Das Fenster zum Gemüsegarten

Auch Jahre später sah er sie oft noch am Fenster stehen.
Obwohl sie nicht mehr hier wohnte.
Längst nicht mehr.
Aber seine Fantasie gaukelte es ihm vor.
Trotzdem.
Manchmal stand sie immer noch da.
Nackt.
Mit ihrer dunklen, lockigen Mähne.
Der leicht oliv getönten Haut.
Und diesem unwiderstehlichen Lächeln.
Aus vollen Lippen.
Wie hieß sie noch?
Margot.
Richtig.
Ein hübsches Mädchen.
Mitte zwanzig.
Oder so.
Und dass er in ihr Schlafzimmer sehen konnte.
Nachdem der alte Kirschbaum umgeschnitten worden war.
Das war Zufall gewesen.
Oder besser gesagt.
Ein echter Glücksfall…
Und Margot hatte nichts davon geahnt.
Und falls doch…
Dann musste es ihr egal gewesen sein.
Vielleicht hatte sie ihren Körper einfach gerne hergezeigt.
Stolz und selbstbewusst.
Die großen, festen Brüste.
Die langen Beine.
Die weiblichen Formen.
Die er so liebte…
Ihre Konturen waren sanft gerundet.
Und nicht wie bei diesen knochigen Mädels.
Die überall herumliefen.
Nein.
Margot war einfach schön.
Und wirkte auf ihn so unglaublich erregend…
Oft stand sie eine halbe Ewigkeit am Fenster.
Dass er meinte jede Pore ihres Körpers zu kennen.
Gut, dass er beim Aufräumen den Feldstecher gefunden hatte.
Der musste noch seinem Vater gehört haben.
Und so hielt er sich im Sommer oft hier auf.
Mit klopfendem Herzen.
Und wartete.
Dass Margot heimkam.
Dass sie sich auszog.
Quasi vor seinen Augen.
Und dann in den Gemüsegarten blickte.
Versonnen.
Verträumt.
Er vermochte den Blick nicht klar zu deuten.
Aber bald kannte er jede Rundung ihres Körpers.
Unbeschreiblich sexy.
Und er wusste genau.
Wann sie gut gelaunt war.
Und wann nicht.
Einfach an der Art, wie sie sich bewegte…

Manchmal kam ein groß gewachsener Mann in das Haus.
Immer abends.
Er war blond.
Mit einem buschigen Schnurrbart.
Er mochte ihn nicht besonders.
Aber das lag an seiner Eifersucht.
Denn dieser Mann durfte Margot in den Arm nehmen.
Und er küsste sie.
Ihre weichen Lippen.
Jeden Zentimeter ihres Körpers.
Er durfte sich an ihr reiben.
Und er öffnete ihre Schenkel.
Und brachte sie zuerst zum Stöhnen.
Und dann zum Schreien.
Schweißnass war er oft.
Wenn er die beiden beobachtete.
Wenn Margot diesen Kerl schon nackt empfing.
Mit glücklichem Gesichtsausdruck.
Und Leidenschaft im Blick.
Er glaubte manchmal wahnsinnig zu werden.
Wenn er ihnen beim Liebesspiel zusah.
Sein Puls raste oft.
Aber er konnte sich nicht abwenden von ihr.
Von den beiden.
Aber nicht selten reagierte sein Körper.
Wenn er die beiden beobachtete.
Einmal als sein Rivale sich an ihren Brüsten festsaugte.
Und Margots Mund sich öffnete.
Und ihre Zunge sich über die Lippen leckte.
Mit halb geschlossenen Augen.
Rebellierte sein Penis.
Als wäre er mitten im Geschehen.
Als wäre er Teil des Liebesspiels.
Mein Gott, er liebte Margot.
Und er wäre gern an der Stelle des anderen Mannes gewesen.
Seines Rivalen…
Er nannte ihn schon seinen Rivalen.
Obwohl er diesen Kerl doch gar nicht kannte.
Und auch mit Margot nicht wirklich bekannt war.
Aber er liebte sie.
Er verzehrte sich nach ihrem Körper.
Sehnte sich nach ihren Berührungen.
Und davon, sie in seine Arme zu nehmen…
Nachts schlief er schlecht.
Träumte von ihr.
Dass sie ihn besuchte.
In einem langen, dunkeln Umhang.
Den sie dann achtlos wegwarf.
Um sich nackt vor ihm nieder zu knien.
Und den Schlitz seiner Hose zu öffnen.
So dass diese zu Boden glitt…
Dann saugte sich Margot fest an seinem Penis.
Stimulierte ihn.
Mit ihren Lippen.
Mit der Zunge…

Seine Träume waren sich immer ähnlich.
Margot war seine willige Geliebte.
Die sich ihm gerne hingab.
Die ihn verwöhnte…
Und die genau wusste.
Was er sich wünschte.
In seinen geheimen Träumen..
Eines Tages beschloss er einmal zu ihr zu gehen.
Er musste einmal mit ihr reden.
Sie kennen lernen.
Seine Frau sah ihn immer öfter merkwürdig an.
Er hatte sich verändert.
Aber noch ahnte sie nichts von seinen Beobachtungen.
Mit Blick auf den Gemüsegarten.
Noch nicht…
Und diesen Abend nahm er sich ein Herz.
Er läutete bei ihr unten.
Als er von der Arbeit nach Hause gekommen war.
Einmal.
Zweimal.
Schließlich drückte er die Türklinke herunter.
Die Tür war nicht verschlossen.
Er trat ein.
Sah sich um.
Neugierig.
Und doch auch ängstlich.
Würde ihm Margot entgegen kommen?
Würde sie ihn anschreien?
Schließlich war er einfach ins Haus gegangen.
Und das gehörte sich nicht.
Allerdings.
Dass er ihr ständig zusah.
Wie sie nackt herumlief.
Wie sie ihren Liebhaber befriedigte.
Das gehörte sich doch auch nicht…
Oder?
Er ging die Treppe hoch.
Und stand in Margots Schlafzimmer.
Es war leer.
Margot musste fort gefahren sein.
Das kam selten genug vor.

Er sah sich um.
Die Perspektive war ihm neu.
Er kannte den Raum genau.
Aber von der Warte seines Beobachtungsfensters aus.
Das große Bett mit der roten Bettwäsche.
Der Schminktisch mit dem Spiegel.
Der Kleiderkasten.
Alles war ihm vertraut.
Und doch irgendwie fremd.
Ein paar Fotos lagen auf einer Kommode.
Sie zeigten alle Margot.
Auf einem war sie nackt.
Bis auf eine Kette mit einem großen Anhänger.
Er hob das Bild hoch um es zu betrachten.
Seine Hände zitterten.
Margots Körper war wunderschön.
Und in diesem Moment schien sie ihn anzulachen.
Ihn ganz allein.
Und ihm wurde schwindlig.
Dann steckte er das Foto ein.
Mechanisch.
Wenn Margot schon selber nicht hier war.
Dann sollte sie wenigstens immer da sein.
Bei ihm.
Auf diesem Bild…
Er war benommen, als er das Haus verließ.
Er konnte kaum klar denken.
Margots Parfüm schien überall in der Luft zu liegen.
Leicht und blumig.
Selbst in der Küche.
Wo ihm seine Frau das Abendessen hingestellt hatte.
Schweigend aß er.
Aber seine Hände zitterten.
Wenn er an das Foto in der Brusttasche dachte…

Vivienne

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