Neue Bohnen Zeitung


von Vivienne  –  März 2004



…die Hände gebunden?

Terror in Spanien.
Tote und Blut.
So viel Leid…
Schreie und Hilflosigkeit.
Angst auf der ganzen Welt.
Wo wird die nächste Bombe fallen?
Ich sitz vor dem Fernsehgerät.
Nehme all das in mich auf.
Mit einem Panzer um mein Inneres.
Ich lass es nicht ran!
Ich kann doch nichts ändern…
Ich kann doch nichts tun…
Gott sei Dank war es nicht bei uns.
Gott sei Dank.

Hungersnot in Afrika.
Die Menschen sterben wie die Fliegen.
Wo denn?
Klingt alles so gleich.
Da wie dort.
Und Karl-Heinz Böhm bittet um Spenden…
Schlimm, wirklich schlimm.
Aber ich spende immer bei der Dreikönigsaktion.
Was soll ich denn noch tun?
Was helfen schon 10 Euro?
Ein Tropfen auf den heißen Stein!
Ich kann nicht immer geben!
Was bleibt für mich?
Und selber runter fahren?
Ich bin doch nicht verrückt!
Ich  bewundere jeden, der fährt.
Aber das ist nichts für mich!

Irgendwo in den USA.
Ein Schüler schießt seine Schulkollegen nieder.
Und ein paar Lehrer.
Viele sind tot.
Viele werden noch sterben.
Viele werden das Grauen nie vergessen können.
Wirklich furchtbar.
Ich gebe dir so Recht.
Hoffentlich kommt das nie zu uns.
Aber was kann man da machen?
Was siehst du mich so an?
Das sind die Amis.
Bei denen geht es immer so zu.
Diese Waffennarren!
Das sind nicht wir.

Irgendwo in Linz.
Ein Ehepaar begehrt auf.
Obwohl selber zwei erwachsene Söhne.
Die Kinder in der Nachbarschaft lärmen zu viel.
Spielen nur mehr zweimal am Tag erlaubt.
Jeweils eine halbe Stunde.
Ist das ein Märchen?
Ma, arg ist das!
Komische Leute!
Was kann man da tun?
Wenn ich nur was wüsste!
Aber mir fällt nichts ein…!
Außerdem.
Das ist so weit weg!
Was geht mich das an?

  

Wir können den Krieg auf dieser Welt nicht ändern.
Und auch nicht den Terror.
Und ebenso die Not und das Elend der Minderprivilegierten nur selten mindern.
So sehr wir uns auch mühen.
Aber eins können wir trotzdem.
Nicht einfach wegsehen.
Nicht einfach nur berieseln lassen.
Zur besten Fernsehzeit.
Als wäre es ein Fernsehfilm, was in der Welt passiert.
Als ginge uns das gar nichts an.
Es geht uns alle an!
Denn es ist unsere Welt!
Wir können viel ändern.
Wenn wir bei uns selber anfangen.
Offen bleiben.
Profil zeigen.
Mitdenken.
Und die Not anderer nicht verdrängen.
Weil wir nicht betroffen sind.
Was im Kleinen bei uns passiert, kann morgen schon alltäglich sein.
Kinder mit Maulkorb.
Mordende Schüler.
Es geht nicht darum: das sind die und wir sind ganz anders.
Wir sind alle gleich.
Wem das Schicksal anderer gleichgültig ist, wird vielleicht auch mal anderen gleichgültig sein.
Mit seinem Pech.
Nein.
Die Hände sind uns nicht gebunden.
Oft ist nur das Rückgrad krumm…

Vivienne

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