Anschein hatte, oder war es etwas  ganz anderes? Aber mein Freund lie\u00df mich zappeln, und er lie\u00df sich auch noch  Zeit mit dem Essen. Was mich \u00e4rgerte, denn er wusste genau, dass er mich so auf  die Folter spannte.<\/p>\n<p> Schlie\u00dflich schob Ali das Teller von sich, wischte sich mit  der Serviette \u00fcber den Mund und wandte sich zu mir.\u0093\u0085witzig, welch ein Zufall  das war. Lass dir erz\u00e4hlen\u0085\u0093 Er setzte sich bequem hin und z\u00fcndete sich eine  Zigarette an. \u0084Vorhin war ich noch an der Tankstelle. Nichts Ungew\u00f6hnliches  normalerweise. Aber vor mir war ein Mann, kalkwei\u00df im Gesicht und zudem wirkte  er total fahrig. Stell dir vor\u0085\u0093 Albert sch\u00fcttelte den Kopf. \u0084..er stand da mit  einer Zigarette und einem J\u00e4germeister und erz\u00e4hlte mir, er m\u00fcsse sich erst  einmal beruhigen.\u0093 Albert z\u00e4umte jede Geschichte von hinten auf und das machte  es mir nicht leichter, geduldig zu bleiben, da ich jeden Zusammenhang vermisste.<\/p>\n<p> Albert grinste, ich sp\u00fcrte seine Ironie und er sah mich  am\u00fcsiert an. \u0084Na ja, und auf einmal f\u00e4ngt er zu erz\u00e4hlen an. Die Polizei war  heute bei ihm gewesen. Und da hat er erfahren, dass seine Frau ihn schon l\u00e4ngere  Zeit betrogen hat. Zu allem \u00dcberdruss noch mit dem Wohnungsnachbarn.\u0093 \u0084Aha.\u0093 Ich  r\u00e4usperte mich. \u0084Und deswegen kommt die Polizei zu ihm? Seltsam.\u0093 Albert grinste  breit. \u0084Nein, nicht deshalb, aber die Frau seines Rivalen \u0096 der ist n\u00e4mlich auch  verheiratet \u0096 hat k\u00fcrzlich erst von dem Verh\u00e4ltnis erfahren. Und heute Morgen  versuchte sie sich das Leben zu nehmen. Mit dem neuen Auto ihres fremdgehenden  Ehemannes\u0085\u0093 Ich begriff. \u0084Mein Gott, der Mann von Frau Hoffmann hatte ein  Verh\u00e4ltnis!\u0093<\/p>\n<p> Albert nickte. \u0084Und wie es scheint, ist sie nicht fertig  geworden damit. Deshalb die wahnsinnige Aktion mit dem Auto.\u0093 Betroffen fixierte  ich eine Fliese in der K\u00fcche, ich versuchte meine Gedanken zu ordnen. \u0084Glaubst  du dass sie wirklich sterben wollte?\u0093 fragte ich nach einer Weile. Albert  \u00fcberlegte. \u0084Nein, das denke ich nicht. Ich denke, es war eher ein Hilfeschrei.  Pure Verzweiflung. Und das Wissen, dass sie ihre Ehe durch ihre Karriere auf\u0092s  Spiel gesetzt hatte.\u0093 Albert wirkte ein wenig nach innen gekehrt. \u0084Nein, sie  redete sich h\u00f6chstens ein, dass sie sterben wollte. Sterben aus Entt\u00e4uschung,  aus Hass vielleicht auch, aber vor allem sterben\u00a0 aus Liebe\u0085<\/p>\n<p> Vivienne<br \/> \u00a0<\/p>\n<p><b>     \u00a0Redakteure      stellen sich vor: Vivienne\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0     <br \/>     \u00a0Alle Beitr\u00e4ge von      Vivienne<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp;Home Kolumnen Die bunte Welt von Vivienne 06.04.2005, &copy; Vivienne Sterben aus Liebe? Ich konnte es fast nicht fassen. Eine &#8230; <\/p>\n<p class=\"read-more-container\"><a title=\"bohnenzeitung.com\" class=\"read-more button\" href=\"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/bohnenzeitung-com-258\/#more-18603\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber bohnenzeitung.com\">Weiter<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":28639,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[],"class_list":["post-18603","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-die-bunte-welt-von-vivienne","generate-columns","tablet-grid-50","mobile-grid-100","grid-parent","grid-50","resize-featured-image"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18603","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=18603"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18603\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media\/28639"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=18603"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=18603"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=18603"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}