{"id":381,"date":"2010-01-12T17:50:19","date_gmt":"2010-01-12T16:50:19","guid":{"rendered":"http:\/\/bohnenzeitung.com\/wp\/?p=381"},"modified":"2018-09-29T10:44:57","modified_gmt":"2018-09-29T08:44:57","slug":"fur-einen-guten-zweck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/fur-einen-guten-zweck\/","title":{"rendered":"F\u00fcr einen guten Zweck?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Werbung bekommt man nicht nur via Email, liebe Leser, und es wird Ihnen damit nicht viel besser gehen als mir. Mit der t\u00e4glichen Post wird papierener Spam en masse angeschwemmt, von der durchaus brauchbaren Hofer-Werbung bis hin zu den obligaten Bettelbriefen diverser sozialer Organisationen. Kurz vor Weihnachten ist die Flut immer am st\u00e4rksten, aber erst diese Woche durfte ich wieder ein besonders interessantes Objekt aus dem Briefkasten fischen. Ein mir unbekannter Herr aus Wien \u2013 nach au\u00dfen hin war zun\u00e4chst kein Zusammenhang mit irgendeiner Organisation zu erkennen \u2013 weckte mit den Worten \u201eIn stiller Trauer\u201c auf dem Umschlag mein Interesse. Heraus flatterte eine Art Partezettel, in dem ich zu allererst darauf aufmerksam gemacht wurde, dass ich es bedauerlicherweise im letzten Jahr verabs\u00e4umt h\u00e4tte, die Organisation \u201egegen Landminen\u201c mit einer Spende zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Den Herrschaften bleibt tats\u00e4chlich nichts verborgen, dachte ich noch leicht sarkastisch bei mir, w\u00e4hrend ich weiter las. Subtil wurde das Schreiben weitergef\u00fchrt, n\u00e4mlich, dass zwei Minenentsch\u00e4rfer bei ihrer immens wichtigen Pflicht leider das Leben lassen mussten und unterschwellig wurde ich darauf hingewiesen, meine moralische Schuld wenigstens gleich gut zu machen und zumindest heuer mein Scherflein f\u00fcr den Kampf gegen Landminen beizutragen. Wohl gemerkt: nat\u00fcrlich finanzieller Natur und vielleicht w\u00fcrden dann weitere Todesf\u00e4lle auch ausbleiben\u2026 Ich musste unvermittelt grinsen ob so viel Frechheit und Penetranz und Sie, liebe Leser, k\u00f6nnen sich vorstellen, dass dieser Bettelbrief den Weg aller l\u00e4stigen Werbeaussendungen ging und im Mist landete.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dabei geht es mir sicher nicht um ein paar Euro f\u00fcr einen guten Zweck (oder auch nur vermeintlich gut, je nach dem) sondern um die Art und Weise, wie mit dem Wecken des schlechten Gewissen der Spendenbeutel gef\u00fcllt werden soll. Der Aufbau und die Gliederung des Schreibens sprechen nicht f\u00fcr die Organisation, in keinster Weise, und nicht nur, dass mein Geldbeutel sicher konsequent verschlossen bleibt, man beginnt sich zu \u00fcberlegen, wes Geistes diese Organisation wirklich ist. Und ob zum Beispiel die gehorteten Euro dort wirklich so gut aufgehoben w\u00e4ren, wenn man sich doch zu einer Spende aufraffen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Oder anders formuliert: ich glaube nicht, dass eine seri\u00f6se Organisation es Not hat, zu solchen Methoden zu greifen. F\u00fcr mich sieht das eher so aus, als w\u00fcrde man versuchen, schlichte Gem\u00fcter, denen man leicht Angst machen kann, geradezu unter Druck zu setzen.  Mich erinnerte dieses Vorgehen an mein kurzes Intermezzo bei der Gewerkschaft der Privatangestellten aus einer Zeit, als ich noch nicht besser wusste, in den fr\u00fchen 90ern. Alles in Allem war ich ein paar Jahre dabei, aber durch das sch\u00e4bige Verhalten eines pr\u00e4potenten Rechtsberaters bei der AK, das dann indirekt meine K\u00fcndigung bei einem Linzer Unternehmen einl\u00e4utete, tauchten bei mir ernste Zweifel \u00fcber die Sinnhaftigkeit von Arbeiterkammer und Gewerkschaft auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als erste Konsequenz bezahlte ich den monatlichen Beitrag f\u00fcr die Gewerkschaft nicht mehr ein. Es folgte nach einigen Wochen eine so genannte Zahlungserinnerung der Gewerkschaft. Ich m\u00f6chte Ihnen nicht vorenthalten, wie der Brief damals aussah: ein weinerlich verzerrtes, einfach gezeichnetes Gesicht war auf dem Blatt Papier abgebildet, daneben ein paar Worte, dass der Kassier so traurig w\u00e4re, weil mein Beitrag noch nicht eingetroffen w\u00e4re. Verkn\u00fcpft mit dem dezenten Hinweis, ich m\u00f6ge dies doch rasch nachholen. Ein Erlagschein rundete die Zahlungsaufforderung dezent ab. Ich kann mich gut erinnern an meine erste Reaktion, ich wusste nicht ob ich lachen sollte oder weinen, aber das Mitleid mit dem traurigen Kassier hat mich trotzdem nicht gepackt, ganz im Gegenteil. Ich habe seither keinen Gewerkschaftsbeitrag mehr bezahlt. Ich glaube, das Geld ist sicher woanders besser investiert\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ernst zu nehmen ist so eine \u201eMahnung\u201c ganz sicher nicht, liebe Leser, aber man fragt sich nat\u00fcrlich, wer da wohl dahinter steckt bzw. sich damals so etwas ausdachte. Ich denke, die Schlussfolgerung, dass solche Leute selber auch nicht unbedingt ernst zu nehmen sind, d\u00fcrfte nicht weit hergeholt sein. Aber zur\u00fcck zu jener Gruppe, die die Menschheit vor den Landminen retten m\u00f6chte. Entweder steht den Leuten wirklich das Wasser bis zum Hals, oder es sind die falschen Leute mit der \u00d6ffentlichkeitsarbeit betreut. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man viel mit dieser Strategie erreichen kann, aber wie schon gesagt:  meine Geldb\u00f6rse wird zu bleiben. Und in Hinkunft werde ich mit den Bettelbriefen dieser Organisation verfahren wie mit dem Spam in meinem Posteingang: das landet auch ungelesen im Papierkorb!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a9 Vivienne<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Werbung bekommt man nicht nur via Email, liebe Leser, und es wird Ihnen damit nicht viel besser gehen als mir. &#8230; <\/p>\n<p class=\"read-more-container\"><a title=\"F\u00fcr einen guten Zweck?\" class=\"read-more button\" href=\"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/fur-einen-guten-zweck\/#more-381\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber F\u00fcr einen guten Zweck?\">Weiter<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":28639,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-381","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kritisch-betrachtet","generate-columns","tablet-grid-50","mobile-grid-100","grid-parent","grid-50","resize-featured-image"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/381","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=381"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/381\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media\/28639"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=381"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=381"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=381"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}