{"id":18611,"date":"2005-01-17T13:40:35","date_gmt":"2005-01-17T13:40:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bohnenzeitung.com\/2005\/01\/bohnenzeitung-com-264\/"},"modified":"2022-10-04T05:00:35","modified_gmt":"2022-10-04T03:00:35","slug":"bohnenzeitung-com-264","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/bohnenzeitung-com-264\/","title":{"rendered":"bohnenzeitung.com"},"content":{"rendered":"<p>      <b>     \u00a0<a href=\"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\">Home<\/a>     Kolumnen          Die bunte Welt von Vivienne<\/b>        <\/p>\n<p><b>25.08.2005,          \u00a9     <a href=\"mailto:vivienne@bohnenzeitung.com\">     Vivienne<\/a><\/b><\/p>\n<p>  <\/p>\n<p><b> Verliebt ins Leben<\/b><\/p>\n<p> Sophia und ich blickten uns wissend an. Ein paar Meter vor  uns stand Hella Reiniger, eine Kollegin, ins Gespr\u00e4ch mit unserem  Chef vertieft. Beide lachten,  wir verstanden nicht, wor\u00fcber sie sprachen, aber der Blick, denn Hella unserem  Boss zuwarf, schien B\u00e4nde zu sprechen. Sie strahlte unseren gut aussehenden  Vorgesetzten an mit ihren blauen Augen, als w\u00e4re sie ein achtzehnj\u00e4hriges M\u00e4del.  \u0084Die ist verliebt!\u0093 schmunzelte Sophia. \u0084Oder meinst du etwas anderes?\u0093 Nein,  daran konnte es keinen Zweifel geben, unsere nicht mehr ganz junge  Mitstreiterin, geschieden, und mittlerweile auch schon einige Zeit im  Unternehmen, war verschossen in unseren  Chef. Schon seit Wochen war uns ihr gl\u00fccklicher  Gesichtsausdruck aufgefallen, vor allem, wenn sie gerade mit unserem  \u0084Galeerentreiber\u0093, wie wir ihn immer spa\u00dfhaft nannten, gesprochen hatte.<\/p>\n<p> Keine Frage, der  Chef mochte sie sicher auch,  aber der Chef mochte alle seine Mitarbeiterinnen in seinem Bereich, er war wohl  so etwas wie ein \u0084Womanizer\u0093 wie die Amerikaner es formulieren. Ein Mann, der  Frauen anzog wie ein Magnet Eisenn\u00e4gel, und er verstand es auch mit ihnen  umzugehen. Er wusste, was Frauen gern h\u00f6rten und wie er es zu bringen hatte.  Andererseits war er aber auch seit Jahren verheiratet, hatte drei Kinder und  gerade ein Eigenheim gekauft. Hella war wiederum eher eine unscheinbare Person,  etwas zu dick und nicht besonders gro\u00df. Es war deshalb nicht anzunehmen, dass  sich unser Boss auch in Hella verlieben konnte, im Grunde war es auch gar nicht  ratsam. Schon wegen seiner Kinder\u0085<\/p>\n<p> Einerseits war es s\u00fc\u00df anzusehen, wie dieses Gl\u00fcck aus  Hellas Gesicht lachte, aber irgendwann musste die liebe Kollegin aus ihrem Traum  aufwachen. Und ziemlich hart fallen\u0085 Sollte ich mit ihr reden? Nein, ich konnte  mir nicht vorstellen, dass das etwas bringen w\u00fcrde. Es ging mich nichts an, mehr  als das: es hatte mich nichts anzugehen, da ich selber nicht betroffen war. Und  trotzdem tat sie mir leid, sehr sogar. Nach ihrer ungl\u00fccklichen Ehe \u0096 der Mann  hatte sie geschlagen und ihr immer das ganze Geld weggenommen \u0096 hatte sie  begonnen, wieder Fu\u00df zu fassen im Leben. Sie hatte eine Psychotherapie gemacht  und in unserer Firma einen Job angenommen. Und nach anf\u00e4nglichen Schwierigkeiten  ihre Sache sehr gut gemacht.\u00a0<\/p>\n<p> Ich setzte mich nach der Arbeit in den Bus. W\u00e4hrend ich  mich dabei ertappte, wie ich wieder begann, N\u00e4gel zu kauen, fragte ich mich  immer wieder, wie Hella reagieren w\u00fcrde, wenn sie begreifen w\u00fcrde, dass ihr  Traumschloss zusammenbrechen musste. Ob sie wieder depressiv werden w\u00fcrde?  St\u00e4rkere Medikamente ben\u00f6tigen w\u00fcrde? Vielleicht w\u00fcrde ihr auch der Job zu viel  und sie warf ihn hin. Weil sie es nicht mehr ertragen konnte, weiter mit unserem Chef konfrontiert zu  sein. Ihre heimliche Liebe, von der jeder in unserer Abteilung wusste und sich  am\u00fcsierte dar\u00fcber. Nein, nat\u00fcrlich nicht jeder, aber trotzdem. Unfeine Worte  fallen in dem Zusammenhang immer hinter dem R\u00fccken des Betroffenen, gleichg\u00fcltig  ob Mann oder Frau.<\/p>\n<p> Und unser Vorgesetzter w\u00fcrde mit Sicherheit kein Wort  dar\u00fcber verlieren, auch wenn er genau wissen musste, was Hella f\u00fcr ihn empfand.  Ich stieg aus dem Bus und steuerte den Supermarkt an. Wir, Ali und ich,  ben\u00f6tigten dringend eine Flasche Apfelessig, und bei der Gelegenheit wollte ich  auch ein paar Kleinigkeiten einkaufen. Weiter vorne, bei der Tiernahrung sah ich  \u00fcberraschend Hella stehen. Ich wusste gar nicht, dass sie eine Katze hatte. Sie  packte gerade ein paar Dosen Whiskas in ihren Einkaufswagen und\u00a0 steuerte, den  Blick stur nach vorne gerichtet, an mir vorbei. \u0084Hella!\u0093 sprach ich sie an. \u0084So  eine \u00dcberraschung!\u0093 Hella drehte sich um und lachte mich an. \u0084Hallo! Auch beim  Einkaufen?\u0093 Ich nickte.<\/p>\n<p> Schon merkw\u00fcrdig, dass ich im Bus die ganze Zeit an sie  denken hatte m\u00fcssen. Und nun traf ich sie hier\u0085 \u0084Wie geht\u0092s dir?\u0093 fragte ich  oberfl\u00e4chlich und wollte mich im n\u00e4chsten Augenblick schon deswegen verfluchen.  Aber Hella stieg sofort darauf ein. \u0084Gut, gut wie lange nicht. Sch\u00f6n langsam  beginne ich zu vergessen, was mir alles passiert ist in meiner Ehe\u0085 Sieh her!\u0093  Sie zeigte mir das Katzenfutter. \u0084Ich habe mir letzte Woche ein K\u00e4tzchen geholt.  Aus dem Tierheim. Es ist sehr hungrig!\u0093 Jetzt oder nie! dachte ich mir. Nie  wieder kannst du so ungest\u00f6rt mit ihr reden wie hier. \u0084Das ist toll!\u0093 antwortete  ich. \u0084Aber deine gute Laune h\u00e4ngt wohl auch mit dem  Chef zusammen, oder?\u0093 Hella  l\u00e4chelte am\u00fcsiert. \u0084Ich wei\u00df, was du meinst. So naiv bin ich nicht, dass ich  nicht merken w\u00fcrde, was ein paar Leute hinter mir tratschen. Aber glaube mir,  Vivienne, es ist nicht ganz so, wie ihr alle denkt\u0085\u0093<\/p>\n<p> Sie blickte mich mit gl\u00e4nzenden Augen an. \u0084Unser Boss ist  ein toller Mann und er hat viel f\u00fcr mich getan. Er hat mich seinerzeit  angestellt, obwohl ich eine Gehaltsexekution laufen hatte \u0096 Altlasten meines Ex.  Er hat mir eine Chance gegeben wei\u00dft du, nach all dem Chaos und dem Leid, das  ich erfahren hatte. Und daf\u00fcr bin ich ihm sehr dankbar\u0085\u0093 Ich lauschte Hella  leicht \u00fcberrascht. \u0084\u0085ja, er sieht verdammt gut aus, und ehrlich, in der  Abteilung sind wir wohl alle ein wenig verliebt in ihn, oder? Aber\u0085\u0093 Hella  nickte mit Nachdruck. \u0084\u0085 ich bin nicht so dumm, Freundlichkeit und  Hilfsbereitschaft mit tieferen Gef\u00fchlen zu verwechseln. Zum Beispiel mit Liebe.  Nein, Vivienne, da irrt ihr alle. Ich bin nicht verliebt, nur dankbar und sehr  gl\u00fccklich, dass ich das Sch\u00f6ne hier erfahren darf, nach all diesen bitteren  Jahren\u0085\u0093<\/p>\n<p> Vivienne<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><b>     \u00a0Redakteure      stellen sich vor: Vivienne\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0     <br \/>     \u00a0Alle Beitr\u00e4ge von      Vivienne<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp;Home Kolumnen Die bunte Welt von Vivienne 25.08.2005, &copy; Vivienne Verliebt ins Leben Sophia und ich blickten uns wissend an. &#8230; <\/p>\n<p class=\"read-more-container\"><a title=\"bohnenzeitung.com\" class=\"read-more button\" href=\"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/bohnenzeitung-com-264\/#more-18611\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber bohnenzeitung.com\">Weiter<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":28639,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[],"class_list":["post-18611","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-die-bunte-welt-von-vivienne","generate-columns","tablet-grid-50","mobile-grid-100","grid-parent","grid-50","resize-featured-image"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18611","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=18611"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18611\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":34741,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18611\/revisions\/34741"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media\/28639"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=18611"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=18611"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=18611"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}