{"id":9564,"date":"2011-05-21T12:47:35","date_gmt":"2011-05-21T11:47:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bohnenzeitung.com\/?p=9564"},"modified":"2011-05-21T12:47:35","modified_gmt":"2011-05-21T11:47:35","slug":"waldtheater-in-die-stille-gerettet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/waldtheater-in-die-stille-gerettet\/","title":{"rendered":"Waldtheater &#8211; In die Stille gerettet"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Textausz\u00fcge: Harry Popow \u2013 \u201eIn die Stille gerettet\u201c.           Pers\u00f6nliche Lebensbilder. Engelsdorfer Verlag, Leipzig, 2010, 308           Seiten, 16 Euro, ISBN 978-3-86268-060-3<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong>Waldtheater (Seite 294)<\/strong><\/p>\n<p>Die Leute von Gadderos kommen in die Schlagzeilen. Es ist Juli 2004. Jedes Jahr finden in dem einst so \u00e4rmlichen Smaland die Musiksommertage statt. Sch\u00f6nste musikalische Kl\u00e4nge ert\u00f6nen aus Glash\u00fctten, die zwischen Juli und August zu Musiks\u00e4len umfunktioniert werden. Auch an den Ufern der sch\u00f6nen verschwiegenen Seen schmettern Blasorchster in die morgendliche Stille. Da ist jung und alt auf den Beinen, um Stunden der Freude zu erleben. Was kann Gadderos bieten? Bis zum vergangenen Jahr nur die traumhafte ruhige Waldlandschaft. Man beriet. Auch Cleo mischte mit. \u201eAuf Cleo sollte man h\u00f6ren\u201c \u2013 ein gefl\u00fcgelter Spruch im Ort. Und so kam den tatkr\u00e4ftigen und lebenslustigen schwedischen, d\u00e4nischen und deutschen Einwohnern nach gr\u00fcndlicher \u00dcberlegung die Idee: Wir bieten den G\u00e4sten und Touristen eine Abenteuerwanderung durch den Wald.<\/p>\n<p>Gedacht und getan. Dutzende H\u00e4nde best\u00fcckten den Wald \u2013 wie auch schon im vergangenen Jahr &#8211; mit gemalten Tieren, bauten nach historischem Vorbild mit viel Liebe einen Kohlenmeiler auf, wuchteten f\u00fcr die Hexe einen eisenschweren Kessel auf eine kleine Lichtung, stellten auf dem gr\u00fcnen zentralen Platz des Ortes B\u00e4nke auf, bestellten einen B\u00fchnenwagen und die bekannte \u201eSveriges Cultband\u201c, und die Frauen buken Kuchen f\u00fcr jedermann. Die Waldpfade wurden mit Teelichtern, die in Glasschalen schwammen, markiert. Bevor die ersten Touristen eintrafen, schl\u00fcpften die Akteure in die Kost\u00fcme einer Hexe, zweier Trolle, eines Vagabunden und zweier Elfen, die letzteren ganz von wei\u00dfen Schleiern umh\u00fcllt und anmutig anzusehen. Ein Waldarbeiter, Henry wurde dazu auserkoren, stand am Kolmila (Kohlenmeiler). Er trug einen typisch schwedischen grauen Filzhut, eine braune Arbeitsjoppe und ein ziemlich unrasiertes Kinn zur Schau. Dann tauchte die erste Gruppe der Touristen auf, etwa f\u00fcnfzehn Leute, gef\u00fchrt von einem Einwohner aus Gadderos. Der Schwede B\u00f6rje, ein schlanker und gut aussehender Mann, schilderte in kurzen Worten die Funktion und Arbeitsweise des Meilers. Der K\u00f6hler indessen kletterte eine kleine Holzleiter empor, die am Meiler anlehnte. Oben schwang er einen riesigen Holzhammer, der aus dem Museum in Maleras ausgeliehen worden war, wie er sp\u00e4ter erfuhr, um die Abdeckung des Meilers immer wieder festzuklopfen. Er wuchtete schwer, das war ihm offensichtlich anzusehen, denn er wischte sich alsbald den Schwei\u00df von der Stirne, kletterte r\u00fccklings die Leiter wieder herab, griff sich eine lange Eisenstange und stocherte im Meiler herum, ob die Holzkohle schon \u201egar\u201c geworden war. Pl\u00f6tzlich, unweit des Meilers, ein menschlicher Ruf. Es klang wie ein lockendes Vogelgezwitscher. Vorsichtig lugte er \u00fcber den Rand des Holzsto\u00dfes, da sah er ein buntes langes Kleid, eine weibliche Person (Cleo). Was suchte sie hier? Was st\u00f6rte sie ihn bei der Arbeit? Der K\u00f6hler erinnerte sich der vielen Schauergeschichten von Trollen und wilden Feen im tiefen Walde. Und da\u00df es dann mit seiner Ruhe aus sein w\u00fcrde und wer wei\u00df noch alles. Doch die \u201eSkogsr\u00f6r\u201c (sch\u00f6nes Waldweib) hinter den hohen Fichten lockte weiter, ja, winkte ihn verhei\u00dfungsvoll heran, er solle doch n\u00e4herkommen. Ihn \u00fcberkam ein Schauer. Entr\u00fcstet stemmte er die H\u00e4nde in die H\u00fcften. Hinter ihm h\u00f6rte er das Lachen und Jauchzen der Touristen. Und nun gab es f\u00fcr ihn kein Halten mehr. Zu neugierig war er geworden, was das unheimliche weibliche Wesen denn von ihm wollte. Er stolperte ein paar Schritte in ihre Richtung, doch sie floh \u2013 m\u00fchevoll \u00fcber die Blaubeerstr\u00e4ucher und Baumst\u00fcmpfe springend. Er hinterher, nun gab es f\u00fcr ihn kein Zur\u00fcck mehr. Oben am Wege holte er sie ein. Er ging auf sie zu, umarmte, k\u00fc\u00dfte sie. Sie lie\u00df ihn gew\u00e4hren, und noch bevor ihn die unheilvollen und schwerwiegenden Folgen klar wurden, nahte bereits die n\u00e4chste Gruppe von Touristen, sehr erheitert \u00fcber die urkomische und hinterw\u00e4ldlerische Szenerie.<\/p>\n<p>So ging das \u00fcber eine Stunde. Immer wieder mu\u00dfte der Waldarbeiter auf den Meiler zur\u00fcck, und immer wieder lockte ihn das Weib, und der Strom der Neugierigen ri\u00df nicht ab. Insgesamt waren es \u00fcber 300 Besucher, die an dieser Abenteuerwanderung teilnahmen. Am n\u00e4chstes Tag stand\u00b4s in der Lokalpresse. Gadderos macht von sich reden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Textausz&uuml;ge: Harry Popow &ndash; &bdquo;In die Stille gerettet&ldquo;. Pers&ouml;nliche Lebensbilder. Engelsdorfer Verlag, Leipzig, 2010, 308 Seiten, 16 Euro, ISBN 978-3-86268-060-3 &#8230; <\/p>\n<p class=\"read-more-container\"><a title=\"Waldtheater &#8211; In die Stille gerettet\" class=\"read-more button\" href=\"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/waldtheater-in-die-stille-gerettet\/#more-9564\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber Waldtheater &#8211; In die Stille gerettet\">Weiter<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":28639,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[99],"tags":[],"class_list":["post-9564","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-in-die-stille-gerettet","generate-columns","tablet-grid-50","mobile-grid-100","grid-parent","grid-50","resize-featured-image"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9564","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9564"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9564\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media\/28639"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9564"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9564"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bohnenzeitung.com\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9564"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}