{"id":405,"date":"2010-01-12T17:59:05","date_gmt":"2010-01-12T16:59:05","guid":{"rendered":"http:\/\/bohnenzeitung.com\/wp\/?p=405"},"modified":"2018-09-29T10:44:57","modified_gmt":"2018-09-29T08:44:57","slug":"kunst-und-drogen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/kunst-und-drogen\/","title":{"rendered":"Kunst und Drogen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Gestern Abend traute ich den Schlagzeilen auf der ORF-Seite im Web kaum! Reinhard Fendrich, seines Zeichens Austro-Popper, Moderator und Schauspieler wurde als Kokain-Konsument \u00fcberf\u00fchrt. F\u00fcnfzehn Jahre hat er nach eigenen Angaben immer wieder zum Schnee gegriffen, auf dem wir alle talw\u00e4rts fahren\u2026 Freunde, Familie, Bekannte \u2013 keinem ist anscheinend etwas aufgefallen und Fendrich gab selber zu, dass er die Sucht untersch\u00e4tzt hatte. Er war sich in v\u00f6lliger Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung immer ganz sicher gewesen, jederzeit Schluss machen zu k\u00f6nnen mit dem wei\u00dfen Pulver, zu dem er immer griff, wenn er sich in Stresssituationen befand. Jetzt hat sich Fendrich mit dem Arzt seines Vertrauens zur\u00fcckgezogen und macht einen hoffentlich erfolgreichen Entzug\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">H\u00e4me ist hier fehl am Platz, ob man Fendrich nun mag oder nicht. Was mich in dem Zusammenhang wirklich trifft (Der Musiker Fendrich vermochte mein Herz eher nicht zu r\u00fchren!) ist die Tatsache, dass man in dieser Branche scheinbar wirklich nicht mehr ohne Drogen auskommt. Elvis Presley, die Beatles, Eric Clapton aber auch Whitney Houston oder Kurt Cobain \u2013 sie alle nahmen mehr oder weniger regelm\u00e4\u00dfig Drogen aller Art. Wegen des immensen Drucks, wegen des st\u00e4ndigen Stress und wegen der gro\u00dfen Erwartungshaltungen, denen man sich immer wieder stellen muss. Cobain, Lead-S\u00e4nger von Nirvana, nahm sich wegen oder auch trotz der Drogen das Leben, weil er mit seinem von Depressionen beherrschten Leben nicht mehr zurecht kam.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Janis Joplin, die hochsensible S\u00e4ngerin mit der rauchigen Stimme, hat ihm diesen Schritt schon vorgemacht wie so mancher andere Superstar, dem trotz Drogenrausch das Leben nicht mehr lebenswert schien. Whitney Houston, am Beginn ihrer Karriere ein s\u00fc\u00dfes, unverdorbenes M\u00e4del, avancierte im Laufe ihrer Karriere mehr und mehr zur Zicke und musste sich schon vor L\u00e4ngerem einem Drogenentzug unterziehen. Ob es je wieder ein Comeback von ihr geben wird, ist fraglich. Die Drogen haben ihre Pers\u00f6nlichkeit verformt und Ehemann und Hipp-Hopper Bobby Brown, selber f\u00fcr Antistressmittel dieser Art anf\u00e4llig, wird ihr in diesem Zusammenhang wenig St\u00fctze sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist nur ein kleiner Auszug aus dem Pop-Almanach, der einen schaudern l\u00e4sst und trotzdem: man braucht sich nur \u201eDeutschland sucht den Superstar\u201c oder \u201eStarmania\u201c zu Gem\u00fcte f\u00fchren: so viele junge Leute, Teenager, fast noch Kinder \u2013 sie alle m\u00f6chten Popstars werden, Platten produzieren, Karriere machen, Konzerte geben, umjubelt werden, im \u201eScheinwerferlicht\u201c stehen. Warum? Ich fragte mich das immer wieder. Kaum ein Pop- oder Rockstar kann im Zusammenhang mit Drogen auf eine v\u00f6llig saubere Weste verweisen, und siehe Reinhard Fendrich: dass lange Jahre nach au\u00dfen hin alles zu stimmen scheint, ist noch lange keine Gew\u00e4hr. Nicht im Geringsten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich pers\u00f6nlich glaube, dass diese Glitzerwelt die jungen Leute einfach blendet. Dass sie nur die Fassade sehen, Glitzerroben, Schallplattenpreise, Jubel \u2013 den beinharten Drill und die rauen Worte des Managers im B\u00fcro h\u00f6ren und bekommen sie nicht mit. Nat\u00fcrlich ist es nachvollziehbar dass man gerade als junger, formbarer Mensch der scheinbaren Faszination dieses beinharten Business nur zu leicht unterliegt, vor allem, wenn man, als echter K\u00fcnstler \u00fcber eine sehr verletzbare, sensible Seele verf\u00fcgt. Aus eigener Einsch\u00e4tzung: ich selber w\u00e4re in diesem Gewerbe auch verloren gewesen, ganz sicher sogar, obwohl ich es als Teenager sicher nicht begriffen h\u00e4tte, wieso. Ebenso wie ein junger Bursch, den ich vor Jahren einmal als Arbeitskollegen in einer Firma sch\u00e4tzen gelernt hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der junge Mann musizierte in seiner Freizeit viel bei einem Musikverein und war ein gro\u00dfer Fan von Nirvana, Faith No More oder den \u201eB\u00f6hsen Onkels\u201c. In seinem jugendlichen Alter spekulierte der Bursch immer wieder auch damit, mit seiner Freizeitband entdeckt zu werden und einen Plattenvertrag zu bekommen. Dabei \u00e4u\u00dferte er sich auch dazu, dass er sich in diesem Fall niemals vom Manager und der Plattenfirma ins Bockshorn jagen lassen wollte. Ich konnte nur den Kopf sch\u00fctteln zu diesen Tr\u00e4umen, denn der junge Mann hatte keine Begriffe davon, was ihn in der Maschinerie einer Plattenfirma wirklich erwartet h\u00e4tte. N\u00e4mlich ganz sicher nicht die M\u00f6glichkeit, eigene Entscheidungen selbst\u00e4ndig zu treffen\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es mag ganz gut gewesen sein, dass der junge Mann mit seinen Freunden nie von einem Talente-Scout entdeckt wurde. Was er sich damals nicht vorstellen konnte, dass er seinem ber\u00fchmten Vorbild Kurt Cobain durchaus in einen fr\u00fchen, ungl\u00fccklichen Drogentod h\u00e4tte folgen k\u00f6nnen, blieb ihm dadurch erspart. Reich und ber\u00fchmt werden, mag ja durchaus erstrebenswert sein, aber man braucht dazu au\u00dfer einer starken Pers\u00f6nlichkeit auch sehr viel Gl\u00fcck, um sich der Stimulation von Koks und Co entsagen zu k\u00f6nnen und dabei der zu bleiben, der man ist\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a9 Vivienne<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern Abend traute ich den Schlagzeilen auf der ORF-Seite im Web kaum! 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