{"id":18789,"date":"2005-01-17T13:40:35","date_gmt":"2005-01-17T13:40:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bohnenzeitung.com\/2005\/01\/bohnenzeitung-com-333\/"},"modified":"2022-10-04T05:03:27","modified_gmt":"2022-10-04T03:03:27","slug":"bohnenzeitung-com-333","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/bohnenzeitung-com-333\/","title":{"rendered":"bohnenzeitung.com"},"content":{"rendered":"<p>      <b>     \u00a0<a href=\"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\">Home<\/a>     Prosa          Aus dem Hinterhof der Seele<\/b>        <\/p>\n<p><b>16.05.2005,          \u00a9     <a href=\"mailto:vivienne@bohnenzeitung.com\">     Vivienne<\/a><\/b><\/p>\n<p>  <\/p>\n<p><strong>Keine Zeit f\u00fcr die  Liebe<\/strong><\/p>\n<p> Michael blickte auf die Uhr.<br \/> Es war schon wieder sp\u00e4t heute.<br \/> Und noch so viel zu tun!<br \/> Er stand auf.<br \/> \u00d6ffnete seinen Hemdkragen.<br \/> Trat zum Fenster.<br \/> Und blickte hinaus.<br \/> In die noch junge Nacht.<br \/> Es war dunstig in der Stadt.<br \/> Erhellt von Lichtern.<br \/> Mehr und mehr.<br \/> Sehr reizvoll.<br \/> Er erinnerte sich.<br \/> Gar nicht so lange her.<br \/> Da hatte er sich wie ein junger Kater gef\u00fchlt in so einer Nacht!<br \/> Wie ein Kater im Fr\u00fchjahr.<br \/> Und das Leben in tiefen Z\u00fcgen eingesaugt.<br \/> Das pulsierende Leben\u0085<\/p>\n<p> Gegen 22:30 Uhr schaltete er  den PC ab.<br \/> Das Wichtigste hatte er erledigt.<br \/> F\u00fcr heute.<br \/> Er schloss das Fenster.<br \/> Zog das Sakko an.<br \/> Zeit heimzufahren.<br \/> Er nahm seinen Aktenkoffer.<br \/> Sperrte sein B\u00fcro ab.<br \/> Und ging zum Lift.<br \/> Fr\u00fcher war er die f\u00fcnf Stockwerke einfach hinunter gelaufen.<br \/> Und in der Fr\u00fch auch herauf.<br \/> Meistens.<br \/> Er\u00a0 hatte immer viel Schwung mitgebracht.<br \/> Und viel Elan.<br \/><b>Das Leben ist ein  Abenteuer!<br \/><\/b>Das war einmal  sein Lieblingssatz gewesen.<br \/> Die Liftt\u00fcr \u00f6ffnete sich.<br \/> Er ging hinein.<br \/> Was hatte sich in seinem Leben so ver\u00e4ndert?<br \/> Wie konnte ihm das passieren?<br \/> In Arbeit versumpfen.<br \/> In Tr\u00e4gheit.<br \/> Daheim r\u00fchrte er keinen Finger mehr.<br \/> Fr\u00fcher war er nach so einem Tag noch unterwegs gewesen.<br \/> Sehr oft sogar.<br \/> In der Altstadt.<br \/> Oder sonst wo.<br \/> Und um drei Uhr fr\u00fch heimgekommen.<br \/> Und am n\u00e4chsten Arbeitstag war er so kreativ wie nie gewesen.<br \/> Er hatte das Leben gek\u00fcsst.<br \/> Und das Leben ihn\u0085<\/p>\n<p> Michael sperrte die Firma ab.<br \/> Fr\u00fchjahr.<br \/> Ein leiser Windhauch umspielte sein Gesicht.<br \/> Sanft wie der Kuss einer Frau\u0085<br \/> Michael seufzte.<br \/> Und sp\u00fcrte das alte Verlangen in ihm aufsteigen.<br \/> Dieses Gef\u00fchl von Kraft.<br \/> Sich alles untertan zu machen.<br \/> Alles und alle.<br \/> Und die Frau die er liebte\u0085<br \/> Michael dachte an Carola.<br \/> Seine Frau.<br \/> Oder besser gesagt.<br \/> Seine geschiedene Frau.<br \/> Sie lebte nicht einmal mehr in der Stadt.<br \/> Das hatte er neulich erst erfahren.<br \/> Sie hatte ihn verlassen.<br \/> Und war weggezogen.<br \/> Und mit ihr seine Lebensfreude\u0085<br \/> Sein ganzes Gl\u00fcck.<\/p>\n<p> Michael ging zum Parkplatz.<br \/> Nur mehr sein Auto stand dort.<br \/> Er sperrte auf.<br \/> Setzte sich hinein.<br \/> Drehte den Z\u00fcndschl\u00fcssel um.<br \/> Eigentlich fuhr er heim.<br \/> Aber genau genommen hatte er kein Daheim mehr.<br \/> Genau genommen schlief er nur mehr dort.<br \/> Duschte sich.<br \/> Zog sich um.<br \/> Er lebte nicht mehr dort.<br \/> Er hinterlie\u00df nur seien Spuren dort.<br \/> Dem Haus fehlte jedes Leben.<br \/> Seit ihn Carola verlassen hatte.<br \/> Zweimal in der Woche machte eine Putzfrau sauber.<br \/> Und vor dem Wochenende f\u00fcllte er den K\u00fchlschrank auf\u0085<br \/> Obwohl er selten daheim war.<br \/> Er hielt es dort nicht aus.<\/p>\n<p> Sicher.<br \/> Die Situation in der Firma war damals prek\u00e4r gewesen.<br \/> Mehr als angespannt.<br \/> \u00dcber ein halbes Jahr k\u00e4mpfte man um\u0092s \u00dcberleben.<br \/> Gleichzeitig wollte Carola ein Kind.<br \/> Und er musste sie vertr\u00f6sten.<br \/> Nicht nur in der Hinsicht.<br \/> Er kam oft nicht Hause.<br \/> Auch am Wochenende.<br \/> Er versetzte sie beim Abendessen.<br \/> Im piekfeinen Lokal.<br \/> Mehrmals.<br \/> Obwohl er ihr geschworen hatte.<br \/><i>Ich bin da.<br \/> Ganz sicher.<br \/> Bei unserer Liebe.<br \/><\/i>Schlie\u00dflich war  sie weg gewesen.<br \/><i>Du hast f\u00fcr  niemanden Zeit.<br \/> Nur f\u00fcr diese Firma.<br \/> Nicht f\u00fcr mich.<br \/> Nicht f\u00fcr unsere Liebe.<br \/> Und ein gemeinsames Kind.<br \/> Bei dir bin ich fehl am Platz\u0085<\/i><\/p>\n<p> Michael fuhr in die Garage  seines Hauses.<br \/> Im Wohnzimmer roch es nach Reinigungsmittel.<br \/> Fast steril.<br \/> In der K\u00fcche dasselbe.<br \/> Nicht nach frischen Kr\u00e4utern.<br \/> Oder Pasta.<br \/> Er und Carola hatten oft gekocht.<br \/> Gemeinsam.<br \/> Und wieder sp\u00fcrte Michael den Hauch dieses Duftes.<br \/> Nicht irgendein Gericht.<br \/> Nein.<br \/> Das war das Leben.<br \/> Das Leben, das er fr\u00fcher so geliebt hatte.<br \/> Lebte er \u00fcberhaupt noch?<br \/> Zwischen Akten und Computer?<br \/> Aber lag es nicht an ihm selber auch?<br \/> Er hatte die Liebe verschenkt.<br \/> Aus Mangel an Zeit\u0085<\/p>\n<p> Vivienne<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><b>     \u00a0Redakteure      stellen sich vor: Vivienne\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0     <br \/>     \u00a0Alle Beitr\u00e4ge von      Vivienne<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp;Home Prosa Aus dem Hinterhof der Seele 16.05.2005, &copy; Vivienne Keine Zeit f&uuml;r die Liebe Michael blickte auf die Uhr. &#8230; <\/p>\n<p class=\"read-more-container\"><a title=\"bohnenzeitung.com\" class=\"read-more button\" 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