Du lässt dich tragen – Gedankensplitter

Du hattest es nie leicht.
In deinem Leben.
Von Kindesbeinen an.
Schläge.
Nöte.
Und richtige Not.
Mangel an allem.
Ganz besonders.
Mangel an Liebe…
Und immer die falschen Menschen.
Um dich.
Die nicht gut zu dir waren.
Die dich ausnutzten.
Die dir weh taten.
Ein Leben.
Ein Albtraum.
An den sich Kummer um Kummer reihte.
Du hast geraucht.
Du hast getrunken.
Und manches mehr geschluckt.
Und neulich.
Da hast du dir die Pulsadern aufgeschnitten.
Weil du nicht mehr wolltest.
Weil du nicht mehr konntest…

Ich wollte dir Freund sein.
Immer wieder.
Ein Freund.
Der dir die Hand hält.
Und dir zuhört…
Der gut zu dir ist.
Und ehrlich gesagt.
So wichtig war ich dir nie.
Ich fühlte es.
Ich sah es.
Du hast dein Herz an die gehängt.
Die dir nicht gut waren.
Nein.
Mich hast du nicht gebraucht.
Erst jetzt.
Wo du auf der Psychiatrie liegst.
Mit verbundenen Armen.
Jetzt brauchst du mich.
Mehr als das.
Ich soll dir nicht helfen.
Ich soll dich tragen.
Denn du willst nicht mehr gehen.
Du lässt dich gehen.
Und du merkst nicht.
Wie du passiver wirst.
Kraftloser.
Und lebensuntüchtiger…

Du lässt dich tragen.
Du sagst.
Du bist zu schwach zu gehen.
Du lässt dich tragen.
Und du merkst nicht.
Dass du immer schwächer wirst.
Je weniger du gehst.
Du lässt dich tragen.
Und du erkennst nicht.
Die Kraft zum Gehen.
Die bekommst du nur.
Wenn du anfängst zu gehen.
Schritt für Schritt.
Wenn du dein Leben richtest.
Dein Leben formst.
Und neu anfängst.
Ganz von vorne…
Aber du lässt dich tragen.
Und du wirst müder.
Jeden Tag.
Wehleidiger.
Selbstmitleidiger.
Je mehr ich dich stütze.
Je mehr du dich auf mich verlässt.
Desto mehr wirst du straucheln.
Und nie mehr aufstehen.
Du wirst wieder trinken.
Du wirst laut jammern…
Und du wirst nie die werden.
Die du sein könntest.
Wenn du es versuchen würdest.
Endlich…

Du willst nicht mehr.

Vivienne/Gedankensplitter

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