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30.12.2005, © Vivienne
Was nie Kunst sein wird
So genannte Pornoplakate machen zurzeit Schlagzeilen in unseren Landen peinlich genug, dass es sich dabei auch noch um EU-Plakate der Aktion 25 peaces handelt. Während der Ball zwischen der SPÖ mit ihrem Clubsprecher Cap und der Bundesregierung unter Schüssel hin und her geschoben wird, ob es zu einer Bundesförderung kam oder nicht (und das gleich mit einer ordentlichen Subvention von 500.000 Euro, wie behauptet wird), wird die Frage ob Kunstanspruch ja oder nein von Cap selber ungeschickt umgangen. Ob man die Bilder wirklich als Pornographie einstufen kann, möchte ich in Frage stellen, da gibt es mit Sicherheit doch ganz andere Posen (Der Leser sehe sich am besten die besagten Bilder auf orf.at ruhig einmal selber an um sich ein Urteil zu bilden.).
Unappetitliche Schweinigeleien sind es aber allemal, wobei ein klares Wort von Cap mehr als nur angebracht gewesen wäre. Aber der dürfte wohl die Kritik so genanter selbst ernannter Experten (aus eigenen Reihen?) scheuen, die ja schon jeden Furz und jeden Windelinhalt zur Kunst hochstilisieren. Dazu gehört wohl auch der Initiator Springer, der sich nicht entblödet, sich mit seiner grauslichen Aktion mit Egon Schiele (!) zu vergleichen, der ja lange Zeit auch als Pornograph angegriffen wurde. Mein Rat an Sie, Herr Springer, zum Nach- und Überdenken: nur weil ich Sonnenblumen fotografiere, bin ich noch lange kein zweiter Van Gogh! Allein der Vergleich zwischen Ihnen und dem früh verstorbenen Expressionisten Schiele hinkt auf allen vier Beinen!
Ich nehme an, dass sich in so manchem geheimen Heimvideoarchiv ähnliche Aufnahmen befinden, die privater Natur sind und keinerlei künstlerischen Anspruch stellen. In Zukunft wird wohl jeder zweite Sex- oder Pornofilmproduzent auf die Idee kommen, sich für die produzierten Geschmacklosigkeiten noch eine Kunstförderung zu holen. Wenn ich mich richtig erinnere, ist sogar vor ein paar Jahren schon einmal ein derartiger Vorstoß unternommen worden. Einmal mehr stellt sich für mich die Frage, welchen Anspruch Kunst stellen muss um sich von selbst ernannten künstlerischen Geniestreichen mancher abgrenzen zu können. Ein Problem dieser Zeit stellt ja der Versuch so manchen kreativen Kopfes dar, jeglichen Unsinn oder jede Schweinerei als Kunst darzustellen und all die zu vernadern, die sich solch einem fragwürdigen Diktat nicht unterwerfen wollen.
Kunst hat für mich immer noch etwas von einem göttlichen Funken den ich in den Nacktaufnahmen des großen Fotographen Klaus Ender (aber nicht nur dort sondern auch in seinen einzigartigen Landschaftsaufnahmen) immer wieder finde aber sicher nicht in der bloßen Darstellung vorwiegend weiblicher Nacktheit von Dutzendfotographen für billige Sexmagazine. Das Talent und die Kreativität machen den Unterschied aus, und vor allem auch der Betrachtungswinkel. Lassen Sie mich das anschaulich darstellen: Wenn ich ein Bild von Egon Schiele betrachte oder ein Foto von Klaus Ender, dann sehe ich die Nacktheit nicht vordergründig. Ich sehe die Stilmittel, ich sehe wie Farben oder Licht und Schatten eingesetzt worden sind. Und ich bin berauscht von der Wirkung eines solchen Kunstwerkes.
Wenn es um die fragwürdigen Bilder dieser fragwürdigen Aktion geht, sehe ich eigentlich nur unappetitlichen Aufnahmen, mit denen einmal mehr jemand im Namen der Kunst provozieren will, ohne im Grunde im Geringsten einem künstlerischen Anspruch zu genügen. Nein, Herr Springer, pornographisch sind Ihre Aufnahmen sicher nicht, das wäre wohl zu viel der Ehre, aber dafür billig und schmutzig. Aber vielleicht spiegeln diese Bilder Ihren ja privaten Geschmack wieder Was mich fast noch nachdenklicher machte als das Heraushalten der Roten aus einer Kunstdebatte sind wohl der Kultursprecher der Grünen, Wolfgang Zniggl und seine stoische Reaktion, der bei der Diskussion Viel Lärm um nichts ortet und lakonisch abschwächt, viele Werke der Kunstgeschichte seien frauenfeindlich
Na, solange es nicht mehr ist als frauenfeindlich ! In dem Zusammenhang würde mich wohl interessieren, wie Herr Zniggl solche Äußerungen vor den eigenen weiblichen Parteimitgliedern aufrecht halten beziehungsweise rechtfertigen will. Und vor potentiellen Wählern man wundert sich ohnedies kaum mehr, dass die Grünen in der Wählergunst stagnieren, wenn sie so wenig Gespür für die Menschen zur Schau tragen. Aber ungeachtet dessen haben wohl Herr Springer und seine Mitstreiter in jedem Fall erreicht, was sie eigentlich wollten: Schlagzeilen und öffentliches Interesse, und das ist in jedem Fall viel mehr als diese Aufnahmen wert sind
Vivienne
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