{"id":18768,"date":"2005-01-17T13:40:35","date_gmt":"2005-01-17T13:40:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bohnenzeitung.com\/2005\/01\/bohnenzeitung-com-317\/"},"modified":"2022-10-04T05:03:27","modified_gmt":"2022-10-04T03:03:27","slug":"bohnenzeitung-com-317","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/bohnenzeitung-com-317\/","title":{"rendered":"bohnenzeitung.com"},"content":{"rendered":"<p>      <b>     \u00a0<a href=\"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\">Home<\/a>     Prosa          Aus dem Hinterhof der Seele<\/b>        <\/p>\n<p><b>09.06.2005,          \u00a9     <a href=\"mailto:vivienne@bohnenzeitung.com\">     Vivienne<\/a><\/b><\/p>\n<p>  <\/p>\n<p><b> Haben wir uns noch etwas zu sagen?<\/b><\/p>\n<p> Wir liegen im Bett.<br \/> Nebeneinander.<br \/> Wir sehen uns kaum an.<br \/> Starren nur auf das Fernsehger\u00e4t.<br \/> Irgendwann schlafe ich ein.<br \/> W\u00e4hrend du Fu\u00dfball schaust.<br \/> Und ab und zu zufrieden grunzt.<br \/> Oder auch schimpfst!<br \/><i>Schei\u00df Schiri!<br \/><\/i>Manchmal stehst du  noch auf.<br \/> Und holst dir ein Bier.<br \/> Manchmal bekomme ich es mit.<br \/> Manchmal nicht.<br \/> Aber das Fernsehger\u00e4t l\u00e4uft oft, wenn ich einschlafe\u0085<\/p>\n<p> In der Fr\u00fch werke ich schon  lange in der K\u00fcche.<br \/> Die Kaffeemaschine l\u00e4uft.<br \/> Ich stelle Brot auf den Tisch.<br \/> Etwas Wurst und K\u00e4se.<br \/> Wir sitzen nebeneinander.<br \/> Teilen uns die Zeitung.<br \/> Daneben l\u00e4uft das Radio.<br \/> Wir reden Belangloses.<br \/> Und schweigen viel.<br \/> Du musst heute lange arbeiten.<br \/> Ich werde mit einer Kollegin ins Kino gehen.<br \/> Man sieht sich dann.<br \/> Am sp\u00e4teren Abend.<br \/> Fr\u00fcher hast du mich morgens gek\u00fcsst.<br \/> Zur Begr\u00fc\u00dfung.<br \/> Sehr z\u00e4rtlich.<br \/> Das geht mir durch den Kopf.<br \/> Und manchmal bekamen wir im Bad noch Lust aufeinander.<br \/> Kein Fr\u00fchst\u00fcck.<br \/> Aber ein spritziger Einstieg in den Tag.<br \/> Besser als Champagner\u0085<br \/> Ich stehe auf.<br \/> Gehe ins Bad.<br \/> Z\u00e4hne putzen.<br \/> Und sehe mich im Spiegel an.<br \/> Ich sehe \u00f6de aus.<br \/> Anders kann ich es nicht beschreiben.<br \/><i>Tsch\u00fcs!<br \/><\/i>Ich h\u00f6r\u0092 dich  noch, bevor die T\u00fcr ins Schloss f\u00e4llt\u0085<\/p>\n<p> Ich fahre mit dem Bus in die  Arbeit.<br \/> Ich stehe unter lauter Leuten, die auch in die Arbeit m\u00fcssen.<br \/> Manche sehen unausgeschlafen aus.<br \/> Andere emotionslos.<br \/> Manche \u00e4rgern sich schon in der Fr\u00fch.<br \/> Sie schimpfen.<br \/> Oder ihr Gesicht verr\u00e4t sie.<br \/> Aber die suche ich nicht.<br \/> Ich suche jemanden, der so aussieht wie ich.<br \/> Ange\u00f6det von der erkalteten Liebe.<br \/> Stereotypes Leben.<br \/> So wie ich.<br \/> Und es gibt sie.<br \/> Die Frau weiter hinten.<br \/> Sie blickt nur ins Leere.<br \/> Kein Leben in ihren Augen.<br \/> Oder der gro\u00dfe Mann halb hinter mir.<br \/> Man sieht ihm an:<br \/> Es liebt ihn keiner.<br \/> Dabei tr\u00e4gt er einen Trauring am rechten Ringfinger.<br \/> Ja, ich bin nicht allein mit meinem Los.<br \/> Aber das macht es nicht einfacher\u0085<\/p>\n<p> Nach der Arbeit sitze ich mit  der Kollegin im Kino.<br \/> Eine belanglose Kom\u00f6die l\u00e4uft.<br \/> Ich kann mich nicht konzentrieren auf den Streifen.<br \/> Der junge Mann nimmt die junge Frau in den Arm.<br \/> Sie k\u00fcssen sich.<br \/> Wild.<br \/> St\u00fcrmisch.<br \/> Bin ich je so gek\u00fcsst worden?<br \/> Ich kann mich nicht erinnern.<br \/> Wann hast du mich das letzte Mal gek\u00fcsst?<br \/> Letzte Woche?<br \/> K\u00f6nnte sein.<br \/> Ich glaube, weil Rapid Wien Meiser wurde.<br \/> Das sind H\u00f6hepunkte.<br \/> Ich sp\u00fcre Verbitterung.<br \/> Wir liegen nebeneinander.<br \/> Wir haben keinen Sex mehr.<br \/> Und wenn, dann nur gelegenheitshalber.<br \/> Dann, wenn du m\u00f6chtest.<br \/> Zur Kr\u00f6nung einer guten Fu\u00dfballspiels etwa.<br \/> Sonst nicht.<br \/> Deine Art, mit mir dein Leben zu teilen.<\/p>\n<p> Der Film l\u00e4uft an mir vorbei.<br \/> Wie lange sind wir beisammen?<br \/> Fast acht Jahre.<br \/> Kinder haben wir keine.<br \/> Du wolltest keine.<br \/> Und ich damals auch nicht\u0085<br \/> Vielleicht ein Fehler.<br \/> Es gibt nichts, das uns verbindet.<br \/> Wir leben aus Gewohnheit zusammen.<br \/> Aber eben nebeneinander.<br \/> Und nicht mehr miteinander.<br \/> Ich wei\u00df nicht, was mit uns passiert ist.<br \/> Vielleicht haben wir auch nie zusammengepasst.<br \/> Das bisschen Leidenschaft war kein fester Kitt.<br \/> Sie ist l\u00e4ngst verpufft.<br \/> Und wenn ich mich frage, wie es weitergehen soll mit uns\u0085<br \/> Wie denn?<br \/> Wir haben uns nichts mehr zu sagen.<\/p>\n<p> Es wird hell im Kino.<br \/> Die Leute stehen auf.<br \/> Meine Kollegin fl\u00fcstert mir etwas zu.<br \/> Sie lacht \u00fcber das ganze Gesicht.<br \/> Aber ich verstehe sie nicht.<br \/> Mein Kopf h\u00f6rt nicht zu.<br \/> Der Film ist aus.<br \/> Aber ich will nicht heim.<br \/> Nicht heim zu dir.<br \/> Nicht zur\u00fcck in eine Einsamkeit die mich qu\u00e4lt.<br \/> Umso schlimmer, da ich sie mit dir teile\u0085<\/p>\n<p> Vivienne<br \/> \u00a0<\/p>\n<p><b>     \u00a0Redakteure      stellen sich vor: Vivienne\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0     <br \/>     \u00a0Alle Beitr\u00e4ge von      Vivienne<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp;Home Prosa Aus dem Hinterhof der Seele 09.06.2005, &copy; Vivienne Haben wir uns noch etwas zu sagen? Wir liegen im &#8230; <\/p>\n<p class=\"read-more-container\"><a title=\"bohnenzeitung.com\" class=\"read-more button\" href=\"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/bohnenzeitung-com-317\/#more-18768\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber bohnenzeitung.com\">Weiter<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":28639,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[29],"tags":[],"class_list":["post-18768","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aus-dem-hinterhof-der-seele","generate-columns","tablet-grid-50","mobile-grid-100","grid-parent","grid-50","resize-featured-image"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18768","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=18768"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18768\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":34957,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18768\/revisions\/34957"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media\/28639"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=18768"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=18768"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=18768"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}