Ich schlendere durch den Adventmarkt.
Gedankenverloren…
Träume vor mich hin.
Spinne Geschichten.
Wie ich es öfter tue.
Wie ich es gern tue.
Schlendere von Stand zu Stand.
Der Vollmond.
Gespenstisch schön am Himmel.
Wolkenumflankt.
Und ich friere.
In die Hände.
Es wird doch kälter.
Ich bleibe stehen.
Mustere die Ware.
Der Stand ist geschmückt.
Glitzernde Sterne.
Künstliche Kerzen.
Dazu der leise Ton von einem Windspiel.
Neben mir eine Frau.
Ich beachte sie kaum.
Bis ihr Blick meinen trifft.
Zufällig.
Und es sticht mich.
In der Seele.
Ist sie das?
Ich mustere sie.
Verstohlen.
Zwei kleine Kinder.
Die hat sie an der Hand.
Links und rechts.
Und sie muss in meinem Alter sein.
Denn ich habe sie erkannt…
Schulkollegen!
Was war sie nicht ein nettes Mädel!
Sympathisch.
Klug.
Und sehr ruhig.
Obwohl sie auch anders konnte.
Fröhlich.
Lebensbejahend…
Die Brille.
Die trägt sie noch immer.
Aber auch Kummerfalten.
Um die Augen.
Um den Mund.
Mitgefühl.
Es steigt in mir auf.
Und dass das Leben sie gebrochen hat.
Die Kinder.
Vielleicht gar nicht von ihr.
Und gealtert.
Ein wenig vor der Zeit.
Das Leben.
Es hat ihr den Stempel aufgedrückt.
Das Leben.
Und wohl so mancher Mensch…
Ob sie mich erkannt hat?
Ein Teenager bin ich auch nicht mehr.
Mich hat das Leben auch gezeichnet.
Nicht durch Falten.
Eher durch Härte.
Im Blick.
Und durch meine Kilos.
Sie würde wohl erschrecken.
Wenn sie mich erkennen würde…
Da ein Gruß von ihr.
Sie hat mich erkannt.
Und wir reden.
Belangloses.
Während wir eintauchen.
In unsere Jugend.
In unsere Kindheit.
Acht Jahre.
Wir besuchten dieselbe Schule.
Neugierig auf das Leben.
Neugierig und begierig.
Träume.
Sie wurden zerschlagen.
Scherben.
Die sich nie mehr kleben lassen.
Leise Resignation.
Als wir die Hände drücken.
Zum Abschied…
Das Leben.
Es nimmt uns viel von dem.
Was wir uns wünschen.
Und dass es uns nicht bestimmt war.
Das macht die Sache nicht leichter…
Vivienne/Gedankensplitter