{"id":7627,"date":"2010-07-15T18:15:04","date_gmt":"2010-07-15T17:15:04","guid":{"rendered":"http:\/\/bohnenzeitung.com\/wp\/?p=7627"},"modified":"2010-07-15T18:15:04","modified_gmt":"2010-07-15T17:15:04","slug":"fusballabend-die-bunte-welt-von-vivienne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/fusballabend-die-bunte-welt-von-vivienne\/","title":{"rendered":"Fu\u00dfballabend&#8230; &#8211; Die bunte Welt von Vivienne"},"content":{"rendered":"<p>Ich sperrte die Wohnungst\u00fcr hinter mir ab. Das Handy hatte ich absichtlich daheim gelassen. Ich lief die Treppen schwungvoll hinunter und verlie\u00df das Haus. Ein sch\u00f6ner, hei\u00dfer Sommertag ging dem Ende entgegen. Albert, mein Mann, war bei einem Kollegen eingeladen. In dessen Haus am Stadtrand von Linz traf sich eine ganze Gruppe um sich das Abendspiel der Fu\u00dfball-WM anzusehen. F\u00fcr jede Menge Erfrischungen (Bier, Cola, Mineralwasser,&#8230;) und lukullische Gen\u00fcsse (Der Kollege von Albert hatte anscheinend versprochen, er w\u00fcrde grillen&#8230;) war gesorgt. Albert hatte mich zum Abschied lange gek\u00fcsst und dann gemeint, er w\u00fcrde nach dem Spiel wieder kommen \u2013 irgendwann&#8230; Ich wusste, dass ich mich auf Ali verlassen k\u00f6nnte. Er w\u00fcrde allenfalls das eine oder andere Bier zu viel trinken, aber Dummheiten w\u00fcrde er keine begehen. Ich l\u00e4chelte und spazierte die Stra\u00dfe hinunter. Es war noch immer warm, aber die Sonne stand schon tief. Eine lauschige Nacht w\u00fcrde anbrechen. So richtig wie geschaffen f\u00fcr einen Spaziergang an einem Abend, an dem ich Strohwitwe war&#8230;<\/p>\n<p>Der Park befand sich in der N\u00e4he. Ich war selten um die Tageszeit hier, die Schatten lie\u00dfen alles fremd aussehen. Niemand war da au\u00dfer mir. Ich ging ein St\u00fcck den Weg entlang und setzte mich schlie\u00dflich auf eine Bank. Ich hatte keinen Grund schwerm\u00fctig oder irgendwie nachdenklich zu sein, aber ich musste mir eingestehen, dass ich vor meinen Gedanken aus der Wohnung geflohen war. Trotzdem wusste ich jetzt genau, dass ich mich hier mit der Geschichte auseinandersetzen w\u00fcrde, die mir vor ein paar Tagen zu Ohren gekommen war. Sie drehte sich um Sarah, einer Kollegin aus dem ersten Stock. Ich kannte sie nicht gut, das musste ich zugeben. Und dennoch besch\u00e4ftigte mich ihre Erz\u00e4hlung. Ich kam nicht los davon&#8230; Albert  hatte gelacht, als ich ihm von der Sache erz\u00e4hlte. \u201eIch gebe zu, dass es arg ist. So was kann im Berufsleben durchaus vorkommen. Auch in deiner Firma&#8230; Aber du kannst sie jetzt nicht zu deinem Anliegen machen.\u201c Dann hatte er mich in die Arme genommen. \u201eSchlaf dr\u00fcber. Dann wird es einfacher!\u201c<\/p>\n<p>Es war nicht einfacher geworden. Mein Kopf setzte sich nach wie vor mit den Vorf\u00e4llen auseinander&#8230; Sarah war eine Frau Mitte drei\u00dfig, die in der Buchhaltung arbeitete. Ihr Chef war ein \u00e4lterer Herr, Wilhelm Spallek, ein v\u00e4terlicher Typ, aber auch ein Macho. Eine Frau h\u00e4tte er nie als gleichwertigen Kollegen akzeptiert, und von Gleichberechtigung hielt er gar nichts. Denn eine Frau war vor allem f\u00fcr Mutterschaft und Familie geboren. Davon war er felsenfest \u00fcberzeugt&#8230; Buchhalterin Sarah war lange Jahre ein Mauerbl\u00fcmchen gewesen. In ihrer Ehe schon lange nicht mehr gl\u00fccklich, litt sie viel zu lange Zeit bis ihr Mann sie an die Luft setze. Er hatte eine Neue&#8230; Wider Erwarten verarbeitete Sarah die Trennung wirklich gut. Sie nahm ein wenig ab und f\u00e4rbte sich das aschblonde Haar rot. Spallek, ihren Chef, h\u00e4tte fast der Schlag getroffen. Er redete sogar einmal mit ihr, dass ihm das nicht gefiel. Anscheinend meinte er, das w\u00fcrde gen\u00fcgen um sie \u201evern\u00fcnftig\u201c zu machen. Sarah dachte aber im Traum nicht daran diesem Wunsch ihres Chefs nachzukommen. Sie f\u00fchlte sich gut so wie sie war und sie genoss ihr Singleleben. Und das passte Spallek nicht. \u00dcberhaupt nicht&#8230;<\/p>\n<p>Er begann Sarah immer \u00f6fter mit Ratschl\u00e4gen zu versorgen, wie sie sich am besten einen Mann angeln k\u00f6nnte. \u201eSie werden mir dankbar sein, wenn Sie erst wieder verheiratet sind!\u201c Seiner Meinung nach sollte eine Frau nicht alleine leben, ohne Mann war sie unvollst\u00e4ndig und verloren. Das war f\u00fcr ihn sonnenklar und diese  Denkungsweise lebte er auch daheim aus, als echter Patriarch. Eine Frau, f\u00fcnf Kinder und ein strenges Regiment. Dem Vernehmen nach wagte es die Gattin nicht, ihm auch nur ansatzweise zu widersprechen. Sarah hingegen hatte Null Interesse an dieser Form der Zwangsbegl\u00fcckung. Au\u00dferdem ging es Spallek \u00fcberhaupt nichts an, wie sie es privat hielt. Verbat sie sich anfangs noch die \u201eguten\u201c Tipps, ignorierte sie ihn sie ihn sp\u00e4ter v\u00f6llig und k\u00fcmmerte sich nicht um sein Geschwafel.<\/p>\n<p>Schon merkw\u00fcrdig, dass Spallek, ein echter Konservativer, Sarah nicht einfach in Ruhe lassen konnte. Das Ganze eskalierte nach und nach. Man begann sich schrittweise Nadelstiche zu versetzen. Lobte Spallek seine Lieblingsgruppe, die Flippers, in h\u00f6chsten T\u00f6nen, dann tauchte Sarah am n\u00e4chsten Tag sicher in einem T-Shirt der Rockgruppe AC\/DC in der Arbeit auf. Die wiederum Spallek als \u201e kranke Tiere\u201c vernaderte&#8230; Und wenn Sarah ein Fehler passierte, dann stellte sie Spallek in der Abteilung blo\u00df und schloss meist mit dem Satz, dass sie es nie kapieren w\u00fcrde. Auch politisch standen die beiden in unterschiedlichen Lagern. Spallek outete sich offen als \u201ebraver\u201c FP\u00d6-W\u00e4hler und Sarah sympatisierte mit den Gr\u00fcnen. Der Schlagabtausch erfolgte oft subtil und unterschwellig. Sarah setzte dem Ganzen noch die Krone auf, indem sie gezielt das Gegenteil von dem lebte, was zu Spalleks Wertvorstellungen geh\u00f6rte. Sarahs spitze St\u00fcckelschuhe erregten besonders den Unmut ihres Chefs. Spallek bezeichnete diese als Nuttenschuhe, die keine Frau tragen w\u00fcrde, die nur ein wenig Anstand in sich h\u00e4tte&#8230;<\/p>\n<p>Mittlerweile war mehr als ein Jahr seit Sarahs Scheidung vergangen und sie machte nach wie vor keine Anstalten, sich wieder auf eine Beziehung einzulassen. Die unterschwellige Auseinandersetzung zwischen Vorgesetztem und Angestellter zerm\u00fcrbte beide Seiten, vor allem aber Sarah. Und schlie\u00dflich hatte sie k\u00fcrzlich gek\u00fcndigt, nach fast zw\u00f6lf Jahren in der Firma. Wie hatte sie zu mir gesagt? \u201eDas Leben ist zu kurz um es mit Leuten zu vergeuden, die nur Kraft kosten.\u201c Sarahs Entscheidung war richtig, das wusste ich, und doch h\u00e4tte ich diesem Spallek gerne einmal die Meinung gesagt. Sein Frauenbild war indiskutabel und faschistoid \u2013 aber h\u00e4tte mein Vortrag etwas gebracht? &#8211; Es war dunkel geworden und ich stand auf um langsam wieder heimzugehen. Ali war noch nicht da, aber er hatte mir eine SMS geschickt. \u201eIch vermisse dich!\u201c konnte ich lesen. Gott sein Dank waren nicht alle M\u00e4nner wie dieser Spallek&#8230;<\/p>\n<p>Vivienne\/Gedankensplitter<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich sperrte die Wohnungst&uuml;r hinter mir ab. Das Handy hatte ich absichtlich daheim gelassen. 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