{"id":1891,"date":"2010-03-11T20:53:20","date_gmt":"2010-03-11T19:53:20","guid":{"rendered":"http:\/\/bohnenzeitung.com\/wp\/?p=1891"},"modified":"2018-09-29T10:02:16","modified_gmt":"2018-09-29T08:02:16","slug":"warum-ich-bild-so-liebe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/warum-ich-bild-so-liebe\/","title":{"rendered":"Warum ich BILD so liebe"},"content":{"rendered":"<p>   Aimees Gesicht war es abzulesen, dass sie heute alles andere als verst\u00e4ndnisvoll sein w\u00fcrde. Was mich zu der, in letzter Zeit leider viel zu oft gewonnenen Einsicht verleitete, lieber mal nicht den Macho heraush\u00e4ngen zu lassen und stattdessen in belanglose Dialoge, anstatt in die von uns beiden zu normalen Zeiten wohl so sehr geliebten, teilweise sehr lautstarken Diskurse \u00fcber Gott und die Welt zu investieren.<\/p>\n<p>Aimee war erz\u00fcrnt! Sie kam die Treppe zu unser Beider Wohnung heraufgeweht, einem S\u00fcdstaatentornado gleich.<\/p>\n<p>\u201eMensch Toni, was mich diese G\u00f6ren aufregen! Die glauben wohl, dass eine Lehrerin nur ihrer Belustigung dient und sie selber das zahlende Publikum in einer stand up comedy zu sein h\u00e4tten.\u201c<\/p>\n<p>Sie knallte ihre Tasche in der Diele auf den von mir erst in der letzten Woche im Schwei\u00dfe meines Angesichtes verlegten Kachelboden und ich wunderte mich, dass sie ihr nicht noch den finalen Rettungstritt versetzte.<\/p>\n<p>\u201e\u00c4rger Liebling?\u201c<\/p>\n<p>Ach h\u00e4tte ich doch lieber nicht gefragt!<br \/>\nSie sah mich kurz mit ihrem wohl bis zum Grund meiner Seele reichenden Blick, der mir schon seit unserer ersten Begegnung weiche Knie machte an, um dann erregt in einen, einem Anfall von geistiger Umnachtung nicht un\u00e4hnlichen Zustand zu verfallen.<\/p>\n<p>\u201e\u00c4rger, du fragst ob ich \u00c4rger habe? Ja wie w\u00fcrdest du das denn wohl nennen, wenn da ein Dreik\u00e4sehoch vor dir steht und erz\u00e4hlt, dass er mit deiner Art von Wissensvermittlung aber so gar nicht einverstanden ist und er nur mal so vorsichtig darauf hinweisen m\u00f6chte, dass demn\u00e4chst Papi oder Mammi auf der Matte stehen um nach dem Rechten zu sehen und mir dabei ein paar Tipps f\u00fcr eine seri\u00f6se Unterrichtsgestaltung zu geben.\u201c<\/p>\n<p>Die menschliche Notwendigkeit auch einmal Luft holen zu m\u00fcssen bei verbaler Kommunikation, unterbrach Aimees Redefluss.<\/p>\n<p>\u201eDu meinst, du bef\u00fcrchtest, ja was hast du denn getan bei deinen Sch\u00fclern?\u201c<br \/>\nMein Einwurf wurde sofort im Ansatz zerpfl\u00fcckt!<\/p>\n<p>\u201eWas ich getan habe fragst du? Ich habe versucht meinen kleingeistigen Sch\u00fclern so etwas wie eine gesunde Geisteshaltung einzutrichtern und wie bedankt sich diese Brut bei mir? Kannst du mir das mal sagen?\u201c<\/p>\n<p>Aimee prustete wie ein wie ein harpunierter Narrwal, ein Vergleich der ihr, der geborenen Nordkanadierin nicht so sehr fremd vorkommen m\u00fcsse, wie uns Mitteleurop\u00e4ern, die wohl einen Narrwal gar nicht erkennen w\u00fcrden, wenn sie denn mal einen zu Gesicht bek\u00e4men.<\/p>\n<p>Nun gut, vielleicht muss ich der verehrten Leserschaft erkl\u00e4ren, dass meine kleine erz\u00fcrnte Ehefrau im wirklichen Leben als Oberstudienr\u00e4tin an einem Deutschen Gymnasium unter anderem Englisch und franz\u00f6sische Geschichte unterrichtet und ihre \u201eDreik\u00e4sehochs\u201c beiderlei Geschlechtes, in der Regel so 16 bis 17 Jahre alt sind.<\/p>\n<p>\u201eGlaubst du nicht, liebe Aimee, es w\u00e4re an der Zeit, den Grund f\u00fcr deine schlechte Laune an einem Ereignis festzumachen, dass du mir in aller Ausf\u00fchrlichkeit schildern k\u00f6nntest, damit auch ich mich so richtig \u00e4rgern kann und nicht weiterhin hier im Flur dumm rum zu stehen habe?\u201c<\/p>\n<p>Sie sah mich mit ganz pl\u00f6tzlich gro\u00dfen Augen an und ich konnte nicht anders, als sie in meine Arme zu nehmen um sie zu dr\u00fccken.<\/p>\n<p>\u201eBILD-Zeitungs-Niveau wirft mir wohl ein Elternpaar vor, nur weil ich an Hand von Beispielen aus diesem Blatt, das Verh\u00e4ltnis von franz\u00f6sischen W\u00e4hlern zu den sie regierenden Pr\u00e4sidenten darstellen wollte!\u201c<br \/>\nAimees Augen hatten wieder ihre normale Form und Gr\u00f6\u00dfe angenommen.<\/p>\n<p>Ich muss schon sagen, dass bei mir der Versuch ihrer Erkl\u00e4rung, wohl mehr Fragen als Antworten hinterlie\u00df, als sie nun immer noch bebend, in die K\u00fcche entfleuchte.<\/p>\n<p>Ich folgte ihr wie ein treuer Dackel.<\/p>\n<p>\u201eEs geht ja gar nicht darum, wie ein Deutsches Boulevardblatt den Franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten darstellt oder mit diesem umgeht, sondern darum, wie ich mir meinen Unterricht gestalte, um hier die gr\u00f6\u00dfte Wirkung bei meinen Sch\u00fclern zu erzielen. Hier nun wollte ich mit der BILD die Einflussname der Medien auf die \u00f6ffentliche Wahrnehmung beleuchten und da kommt dieser Schn\u00f6sel und stellt sich hin, um mir zu verklickern, dass er und seine Eltern alles in die Hand nehmen, aber auf keinen Fall so ein K\u00e4seblatt wie BILD!\u201c<br \/>\nSie war immer noch auf Hundert.<\/p>\n<p>\u201eAimee, warum denn die BILD? Sarkorzy kommt doch bei allen Bl\u00e4ttern schlechter weg seit seiner Ehe mit Carla Bruni! Du k\u00f6nntest doch irgendeines der bunten Bl\u00e4tter nehmen und glaube mir, die werden auch von den Muttis deiner Sch\u00fcler gelesen und wenn es auch nur beim Friseur ist. Die BILD ist nun mal die Zeitung mit der wohl gr\u00f6\u00dften Auflage der Welt, die wohl von kaum einem gelesen wird, jedenfalls wenn man mal so rumfragt.\u201c<\/p>\n<p>In der Hoffnung, Aimee ein wenig zu beruhigen, hatte ich ganz langsam gesprochen und versuchte nun ihre seelische Verfassung zu ergr\u00fcnden.<\/p>\n<p>\u201eToni, du sagst doch immer, dass dir diese Zeitung jede Menge Ideen zu deinen Storys liefert, wie sonst keine andere Zeitung.\u201c<\/p>\n<p>Nun war ich es, der losprusten musste.<br \/>\n\u201eDu hast Recht, Liebste! Das Blatt ist mit so hei\u00dfer Nadel gestrickt und nur auf die Bed\u00fcrfnisse seiner wohl unbekannten Leserschaft zugeschnitten von der seine Macher wohl anzunehmen scheinen, dass echte Informationen nicht dazu geh\u00f6ren. Das hat mir schon reichlich Stoff f\u00fcr Geschichten geliefert.\u201c<\/p>\n<p>Ich musste daran denken, dass dieses Blatt doch tats\u00e4chlich mit Hilfe von Unbehauptetem es immer vermochte, bei seiner Leserschaft den Eindruck von Behauptungen zu hinterlassen, die dann deren Weltbild auch noch begr\u00fcndeten.<\/p>\n<p>\u201eVielleicht solltest du beim n\u00e4chsten Mal doch noch ein seri\u00f6ses Blatt, wie die Frankfurter oder die S\u00fcddeutsche, als Reverenz sozusagen, in den Unterricht einbauen?\u201c<\/p>\n<p>Nun machte Aimee ein Gesicht, als wolle sie damit ausdr\u00fccken, dass sie an meinem Verstand zweifelte.<\/p>\n<p>\u201eDas genau habe ich getan, Toni! Ich habe die WAZ und die Z\u00fcrcher als Referenzen genommen, um den Sch\u00fclern anhand vergleichbarer Artikel, deren Unterschiede in der Darstellung zu vermitteln. Das haben die Eltern aber wohl nicht erfahren von den Sch\u00fclern. Hier wurde nur von diesem K\u00e4seblatt gesprochen und dem Einfluss welcher hiervon ausgeht.\u201c<\/p>\n<p>Ich musste innerlich schmunzeln, war das doch die K\u00e4mpferin an der Pisafront, die ich so liebte. Aimee war im Kollegium beinahe ber\u00fcchtigt f\u00fcr ihre Aufrichtigkeit aber vor allem f\u00fcr ihre Z\u00e4higkeit. Nicht umsonst ergriff sie immer das Wort, wenn mal bei Versammlungen des Lehrk\u00f6rpers die Notwendigkeit dazu gegeben war und sich die \u00fcblichen Bedenkentr\u00e4ger mal wieder nicht aus ihren Deckungen trauten. Was sie zwar sehr beliebt, aber nat\u00fcrlich auch nicht unumstritten machte.<\/p>\n<p>\u201eDann ist es ja gut, Aimee! Du l\u00e4sst dich doch nicht unterbuttern, schon gar nicht von Dreik\u00e4sehochs und deren verblendeten Erzeugern. Was genau wollte denn dieser Schn\u00f6sel damit aussagen, wenn nicht, dass es sich nicht lohnt, einen Blick in BILD zu werfen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDie BILD spaltet die Gesellschaft in gut und b\u00f6se, um nicht zu sagen schlau und beschr\u00e4nkt!\u201c<br \/>\nSie hatte sich schon beinahe wieder beruhigt, was sich nicht zuletzt dadurch zeigte, dass ihre Zornesfalten auf der Stirn von den lieblichen Gr\u00fcbchen auf den Wangen den Rang abgelaufen bekamen.<\/p>\n<p>Innerlich belustigt, musste ich daran denken, dass ein solch bl\u00f6des Blatt, wie BILD, mir schon so oft den Stoff f\u00fcr Vergn\u00fcgliches geliefert hatte. Nicht durch das, was sie so dem Leser zumutet, sondern das, was sie eben nicht berichtet. Wenn es ein solches K\u00e4seblatt nicht g\u00e4be, sollte ich es mir tats\u00e4chlich \u00fcberlegen, ein solches zu gr\u00fcnden.<\/p>\n<p>Denn dieser Schmalspur-Journalismus passt in eine Gesellschaft, die die Polarisation zu ihren Grunds\u00e4tzen zu z\u00e4hlen scheint und sich schon lange nicht mehr um Wahrheiten k\u00fcmmert, wenn es nur jemanden gibt, der ihr die seine, ihnen als solche verkauft.<\/p>\n<p>Ach ja, ich wollte ja erkl\u00e4ren, warum ich BILD liebe. Seltsam, jetzt wo ich so angestrengt nachdenke, f\u00e4llt mir nichts Gescheites ein. Sorry!<\/p>\n<p>chefschlumpf  gr\u00fc\u00dft alle an der Bohne Beteiligten, Macher wie Leser!<\/p>\n<p>(C) Chefschlumpf<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aimees Gesicht war es abzulesen, dass sie heute alles andere als verst&auml;ndnisvoll sein w&uuml;rde. 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