Jedermanns Idiot – Gedankensplitter

Du fühlst dich nicht gut.
Wie oft.
Verraten und verkauft…
Wie war das neulich in der Arbeit?
Gehaltskürzung.
Vielleicht auch Kurzarbeit.
Und deine Frau.
Sie sah dich an.
Wütend.
Dass du dir das gefallen lässt!
Du musst aufstehen!
Kämpfen!
Wir brauchen das Geld!
Der geplante Urlaub nach Griechenland…
Wie soll sich der noch ausgehen?
Eines haben sie gemeinsam.
Dein Chef.
Und deine Frau.
Sie hacken auf dir rum.
Sie schreien mit dir.
Und sie halten nichts von dir.
Gar nichts.
Du kannst es ihnen nicht recht machen.
Nie.
Du willst keinen Verdruss.
Du bemühst dich zu verstehen.
Beide Seiten.
Aber gerade deshalb.
Kommt der Ärger zu dir.
Immer wieder…

Du rauchst.
Gierig saugst du den Rauch ein.
Er beruhigt dich.
Ging es dir nicht immer so?
Dass man rumtrampelte auf dir?
Dass man dich behandelte?
Wie den letzten Dreck?
Du bist gutmütig.
Viel zu gutmütig.
Du suchst den Kompromiss.
Und damit eckst du an.
Man tritt dir auf die Füße.
Man stichelt.
Und man demütigt dich.
Wenn du dich einmal wehrst.
Wenn du laut wirst.
Dann schießt du übers Ziel hinaus.
Dann gehst du zu weit.
So wie die Ohrfeige gestern.
Für deine Frau.
Als ihr gestritten habt.
Wegen des Urlaubs…
Du hast sie geschlagen.
Weil du es nicht mehr ertragen hast.
Ihr Keppeln.
Sie ist weg.
Seither.
Und dir geht es gut.
Ganz gut sogar.
Sie hat dich genervt.
Nur mehr.
Und was du getan hast.
Was du dich bemüht hast.
Es war nie gut genug.
Für sie.
Sie wollte immer mehr…
Seltsam.
Du hattest immer solche Frauen.
Die sich Diamenten wünschten.
Aber denen du nur eines schenken konntest.
Ein beschauliches Glück.
Doch sie wollten es nicht.
Sie wollten mehr.
Und du warst der Idiot.
Der sich alles gefallen ließ.
Der nie aufmuckte.
Und den die Frauen verlacht haben…

Wenigstens ist sie weg!
Deine Frau!
Endlich!
Eine Erlösung!
Der Krampf in der Arbeit.
Er reicht dir.
Für’s erste.
Aber du kommst über die Runden.
Und auf den Urlaub scheißt du.
Du lachst.
Bitter.
Deine Ex.
Sie wird schon einen finden.
Der mit ihr fliegt…
Der Schmerz.
Er kommt überraschend.
Aus dem Hinterhalt.
Er überfällt dich.
Und du schluchzt.
Manchmal.
Da möchtest du nicht mehr sein.
Du willst doch nur deinen Frieden.
Du tust niemandem etwas.
Aber gerade das…
Es macht dich angreifbar.
Ein Arschloch müsstest du sein!
Ein Charakterschwein!
Dann wären sie vorsichtig.
Bei dir.
Und sie ließen dich in Ruhe…

Vivienne/Gedankensplitter

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