Neue Bohnen Zeitung


von Vivienne  –  Mai 2004



Süchtig

…süchtig.
I bin süchtig.
I bin richtig.
Nach dir süchtig….

Du kostest mich so viel Kraft.
Wie lange kennen wir uns jetzt?
So harmlos dieses eine Treffen…
Ein Treffen.
Dass sich binnen weniger Monate so auswuchs.
Ich wollte es gar nicht.
Nicht im Geringsten.
Nett.
Belanglos.
Das waren so meine Assoziationen zu dir.
Ich hab mir zuerst nicht einmal den Kopf zerbrochen.
Ob wir uns wieder sehen.
Nach der Sache mit Klemens.
Hatte ich ohnedies die Nase voll.
Von der Liebe.
Es ist nie leicht erkennen zu müssen.
Dass man nur die zweite Geige spielt.
Oder gar die Dritte.
Klemens hatte mich belogen.
Betrogen.
Und als Abwechslung in seinem Leben betrachtet.
Wichtig war für ihn nur gewesen.
Dass ich da war.
Wenn er Lust auf Abwechslung hatte.

Du warst da ganz anders.
Völlig anders.
Von dir ging die Initiative aus.
Hast dich um mich bemüht.
Hast mich angerufen.
Hast dich auf ein Treffen mit mir gefreut.
Warum auch nicht?
War ja alles ganz unverbindlich.
Ich wollte mich auch gar nicht verlieben.
Nicht im Traum.
In dich?
Aber nicht wirklich!

Ich muss verrückt gewesen sein.
Mein Innerstes.
Mein Unbewusstes.
Muss sich so gesehnt haben.
Nach Liebe.
Nach Zärtlichkeit.
Nach Geborgenheit.
Dass du fast wie die logische Antwort schienst.
Eine Antwort auf Gebete.
Die ich nie bewusst aussprach.
Ich hab mich nicht plötzlich in dich verliebt.
Mehr so allmählich.
Schleichend.
Fast wie eine chronische Krankheit.
Die man anfangs überhaupt nicht bemerkt.

Schließlich brach die Krankheit aus.
Wurde akut.
Ich weiß noch.
Mitten in einem harmlosen Gespräch mit dir.
Ich glaube, wir redeten über Wiedergeburten.
Errötete ich plötzlich.
Als du mich ansahst.
Ich spürte eine leise Flamme in meinem Bauch.
Wohlig und warm.
Sehr angenehm.
Gleichzeitig erschrak ein Teil in mir.
Weil ich es nicht wollte.
Aber im Grunde hatte ich es mir doch gewünscht.
Du schienst nichts bemerkt zu haben.
Ich ging nach Hause.
Zuerst mit widersprüchlichen Gefühlen.
Aber dann sagte etwas in mir.
Warum nicht?
Warum eigentlich nicht?
Zu meinen Gefühlen stehen?

Du wusstest genau.
Warum nicht.
Du wolltest einfach nicht.
Gesagt hast du mir nie warum.
Warum wirklich.
Weder damals noch später.
Aber unsere Treffen.
Unser Meinungsaustausch war dir wichtig.
Nach wie vor.
Und ich ließ mich ein darauf.
Sah dich immer wieder.
Nicht oft.
Aber regelmäßig.
Nach außen resignierend.
Es sollte einfach nicht sein.
Aber tief in mir die Hoffnung.
Du könntest deine Meinung ändern.
Irgendwann.

Unsinn.
Du wirst deine Meinung nie ändern.
Das weiß ich.
Wenn ich andere Leute treffe.
Freunde.
Bekannte.
Kollegen.
Liebe Menschen.
Ich liebe dich nicht.
Nicht im herkömmlichen Sinn.
Ich bin süchtig nach dir.
Und kann nicht loslassen.
Nicht im Geringsten.
Ich kann mir nicht erklären.
Warum gerade du es sein musst.
Du.
Und ich mich nicht lösen kann.
Ich dachte nicht, dass mir so etwas passieren kann.
Ich denke doch praktisch.
Bin so verständig.
Und hab für jeden einen guten Rat parat.

Aber von dir bringt mich nichts ab.
Und das kostet mich noch meinen Verstand.
Ich schlafe kaum noch.
Bin ich wirklich…
Anders…?
Ich wollte es nie bewusst.
Ich hab es nie darauf angelegt.
Aber ich brauch dich mehr denn je.

Beate.

Vivienne

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