{"id":642,"date":"2010-01-13T18:50:33","date_gmt":"2010-01-13T17:50:33","guid":{"rendered":"http:\/\/bohnenzeitung.com\/wp\/?p=642"},"modified":"2010-01-13T18:50:33","modified_gmt":"2010-01-13T17:50:33","slug":"an-tagen-wie-diesen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/an-tagen-wie-diesen\/","title":{"rendered":"An Tagen wie diesen&#8230;"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Nein, das war nicht meine Woche, ganz  bestimmt nicht! Gedanken wie dieser gingen mir st\u00e4ndig durch den Kopf w\u00e4hrend ich mir den Kopf dar\u00fcber zerbrach, was mir in den letzten Tagen in der Arbeit und daheim so alles passiert war\u2026 Der Bericht, den ich gedankenverloren an die falsche Nummer gefaxt hatte, die Schnitzel, die mir daheim in der Bratpfanne verbrannt waren, weil ich mich zwischendurch niedergesetzt hatte und bei einem Glas Wasser ins Gr\u00fcbeln gekommen war\u2026 Ich kannte mich selbst momentan nicht, ich war unkonzentriert und hatte st\u00e4ndig Kopf- und Gliederschmerzen und das Schlimmste war wohl, dass Ali das alles nicht einmal wirklich zur Kenntnis zu nehmen schien. Mein Mann selber war oft nicht bei der Sache und ich fragte mich, was ihm wohl durch den Kopf ging. Wobei ich mich oft fragte, ob ich es wirklich wissen wollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Gedanke, dass er an eine andere Frau dachte, dr\u00e4ngte sich mir immer wieder auf, mehr als das, es schien sogar Hinweise daf\u00fcr zu geben. Er kam mehrmals sp\u00e4ter von der Arbeit wie \u00fcblich und au\u00dferdem ertappte ich ihn dabei, wie er einen Modekatalog durchbl\u00e4tterte \u2013 dass er angesichts der spindeld\u00fcrren Models darin nicht unbedingt an mich denken w\u00fcrde m\u00fcssen, lag auf der Hand. Wir waren nun schon \u00fcber f\u00fcnf Jahre beisammen und ich fragte mich, ob bei uns ein wenig die Luft herau\u00dfen war. Wenn ich ehrlich war, ich hatte keinen wirklichen Hinweis darauf, dass Ali sich verliebt hatte, aber in meinem indifferenten Zustand, der sich in dieser Unsicherheit und in einer merkw\u00fcrdigen Abwesenheit \u00e4u\u00dferte, wuchs meine Angst. Angst, Ali zu verlieren, obwohl ich mir schon vor vielen Jahren einmal geschworen hatte, eine Beziehung nie bis zum bitteren Ende zu f\u00fchren. Auseinander gehen, wenn es an der Zeit ist! war immer meine Devise gewesen, aber wenn ich mir vorstellte, ich m\u00fcsste mich bald von Albert trennen\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich ging am Wochenende fr\u00fch zu Bett. Irgendwie f\u00fchlte ich mich nicht besonders gut, ich versp\u00fcrte ein flaues Gef\u00fchl im Magen und der Kopf schmerzte wieder einmal. Ali schien nicht einmal entt\u00e4uscht zu sein, dass ich ihn alleine im Wohnzimmer sitzen lie\u00df. \u201eSchlaf gut\u201c rief er mir nach und war vertieft in den Krimi, der auf einem Privatsender lief. Ich konnte kaum denken und deckte mich zu w\u00e4hrend ich zu schlafen versuchte. Ein wirrer Traum bem\u00e4chtigte sich meiner, das verschwommene Gesicht einer Frau tauchte in diesem Traum st\u00e4ndig auf und dieses Gesicht und das von Ali schienen immer wieder miteinander zu verschwimmen. Ich h\u00f6rte mich keuchen und w\u00e4lzte mich hin und er als ich pl\u00f6tzlich Alis Stimme h\u00f6rte, immer lauter und schlie\u00dflich schlug ich die Augen auf. Mein Mann sah mich an, ich glaubte Sorge in seinen Augen lesen zu k\u00f6nnen. Aber das besch\u00e4ftigte mich nur zweitrangig, weil ich realisierte, dass ich ganz nass war: nass geschwitzt und trotzdem fror ich\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eVivi!\u201c Ali konnte ich nun ganz deutlich verstehen. \u201eWas ist los mit dir? Sag doch endlich etwas!\u201c Ich hatte Alis Worte nun endlich begriffen, er musste schon eine ganze Weile auf mich eingeredet haben. Trotzdem konnte ich nicht antworten, ich kr\u00e4chzte nur heiser und wenn ich ehrlich war, ich wusste gar nicht, was mit mir los war. Ich f\u00fchlte mich in diesem Moment nur unendlich verloren und ich begann zu weinen, hilflos wie ein Kind. Ali rief den Notarzt an, und w\u00e4hrend  er auf ihn wartete, hielt er meine Hand und redete auf mich ein. Mir war spei\u00fcbel und als ich mich schlie\u00dflich in einem Eimer \u00fcbergeben konnte, den mir Ali rasch geholt hatte, f\u00fchlte ich mich wieder besser. Der Arzt diagnostizierte eine Magen-Darm-Grippe \u2013 das Eis letzte Woche am Linzer Bahnhof hatte mir offenbar nicht gut getan. Anders konnte ich mir meinen Zustand nicht erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich begriff nun auch, warum ich die ganze letzte Woche schon so schlecht beisammen gewesen war. Meine mangelnde Konzentration, meine Fehler, das best\u00e4ndige Unwohlsein \u2013 die Krankheit hatte schrittweise von mir Besitz ergriffen. Ali besorgte in der Apotheke Antibiotika, gab mir Kr\u00e4utertee zu trinken und half mir, mich umzuziehen. Ich stank schon f\u00f6rmlich, v\u00f6llig verschwitzt wie ich war, dann zogen wir noch das Bett um und irgendwann am fr\u00fchen Morgen schlief ich wieder ein. Der Genesungsschlaf dauerte fast bis Mittag \u2013 ich f\u00fchlte mich zwar m\u00fcde und schwach, aber die \u00dcbelkeit und die Bauchschmerzen hatten nachgelassen. Ali war schon lange auf, kochte mir ein S\u00fcppchen und nach und nach normalisierten sich meine Gedankeng\u00e4nge. Verr\u00fcckt, dass mir vorgekommen war, Ali k\u00f6nnte eine Freundin haben \u2013 hatte er mir nicht selber k\u00fcrzlich erz\u00e4hlt, dass in der Firma eine neue Software zum Einsatz kam und er deshalb \u00dcberstunden machen musste? Aber die Krankheit hatte mich aus dem seelischen Gleichgewicht gebracht \u2013 ich hatte nicht mehr klar denken k\u00f6nnen und alles negativ interpretiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich hatte nicht vor, Ali von diesen dummen, verwirrten \u00dcberlegungen zu erz\u00e4hlen. Stattdessen trank ich viel Tee und schluckte brav meine Antibiotika. Wenigstens gab es nun auch eine logische Erkl\u00e4rung f\u00fcr meine Black-Outs, in der Firma wie daheim. Nein, deswegen musste ich mich sicher nicht genieren. Gegen einen Infekt wie diesen war auch ich machtlos. \u201eBrauchst du etwas?\u201c Die ruhige Stimme meines Mannes drang wieder an mein Ohr. Ich sp\u00fcrte seine Hand an meiner Stirn \u2013 \u201eIch glaube nicht, dass du noch viel Fieber hast! Siehst du \u2013 es wird wieder!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a9 Vivienne<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nein, das war nicht meine Woche, ganz bestimmt nicht! 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