Eine Ahnung vom Frühjahr
Ich steige aus dem Bus aus.
Schon nach halb acht Uhr abends.
Dunkel ist es.
Aber unerwartet warm.
Ich blicke nach oben.
Ein paar Sterne verstreut am Himmel.
Dazwischen die Mondsichel.
Sie liegt halb.
Als würde sie sich wiegen.
Wie in einer Wiege.
Und sie leuchtet jetzt, als wäre sie aus einem Edelstein geschnitten.
Ich mache mich auf den Heimweg.
Die Erde ist feucht.
Die Straße weiter vorne ist sogar richtig nass.
Es liegt an der Schneeschmelze.
Die Kanalisation kann hier die Schmelzwasser kaum fassen.
Aber ich muss mich nicht sorgen, dass ich rutsche.
Kein bisschen Eis.
Nur Wasser.
Man mag es kaum glauben.
Nach Monaten mit Eis, Schnee und Kälte.
Die Straße steigt an.
Sie ist wieder trocken.
Kaum mehr Schnee auf den Wiesen rund um mich.
Die Sonne war am Tag durstig.
Sehr
Vom nahen Bauernhof das Schreien einer rolligen Katze.
Es ist schmerzerfüllt.
Sehnsucht?
Auch Tiere sind nicht immun gegen die Liebe.
Wenngleich sie sie anders ausleben.
Ich widme mich wieder dem Sternenhimmel.
Er ist leicht trüb.
Nur ein Sternzeichen kann ich wirklich erkennen.
Orion.
Mit seinem berühmten Band.
Sanfte, dünne Wolkenstreifen ziehen über den Nachthimmel.
Tauchen ihn in eine unwirkliche Stimmung.
Ich lasse meine Gedanken schweifen.
Meine Erinnerung geht zurück.
Einige Jahre.
Harte Jahre.
Weniger schöne Erinnerungen.
Fast nebenbei bemerkte ich.
Meine Hände stecken nicht in den Jackentaschen.
Und ich trage keinen Schal.
Es ist warm genug.
Auch um diese fortgeschrittene Zeit
Die Straße führt wieder nach unten.
Die Siedlung grüßt mich mit ihren Lichtern.
Obwohl sie noch ein Stück weg ist.
Mein Schritt ist gemächlich.
Ich habe Zeit.
Niemand drängt mich.
Auch nicht die Kälte.
Niemand erwartet mich.
Auch nicht ich selbst.
In zehn Tagen ist Ostern.
Die Zeit eilt dahin.
Je älter man wird, desto schneller.
Und man erfreut sich noch mehr an solchen Abenden wie heute.
Die den Zauber des Lebens in sich tragen.
Die Mondsichel beherrscht nun den ganzen Himmel.
Ihr Licht ist milde.
Wie der Schein einer Kerze.
Erneut ziehen Wolkenstreifen durch.
Man scheint das Frühjahr greifen zu können.
Wie eine sanfte Woge legt es sich über das Land.
Unaufhaltsam
So hart mag kein Winter sein.
Dass nicht irgendwann die Wärme siegt.
Früher oder später.
So wie im Leben