{"id":491,"date":"2010-01-12T18:28:45","date_gmt":"2010-01-12T17:28:45","guid":{"rendered":"http:\/\/bohnenzeitung.com\/wp\/?p=491"},"modified":"2018-09-29T10:42:11","modified_gmt":"2018-09-29T08:42:11","slug":"der-sinn-des-zolibats","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/der-sinn-des-zolibats\/","title":{"rendered":"Der Sinn des Z\u00f6libats"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Im Schatten des \u201eJahrtausendfalles\u201c des Inzestvaters von Amstetten, wurde hierzulande auch die Z\u00f6libatsfrage wieder losgetreten: der Pfarrer von Ungenach, Josef Friedl, hat sich k\u00fcrzlich zu seiner Lebensgef\u00e4hrtin bekannt und hat damit nicht nur Zustimmung geerntet. Der Gottesmann, der schon in der Causa Arigona mutig Position bezogen hatte, darf nicht l\u00e4nger sein Amt als Dechant aus\u00fcben. \u00dcber den Fortbestand seines Priesteramtes wird sp\u00e4ter entschieden\u2026 Immer wieder wird in dem Zusammenhang auf die Unvereinbarkeit des Priesteramtes mit einer Nichteinhaltung des Z\u00f6libats hingewiesen. Grunds\u00e4tzlich m\u00f6chte ich gar nicht in Frage stellen, dass ein Pfarrer heutzutage genau wei\u00df oder wissen sollte, auf was er sich einl\u00e4sst, wenn er dieses Amt w\u00e4hlt. Die Frage, die sich mir eher stellt, ist, wem es irgendetwas bringen soll, wenn ein Pfarrer \u201ekeusch\u201c lebt und seine v\u00f6llig nat\u00fcrlichen Triebe nicht auslebt\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gern wird von der Kirche in dem Zusammenhang auch auf die Ehelosigkeit der Apostel und J\u00fcnger Christie hingewiesen, die bei genauerer Betrachtung der Materie allerdings in Wahrheit ihre Familien verlassen haben um Jesus zu folgen. Das kurz dazu. Historisch betrachtet gibt es genug \u201eprominente\u201c F\u00e4lle von Priestern und Gottesm\u00e4nnern, die trotz des Z\u00f6libats und ihrer hohen \u00c4mter den fleischlichen Gen\u00fcssen durchaus fr\u00f6nten: Bei uns ist wohl Wolf Dietrich von Salzburg der bekannteste unter ihnen, der mit seiner Salome Alt fast ein ganzes Regiment von Kindern zeugte. Ein alter Witz belegt zudem, dass das Faktum der \u201eMenschlichkeit\u201c von so manchem Priester auch den Sch\u00e4fchen durchaus bewusst war: Wird doch der Unterschied zwischen katholischen und evangelischen Pfarrern derma\u00dfen definiert, dass beim Protestanten die Windeln vor dem Kirchenhaus aufgeh\u00e4ngt werden\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hand auf\u2019s Herz, fast jeder von uns kennt einen Pfarrer, der seine Liebe durchaus fleischlich pflegte. Warum auch nicht? frage ich ganz provokant. Der Sexualtrieb des Menschen ist etwas v\u00f6llig Nat\u00fcrliches, wie Hunger, Durst und Schlaf und einmal abgesehen davon, dass diese Dinge bei jedem unterschiedlich stark ausgepr\u00e4gt sind: ich wage fast zu behaupten, wenn jemand sein Leben ohne Befriedigung seiner sexuellen Triebe verbringen kann, dann stimmt etwas nicht mit ihm. Es ist auch an der Zeit, in der Kirche zu erkennen, dass Sex nichts Schlechtes oder Verdammensw\u00fcrdiges ist und deshalb auch nichts darstellt, das man sich akkurat verbei\u00dfen m\u00fcsste, weil einen sonst Gottes Blitz trifft. St\u00e4ndig zu hungern und zu d\u00fcrsten hat genau so viel Sinn, ein Leben ohne Sex zieht nur eines mit sich: ein freudloses, vergeudetes Dasein ohne seine eigene K\u00f6rperlichkeit ausleben zu k\u00f6nnen\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Sinn des Z\u00f6libats in der Betrachtung seiner Entstehung mag vor langer Zeit vielf\u00e4ltig  und wichtig gewesen sein. So wie es durchaus einmal sinnvoll war, Sex und Geschlechtlichkeit  auf eine Lebensgemeinschaft zu beschr\u00e4nken: so wuchsen erstens die Kinder im Verband einer Familie auf und Frauen, die damals nicht arbeiten gingen, waren versorgt. Im Zeitalter von Verh\u00fctungsmitteln und einer neuen Weiblichkeit, die gelernt hat, selbst\u00e4ndig auf sich selber zu achten, hat sich das ad absurdum gef\u00fchrt. Ein verheirateter Pfarrer, der vielf\u00e4ltige Eheprobleme genauso schon am eigenen Leib versp\u00fcrt hat wie die Sorgen um ein Kind in schwierigem Alter, pr\u00e4destiniert sich selber geradezu als Anlaufstelle f\u00fcr die Sch\u00e4fchen seiner Pfarre, weil er die Leute viel besser beraten kann. So ein Pfarrer steht einfach mitten im Leben. Die Wahrheit ist (mal abgesehen von jenen missratenen Priestern, die sich an Kindern vergreifen): ein Gottesmann, der wie ein Mensch lebt, kann nur eine Bereicherung f\u00fcr seine Sch\u00e4fchen sein. Und im Grunde ist l\u00e4ngst bekannt, dass sich nicht jeder Priester ernsthaft an das Z\u00f6libat gebunden f\u00fchlt, seiner Berufung aber mit tiefer Hingabe nachkommt. Nur meistens sieht die Kirche in solchen F\u00e4llen schweigend zu, au\u00dfer der Gottesmann wagt den Vorsto\u00df an die \u00d6ffentlichkeit. Dann drohen Konsequenzen, wie im Fall Friedl\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der fr\u00fchere Priester meiner Heimatpfarre war \u00fcbrigens homosexuell und hat sich selber auf \u00d63 geoutet. Die Leute bei uns haben das immer akzeptiert und ihn ohne wenn und aber unterst\u00fctzt. Ich habe ein paar Jahre in der Pfarre ehrenamtlich mitgearbeitet und habe oft bemerkt, dass man ihn \u201ein seiner ganzen Menschlichkeit\u201c angenommen hat. Wenn f\u00fcr das Pfarrcaf\u00e9 die Frauen aus den umliegenden Gemeinden selbstgebackene Kuchen und Torten hereinbrachten, deren Verkauf dann f\u00fcr das Pfarrhaus verwendet wurde, fiel mir \u00f6fter auf, dass nicht nur f\u00fcr den Priester selber sondern auch f\u00fcr \u201eihn\u201c ein paar besonders leckere St\u00fccke beiseite gelegt wurden. Man nahm den Pfarrer wie er war und dass er nicht alleine lebte, st\u00f6rte wohl nur die \u201eAllerheiligsten\u201c vorort\u2026 Er war ein guter Priester, sehr menschlich und g\u00fctig und er hat seine Pfarre mit aller ihm eigenen Kraft betreut, bis er wohl auch nicht ganz freiwillig ging\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe auch schon an anderer Stelle darauf hingewiesen: die Katholische Kirche w\u00e4chst mit ihren Geboten, Antworten und Wahrheiten nicht so wirklich in eine moderne Zeit hinein, die ihrer so notwendig bedarf\u2026 Gott, so meine ich, verliert nicht sein Gesicht, wenn man Priester heiraten l\u00e4sst und Frauen in ihre Position aufr\u00fccken l\u00e4sst. Mehr noch: Gott fragt nicht vorrangig nach der Keuschheit, nach der Jungfr\u00e4ulichkeit oder nach dem Geschlecht, er fragt nach den Menschen. Mehr denn je\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a9 Vivienne<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Schatten des &bdquo;Jahrtausendfalles&ldquo; des Inzestvaters von Amstetten, wurde hierzulande auch die Z&ouml;libatsfrage wieder losgetreten: der Pfarrer von Ungenach, Josef &#8230; <\/p>\n<p class=\"read-more-container\"><a title=\"Der Sinn des Z\u00f6libats\" class=\"read-more button\" href=\"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/der-sinn-des-zolibats\/#more-491\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber Der Sinn des Z\u00f6libats\">Weiter<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":28639,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-491","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kritisch-betrachtet","generate-columns","tablet-grid-50","mobile-grid-100","grid-parent","grid-50","resize-featured-image"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/491","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=491"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/491\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media\/28639"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=491"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=491"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=491"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}