{"id":1960,"date":"2010-03-17T16:50:26","date_gmt":"2010-03-17T15:50:26","guid":{"rendered":"http:\/\/bohnenzeitung.com\/wp\/?p=1960"},"modified":"2013-07-12T08:46:01","modified_gmt":"2013-07-12T06:46:01","slug":"ein-herz-und-eine-seele","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/ein-herz-und-eine-seele\/","title":{"rendered":"Ein Herz und eine Seele"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Der kleine Kater Petit lebte nun schon \u00fcber ein halbes Jahr im Hause meiner Eltern und nicht nur dass er sich dort gut gehen lie\u00df: er hatte jedermanns Herz sehr schnell im Sturm erobert &#8211; mit seinem liebensw\u00fcrdigen Charme. Im Grunde hatte er sich ja das Haus und seine Bewohner untertan gemacht \u2013 ohne Schlacht, nein, waffenlos und willig hatte meine Familie vor dem kleinen Kerl kapituliert. Selbst Kater Stocki I., seines Zeichens bisher unangefochtener Herrscher, musste dem Tribut zollen, ob er wollte oder nicht. Anfangs war ihm der Protest gegen den jungen Rivalen noch gut anzusehen gewesen. Zeit seines Lebens\u00a0 ein Einzelg\u00e4nger, hatte er mit den \u00fcblichen Katzenwaffen \u2013 tiefer Beleidigtheit und seltener Anwesenheit, wie etwa zur Fressenszeit\u00a0 &#8211; gegen den charmanten jungen Kater reagiert. Wenn Petit ihn anfangs in spielerischer Lust ansprang um mit ihm zu spielen und zu raufen, wurde der wei\u00df-rotgetigerte Kleine meist sofort \u00fcberw\u00e4ltigt, oder er bekam ein paar Tatzenhiebe mitten ins Gesicht, vorzugsweise auf die Nase\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Petit machte sich nie etwas daraus, er nahm nie etwas pers\u00f6nlich. Die n\u00e4chste spielerische Attacke von ihm kam bestimmt, immer etwas unerwartet, und einige Zeit reagierte Stocki auch immer mit derselben vorsichtigen Aggressivit\u00e4t. Vorsichtig deshalb, weil er genau wusste, was passieren w\u00fcrde, k\u00e4me er ernsthaft auf die Idee, Petit auch nur ein H\u00e4rchen zu kr\u00fcmmen. Der junge Kater machte sich so oder so nichts aus der anf\u00e4nglichen Ablehnung, er schien auf Zeit zu setzen und auf seinen Charme, mit dem er es schlie\u00dflich schaffte, den erbitterten Gegner Stocki zu einem Verb\u00fcndeten und zu so einer Art Ersatzbruder zu verwandeln. Denn das schien seine Strategie zu sein, wenn er beispielsweise zum schlafenden Stocki auf\u00a0 den Rauchersessel meines Vaters sprang und sich an den alten Kater kuschelte. Stocki lie\u00df sich das zwar gefallen, reagierte aber mit Verwirrtheit und Unsicherheit. Einer Unsicherheit, die sich steigerte, als der s\u00fc\u00dfe Petit auch noch begann, Stocki immer wieder z\u00e4rtlich abzulecken. Ich werde nie Stockis Gesichtsausdruck vergessen, als ich diese liebe Geste das erste Mal zwischen den beiden Katern beobachtete. Irgendwie wollte der Rote zuerst am liebsten davonlaufen, das merkte ich, und neben der Unsicherheit konnte ich auch einen leisen Hauch von Aggressivit\u00e4t am roten Tiger ausmachen\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber au\u00dfer den \u00fcblichen, harmlosen Raufereien passierte in Folge nichts. Ganz im Gegenteil, Stocki schien an den Z\u00e4rtlichkeiten seines neuen Gef\u00e4hrten zusehends Gefallen zu finden, was darin gipfelte, dass er Petit auch abzulecken begann. Mag sein, dass bei ihm ein paar verloren geglaubte Erinnerungen wieder aufgetaucht waren, Erinnerungen an seine Geschwister\u00a0 und an die Zeit, als er selber noch ein kleiner Kater gewesen war: verspielt, charmant und liebevoll und noch nicht der selbstbewusste, raubtier\u00e4hnliche Kater, der neben M\u00e4usen auch Hasen und Fasane erlegte\u2026 Ich wei\u00df nicht genau, ob Katzen sich wirklich gut erinnern k\u00f6nnen, aber es w\u00e4re eine gute Erkl\u00e4rung f\u00fcr sein freundliches Verhalten gegen\u00fcber dem kleinen Petit, der irgendwie Bruder und auch Sohn f\u00fcr ihn geworden war. Der all die Sanftheit in ihm wieder aufgeweckt hatte, die der nicht immer einfache Alltag mit seiner neurotischen Mutter Minki oder die anstrengenden Zeit mit der schnurrigen wie l\u00e4stigen Susi schwinden hatte lassen\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unglaublich aber wahr, Stocki und Petit waren also im Lauf der kurzen Zeit fast ein Herz und eine Seele geworden, wovon jeder der beiden Kater profitiert hatte. Schade nur, dass der hinrei\u00dfende Petit keine Anstalten machte, M\u00e4use zu fangen. W\u00e4hrend sein leiblicher Bruder bei meiner Schwester in Kematen bereits erste Beutetiere vorzuweisen hatte, beschr\u00e4nkte sich der kleine Kater Petit bei uns haupts\u00e4chlich in Liebensw\u00fcrdigkeit\u2026 Meine Mutter, zu dem Thema befragt, hatte allerdings gr\u00f6\u00dftes Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, dass Petit sich nicht wirklich zum M\u00e4usej\u00e4ger entwickelt hatte. \u201eIch glaube nicht, dass es an Petit liegt\u201c, belehrte sie mich neulich. \u201eGanz im Gegenteil, ich bin mir sicher, es gibt hier einfach fast keine M\u00e4use mehr, weil Stocki fast die ganze M\u00e4usepopulation in der Stra\u00dfe vertrieben hat \u2013 die sind bestimmt woanders hingezogen\u2026!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ganz teilte ich ihre Meinung nicht, im Gegenteil, ich bin fest davon \u00fcberzeugt, dass sie Petit einfach nur in Schutz nimmt: und wer k\u00f6nnte seinem Charme schon widerstehen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(C) Vivienne<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der kleine Kater Petit lebte nun schon &uuml;ber ein halbes Jahr im Hause meiner Eltern und nicht nur dass er &#8230; <\/p>\n<p class=\"read-more-container\"><a title=\"Ein Herz und eine Seele\" class=\"read-more button\" href=\"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/ein-herz-und-eine-seele\/#more-1960\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber Ein Herz und eine Seele\">Weiter<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":28639,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[130],"tags":[],"class_list":["post-1960","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-katzengeschichten-lyrik-vivienne","generate-columns","tablet-grid-50","mobile-grid-100","grid-parent","grid-50","resize-featured-image"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1960","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1960"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1960\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media\/28639"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1960"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1960"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1960"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}