Home Kolumnen Kritisch betrachtet
12.04.2005, © Vivienne
Desperate Housewives
Hausfrau – verzweifelt gesucht?
Sex and the City ist vorbei, Carrie hat ihren Mr. Big bekommen und während nun die Wiederholungen zu laufen beginnen, hat eine andere TV-Serie Einzug in die Herzen vorzugsweise der Fernsehzuseherinnen gehalten. Desperate Housewives (übersetzt: Verzweifelte Hausfrauen) heißt der neue, bereits mehrfach ausgezeichnete Serienknüller aus den USA und ich konnte mich selber natürlich nicht zurückhalten und musste mich auch von der Qualität der Serie überzeugen: Gemacht ist sie sicher gut, unterhaltsam und immer wieder zum Brüllen komisch. Nur aus dem Leben gegriffen ist sie nicht unbedingt so wirklich denn reale Hausfrauen, wie es sie auch bei uns in allen Varianten und Erscheinungsformen gibt, habe ich in der Serie bisher verzweifelt gesucht
Aber vielleicht macht das auch den Charme der Serie mit aus. Allein die Vorstellung: die Nachbarin, die ihren geldigen Mann mit dem gut aussehenden Gärtner betrügt, mäht doch tatsächlich nächtens im Abendkleid selber den Rasen, um zu verhindern, dass der junge Liebhaber, der das alles eigentlich erledigen sollte, seinen Job verliert. Immerhin hat der wohl gebaute Adonis Qualitäten und Fähigkeiten, von denen der oft abwesende Gatte nicht die geringste Ahnung hat, und die der junge Mann bei seiner Chefin so oft zum Einsatz bringt, dass halt andere Arbeiten immer wieder liegen blieben Dafür hat man doch Verständnis, oder?
Fehlen darf natürlich auch nicht die geschiedene Alleinerzieherin, die ausgerechnet von ihrer pubertierenden Tochter (!) jede Menge Tipps und Anregungen erhält, wie sie ihrem ungewollten Singledasein möglichst bald ein Ende setzen kann. Ist doch in Gestalt eines gut aussehenden, ungebundenen Klempners ein perfektes Objekt der Begierde in der Nachbarschaft aufgetaucht… Und um bei diesem netten Junggesellen gegen einen Männer mordenden Vamp aus der Umgebung zu bestehen, lässt sie nichts unversucht selbst verstopften Abfluss inklusive. Abwertende Aussagen der ehemals besseren Hälfte über ihre angeblich so geringen Chancen auf eine mögliche neue Beziehung, wirken dabei durchaus aufstachelnd. Das Problem, das ich besonders in dem Fall habe, ist der fehlende Realismus: besagte Alleinerzieherin hat einen Top-Körper und sieht fantastisch aus durfte sie doch bei anderer Gelegenheit schon James Bond Pierce Brosnan und Superman verführen
Mehr Bezug zur Realität vermutete ich da schon bei der vierfachen Mutter, die ihrem alten Job heimlich nachtrauert. Die drei kleinen Buben halten sie mit allerhand Teufeleien in dem Alter wohl nicht unüblich auf Trab und das Baby verlangt auch lautstark nach der Befriedigung seiner Bedürfnisse. Der Gatte glänzt meistens durch Abwesenheit, ist beruflich stetig auf Achse und wenn er oftmals überraschend einmal ins Haus schneit, schickt er als erstes die Kinder spielen und legt seine Frau flach. Bisweilen bleibt es aber nur beim Versuch, wie man nicht unamüsiert beobachten konnte. Denn als ihm die geplagte bessere Hälfte mangels Pille ein Kondom empfiehlt, macht er den Fehler vorzuschlagen, es einfach zu riskieren Den Schlag, den er daraufhin einsteckt (Aufschrei einer gequälten Seele!), kann man menschlich der vierfachen Mutter durchaus nachsehen realistisch ist er nicht. Das schau ich mir an!
Mrs. Perfekt ist die nächste auf der Liste. Und überperfekte Hausfrauen gibt es sicher nicht wenige, die immer den Schein wahren, repräsentieren als gehörten sie dem Königshaus an und dabei kein Staubkörnchen akzeptieren. Daheim gibts daher nur Haute Cuisine (Vielleicht Hühnchen Saltim Boca gefällig?), was die beiden Kinder im Teenageralter und den Gatten nur mehr nervt. Er denkt sogar an Scheidung, weil er ihren Perfektionismus nicht mehr erträgt und sich nach dem verkohlten Toast der frühen Ehejahre gerade zu zurücksehnt. Solche Reminiszenzen dürfte es im wahren Leben auch nicht wirklich spielen, aber dass gerade in einer Beziehung die Vergangenheit gern glorifiziert wird wer weiß nicht ein Lied davon zu singen?
Ein wenig überzogen wirkt die Serie also schon, alles in allem ist sie aber sehr amüsant gestrickt und klug aufgezogen. So findet FRAU sicher ihren Lieblingscharakter zum Identifizieren. Dazu kommt, dass die Geschichten aus der Sicht einer verstorbenen (!) Freundin ( drei Tage nach meinem Begräbnis ) erzählt werden, einer Freundin, die anscheinend ein tödliches Geheimnis hatte, auf das wir mehrmals mit der Nase gedrückt werden und auch der sympathische Klempner, den wir der netten Alleinerzieherin, die so schauderhaft kocht (War das der Scheidungsgrund?), so gönnen würden, scheint manches zu verbergen zu haben
Also demnächst wieder einschalten, Mädels! Ich bin schon gespannt, wie es weitergeht
Vivienne
Redakteure stellen sich vor: Vivienne
Alle Beiträge von Vivienne