Warum lässt du mich nicht los? – Gedankensplitter

Wie geht es dir da oben?
Ich denke oft an dich.
Wirklich.
Und frage mich.
Hätte ich dich halten können…?
Abhalten…
Ich wüsste es gern.
Ich trage die Schuld schwer.
Ich hätte es ahnen müssen.
Obwohl.
Gesagt hast du niemandem etwas.
Wer ahnte schon?
Wie es in dir aussieht?
Ich ahnte es nicht.
Und doch.
Du warst so still geworden.
Unglaublich ruhig.
Und deine Augen…
So voller Trauer…
Warum hast du nichts gesagt?
Wir hätten reden können.
Einfach.
Eine Stunde.
Eine Nacht.
Was ahnte ich schon, dass du sie so schwer nimmst.
Diese Frau, die dich nicht liebte.
Was wusste ich, wie allein du bist.
Und wie verlassen…

Du hast mich allein gelassen.
Mit dieser Last.
Dabei hab ich dir nie etwas getan.
Ich weiß nicht, ob wir Freunde waren.
Wir hätten Freunde werden können.
Aber dass du einfach gehst.
Dass du springst.
Dass du alles hinter dir lässt.
Und dass dich nichts mehr.
Nichts am Leben hält.
Das habe ich nicht geahnt.
Was wusste ich schon von dir.
Gar nichts.
Du hast nie viel geredet.
Und du warst sehr klug.
Und voll Bedacht.
Darum verstand ich auch nicht
Warum du sterben wolltest.
Aus dem Leben zu schleichen.
Das ist doch keine Lösung.
Hättest du das nicht auch gesagt?
Aber du hast es getan.
Und ich verstehe es noch immer nicht…

So stehe ich an deinem Grab.
Ich rede mit dir.
Obwohl du tot bist.
Und ich hoffe du hörst mir zu.
Wo immer du auch jetzt bist.
Ich stelle es mit kalt in deinem Grab vor.
Kalt und dunkel.
Obwohl ich weiß.
Dort bist du nicht mehr.
Nur was von dir geblieben ist…
Ich weiß nicht.
Warum gerade ich mich schuldig fühle.
Die anderen haben nur den Kopf geschüttelt.
Als wir es erfuhren.
Nicht mehr.
Aber ich musste seither an dich denken.
Immer wieder.
Ich sehe dich wieder vor mir.
Als würdest du noch leben.
Warum sagst du nichts?
Warum gibst du mir  kein Zeichen?
Sag…
Warum lässt du mich nicht los…?

Vivienne/Gedankensplitter

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