{"id":9539,"date":"2011-05-19T15:19:43","date_gmt":"2011-05-19T14:19:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bohnenzeitung.com\/?p=9539"},"modified":"2011-05-19T15:19:43","modified_gmt":"2011-05-19T14:19:43","slug":"alter-mann-und-rote-rose-in-die-stille-gerettet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/alter-mann-und-rote-rose-in-die-stille-gerettet\/","title":{"rendered":"Alter Mann und rote Rose &#8211; In die Stille gerettet"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Textausz\u00fcge: Harry Popow \u2013 \u201eIn die Stille gerettet\u201c.          Pers\u00f6nliche Lebensbilder. Engelsdorfer Verlag, Leipzig, 2010, 308          Seiten, 16 Euro, ISBN 978-3-86268-060-3<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong>Alter Mann und rote Rose (Seite 289)<\/strong><\/p>\n<p>Wieder bei Arne, dem \u201eBaron\u201c. Diesmal privat. Das schwedische Ehepaar Herta und Sony sowie Cleo und ich sind eingeladen. Wir sitzen im E\u00dfzimmer mit den schweren Eichenm\u00f6beln. So ist Arne: Vornehme Bewegungen, selbst beim Auftragen der selbst gekochten Speisen. Dieser Mann beherrscht es, allein ein auserlesenes Men\u00fc zuzubereiten. B\u00e4ckt selbst Kuchen und Torten, h\u00e4lt die gro\u00dfe Villa in Schu\u00df, \u00fcberall viele Blumen und Pflanzen, teure Behaglichkeit. Wir sind jedesmal von Neuem beeindruckt. Wertvoll die Gespr\u00e4che mit ihm, er ist weise, dabei zur\u00fcckhaltend, auflachend, wenn ein Spa\u00df in der Luft liegt. Nach dem Essen bittet er zur Kaffeerunde an eine antike Sitzgruppe. \u00dcber uns an der Wand ein riesiges altes Gem\u00e4lde im breiten Goldrahmen. Cleo schaut es sich besonders aufmerksam an. Woher, wer gemalt? \u201eBaron\u201c erz\u00e4hlt, ein Vorfahre habe mit f\u00fcnf Jahren mit seiner Tante Gem\u00fcse verkauft. Von ihm verdientes Geld steckte der F\u00fcnfj\u00e4hrige in eine abgeschlossene Kassette. Als er 18 war, fand er darinnen 60.000 Kronen. Da erf\u00fcllte er sich einen lang ersehnten Wunsch \u2013 er kaufte sich dieses Gem\u00e4lde f\u00fcr 40. 000 Kronen. Und nun sei es im Familienbesitz und sollte an und f\u00fcr sich alle zwei Jahre innerhalb der Familie (unser Gastgeber hat f\u00fcnf Kinder) in den Wohnzimmern die Runde machen. Da die anderen Wohnungen aber nicht so gro\u00dfe W\u00e4nde haben, k\u00f6nne er sich nun ganz alleine vierzehn Jahre lang an diesem \u00d6lgem\u00e4lde erfreuen. Doch die eigentliche Bewunderung \u00fcber die Werte in \u201eBarons\u201c Haus gehen mit einem Mal in eine andere Richtung, als Sony auf eine einsame rote Rose an einem Fenster zeigt, neben der ein Foto hinter Glas steht, das eine Frau abbildet. Cleo geht hin, betrachtet Blume und Foto interessiert. Cleo hinterfragt und wir erfahren: Diese Sch\u00f6ne war seine Frau. Jeden Donnerstag kaufe er im Blumengesch\u00e4ft in der 17 Kilometer entfernten Kreisstadt eine rote Rose f\u00fcr die vor 15 Jahren Verstorbene. Zu jeder Jahreszeit. Wir sind baff. Welch eine Geste. Er mu\u00df mit ihr sehr gl\u00fccklich gewesen sein. Klar, es geht nicht um die Ausgaben jahrelang \u2013 es geht um die Haltung, die innere. Sp\u00e4ter kann ich nicht so schnell einschlafen. Da geht mir so manches durch den Kopf. Auch wir sind in der gleichen Lage. Alt und liebevoll zueinander. Ein Leben lang. Das w\u00fcnschte man jedem. Bevor ich einschlafe, f\u00e4llt mir ein Titel ein: \u201eDer Alte Mann und die rote Rose.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Textausz&uuml;ge: Harry Popow &ndash; &bdquo;In die Stille gerettet&ldquo;. Pers&ouml;nliche Lebensbilder. 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