Helmpflicht auf Schipisten

Nachdem dem schweren Schiunfall des Thüringischen Ministerpräsidenten Althaus, bei dem eine andere Schiurlauberin tödlich verletzt worden war, werden die Rufe nach Helmen für Schifahrer und strengeres Vorgehen gegen Rowdies immer lauter. Ohne im Falle des deutschen Politikers gegen irgendeine Richtung eine Schuldzuweisung auszusprechen, muss gesagt werden, dass auf Schipisten auch immer unter den Freizeitsportlern Ausnahmen wüten, die meinen, die Welt – pardon, die Schipiste würde ihnen gehören und sich dementsprechend verhalten. Das verpflichtende Tragen von Helmen würde gerade bei Kindern die Gefahr schwerer oder gar tödlicher Verletzungen etwas verringern. Andererseits – es bleiben die Rowdies, die keine Pistenregeln anerkennen in ihrer üblen „Ich-bin-ich-Mentalität. Bedauerlicherweise, wie ich zugeben muss. Mir fallen nämlich durchaus Bereiche ein, in denen man ebenso scharf gegen ähnlich geartete Rowdies vorgehen müsste.

Ich spreche dabei von unseren Straßen, vorzugsweise in der Innenstadt, und nein, ich meine nicht unsere Autofahrer, ich denke dabei gezielt an die Radfahrer. Radfahrer sind für Fußgänger fast noch gefährlicher wie rücksichtslose Autofahrer. Sie ignorieren Verkehrsregeln fast bei jeder Gelegenheit, bleiben nicht auf den für sie gekennzeichneten Fahrwegen und ihre Fahrräder weisen oft sträfliche Mängel auf, die sich kein Autofahrer bei seinem Fahrzeug erlauben dürfte. Ganz ehrlich, liebe Leser, ich fühle mich in der Stadt von Radfahrern weit mehr bedroht als von Autofahrern: man hört sie nicht, man sieht sie oft nicht, weil sie unerwartet hinter irgendwelchen parkenden Fahrzeugen hervorpreschen oder weil ihnen die Beleuchtung fehlt. Dazu kommt, dass man von den übelsten der Spezies meist auch noch unflätig beschimpft wird, wenn man sich – vermeintlich – als „Verkehrshindernis“ erweist. Merke: schuld ist nie der Radfahrer, weiß Gott nicht, schuld ist nur der Fußgänger. Warum steht er denn auch da?

Ähnlich denkt wohl mancher Pistenrowdie, der bei der Schussfahrt einen anderen (oder gar mehrere) Schifahrer zu Fall bringt. Man könnte durchaus Parallelen ziehen zwischen den schwarzen Schafen beider Spezies: Rowdies auf Rädern wie Rowdies auf der Piste halten sich an keine Gebote, verhalten sich extrem rücksichtslos gegenüber den anderen und ihnen fehlt auch jedes noch so kleine Gespür für das Inakzeptable ihres Verhaltens. Und beiden Gruppen (und wie gesagt: ich spreche von den schwarzen Schafen!) wird wohl nicht einfach an den Pelz zu rücken sein, denn wie schwer ein Radfahrer, der sich rücksichtslos durch eine Fußgängergruppe auf einer Kreuzung durchschlängelt, aufzuhalten ist, konnte ich erst vor ein paar Wochen selber erleben. Die Frau auf dem Drahtesel hatte mich auf der Mozartkreuzung übersehen, hätte mich beinahe zu Boden gerissen und zerfetzte mir dabei das Einkaufssackerl bis zur Unkenntlichkeit. Statt stehen zu bleiben und vielleicht zu fragen ob etwas passiert wäre, trat die Frau nach einem kurzen Blick nach hinten feste in die Pedale und verschwand in den Menschenmassen auf der Straße.

Glück gehabt, damit meine ich nicht mich, sondern die Frau. Hätte ich sie erwischt, wäre ihr wohl eine Tracht Prügel sicher gewesen. Mit dem Ergebnis, dass sie dann wohl ein paar Wochen nicht auf ihrem Fahrrad sitzen hätten können… Aber Scherz beiseite: Sie wissen wohl selber, liebe Leser, dass solchen Radfahrern nur schwer beizukommen ist. Man müsste die Gesetzesgeber gegen diese Übeltäter massiv mobilisieren: Fahrverbot im Winter auf den Straßen, zumindest aber von Mitte November bis Mitte März, das Pickerl für Räder genau wie eine Art Kennzeichen, das nicht nur bei Diebstahl gewissen Schutz bietet sondern auch hilft, Rowdies zu entlarven. Und massive Geldstrafen für Rowdies bzw. verpflichtende (Haftpflicht-)Versicherungen für deklarierte Dauerradler (ähnlich wie bei den Autofahrern, inklusive Bonus-Malus-System) könnten zumindest so manchen durchaus von etlichen Verkehrsvergehen abhalten.

Auch auf der Piste würden sich Zusatzversicherungen anbieten, da aber ganz besonders auch zum Schutz der verletzten bzw. niedergefahrenen Schifahrer. Und warum auch nicht mehrfach negativ in Erscheinung getretene Pistenrowdies österreichweit den Zugang zu den Pisten verwehren? Zumindest eine Überlegung Wert, meine ich. Schade, dass man oft gravierenden Vergehen nicht anders Herr werden kann als durch radikale Maßnahmen gegen eine Gruppe von Freizeitsportlern, deren Missetäter man im Speziellen treffen möchte. Aber offensichtlich braucht das der Mensch, denn, wenn er auch grundsätzlich durchaus einsichtig und verständnisvoll agiert, einzelne muss man wohl bis an ihr Lebensende kontrollieren wie kleine Kinder, weil sie es nie kapieren: sei es auf der Straße wie auf der Piste…

© Vivienne

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