{"id":22416,"date":"2020-12-06T00:05:11","date_gmt":"2020-12-05T23:05:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bohnenzeitung.com\/?p=22416"},"modified":"2020-11-29T07:01:59","modified_gmt":"2020-11-29T06:01:59","slug":"der-neue-chorleiter-teil-2-weihnachtsbeitraege-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/der-neue-chorleiter-teil-2-weihnachtsbeitraege-2016\/","title":{"rendered":"Der neue Chorleiter, Teil 2 &#8211; Weihnachten"},"content":{"rendered":"<p>Georg Ofner war mit dem Auto zu seiner Frau und den Kindern unterwegs. Worauf er sich da wieder eingelassen hatte! Er z\u00fcndete sich eine Zigarette an und drehte das Radio lauter, weil die Nachrichten liefen. Nat\u00fcrlich war Pfarrer Heinz Stadlbauer immer ein guter Freund von ihm gewesen, auch wenn sich nach der Matura ihre Wege immer wieder f\u00fcr gewisse Zeit getrennt hatten. Der Kontakt war zwar nie v\u00f6llig abgerissen zwischen den beiden, aber dass sich Heinz wegen eines derartigen Anliegens an ihn wenden w\u00fcrde, h\u00e4tte er nicht unbedingt erwartet. Eine lateinische Messe f\u00fcr einen Kirchenchor in der Provinz, wo kaum ein Mensch etwas mit einer lateinischen Messe anfangen konnte. Und vielleicht auch nicht wollte\u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das dachte er sich \u00f6fter, wenn er bemerkte, wie die Leute im Chor immer wieder tuschelten und sich kopfsch\u00fcttelnd ansahen. Die Blicke, die man ihm schenkte, waren nicht immer freundlich oder besser gesagt, nicht sehr aufgeschlossen. Diese Frau Schiffner war aber das gr\u00f6\u00dfte \u00dcbel von allen, zumindest gesanglich. Seine Ohren dr\u00f6hnten wieder, wenn er nur daran dachte. Zwar konnte Frau Schiffner zumindest die Noten lesen und sie hatte sogar eine Stimmausbildung genossen (Gott allein wusste wo), aber ihre Stimme hatte mehr \u00c4hnlichkeit mit der eines heulenden Wolfes als mit einer Frau in Sopranstimmlage. Nat\u00fcrlich durfte er ihr das nicht sagen, und es hatte all seiner \u00dcberredungskunst bedurft, ihr klar zu machen, dass nicht sie die Soli in der Messe singen durfte sondern ein junges, nicht unbegabtes M\u00e4dchen aus der Hauptschule, Heidi Steiner. Er war mit Frau Schiffner auf einen Kaffee gegangen und hatte ihr erl\u00e4utert: Da Gott in Gestalt eines Kindes zu uns auf die Erde gekommen sei, halte er auch f\u00fcr das Beste einem Kind diese schwierigen Solost\u00fccke anzuvertrauen\u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ofner musste unvermittelt grinsen. Dieses Hindernis hatte er gut umschifft, keine Frage und als er Frau Schiffner, mit der er mittlerweile per du war, auch noch erz\u00e4hlte, dass er froh \u00fcber ihre Hilfe und ihre Erfahrung sei, war sie dahin geschmolzen. Heute hatte sie ihm doch tats\u00e4chlich Kekse mitgegeben, eine ganze Dose, f\u00fcr ihn und die Gattin, wie sie mit schelmischem L\u00e4cheln anmerkte. Ob Moni, seine Frau, noch auf war? Es war wieder sp\u00e4t geworden, aber sie hatte sich bisher nicht beklagt, dass er zwei bis drei Abende in der Woche in der Pfarre seines Freundes Heinz verbrachte um dem Kirchenchor eine lateinische Messe beizubringen. Dabei war diese Zeit sicher nicht leicht f\u00fcr sie, sie arbeitete halbtags in einer Boutique in der nahen Stadt und der Stress jetzt vor Weihnachten war ganz enorm.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Br\u00fcsk trat Ofner in die Kupplung. Verdammt! Darauf hatte er ganz vergessen! Jetzt musste er unbedingt noch Heinz anrufen. Oder die Schiffner. Einige Noten f\u00fcr das Transeamus mussten noch kopiert werden, sonst w\u00fcrde es \u00fcbermorgen wieder ewig dauern, bis man mit der eigentlichen Probe beginnen w\u00fcrde k\u00f6nnen. Georg Ofner presste die Lippen zusammen. Nat\u00fcrlich, der Chor in dieser mittelpr\u00e4chtigen Pfarre war alles andere als professionell organisiert, ganz im Gegenteil. Nach den Erkl\u00e4rungen seines Freundes Heinz hatte er ja seine Erwartungen tief gestapelt, aber dass die Leute zum Teil kamen und gingen wann sie wollten, weil die Kegelrunde losging oder man vor dem Chor noch schnell ein Bier trinken wollte, nervte ihn immer wieder. Er hatte schon versucht, mit Anneliese dar\u00fcber zu reden, denn diese Messe war nun mal kein altbekanntes Weihnachtslied \u00e0 la Stille Nacht oder Es ist ein Ros\u2019 entsprungen sondern ein nicht unbedingt allt\u00e4gliches Musikst\u00fcck, an dem man arbeiten musste\u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Frust in Ofner nahm kurz \u00fcberhand. Wenn er an das Gros der S\u00e4nger dachte, \u00fcberkam ihn eine G\u00e4nsehaut. Dabei haperte es wohl weniger am Talent als an der Einstellung. Wenn er nur an Leopold Gmeiner dachte, den Bass, der im Transeamus das Solo \u00fcbernehmen sollte: Hut ab! Ein gesangliches Naturtalent, er hatte selten einen volleren und satteren Bass geh\u00f6rt. Aber Gmeiner war die halbe Zeit nicht da, weil er seinen Eltern auf dem Bauernhof helfen musste. Manchmal h\u00e4tte er, Georg, sich am liebsten die Haare gerauft. Nicht das erste Mal fragte er sich, ob es \u00fcberhaupt Sinn hatte, sich die ganze Arbeit anzutun\u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vivienne<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Georg Ofner war mit dem Auto zu seiner Frau und den Kindern unterwegs. 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