Liebeskrank – Teil 38

Der Arzt misst meinen Blutdruck.
Etwas niedrig.
Aber gerade noch in Ordnung.
Geht es Ihnen gut?
Ich denke nach.
Im Wesentlichen schon.
Aber gestern hatte ich Streit mit einer Freundin.
Sehr heftig sogar.
Ich hatte Angst, ich könnte wieder kollabieren.
Der Arzt nickt freundlich.
Ihrem Baby geht es gut.
Das Ultraschallbild ist sehr schön.
Zeigen Sie es Ihrem Freund.
Er wird sich freuen.
Als ich aus der Praxis gehe, muss ich lächeln.
Ich sehe mir das Ultraschallbild noch einmal an.
Unser Baby.
Ich zieh das Handy aus der Tasche.
Plaudere kurz mit Frank.
Er klingt erleichtert.
Ich weiß, dass er sich Sorgen gemacht hat.
Gut, dass ich diese Woche nach den ersten Feiertagen frei habe.
Ich kann mich schonen.
Kraft schöpfen.

Ich sehe mich in einer Bücherhandlung um.
Kindererziehung.
Kein Wunder, dass mich der Titel so angezogen hat.
Nach einer Weile habe ich ein merkwürdiges Gefühl.
Als ob mich jemand beobachtet.
Ich drehe mich um.
Gaby steht hinter mir.
Mit tränenroten Augen.
Sie ist sehr blass.
Du hattest Recht.
Sie hat die stumme Frage in meinen Augen gelesen.
Er hat mich verlassen.
Weil du uns nicht mehr sehen wolltest.
Und damit ihn…
Zehn Minuten später sitzen wir in unserem Café.
Fast wie früher.
Nur dass ich Tee trinke.
Gaby schnäuzt laut.
Sie kann ihre Tränen kaum unterdrücken.
Ich habe es die ganze Zeit geahnt.
Aber ich wollte es nicht wahr haben.
Er hat mich benutzt.
Ähnlich wie er dich zwei Jahre benutzt hat.

Ich beobachte sie.
Hilfloses Geschöpf.
Manchmal wird ihr Körper von krampfartigem Schluchzen geschüttelt.
Tut sie mir leid?
Ich frage mich das immer wieder.
Später sehen wir das Ultraschallbild von unserem Baby an.
Gaby erkundigt sich interessiert.
Weiß du schon, was es wird?
Ich schüttle den Kopf.
Es ist mir egal.
Hauptsache gesund.
Frank denkt genau so.
Wir wollen es gar nicht wissen…
Die Zeit vergeht.
Mit ein paar Babybüchern mache ich mich auf den Weg zu Franks Firma.
Gabys Augen blicken traurig.
Es tut mir Leid.
Ich drücke ihre Hand.
Schon ok.
Wirklich ok?
Es ist wohl nicht zu ändern.
Zerschlagenes Geschirr.
Wir werden es zusammenkehren.
Und neu anfangen.

Frank kommt mir vor der Firma schon entgegen.
Wir umarmen uns fast mitten auf der Straße.
Die Gedanken an Gaby schiebe ich in diesem Moment weg.
Frank zieht die Stirne in Falten, als ich ihm später von Gaby erzähle.
Und von Gabriel.
So ein A…loch.
Ich fasse es nicht.
Er hat sie fallenlassen wie eine heiße Kartoffel.
Weil er durch sie an dich herankommen wollte.
So ein Verrückter.
Aber irgendwas muss er haben…
Franks glänzende Augen bekommen einen schelmischen Ausdruck.
Die Frauen verfallen ihm reihenweise.
Obwohl er sie gar nicht will.
Da war doch noch jemand…
Wie hieß sie bloß?
Ich zwicke Frank in den Arm.
So boshaft!
Aber Franks blaue Augen leuchten wie prachtvolle Türkise.
Dieser Mann liebt dich!
Sagen sie mir.
Wer könnte da zweifeln…
…auch wenn er bisweilen ein wenig in den Tiegel mit Ironie greift?

Abends liegen Frank und ich im Bett.
Er schläft schon eine Weile.
Ich selber hänge noch meinen Gedanken nach.
Frank hat mir ein neues Handy besorgt.
Eine neue Nummer.
Auch Gaby werde ich diese Nummer nicht so schnell geben.
Sicher ist sicher.
Der Geist ist willig…
…aber das Fleisch ist schwach.
In fünf Monaten kommt unser Kind.
Kaum zu glauben.
Und wir werden beginnen, unser Kinderzimmer einzurichten.
Ein kleiner Engel tanzt vor meinen Augen bevor ich einschlafe.
Er ist blond und hat Franks blaue Augen…

© Vivienne

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