{"id":8593,"date":"2010-11-28T15:30:26","date_gmt":"2010-11-28T14:30:26","guid":{"rendered":"http:\/\/bohnenzeitung.com\/wp\/?p=8593"},"modified":"2018-09-29T10:01:35","modified_gmt":"2018-09-29T08:01:35","slug":"a96-neubau-achtspurig-digitales-verkehrslenksystem-mautpflichtig-fertigstellung-schon-sehr-bald-schlumpfenland-ist-uberall","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/a96-neubau-achtspurig-digitales-verkehrslenksystem-mautpflichtig-fertigstellung-schon-sehr-bald-schlumpfenland-ist-uberall\/","title":{"rendered":"A96 Neubau, achtspurig, Digitales Verkehrslenksystem, mautpflichtig, Fertigstellung schon sehr bald &#8211; Schlumpfenland ist \u00fcberall"},"content":{"rendered":"<p>M\u00fcller sa\u00df am Schreibtisch und sah auf den Rhein hinab, der in ewiglicher Gleichf\u00f6rmigkeit am Geb\u00e4ude der Staatlichen Energiebeh\u00f6rde vorbei floss. Hatte er seinen Freunden fr\u00fcher immer von der grandiosen Aussicht vorgeschw\u00e4rmt, war er heute gar nicht in der Lage, die Sch\u00f6nheit des Rheintals bei Bonn in sich aufzunehmen.<br \/>\nStaatssekret\u00e4r Schlucht und Ministerpr\u00e4sident Rodinger w\u00fcrden gleich eintreffen und nach kurzer Unterredung, ginge es mit beiden zum neuesten fertig gestellten Autobahnabschnitt der A96.<\/p>\n<p>M\u00fcller war nun schon seit f\u00fcnf Jahren auf dem Chefsessel der obersten Energieaufsicht und heute versp\u00fcrte er zum ersten Mal so etwas wie eine unerkl\u00e4rliche Unsicherheit.<\/p>\n<p>Er hatte sich hier in Bonn flei\u00dfig hochgearbeitet. Nach achtzehn Jahren in unterschiedlichen Funktionen in der Beh\u00f6rde, war er schlie\u00dflich zu deren Chef ernannt worden.<br \/>\nHier im, dem Bundes-Innenministerium unterstellten, Staatlichen Energieamt, wurden die Weichen f\u00fcr die n\u00e4chsten Jahre in Hinblick auf die Energieversorgung der Bev\u00f6lkerung und nicht zuletzt der Industrie und damit der Leistungsf\u00e4higkeit der ganzen Republik gestellt.<\/p>\n<p>Eines der gr\u00f6\u00dften globalen Probleme war schon immer der noch kr\u00e4ftig strahlende Restm\u00fcll aus den zahlreichen Atommeilern der Energieversorger.<br \/>\nSelbst von den sonst so \u00fcberaus wachsamen Umweltsch\u00fctzern unbemerkt, hatte sich ein ungeheurer Berg an strahlendem Abfall aufget\u00fcrmt, der, mangels echter Ideen in den nach Wahlen immer wieder wechselnden Regierungen und den, dem Grunde nach daf\u00fcr zust\u00e4ndigen Institutionen, nun in beinahe zur G\u00e4nze voll gesch\u00fctteten Abklingbecken, vor sich hin strahlte. Und der einigen dort verantwortlichen Menschen daher ganz sch\u00f6n auf der Seele brannte.<br \/>\nEher war es so, und M\u00fcller machte ein s\u00e4uerliches Gesicht bei dem Gedanken, dass er den hier in Bonn Verantwortlichen, unter den N\u00e4geln brannte.<br \/>\nIm wahrsten Sinn des Wortes, sogar.<\/p>\n<p>Doch M\u00fcller w\u00e4re wohl nie auf diesem Sessel gelandet, w\u00e4re er nicht ein Mann der Tat. So jedenfalls hatte es einst Behringer ausgedr\u00fcckt, der damalige Berliner Minister. Der, der ihn schlie\u00dflich ins Amt berufen hatte.<\/p>\n<p>                                                                *<\/p>\n<p>\u201eSie sehen hier im Abschnitt B die Zufahrten f\u00fcr die Personentransporter. Es wird uns also sehr wohl m\u00f6glich sein, die ganze Population von etwa f\u00fcnf Millionen B\u00fcrgern, innerhalb des gesetzten Zeitrahmens von vier Stunden in die Schutzr\u00e4ume zu bringen.\u201c <\/p>\n<p>M\u00fcller schaute den Ministerpr\u00e4sidenten forschend an. Die neutral lackierten Lastkraftwagen waren dem wohl aufgefallen, aber bisher hatte er noch keinerlei dumme Fragen gestellt. M\u00f6glicherweise waren seine Bef\u00fcrchtungen ja auch gar nicht n\u00f6tig gewesen und Rodinger w\u00fcrde alles einfach so hinnehmen. Und das, ohne gro\u00df nachzufragen.<\/p>\n<p>Auch dass er, M\u00fcller, oberster Energiebeamter des Staates, hier auf dem Autobahn-Neubau A 96 jetzt sogar den Fremdenf\u00fchrer spielte, hatte Rodinger noch nicht mal veranlasst, nach den Gr\u00fcnden zu fragen.<br \/>\nHier hatte wohl Staatssekret\u00e4r Schlucht schon sehr gute Vorarbeit geleistet.<\/p>\n<p>                                                                 *<\/p>\n<p>Und doch waren M\u00fcllers Bef\u00fcrchtungen nicht von der Hand zu weisen. Der l\u00e4ngst geplante vorgebliche Autobahnneubau. Dann schlie\u00dflich zur Abwehr vorgeblicher Gefahren durch den Schutzraumbau erg\u00e4nzt, ganz pl\u00f6tzlich von Berlin und Br\u00fcssel beinahe zeitgleich genehmigt und bezuschusst, diente eigentlich ganz anderen Zwecken.<br \/>\nUnd es gab nur ganz wenige in Regierung und Verwaltung die davon wussten. Worauf nicht nur M\u00fcller verdammt stolz war. <\/p>\n<p>Und seine Aufgabe bestand nun nur noch zum gr\u00f6\u00dften Teil darin, daf\u00fcr zu sorgen, dass es auch in Zukunft so bleiben w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Irgendeiner aus dem Amt, hatte seinerzeit mal diese M\u00f6glichkeit in einem Papier bis zur G\u00e4nze ausgearbeitet und war dann schlie\u00dflich bei ihm auf offene Ohren gesto\u00dfen.<br \/>\nM\u00fcller hatte die Idee dann den Energieunternehmen vorgetragen und diese hatten daraufhin sofort einen Sonderfond gegr\u00fcndet.<br \/>\nDer dann durch vorsichtige Lobbyarbeit sogar in Br\u00fcssel die n\u00f6tigen Ohren und T\u00fcren ge\u00f6ffnet hatte. <\/p>\n<p>Der Restm\u00fcll aus den Meilern k\u00f6nnte hinter dicken T\u00fcren und noch dickeren W\u00e4nden verschwinden und kein Mensch w\u00fcrde je davon erfahren. Jedenfalls niemand der ein gesteigertes Interesse daran h\u00e4tte, hier\u00fcber die \u00d6ffentlichkeit zu informieren.<\/p>\n<p>Im richtigen Leben w\u00fcrde M\u00fcller so etwas wohl als kriminelles Treiben ansehen, aber, bei aller sittlicher Verantwortlichkeit, die nahe Zukunft war wohl \u00fcber alle Zweifel erhaben.<br \/>\nDie Ablagerung von Unmengen radioaktiver Substanzen, irgendwo tief unter einer hunderte Kilometer langen, stark befahrenen Autobahn? War das nicht die L\u00f6sung? <\/p>\n<p>Schutzr\u00e4ume f\u00fcr f\u00fcnf Millionen Menschen in Zeiten nationaler Bedrohung? War das nicht auch das Gebot der Stunde?<br \/>\nPah, der Fall der Berliner Mauer war ein gro\u00dfes Gl\u00fcck gewesen. Der Zusammenbruch des Ostblocks sogar ein Segen.<\/p>\n<p>Und, dass es ihm gelungen war, trotz der nun scheinbar friedlicheren Welt, diese Aktion doch noch durch zu dr\u00fccken, darauf konnte er doch wirklich stolz sein.<br \/>\nM\u00fcller war verdammt stolz auf sich!<\/p>\n<p>                                                                 *<\/p>\n<p>\u201eHier wurde ja im besten Sinne geklotzt, statt gekleckert, Herr Pr\u00e4sident M\u00fcller. Wie stark, sagten sie, sind die Mauern der Schutzr\u00e4ume?\u201c<br \/>\nM\u00fcller beeilte sich, zu antworten aber Schlucht war um nur einen Deut schneller.<\/p>\n<p>\u201eEs sind zwei Meter und achtzig Zentimeter, Herr Ministerpr\u00e4sident. Bester Stahlbeton und zus\u00e4tzlich innen mit Bleiplatten verblendet. Und die Deckenkonstruktionen sind beinahe f\u00fcnf Meter dick. Da geht absolut nichts durch. Wir k\u00f6nnen ganz beruhigt sein.\u201c<\/p>\n<p>Sie waren alle zur Seite getreten um einem der wei\u00dfen Lastwagen Platz zu machen, der soeben im Untergrund verschwinden wollte.<br \/>\nRodinger sah M\u00fcller fragend an, bevor er sich r\u00e4usperte und ihn direkt fragte:<br \/>\n\u201eUnd, was genau bringen diese Fahrzeuge jetzt hier gerade hinein? Ich sehe, dass diese, Kennzeichen aus Italien haben. Werden Speditionen aus Italien beauftragt, hier die Vorr\u00e4te hineinzuschaffen?\u201c<br \/>\n\u201eVorr\u00e4te, genau! Wir lagern jetzt schon Vorr\u00e4te f\u00fcr die n\u00e4chsten F\u00fcnf Jahre ein. Sie m\u00fcssen wissen, Herr Ministerpr\u00e4sident, wir haben da ganz genaue Vorgaben aus Br\u00fcssel und Berlin erhalten.\u201c<\/p>\n<p>Rodinger hatte M\u00fcller soeben daran erinnert, wie bisher die \u00d6ffentlichkeit, aus der wirklich kritischen Frage der Atomm\u00fclltransporte herausgehalten wurde.<br \/>\nDa waren zun\u00e4chst aufwendige Kastortransporte quer durch die Republik organisiert worden, die nat\u00fcrlich nur schwach Strahlendes transportierten. Und diese wurden auch immer, beinahe absprachegem\u00e4\u00df, durch die zahlreichen Umweltsch\u00fctzer der Republik mittels hilfslosester Aktionen behindert. <\/p>\n<p>Absolut Unverd\u00e4chtige von der Welt-Atomenergiebeh\u00f6rde aus Wien, stellten dann zweckm\u00e4\u00dfigerweise bei ihren regelm\u00e4\u00dfigen Messungen an den Bahnstrecken auch keine erh\u00f6hte Strahlung fest. Wie sollten sie auch? Und die \u00f6ffentliche Seele hatte wieder monatelang ihre Ruhe.<br \/>\nNeutral gehaltene Fahrzeuge aus Italien oder Griechenland, mit Fahrern aus Rum\u00e4nien oder Ungarn, trugen dann dazu bei, das ganze Zeug in bisher streng verheimlichten Stollen in der ganzen Republik zwischen zu lagern.<br \/>\nUnd nun konnte das Zeug hier endg\u00fcltig eingelagert werden.<\/p>\n<p>M\u00fcller konnte sich noch ganz genau daran erinnern, dass ihm Schlucht seinerzeit geraten hatte, die Informationen dar\u00fcber an die Kanzlerin m\u00f6glichst gering zu halten. Was er dann ja auch getan hatte.<\/p>\n<p>\u201eVerdammt gute Arbeit, M\u00fcller. Man kann kaum einen Spalt erkennen und trotzdem f\u00fchle ich hier einen leichten Windhauch. Ist doch eigenartig, oder nicht?\u201c<br \/>\nRodinger war an das Tor getreten und versuchte mit einem Fingernagel eine Ritze des schweren Stahlschiebetores, das sich hinter dem wei\u00dfen Laster sofort wieder geschlossen hatte, zu erf\u00fchlen. Er hatte M\u00fcller verdammt grimmig angesehen dabei.<br \/>\n\u201eNach dem Schlie\u00dfen des Tores wird in den Schutzr\u00e4umen ein geringer \u00dcberdruck aufgebaut, Herr Ministerpr\u00e4sident, sodass nichts von au\u00dfen eindringen kann. Strahlendes Material nach einem zu bef\u00fcrchtenden Atomschlag also v\u00f6llig ausgesperrt bleibt.\u201c<\/p>\n<p>M\u00fcller f\u00fchlte leichte Schwei\u00dftropfen auf seiner Stirn. Er hatte soeben die absolute Wahrheit gesagt, doch das Wichtigste dabei nat\u00fcrlich ausgespart. Ebenso wie \u00dcberdruck, k\u00f6nne auch Unterdruck aufgebaut werden. Und wenn erst die Schutzr\u00e4ume voll gepackt waren, w\u00fcrde dieser Unterdruck die Umwelt vor austretender Strahlung sch\u00fctzen. Soweit die Theorie. Und die Praxis, so konnte M\u00fcller nur hoffen, w\u00fcrde diese Theorie dann ja hoffentlich auch best\u00e4tigen.<\/p>\n<p>                                                                   *<\/p>\n<p>\u201eDer Herr Ministerpr\u00e4sident am Apparat, Herr Pr\u00e4sident.\u201c<br \/>\nFrau Geiselberg klang etwas aufgeregt aus der Sprechanlage und M\u00fcller gab ihr die Order, Rodinger sofort zu ihm durchzustellen.<\/p>\n<p>Heute fr\u00fch erst konnte er sich wieder am herrlichen Anblick des Rheintales erfreuen, das in milden Sonnenstrahlen gl\u00e4nzte.<\/p>\n<p>\u201eM\u00fcller, ich vermisse einen meiner Abteilungsleiter. Herr Oberamtsrat Zeltinger, sie erinnern sich, er war mit uns an der Autobahn, ist seit gestern nicht mehr in der Staatskanzlei erschienen. Er hatte sich zuletzt in meinem Auftrag auf der Baustelle mal gr\u00fcndlich umgeschaut. Ich habe verdammt viel Druck gemacht, aber von der Bauleitung und den Mitarbeitern der Firmen h\u00f6re ich immer nur, dass die Verantwortlichen im Augenblick nicht zu sprechen oder zu besch\u00e4ftigt seien. Bitte tun sie mir den Gefallen und setzen mal ihren Einfluss dort ein. Ich will wissen, ob Zeltinger da wom\u00f6glich gegen seinen Willen festgehalten wird, oder ob er verungl\u00fcckt ist. Welche Schweinerei geht da eigentlich vor sich, M\u00fcller?\u201c<\/p>\n<p>Verdammt, genau, \u2026dieser Zeltinger. Er war ja allen vorgestellt worden und es war ihm zwar aufgefallen, aber M\u00fcller hatte es dann nicht mehr weiter beachtet. Zeltinger hatte sich stets etwas abseits gehalten und zuletzt war er scheinbar auch wirklich nicht mehr da. <\/p>\n<p>M\u00fcller hatte noch vermutet, dass er l\u00e4ngst wieder nach oben, auf die Autobahn war.<br \/>\nOb der da m\u00f6glicherweise\u2026 einem der Laster gefolgt war?<\/p>\n<p>Er wusste, dass bereits eine ganze Anzahl dieser Bunkerr\u00e4ume schon bis an die Decke mit diesen F\u00e4ssern gef\u00fcllt waren und dazu kam auch noch , dass diese Bunkertore eine ganz klitzekleine Besonderheit aufwiesen, \u00fcber die er aber jetzt besser gar nicht nachdenken wollte.<\/p>\n<p>\u201eIch habe, Verehrter Herr Ministerpr\u00e4sident, keinerlei Ahnung, was sie meinen. Sie konnten sich doch selber am Montag von allem \u00fcberzeugen. Und wenn ihr Oberamtsrat noch dort w\u00e4re, h\u00e4tte er sich schon l\u00e4ngst bei ihnen gemeldet. Der sitzt wom\u00f6glich zu Hause oder hat die Grippe und in den n\u00e4chsten Tagen kommt die Krankmeldung. Und von welcher Schweinerei reden sie eigentlich?\u201c<\/p>\n<p>\u201eQuatsch, M\u00fcller! Seine Frau ist es, die mich schon zehnmal angerufen hat und dauernd nach ihrem Man fragt. Sie m\u00fcssen unbedingt hinfahren und nach Zeltinger schauen. Und schei\u00dfen sie diese Kerle da mal ordentlich zusammen. Ich kann mich doch auf sie verlassen, M\u00fcller?\u201c<\/p>\n<p>M\u00fcller wischte sich mit der Hand \u00fcber die Stirne. Nun, als Untergebener des Ministers in Berlin konnte ihm, was Rodinger anordnete, eigentlich ziemlich egal sein. Der war nicht sein Vorgesetzter.<br \/>\nDoch M\u00fcller wusste, Rodinger konnte ganz sch\u00f6n b\u00f6sartig sein. Der Kerl war nur mit einem Terrier zu vergleichen.<br \/>\nM\u00f6glicherweise lag`s an seiner nur geringen K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe.<br \/>\nDoch, doch der Kerl konnte verdammt unangenehm sein. Und dass er\u2019s w\u00fcrde, war angesichts dieser verdammten Schei\u00dfe wohl auch sonnenklar.<\/p>\n<p>\u201eO.K. Herr Ministerpr\u00e4sident, ich k\u00fcmmere mich. Ich melde mich dann sofort bei ihnen.\u201c<br \/>\nRodinger hatte einfach gru\u00dflos aufgelegt.<\/p>\n<p>\u201eFrau Geiselberg, geben sie mir Schlucht in Berlin. Sagen sie ihm, es sei dringend. H\u00f6chste Eisenbahn. Und wenn er nicht im Ministerium ist, suchen sie ihn. Zuhause, in seinem Tennisclub, in der Sauna, egal, geben sie mir den Kerl. Sagen sie ihm, es geht um Leben und Tod.\u201c<\/p>\n<p>M\u00fcller wusste nicht was die Geiselberg jetzt wohl mitbekommen hatte, hoffte aber nun schon sehr lange auf deren Verschwiegenheit. Und dass sie verschwiegen war davon hatte er sich schon in der Vergangenheit sehr oft \u00fcberzeugen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>                                                                 *<\/p>\n<p>Es war ein sehr knurriger Pr\u00e4sident des Bundesamtes f\u00fcr Energie, der des Morgens von seiner Frau Abschied nahm und in die Dienstlimousine stieg.<br \/>\nEr hatte beinahe die ganze Nacht nicht geschlafen. Und wenn, dann war ihm im Traum Oberamtsrat Zeltinger erschienen. Der kreidebleich und mit blau angelaufenen Lippen seine zittrigen Finger nach ihm ausstreckte und immer nur mit ersterbendem Stimmchen von Luftmangel fl\u00fcsterte.<br \/>\nWenn M\u00fcller dann wieder schwei\u00dfgebadet aus dem Kurzschlaf schreckte, sah er ihn in seinem Schlafzimmer immer ganz klar vor sich. <\/p>\n<p>Diese hingekauerte Gestalt in einem mit turmhoch gestapelten wei\u00dfen F\u00e4ssern randvoll gef\u00fcllten Raum, dem Erstickungstod schon sehr nahe.<br \/>\nHorror war noch das Mildeste, was ihm dazu einfiel.<br \/>\nEs war die nackte Angst, die ihn ergriffen hatte.<\/p>\n<p>Schlucht hatte ihm noch gestern versichert, dass alles in Ordnung sei. Die Suchmannschaften h\u00e4tten alle R\u00e4ume durchsucht und keinen Oberamtsrat Zeltinger entdeckt. Der m\u00fcsse sich wohl ganz woanders rum treiben. F\u00fcr Horrorszenarien w\u00e4re absolut keine Veranlassung und \u00fcberhaupt, was h\u00e4tten Bonn oder Berlin mit D\u00fcsseldorf zu tun? <\/p>\n<p>Und wenn schon der Ministerpr\u00e4sident nicht w\u00fcsste, wo sich seine Schranzen rum treiben\u2026?<\/p>\n<p>                                                                 *<\/p>\n<p>\u201eSchei\u00dfe auch, Schlucht! Wir k\u00f6nnen jetzt alles brauchen, nur keinen immer noch vermissten Oberamtsrat und wenn, verdammt noch mal, herauskommt, dass dieser Trottel sich in einem der endg\u00fcltigen R\u00e4ume hat einschlie\u00dfen lassen, in die kein Mensch jemals mehr rein kommt?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDann, sehr verehrter Herr Pr\u00e4sident, kommt da auch kein Schwein mehr raus. Und ich muss schon sagen, dass mir das \u00fcberhaupt keine Kopfschmerzen bereitet. Aber sie k\u00f6nnen ganz beruhigt sein, Herr Pr\u00e4sident, ich habe da schon was angeleiert.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWissen sie \u00fcberhaupt, was sie da sagen Schlucht? Und \u00fcberhaupt, sind schon einige R\u00e4ume verf\u00fcllt, sodass die Tore schlussendlich zu sind? Der Ministerpr\u00e4sident hat schon wieder angerufen und nach seinem Zeltinger gefragt. Was soll ich ihm sagen, wenn er noch mal anrufen sollte? Der Mann ist voller Sorge und zu allem f\u00e4hig, Schlucht!\u201c<\/p>\n<p>\u201eSagen sie ihm ruhig, dass sein Problem bei uns im Ministerium in guten professionellen H\u00e4nden ist. Ich habe gestern noch mit den Energieversorgern gesprochen. Die haben da eine ganz spezielle Task-Force die sich um alles Komplizierte k\u00fcmmert. Bald schon d\u00fcrfte f\u00fcr Klarheit gesorgt sein. Und sie, Herr Pr\u00e4sident, seien sie ganz beruhigt. Alles wird gut, w\u00e4re doch gelacht.\u201c<\/p>\n<p>Beim letzten Wort des Staatssekret\u00e4rs f\u00fchlte M\u00fcller seine Nackenhaare sich aufstellen.<br \/>\nEr hatte dann das Handy achtlos neben sich auf den R\u00fccksitz des Dienstwagens gepfeffert.<\/p>\n<p>                                                                *<\/p>\n<p>Inzwischen war man beinahe schon in unmittelbarer N\u00e4he des Bundesamtes. M\u00fcller sah schon den Hochhausbau. Der, der alten Universit\u00e4tsstadt am Rhein die unverwechselbare Silhouette verlieh, als eine Nachrichtenstimme im Autoradio sonor davon berichtete, dass soeben die Leiche des Ministerpr\u00e4sidenten des Bundeslandes aus dem Rhein gefischt worden war.<br \/>\nMan k\u00f6nne ganz klar von Selbstmord ausgehen, da Ministerpr\u00e4sident Rodinger einen Abschiedsbrief hinterlassen habe, in dem er seine Familie um Verzeihung bat. <\/p>\n<p>Dieser Tote w\u00e4re nun heute schon der zweite Leichenfund im Rhein, da kurz zuvor bereits die Ehefrau eine hohen Beamten herausgefischt wurde.<br \/>\nPolizei und Staatsanwaltschaft schlie\u00dfen einen Zusammenhang dieser beiden Trag\u00f6dien aber vehement aus.<\/p>\n<p>M\u00fcller sah die besorgt blickenden Augen seines Fahrers, der ihn durch den R\u00fcckspiegel musterte und sofort sp\u00fcrte er auch, dass ihm der nun pl\u00f6tzlich schwei\u00dfnasse Kragen seines von der Hausangestellten vorhin noch so liebevoll geb\u00fcgelten wei\u00dfen Oberhemdes, die Luft abzuschn\u00fcren drohte.<\/p>\n<p>Antoine Susini 2010 (Prolog, Romananfang \u201eGelbschwarze Tage\u201c)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>M&uuml;ller sa&szlig; am Schreibtisch und sah auf den Rhein hinab, der in ewiglicher Gleichf&ouml;rmigkeit am Geb&auml;ude der Staatlichen Energiebeh&ouml;rde vorbei &#8230; <\/p>\n<p class=\"read-more-container\"><a title=\"A96 Neubau, achtspurig, Digitales Verkehrslenksystem, mautpflichtig, Fertigstellung schon sehr bald &#8211; Schlumpfenland ist \u00fcberall\" class=\"read-more button\" href=\"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/a96-neubau-achtspurig-digitales-verkehrslenksystem-mautpflichtig-fertigstellung-schon-sehr-bald-schlumpfenland-ist-uberall\/#more-8593\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber A96 Neubau, achtspurig, Digitales Verkehrslenksystem, mautpflichtig, Fertigstellung schon sehr bald &#8211; Schlumpfenland ist \u00fcberall\">Weiter<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":28639,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[38],"tags":[],"class_list":["post-8593","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-schlumpfenland-ist-uberall","generate-columns","tablet-grid-50","mobile-grid-100","grid-parent","grid-50","resize-featured-image"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8593","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8593"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8593\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media\/28639"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8593"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8593"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8593"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}