Lebkuchen – Gedankensplitter

Ich liebe Lebkuchen.
Ganz besonders.
Am liebsten zum Kaffee.
Wieder ein Stück.
Ich seufze entzückt.
Lasse das Gebäck.
Auf meiner Zunge zergehen…
Eine kalte Nacht ist angebrochen.
Morgen Spätdienst.
Da kann ich liegen bleiben.
Das ist gut für mich.
Nachtvogel.
Der ich bin!
Ich bin wieder einer.
So wie früher.
Bevor ich zerbrochen wurde.
Bevor ich es fast wurde…
Ich ergriff die Flucht.
Als ich am Boden lag.
Kraftlos.
Befreiungsschlag.
Aus der Defensive.
Wie im Tennis…

Der Albtraum.
Er ist vorbei.
Ich werde sie nie mehr sehen.
Sie.
Die mir so zusetzten.
Und doch.
Manchmal.
Da packt mich die kalte Wut.
Hass.
Richtiger Hass.
Für Demütigungen.
Erniedrigungen.
Für Falschheit.
Und für Anmaßung.
Ich stehe auf.
Trete ans Fenster.
Kein Stern am Himmel.
Und die Mondsichel.
Die mir noch leuchtete.
Am Morgen.
Sie ist versteckt.
Ich gebe es zu.
Ich hasse.
Und sie würden wohl umfallen.
Schon bald.
Alle.
Wenn alles wahr werden würde.
Was ich ihnen sende…
Besonders einer.
Ein Mann.
Ist halt immer der bessere Mensch?
Nicht wahr?
Überlegen.
Klug.
Rational.
Umsichtig…

Noch ein Stück Lebkuchen.
Damit ich mich beruhige.
Damit die Bitterkeit schwindet.
Nicht aufregen!
Sag ich mir.
Nicht aufregen!
In mir gärt es.
Und nun.
Sucht sich alles ein Ventil.
Es muss heraus.
Aus mir.
Damit es wieder gut werden kann.
In mir.
Schön.
Und ruhig.
Damit.
Meine Seele gesund wird.
Ein ruhiger See.
In dem sich die Sonne spiegelt.
Damit ich wieder lachen kann.
Unbeschwert.
Damit ich wieder an das Gute glaube.
Und an Menschen.
Die mir Gutes wollen.
Wirklich Gutes.
Nicht was sie gut finden.
Für mich…
Ich beiße in den Lebkuchen.
Wenn mir das Leben.
Wieder so gut schmeckt.
Wie dieser Lebkuchen…

Vivienne/Gedankensplitter

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